Nr. 14t»
Zweites Blatt
Sonntag den 29. Juni
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r Schulstraße 7.
Erscheint LÄKkich mit Ausnahme des MorrLt^K.
transoceanlschen Gebieten, die noch nicht unter der anerkannten Hoheit einer andern Nation stehen, unter Reichsschutz zu stellen und ihnen die vollste Unter, stutzung des Reicher zu Theil werden zu kaffen. Mit andern Worten: Kürst asirmtdf will keine politischen Colonien, wohl aber Handels-Colonien und hier- ”'li. hat er den einzig richtigen Weg bezeichnet, aus dem sich eine gesund-deutsche Colomal.Politik bewegen muß, und daß das deutsche Volk seiner übergroßen Mehrheit nach diese Auffassung des leitenden Staatsmannes billigt, davon lieaen schon heute zahlreiche Beweise vor. “
. Gieße», 28. Juni.
Die Ausführungen des Fürsten Bismarck über unsere Colonial- Bolltik werden vermuthlich noch längere Zeit das allgemeine Interesse beherr- scher, das sich ja gerade gegenwärtig der schon so oft ventilirten Frage einer praktischen Colonial-Politik für das deutsche Reich wieder lebhaft zuwendet Klar und deutlich hat der Kanzler erklärt, daß dar deutsche Reich keine groß angelegte Colonial-Politik treiben dürfe, wie etwa Frankreich oder England- dazu fehlten uns die maritimen Mittel und auch die für ein solcher Colonial-' System nöthigen geschulten Beamten. Dagegen betonte er, daß er geradezu
2 Mark 20 Pf. mit Brmgerlohn. Durch bie Post l-ezogen vierteljährlich 2 Mark 50
Der Schluß der Reichstages dürfte zur Zeit erfolgt sein, fall« nicht noch in letzter Stunde die Beschlüffe der Budget-Commission hinsichtlich der Postdampfer-Vorlage in den Dispositionen der Senioren-Convents eine Aenderung hervorgerufen haben. Jedenfalls hat der Reichstag durch die rasche Erledigung dec zweiten Lesungen der Novelle zum Actiengesetz und des Militär- und Marine-Relictengesetzes seine ermüdete Stimmung zur Genüge documentirt Auch die dritten Berathungen der Anträge Ackermann, auf Abänderung von S lOCte der Gewerbeordnung, und Windthorst, auf Aufhebung des Expatriirungs- Gesetzes, mit denen sich der Reichstag am Mittwoch beschäftigte, zeugten von dieser Stimmung. Andernfalls wären die Verhandlungen über beide Anträge denen man eine große principielle Bedeutung nicht absprechen kann, wohl errea- tere gewesen. Der Antrag Ackermann, welcher bekanntlich bezweckt, den Richt- ^nnungsmeistern das galten von Lehrlingen zu verbieten, wurde nach einer sehr sachlich gehaltenen Debatte, in welcher von den Rednern der Linken namentlich aber von Herrn Bebel, dem Sprecher der Socialdemokraten, die Lage des Handwerkerstandes und der kleinen Gewerbetreibenden grau in arau gemalt wurde, in namentlicher Abstimmung mit 159 gegen 156 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten alle Fraktionen der Linken, einige Mitglieder der I Nerchsparter, die elsässischen Abgg. Antoine und Cable, sowie die keiner Fraktion angehdngen Abgeordneten v. Bühler und Frhr. v. Löw. In namentlicher Abstimmung genehmigte der Reichstag sodann den ganzen Gesetzentwurf über die Gewerbeordnung mit 154 gegen 150 Stimmen und endlich auch den Antrag Windthorst, gegen welchen nur die Nationalliberalen und vereinzelte Conser- vatroe, darunter die Minister v. Puttkamer und v. Goßler, stimmten. I
Die cholera Hb gliche Krankheit, welche in Toulon ausgebrochen I ist, hat sofort die vollste Aufmerksamkeit zunächst der Frankreich benachbarten Staaten auf sich gelenkt. Von den Negierungen Italiens, Spaniens, der Schweiz und Oesterreich - Ungarns sind die umfassendsten Maßregeln gegen eine etwaige Verschleppung der Seuche angeordnet worden und auch die deutsche Rerchsreglerung wendet derselben ihre Aufmerksamkeit zu. Der „Reichs-Anz" enthält hierüber folgende Mittheilung: „Aus Anlaß der Nachrichten über den Ausbruch emer choleraähnlichen Krankheit in Toulsn sind von Reichsweaen nähere Ermittelungen über die Natur der Krankheit und über die an Ort und Stelle getroffenen sanitären Maßregeln veranlaßt. Gleichzeitig werden für den Fall, daß die Krankheit sich als die asiatische Cholera Herausstellen sollte, entsprechende Abwehrmaßregeln deutscherseits vorbereitet."
Die nun beendigte Reichstagswahl-Campagne in Ungarn ist durch die Wahlbewegung in Cisleithanien abgelöst worden, wo neue Kron- länder ihre Landtage neu zu wählen haben. Die Vorbereitungen hierzu drücken I der inneren Politik Oesterreichs ihre Signatur auf und namentlich in Mähren, welches den Reigen eröffnet, hat stch eine lebhafte Agitation entwickelt. In der Agramer Landstube ist es vor ein paar Tagen wieder zu argen durch dis Starcevicianer veranlaßten, Scandalfcenen gekommen. In Folge dieser tumultuösen Vorgänge, bei denen nur wenig zur Entwickelung einer regelrechten Prügelei fehlte, hat der Vicepräsident des kroatischen Landtages, Sram, sein Amt niedergelegt.
In Frankreich mußte sich in dieser Woche die Politik mit der zweiten Stelle begnügen und den Ehrenplatz an die Touloner Cholera-Epidemie abtreten, mit der sich die öffentliche Meinung begreiflicher Weise weit lebhafter beschäftigt, als mit den egyptischen Angelegenheiten. Die Nachrichten über den Charakter der Epidemie lauten allerdings ziemlich beruhigend, aber man muß doch erst abwarteu, ob man es hier nicht etwa mit schönfärberischen Berichten »er französischen Behörden zu thun hat, da es letzteren zunächst darum zu thun scheint, die besonders in Toulon selbst ausgebrochene Panik zu beschwichtigen, was bei der leichten Erregbarkeit des französischen National-Charakters gerade keine Kleinigkeit ist. Uebereinstimmend haben sich die von der französischen Regierung nach Toulon zur Untersuchung der Epidemie gesandten Aerzte dahin ; ausgesprochen, daß dieselbe als sporadische Cholera (cholera nostras) zu be- ' trachten fet Neuere Meldungen besagen, daß der Gesundheitszustand in Marseille und in dem ganzen Gebiete um Toulon fortdauernd ein befriedigender ,
Aus dem Sudan lag in den letzten Tagen nichts Neues vor- vor Suakrm hat sich in dieser Woche nichts von Bedeutung ereignet ’ $
D'e chinesische Regierung hat sich eine ernstliche Verletzung des Friedensvertrags mit Frankreich zu Schulden kommen lassen. Am 23 d M französische, zur Garnison von Langson bestimmte Truppenabtheiluna von chinesischen Regularen m der Stärke von 4000 Mann angegriffen und verlor m dem sich entronnenen Kampfe 7 Tobte und 42 Verwundete Es Md sofort Verstärkungen unter General Negrier von Hanoi nach Lanaion abgegangen. “
Angra-Pequena und Bethanien *).
Von Dr. Fr. Müller,
... Ganz Deutschlands Augen sind gegenwärtig auf je^er? Wvtt'a^der fernen südwchltchen Küste von Afrika gertcktet, wo nach Jahrhunderten wieder die erste deutsche Colonie tn's Leben getreten ist, um, so Gott will, zu einem weiten, schönen und durch sein Klima dem deutschen Auswanderer ganz entsprechenden Colonial» gebiete zu werden. Ich betone es absichtlich, dieses „nach Jahrhunderten wieder", denn der deutsche Nattonalgetst bedarf sehr wohl noch der Erinnerung daran, daß dtL großen Vorfahren zur Zeit der herrlichen Blüthe der Reichsstädte im Mittelalter auch ihre Colonten und ihren gewaltigen Anthetl am Welthandel batten, so daß dir Auas^ burger Familie Welser sogar das große reiche Venezuela in Südamerika ihr etaen nannte, während die Schiffe der Hansa die Nordmeere beherrschten. Damals vor I rmttcmalen Niedergang, kannte noch kein Mensch die Fabel von der Theüuna der
W/lt' bet der der Deutsche zu kurz gekommen und von Zeus zur Entschädigung eine Dichterleter erhielt; und wäre nicht ebenfalls in Folge des Zerfalles des alten Reiches daS ganze Niederland mit seiner seetüchtigen Bevölkerung vom Körper der Nation ab» getrennt worden so würde es uns heute gewiß nicht an Colonten fehlen, während Holland seinerseits froh sein mochte, wieder sein natürliches Hinterland und Absatzgebiet
Aber sei dem so, einstweilen, für jetzt müssen wir uns mit der einen kleinen Colonte Angra-Pequena (sprich Pekenja), auf deutsch „kleine Bucht«, begnügen und da sei denn gleich bemerkt, daß es sehr wenig Scharfblick verräth, ohne jede andere Kenntniß ol§ die von kurzen Zeitungsberichten über die neue Colonie spottend los- zuziehen. Wenn die Ansiedelung so sehr den Spott verdiente, würde sie England wahrlich nicht so viel Kopfzerbrechen machen, aber man hat mit geübtem Scharfblick in London roffch erkannt, was Fürst Bismarck sich gedacht haben muß, als er den Handels. Herrn in Bremen den Schutz des Reiches zusicherte.
Der geradezu auffallende Empfang der Vertreter des Transvaal - Staates am Berliner Hof hat doch wobl manchem inzwischen schon einiges Licht gebracht und es bedarf nur noch eines Blickes auf die Karte, um sich klar zu sein, daß fortan das noch Herren lose Gebiet h'nter der kleinen Bucht und bis zur Grenze des Transvaal nur noch £anb,e kommen kann, daß also die Boers, die sich mit solchem Nachdruck als Deutsche bezeichneten, ganz bestimmt eines nicht mehr fernen Tages die Nachbarn der deutschen Colonie sein und durch deren Gebiet hindurch jene Aussuhrwege finden werden, die ihnen Portugal nach der Delagoa-Bay hin so sehr erschwerte.
*) Bei den vielfach sich widersprechenden Urtheilen über Angra-Peguena haben wir Veranlassung genommen, unseren Herrn Mitarbeiter zu einer Schilderung der Natur dieser ersten deutschen Colonie aufzufordern, welcher ein um so höherer Werth iß' der Herr Verfasser während seines eigenen langjährigen Aufenthalts im Copland Land und Leute dort auf das Eingehendste ftudirt und kennen gelernt hat.
sei; indessen sind in Toulon selbst noch am Donnerstag 5 neue Cbolera-Todos- falle vorgekommen. - Was die Erklärungen des MinisterpräsidentenXm, t» bet Deputirtenkammer hinsichtlich des Abkommens mit England andelam?
Kammer günstiger ausgenommen worden, als von'den tonangebenden Pariser Blättern. Letztere finden fast ohne Ausnahme ^rant rerchs Concesstonen als zu weitgehend und dem Einflüsse dieser fXÄ” btÜrftC Debatte über die Interpellation des Abg DZ2ffe ^E^^yptens, rmt welcher sich die Kammer am Donnerstag ^eMftate doch wohl nicht ganz haben entziehen können. y wjwngte,
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iransoceamschen Gebieten, die noch nickt unter brr durch ehre Mittheilungen Über den Stand der earwtiicken4™,™ . 8
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st ?,($e N- An die Zustimmung des Parlaments zu den Con-
ferenzbeschlüssen hat Mr. Gladstone sein und seines Cabinets Schicksal aefnünft er will zurücktreten, falls das Parlament diesen Beschlüssen seine Sanctton ifpr' »emert. Don Seiten der mnservativen OppositionwerdendüLftL diese Zustimmung zu verhindern und ist im Unte^ hause von den Conservatmen gegenüber dem Ministerium bezüglich des enalssck- e’n Mißtrauensvotum angekündigt worden. Wa/r-
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^ntL stattfindet, haben behufs Erzielung höherer Löhne gegen 10,000 Schnitter Arbeit eingestellt Es ist hierbei zu ernsten Ruhestörungen gekommen und mußte vielfach das Militär einschreiten, wobei zahlreiche Verhaftungen vor«- nommen wurden. — ^n der Deputirtenkammer wurde in der Mittmn^- Sitzung ans Antrag Mordini's dem Cabmet Depretis bezüglich dessen innenr Polrtck em Vertrauensvotum ertheilt. 1 rer
i . Das Czarenreich hat Europa wieder einmal mit einer.Zudenver-
Nlfchni-Nowgorod ist dieselbe diesmal inscenirt worden ^reht L8 ^erfonen baS Seben gekostet, während 9 Personen zum Theil schwer VvCtüyl H/UTOvil»


