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Samstag den 30. August

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Erscheint läßlich mit A«Snahme des ötonttg*

»nreatt : Schulsiraße 7.

Gießen, am 28. August 1384.

Prei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Politische Ueberficht.

Gießen, 29. August.

Kaiser Wilhelm erfreut sich zu Babelsberg auch nach der Rückkehr aus der Sommersrische des besten Wohlseins. Er wird sich es auch in diesem Jahre nicht nehmen lassen, an den bevorstehenden Manövern persön­lichen Antheil zu nehmen, nur wird er den Truppen-Uebungen nicht mehr zu Pferde sitzend beiwohnen, sondern sich eines dazu bequem hergerichteten offenen Wagens bedienen. Was seine Begegnung mit dem Kaiser von Rußland anbe- langt so zweiselt man nicht mehr daran, daß dieselbe in den ersten September- Tagen stattfinden wird, obschon über den Ort der Entrevue auch jetzt noch nichts Bestimmteres verlautet. c ,

Die Tause des jüngsten Sohnes des Prrnzen und der Pren- zessin Wilhelm von Preußen, welche am 31. dS. stattsinden sollte, ist wegen dec Erkrankung der Prinzessin Wilhelm bis auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Bulletins über dar Befinden der hohen Patientin lauten im Allgemeinen beruhigend, der Scharlach-Ausschlag verbreitet sich in regelmäßiger Weise und ist erfreulicher Weise auch keine Steigerung des Fiebers zu constatcren.

Aus Varzin kommen private Nachrichten, denen zufolge sich Fürst Bismarck heg besten Wohlbefindens erfreut. Der Reichskanzler hat auch in den Parlaments-Ferien sich auf seinem Sommersitze zunächst nur wenig Er- holung zu gönnen vermocht. Er hat der Entwickelung, bte sich gegenwärtig am Conqo vollzieht, die ernsthafteste Aufmerksamkeit gewidmet, der blSherlge Verlaus der egyptischen Frage ist von ihm gelenkt worden und den Abmachungen zwr- schen der englischen Regierung und der Cap-Colonie gegenüber ist er nicht lheilnahmlos geblieben. Die Conferenz mit Gras Ralnofp kam hinzu, welche von Neuem das Einvernehmen der beiden mitteleuropäischen Kaiserstaaten besie­gelte und in der jüngsten Zeit ist die Thätigkeit des leitenden deutschen Staats­mannes augenscheinlich auch durch die sranzösisch - chinesische Streit - Affcure m Anspruch genommen worden? daraus deutet wenigstens der Besuch, welchen der französische Botschafter de Courcel am Dienstag dem Fürsten Bismarck m Varzin abgestattet hat, hin. Man bringt diesen Besuch mit einer Vermittler­rolle, welche Deutschland in dem Streite zwischen Frankreich und China angeb­lich zugedacht sein soll, in Verbindung und obwohl hierüber noch keine näheren Mittheilungen vorliegen, so ist es doch nicht unwahrscheinlich, daß der deutsche Reichskanzler seinen mächtigen Einfluß zu Gunsten einer Vermittelung zwischen Frankreich und China geltend machen wird.

Das Ableben des englischen Botschafters in Berlin, Lord Ampthill, hat in den diplomatischen Kreisen Berlins und auch darüber hinaus allgemeine Thellnahme erregt. Ein Unterleibs-Leiden hat dem verdienten Diplo­maten welcher England seit 13 Jahren bei der deutschen Regierung vertrat, nach nur kurzer Krisis ein plötzliches Lebensziel gesetzt. In dem dahingeschiedenen Botschafter starb seinem Vaterlande einer der bedeutendsten Staatsmänner und auch an dem Berliner Hofe wird man seinen Tod lebhaft beklagen, gerade in dem gegenwärtigen Momente, da Lord Ampthill es stets verstanden hatte, gute Beziehungen zwischen den Cabineten von London und Berlin zu unterhalten. Sein Haus war ein Stützpunkt edelster Geselligkeit und unter den diplomatischen Salons der Reichs-Hauptstadt jedenfalls der erste; es braucht woht kaum gesagt

ic Heuer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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zu werden, daß die kaiserlichen Majestäten und fämnitliche Mitglieder des Kaiser- Hauses den innigsten Antheil an diesem Todesfall nehmen.

Professor Heinrich Brugsch, aus dessen Feder wir die überaus fesselnde SkizzeDer Cholera-Mann" veröffentlichen, geht in einer politischen Mission wieder nach dem Oriente gegen Ende September. Gleichzeitig steht die Ernennung des berühmten Egyptologen zum Geh. Legationsrath bevor.

lieber eine politische Kundgebung des Großherzogs von Baden, welche allseitig in Deutschland und Oesterreich freudige Zustimmung finden wird, ist Folgendes zu berichten; Bei dem Festmahle des deutsch-österreichischen Alpen- vereinr in Konstanz erwiderte der Großherzog von Baden in längerer Rede das auf ihn ausgebrachte Hoch, indem er seiner Theilnahme an den Interessen und Bestrebungen der Alpenvereine Ausdruck gab. Nach dem Berichte der amt- lichenKarlsr. Ztg." schloß er dann mit dem Hinweis aus zwei hohe ehrwür­dige Spitzen, denen gegenüber auch die geübtesten Bergsteiger sich bescheiden müßten, in ehrfurchtsvoller Betrachtung zu verharren.Ich meine", fuhr der Grobherzog fort,die Spitzen der beiden Reiche, Deutschland und Oesterreich, aus denen so viele Angehörige hier vereinigt sind. Ich fordere auf zu einem freudigen Hoch aus die Kaiser von Deutschland und Oesterreich mit dem Wunsche, es möge deren Freundschaft so sest begründet sein, als die Alpen begründet sind, welche wir bei hellem Sonnenschein von hier zu sehen gewohnt sind; es möge aus dieser Freundschaft den Völkern beider Reiche auch fortan der Frieden erblühen, welcher der Sonnenschein ist, der ihre Wohlfahrt dauernd zu sichern vermag." Ein nicht enden wollendes Hoch erscholl sodann auf bie Kasier Wilhelm und Franz Joses, und die Musik spielte die beiden Naiwnal-Hymucn.

In Frankreich hat man selbstverständlich nur für die kriegerischen Ereignisse an der chinesischen Küste Auge und Ohr. Mit besonderer Ungeduld sieht man den weiteren Nachrichten von der Flottenaction des Admirals Courbet entgegen, da dem Anschein nach der französische Admiral mit dem größten Theile seiner Flotte aus dem Flusse Min, welcher bei dem vielgenannten Hasen Foutchou in's Meer mündet, in eine kleine Klemme geraten ist. Wie sich nämlich jetzt herausgestellt, ist Admiral Courbet mit einem Theile seiner Flotte den Min aufwärts gegangen und hat vom^Flusse nicht aber vom Meere aus. Foutchou bombardirt. Jetzt muß er nun die Rückkehr nach der Küste durch die unterhalb Foutchous an beiden Seiten des Min gelegenen chmeüfchen Forts ober vielmehr an benselben vorbei erzwingen, bie ihn zuerst hatten unbe­helligt pasfiren lassen und bas wird nicht fo leicht fein. Die französische Flotte soll jevoch noch unversehrt sein unb wollen bie Franzosen bei ber ganzen Action vor Foutchou nur 4 bis 5 Mann verloren haben, während angeblich die ge- sammle chinesische Flotte von ihnen zerstört worben ist.

Die französische Action an ber chinesischen Küste wirb in ben teitenben Lonboner Blättern in einer für ben franMschen Nachbar nichts weniger als liebenswürdigen Weise commmtirt. DieTimes , welche jetzt von ihrer Vorliebe für die Franzosen ganz zurückgekommen zu fern scheint, grebt hier- bei den Ton an und unterzieht besonders das Bombardement von Foutchou einer für Frankreich sehr Übelwollenden Kritik Daß die Engländer bet bent Bombardement von Alexandrien viel fchonungsloser, >a geradezu brutal vorge- gangen sind, das hat man an ber Themse ganz vergessen,

Betreffend Die Errichtung unb Einrichtung der Fortbilbungsschulen- Gießen, am 28. August 1884.

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen an die Schulvorstände des Kreises.

Wir sehen der Einsendung der Schülerverzeichniffe, die genau nach der Instruction vom 13. Juli 1875, § VI, pos. 2 a. b. c. d., unter Hinweis auf diese Nummern aufzustellen sind, innerhalb 14 Tagen entgegen-

Dr. Boekmann.

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Bekanntmachung.

l"M' 29. «»,,»« 1884. . «-».

Betreffend: Die Ausspielungen auf Jahrmärkten, Kirchweihen und sonstigen Volksbelustigungen.

Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Anzeiger Nr. 295). Sie wollen etwaige Interessenten hternach bedeuten. a ° Dr. Jöoetmann. ___ ___

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