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werde bezüglich des zweiten Punkte« die in Art. 66 btr ReichSverfaffung dem Herzog al§ Bundeöiürsten vorbehalten gewesenen Rechte rücksichtlich des Braunschweigischen ConttngentS, gestützt auf die Vorschriften der Artikel 63 und 64 der Retchsverfassung für die Dauer dec Regentschaft selbst ausüben. Ich werde e« Mir angelegen sein lassen, die sich auS der Situation ergebenden Reichs- und Verfassungsfragen, welche mit der Zukunft des Herzogthums verknüpft sind, in Gemeinschaft mit den verbündeten Regierungen verfassungsmäßig zu lösen und dabet die Rechte und die Interessen deS SerzogthumS und feiner Bevölkerung der Verfassung und den gegenwärtig bestehenden

eschen lnisprechend sicher zu stellen."

Hierauf wurde der Bericht der staatsrechtlichen Commission verlesen und folgende von de. selben beantragte Resolution einstimmig angenommen: Die Landesoersamm­lung hat die seitens des RegentschaftSrathcs und des Staatsmtntstertums in der Sitzung vom 24. October er. Ihr gewordenen Mitthetlungen entgegengenommen, mit vollster Anerkennung des von denselben eingenommenen Rechtsstandpunktes bet der Const'tutrung des R-gentschafttzrathes und gegenüber sowohl der Reichsgewalt als auch der Kundgebung Sr. König!. Hoheit des Herzogs von Cumberland. Dte Landes­versammlung spricht dem RegentschaftSrathe und dem Staatsmtnisterium den Dank des Landes aus und erwartet mit demselben die weiteren Schritte, welche dte ordnungs­mäßige Erledigung der Thronfolgefrage erforderlich machen in der durch dte vorläufige Aeußerung Sr. Majestät des Kaisers begründeten Hoffnung, daß dabet das aus der Verfassung deS Landes sich ergebende Recht nicht minder als dte Sr. Majestät dem Kaiser und dem Rciche gebührenden Rechte werden gewahrt werden. Hiernach wurde der außerordentliche Landtag durch Rescript des Regentschaftsrathes bis auf Weiteres vertagt.

Straßburg L E., 27. October. Die Feier der Einweihung des neuen Um- versitätsgebäudes, welcher der Statthalter GFM. v. Manteuffel, die Spitzen der Civil- mib Militärbehörden und ein äußerst zahlreiches Publikum beiwohnten, wurde um 10 Uhr eröffnet durch die Uebergabe der von den Frauen Straßburgs der Studenten­schaft gewidmeten Fahne. Darauf setzte sich der Festzug von der bisherigen Universität nach dem neuen allgemeinen Kollegiengebäude in Bewegung. Der Werheact, der im Lichthofe desselben vollzogen wurde, wurde durch eine Festcantate eingelcitet. Hierauf hielt der Rector Sohm eine Rede, welche mit dem WahlspruchcLiteris et patriae schloß. Das Ende der Feier bildete die Publikation der Ernennungen zum Ehrcn- doctor und zwar des Kurators der Universität, Ledderhose, des Landesausschußpräsi­denten Schlumberger und des Architekten Professor Warth.

Straßburg, 27. Qctobcr. Bet der Festtasel in der Aula deS neuen Collegien- flebaubto, on welcher 176 Personen Thetl nahmen, brachte der Rector der Universität, Professor Sohm, dem Kaiser ein Hoch, der Statthalter von Manteuffel toastete auf dte Universität und Elsaß-Lothringen, Professor von Recklinghausen auf den Statt­halter, Professor Baumgarten auf Bismarck; weitere Toaste galten der philosophischen Fakultät, den deutschen Studenten, der Stadt Straßburg rc. Während der Tafel wurden Telegramme vn Seine Majestät den Kaiser und den Reichskanzler abge- sandt. Rach Aufhebung der Tafel wurde das Collegtengebäude und der Universitäts» platz bengalisch beleuchtet und auf dem gegenüberliegenden Ufer der Jll ein F.uerwerk abgebrannt.

Ludwigshafen, 27. October. Gestern kam es hier anläßlich einer Wahlversammlung zu einem Auflaus und zu Ausschreitungen. Durch von Ger- mersheim und Landau herbeigezogenes Militär wurde die Ruhe wiederhergestellt.

Wien, 27. October. Wie derPolit. Corrsp." unter dem heutigen Datum telegraphirt wird, sind unter der albanesischen Bevölkerung in Beles Ruhestörungen vorgekommen; es wurden drei Dörfer geplündert und angezündet und die Bewohner niedergemetzelt.

Brüssel, 27. October. Der hiesige Communalrath hat eine aus Aus­hebung des Schulgesetzes gerichtete Resolution beschlossen. Motivirt wird die­selbe durch den Hinweis, daß die Communalwahlen die klerikale Politik verur- theilt und daß die zu den Communalwahlen Berechtigten den Protest des Com- promisseS der Gemeinden auf das Entschiedenste ratlficirt hätten, es sei daher eine dringende Rothwendigkeit, den durch die Ausführung des neuen Schulgesetzes hervorgerusenen Agitationen ein Ziel zu setzen.

Äntwerpen, 27. October. Der hiesige Communalrath sprach sich ebenfalls für die Aushebung des neuen Schulgesetzes aus.

Moskau, 27. October. Gestern sand die Eröffnung des deutschen Theaters statt, welches nach der Einäscherung der Solodownikow'schen Paffage in einem Hause am Karetnyi-Riad eingerichtet morden. Nachdem die National- Hymne gespielt und ein Prolog gesprochen, wurden dem Director Salz, Brod und drei Kränze überreicht mit der Inschrift: Bon Freunden des deutschen Theaters.

London, 27. October. Gestern Nachmittag fand im Hyde - Park eine von etwa 100,000 Personen besuchte Kundgebung gegen das Oberhaus statt; e8 wurde eine Resolution angenommen, welche das Oberhaus für überflüssig und sogar für ge­fährlich erklärt und die Aufhebung desselben verlangt. Die Versammlung verlief durchaus ruhig; die Menge, dte an derselben thetlgenommen hatte, ging ohne jede Un­ordnung auseinander.

Kopenhagen, 28. October. (Privat-Depesche). Das von Kiel nach dem mittelländischen Meer bestimmte deutsche KriegsschiffUndine" ist bei Agger auf den Strand gerathen. Die eifrig betriebenen Rettungsarbeiten sind, was die Mannschaft betrifft, völlig geglückt; nur zwei Personen werden vermißt. Weitere Details noch fehlend. (DieUndine" ist das Uebungsschiff für junge Seeleute, die sog. Schiffsjungenbrigg.)

Univerfitäts- Chronik.

Professor Dr. Schwenninger hat vor einigen Tagen denMmtseid in die Hände deS Berliner UntversttätS-RectorS abgelegt. In dem im ^Staats-Anzeiger" ver­öffentlichten, jedenfalls von der Berliner UniversttSisbehörde ausgehenden amtlichen Berichte über die Rectorats-Uebergabe ist übrigens Schwenntnger's Ernennung einfach neben den andern gleichartigen Ernennungen mitgethetlt, während in Wirklichkeit Prof. Kirchhoff dte an dieser Stelle gemeldeten Worte gebraucht hat, aus denen mindestens hervorgeht, daß die Ernennung Schwenntnger's ohne Zuziehung der Fakultät erfolgt ist, weil sonst dte Worte nicht zu erklären waren,daß der Minister sich zu jener Er­nennung veranlaßt gesehen hat".

Für den durch Professor Bisping's Tod erledigten Lehrstuhl für neutesta- mentliche Exegese an der theologischen Fakultät zu Münster ist Dr. Heinrich Brill, RellgtonStehrer am Gymnasium zu Düren, in Aussicht genommen.

Dieser Tage fand tn Münster die feierliche Einführung drs neuen Rectors Professor Dr. Körting statt.

Dem Prtvatdocenien Dr. Grawitz tn Berlin, Assistent des dortigen vatho- logischen Instituts, ist dte Stellvertretung deS erkrankten Professors Grohe tn Greifs- wald übertragen worden. ______________________________________________________

Lokales.

Gießen, 28. October. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sttzung am Donnerstag den 30. October 1884, Nachmittags 4 Uhr.

1. Anschaffung des Holzsamens für dte städtischen Waldungen.

2. Uebertragung der städtischen Armenpraxis an das akademische Hospital.

3. Neubau von Kliniken.

4. Ausführung deS Gesetzes über die Krankenversicherung der Arbeiter.

5. Errichtung von Militär-Lazarethen.

6. Die sogen. Wodestraße.

7. Gesuch deS EtSoereins Gießen um Erlaubniß zur Aufstellung einer Bude.

8. Gesuch der Gebrüder Kauffmann um Erlaubniß zur Anlegung einer ge­pflasterten Rinne nach der Wieseck.

9. Anlagen auf den Wieseckböschungen.

10. Ausbau der Ostanlage.

11. Ausbau der Ludwigstraße.

12. Straßenbeleuchtung.

13. Den Fluthgraben in der Sonnenstraße betr.

14. Pflasterung eines Theils der Wetzst'ingasse.

15. Gesundheitszustand der Stadt Gießen.

16. Altkatbolischer Religionsunterricht.

17. Wörl's Reisehandbücher.

Gießen, 28. October. Gestern Nachmittag wurde eine hiesige Frau von einem Fuhrmann aus Lick, welcher im scharfen Trabe vom Kreuzplatz um die Ecke nach dem Neuenweg fuhr, überfahren. Einige unbedeutende Verletzungen hat die Frau davon­getragen.

Vermischtes.

Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen-und Stahl­industrieller belief sich die Roheisenproduction des deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs) im Monat September 1884 auf 294330 Tonnen, darunter 165 428 Tonnen Puddelroheisen, 11033 Tonnen Spiegeletsen, 37 200 Tonnen Beffemerroheisen, 44 641 Tonnen Thomasroheisen und 32928 Tonnen Gießereiroheisen. Die Production im September 1883 betrug 278 486 Tonnen. Vom 1. Januar bis 30. September 1884 wurden producirt 2 678 953 Tonnen gegen 2 514 358 Tonnen im Vorjahre.

(Vacante Stellen für Militäranwacter im Bereiche des 11. Armee-Corps.) Strecke Cassel-Frankfurt (Main) bezw. Friedberg-Hanau, Eisenbahn-Betriebsamr (Matn-Weser-Bahn) zu Cassel, 5 Stationsaspiranten, Anfangs je 75 X pro Monat, steigend. Daselbst Rangtrmeisterdiätar, 67,50 X pro Monat, steigend. Brügge (Westfalen), Postamt, Landbriefträger, 540 Gehalt und 60 Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Großenritte, Postagentur, Posthilfsbote tm Landbriefträgerdienst, 1 X Tage­geld. Jma, Amtsgericht, dritter Diener, 800 X Gehalt jährlich, steigend. Limburg (Lahn), Bürgermeisteramt, Polizeidiener, 900 X Gehalt jährlich, freie Wohnung und Uniformslücke, Gehalt steigend bis 1200 X Offenbach (Main), Postamt, Postpacket- träger, 750 X Gehalt und 180 X Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Orb, Magistrat, dritter Förster, 547% X Gehalt jährlich, nach 3 Jahren entsprechende Aufbesserung. Saalfeld (Saale), Postamt, Postschaffner, 800 X Gehalt und 72 X Wohnungsgeld­zuschuß jährlich. Urberach, Postagentur, Landdriefträger, 500 X Gehalt und 60 x Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Wiesbaden, Bürgermeisterei, 2 Waldprornenaden,Auf­seher, welche in den 4 Wintermonaten zur Verstärkung ber Nachtwache dienen sollen, je 900 X Gehalt jährlich und Dienstkleidung.

Eingesandt.

Von Herrn Rechtsanwalt Jo eckel in Friedberg erhalten wir nachstehende Zuschrift:

Sie haben aus derFrankfurter Zeitung" eine den Collegen Brentano und mich betreffende Correspondenz aus Drlbel abgedruckt, welche nachstehender Bes richtigung bedarf.

Herr Brentano hatte als Vertreter des Beklagten gegen die von mir ver­tretene Klage Einreden geltend gemacht, die sich auf IhatsSchttche Behauptungen stützten, über deren Wahrheit oder Unwahrheit ich mich wegen mangelnder Kenntniß derselben nicht erklären konnte. Ich stellte daher den Antrag, einen anderen Verhandlungstermin zu bestimmen, aber den Gegner in die Kosten des Termins zu verurtheilen, weil er mir seine Einreden vor dem Termin nicht mitgethetlt und mir dadurch unmöglich gemacht habe, vor dem Termine Instruction über solche einzuholen. Heber diesen Antrag wmde verhandelt, das Gericht setzte die Entscheidung über denselben auS und beschloß, solche in 8 Tagen zu verkündigen.

Die Politik ist bet dieser Verhandlung mit keiner Silbe gestreift worden, ebenso» wenig hat das Gericht den Termin verschoben, noch hat dasselbe uns Anwälte in die Kosten oerurtbetlt.

Ich ersuche Sie, dtrse Berichtigung in Ihr Blatt aufzunehmen. Hochachtungsvoll

H. Joeckel, Rechtsanwalt.

Vergangenen Sonntag Abend hatten wir Gelegenheit, einige recht amüsante und genußreiche Stunden zu verleben, die sicher Allen, denen es gegönnt war, der vom VereinFröhlichkeit" m dem festlich decorirten Saale des Hotel Einhorn begangenen 3. Stiftungsfeier beizuwohnen, noch lange im Gedächtniß bleiben werden.

Schon die zahlreiche Theilnahme der eingeladenen Gäste zeugte von der Be­liebtheit deS Vereins. Man hat es hier nicht mit einem Vereine zu thun, der seine Vergnügen auf der Kneipe sucht, sondern mit einem Vereine, welcher bestrebt ist, echte brüderliche Freundschaft und Geselligkeit zu fördern und wo es gilt, auch etwas zu bieten versteht. Die von einigen Mitgliedern, sowie Damen deS Verein« mit achtungs- werther Sicherheit zur Aufführung gebrachten Stücke ernteten reichen Beifall. Be­sonders aber sei noch der lebenden Bilder gedacht, welche den Arrangeuren alle Ehre machten und fast unendliches Bravo hervorriefen.

Nach Beendigung de« CorcertprogrammS hielt das Tanzvergnügen Mitglieder und Gäste bis zur frühen Morgenstunde zusammen.

Möge dieser Verein immer wachsen und blühen und noch viele ähnliche Feste in so fröhlicher Weise feiern.

Viele Gönner des Vereins.

Theater.

Gießen, 28. October.

Nach der außerordentlich beifälligen Aufnahme, dieder Probepfeil" bet unserem kunstsinnigen Publikum sand, wird uns morgen wieder eine Novität vorgeführt, die f. Z. noch größeres Aufsehen gemacht hat.Cyprtenne" oder wie der französische Titel lautet:Di verpons! behandelt, wie letzterer schon andeutet, dieEhescheidungs- fraae, aber nicht in tragischer, sondern in durchaus luftiger Weise und in so liebens­würdigem Gewände, daß man das aufrichtigste Vergnügen empfindet, abgesehen davon, daß uns diese allerliebsten Drolerien, mit denen baß Stück wie absichtslos ausgeschmückt ist, stellenweise das herzlichste Lachen abgewinnen. Die Hauptrollen werden vertreten durch Fräulein v. Jagernann (Titelrolle), die Herren Halm, Herrmann, Schwarz u. s. w. Auf die Aufführung derCyprtenne" dürfen wir mit Recht gespannt sein.

Schiffsnachrichten.

Bremen, 27. October. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Habsburg, Capt. Fr. Pfeiffer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. October von Bremen und am 14. October von Southampton abgegangen war, ist am 25. October wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 27. October. (Per transatlantischen Telegraph.j Der Postdampfer Ohio, Capt. H. Richter, vom Norddeutschen Lloyd tn Bremen, welcher am 4. October von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Galvtston angekommen.

Handel und Verkehr.

Gießen, den28.October. Auf dem heuttgen Markt Mete Butter per Pfund X 1.001.05, Hühnereier pr. Stück 70 Käse St. 49 Zt/ Kasematte 2-3 H, Erbsen pr- Liter 20 H, Linsen 26 Tauben per Paar 0,450,50 H, Hühner per Stück X 0.901.20, Hahnen pr. Stück X 0.601.00, Enten per Stück X 130-1.50, Gänse per Pfund 4254 H, Welsche X 0.000.00, Ochsenfleisch per Pfund 6870 H, Kuh- und Nindfleijch 5660 H, Schweinefleisch 5460 Hammelfleisch 60-70 H, Kalbfleisch 56-60 «A, Kartoffeln per 100 Kilo X 3.004.50, Milch per Liter 1216 4, Zwiebeln per Ctr. X 4.00-5.00, Weißkraut pr. Stück 4-9

Frankfurt, 27.October. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wctterauer X 171'«, fremder X 17, Roggen eff. hies. X löVz* 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11/«, fremd- X 15* 21531»> Gerste eff. hies. u. Wetterauer X 17V2I8V2, fremde X 1819'/r, Hafer eff. hies. X 138/414, fremder X 133/«14/2. Rüböl eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ctr. X 30. Branntwein eff. ohne Faß X 42.

Frankfurt, 27. October. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Ange­trieben waren 380 Ochsen, ca. 22 Bullen, ca. 305 Kühe und Rinder, ca. 174 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 68-70, 2. Qual. X 6365, Kühe und Rinder l.Qual. X 5962, 2. Qual. X 4252, Kälber 1. Qual. 65-68, 2. Qual. X 6000 per 100 Pfund Schlachtgewicht.