Ausgabe 
29.6.1884 Erstes Blatt
 
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Lokale-.

Gießen, 28. Juni. sSitzung der Stadtverordneten vom 26. Juni.) An­wesend : Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Keller und Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Batst, Gail, Georgi, Hoch Hornberger, Kauf, Lübeking, Ad. Noll, Aug. Noll, Petri, Scheel, Simon, Vogt und Wortmavn.

Ueberschwemmungen einzelner Straßen der Stadt bet Hoch­wasser. Unterm 4. Februar d. I. hatte die Baudeputatton beantragt, zur Entwässerung der Stadt eine definitive Pumpstation zu errichten und zu diesem Zwecke 12 000 JL ins Budget einzustellen, desgl. Voranschläge aufzustellen für Beschaffung der Pumpe, Rohi enleitung rc. Die auf Grund einer zu diesem Zwecke angefertigten Profilzeichnung Eingezogenen Erkundigungen, sowohl über die empfehlenswcrthesten Bezugsquellen der Einrrchtungen als auch namentlich über die Zweckmäßigkeit bereits bestehender der­artiger Anlagen, führten zu dem Beschlüsse, oie Pumpe nebst Zubehör der Firma Brodnitz u. Sey)el in Berlin in Lieferung zu geben. Bezüglich der Beschaffung eines Röhrenkesscks werden die Herren Stadtverordneten Heß und Gail Erkundigungen einziehen und demnächst der Stadtverordneten-Versammiung Mittheilung machen.

Die Quellwasserleitung betr. Die Commission hat beantragt, eine neu zu Tage getretene Quelle zu fassen und bezüglich der Quantität des Wassers zu beob­achten. Auch soll das Wasser auf seine Qualität untersucht werden. In Betreff des Standortes des für die Neustadt bestimmten Brunnens wird beschlossen, denselben zwischen der Wasserbude und der Mauer des Plstor'schen Gartens aufzustellen. Ferner sollen, entgegen einem früheren Beschlüsse, nur an den an den Ausgängen der Stadt befindlichen Brunnen Trinkbecher auzubringen, an sämmtltchen Brunnen Trinkbecher angebracht werden.

Ausschlag der Kretsumlagen für 1884/85. Der hierfür erforderliche Betrag in Höhe von 32 209 JL wird bewilligt.

Bedarf an Steinkohlen für die städtischen Anstalten. In die zur Beschaffung von Steinkohlen zu wählende Commission werden die Herren Stadtver­ordneten Baist, Hoch und Vogt gewählt.

Die Erhebuna der Schulgelder betr. Die Erhebung der Schulgelder erfolgte seither in der Weise, daß die Schulgeldpfltchtigen durch zweimalige Bekannt­machung im Anzeiger sowohl über den Termin zur Zahlung des Schulgeldes als auch über die Höhe desselben unterrichtet wurden. Erfolgte nach Ablauf der gestellten Frist die Abentrtchtung der Beträge nicht, so erfolgte Mahnung. Nach einem vom Herrn 'Dtadtrentmeister erstatteten Bericht hat dieser Modus zu öfteren Klagen geführt und schlägt derselbe deshalb vor, in Zukunft, ähnlich wie bet den anderen Steuern, Zettel auszustellen, auf welchen die Höhe des Betrages, Termine u. s. w. verzeichnet sind und diese Zettel den Schulgeldpfltchtigen etnzuhändtgen- Das hierüber Seitens des Schul­vorstandes abgegebene Gutachten spricht sich gegen die Aeuderung der seitherigen Er- -ebungSwetse aus und schließt sich auch die Stadtverordneten-Versammiung der ab­lehnenden Aussage an.

Bestandliste der Realschule. Aus dem von dem Directorium dieser Schule erstatteten Berichte ist zu entnehmen, daß dieselbe tnsgesammt von 577 Schülern besucht wird, wovon 253 auf die Realschule 1. Ordnung, 170 auf die Realschule 2. Ordnung und 154 auf die Vorschule kommen.

Anschaffung von Spielgeräthen für die höhere Mädchenschule. Die nach einem vorgelegten Bericht erforderlichen Sptelgeräthe sollen angeschafft, resp. schon vorhandene einer Reparatur unterzogen werben. Gleichzeitig wird beschlossen, für diese Rubrik JL 40 jährlich in das Budget einzustellen.

Jahresversammlung des Hauptverein« der Gustav- Adolfs Stiftung. Ein in diesem Betreff vorliegendes Einladungsschreiben an die Stadtoerordneten-Versammlung wird zur Kenntntß gebracht; ferner wird dem Gesuch um^Ueberlassung von Laubwerk zur Ausschmückung der Stadtkirche Genehmigung

Aufstellung von Waschpflöcken auf den Böschungen der Wieseck und des Schoorgrabens. Die Baudeputatton hatte s. Z. beantragt, die bereits errichteten Waschpflocke bis auf Widerruf zu belassen. In Folge der Indessen immer mehr zu ^age tretenden Unzutraglichkciten wird beantragt, daß nunmehr alle Wasch­pflocke zu entfernen sind. Dieser Antrag findet die Genehmigung der Versammlung. Ein aus der Mitte der Versammlung gestellte Antrag auf Verbot des Bleichens von Wäsche auf den Böschungen wird abgelehnt.

Veräußerung des Stephanswegs. Herr Canzletrath Clemm hat von dem in voriger Sitzung beschlossenen Angebot, daß die Stadt gewillt sei, ihm die Hälfte des hinter seinem Etgenthum herztehenden Wegs abzulaffen, keinen Gebrauch gemacht, weßhalb beschlossen wird, nunmehr mit dm übrigen Interessenten wegen Ver­äußerung dieses Wegs in Unterhandlung zu treten.

Gesuch des Bauunternehmers Anton Petri um Bauerlaubniß. Gesuchsteller beabsichtigt, hinter seinem Hause, mit der Front gegen die Kleinkmder- schule, eine Werkstätte zu erbauen. Die Genehmigung hierzu wird erthellt.

Dem Gesuch des BauuntemehmerS Konrad Koch um Erlaubntß zur Ab­leitung von Wasser in einen städtischen Canal wird auf Widerruf stattgegeben. Ein weiteres Gesuch desselben um Ueberlassung städtischen Geländes und zwar zweier aus dem Bau der Ludwtgßstraße übrig gebliebener Abschnitte wird nur in Bezug auf einen Abschnitt genehmigt, welcher dem Gesuchsteller zum Preise von 30 pro Hi Klafter überlassen werden soll.

Gesuch des Heinrich Rain um pachtweiseUeberlassung städtischen Geländes. Gesuchsteller beabsichtigt, den Platz, auf welchem seine Wasserbude steht, pachtweise zu erhalten. Die Versammlung beschließt, Gmehmigung bis nach Fertig­stellung des für diesen Platz vorgesehenen Brunnens vorzubehalten.

vermischtes.

Steinbach, 23. Juni. Gestern wurde dahier der Friedhof der israelttffchm RelrgionSgemeinde durch Herrn Provinzial-Rabbtner vr. Levi eingeweiht. An dieser Feier nahm auch der gesammte Ortsvorstand nebst beiden Herren Lehrern Theil, sowie eme große Anzahl hiesiger und fremder Lmte. Der Geistliche war durch Abhaltm emes auswärtigen Gottesdienstes verhindert. In einer sehr schönen Rede besprach der §^r Rabbiner u. A. die Gründe, welche die hiesige israelitische Gemeinde bewogen, einen Friedhof hier anzulegen und empfahl denselben der Achtung nicht allein der israelitischen sondern auch der christlichen Gemeinde. Von dieser schwungvollen Rede waren, wie man sehen konnte, fast fämmtltche Zuhörer, welche andächtig die Worte des greism Herrn Rabbiner hörten, sichtlich gerührt. Mit dieser Einweihung wurde gleichzeitig die älteste hiesige israelitische Frau zur Ruhe bestattet. Möge ihr die Erde leicht werden. _B.

Handel und Verkehr.

^uni. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund

^0*80^n5n pr. Stück 5-6 Enteneier pr Sttick 6-0 H Mse-

5)^ 0000 Käse St. 49 H, Käsematte 30 L, Erbsen pr. Mer 22

Lmsen 30 Tauben per Paar 0,801 00 H SSMmer ner Kn o1

tn einer Sauna »oV^lßT^ M?at der Minister der öffentlichen Arbeiten btredionen hie n'h?; Veranlassung genommen, den Staatseisenbahn-

mrecttonen die Vorsch.tften über das Verhalten des Dienstpersonals aeaen das foate bie dem l-tzt-r-n bet Benutzung der Eis-nb-chn-n u g wShr-nb-nErl-tcht-runa7n ,n.5r^nlruna iu br'ngm. Der Minister vertraut, botz bte ®«tionentaffiibete ^uch der neu verstaatlichten Bahnen, ebensowohl die sorafältiaste 2Inmelfunn her

^-r den Inhalt jener Bestimmungen

derselben sich angelegen lassen sein werden. Bei den ohne gültige Billete im ^uge betroffenen Reisenden ist von der Erhebung des doppelten wenn btefcr weniger als 6 M beträgt, von der Erheb7ng b-s tztettn B r^ nur bann abzusehen, wenn bet Reisende gleich beim Einstetgen. sonbern auch bann,

wenn derselbe beim ersten Erscheinen des Schaffners am oder im Couvee sofort und meldet, kein Billet zu haben. In solchem Falle M nur der um 1^ erhöhte Fahrpreis zu verlangen und es darf der Reisende, wenn er sich zu btffen Be- der Mttfahrt nicht ausgeschlossen werden, falls der Auss schluß nicht durch andere Gründe bedingt wird. Der um 1 erhöhte Fahrpreis ist wenn ein Reisender mit einem Billet niederer Classe eigenmächtig in Glosse Platz genommen oder über die seinem Fahrschein entsprechende Ztelstation hinaussährt, ohne auf der letzteren ein nmes Billet für die Weiterreise aelöL he« «p hCn f^ÖCn üorQ,u§t°tf<6t, daß der Reffende bei dem ersten Erscheinen Demselben unaufgefordert entsprechende Mittheilung gemacht ha Ist

nicht geschehen, so muß der Betrag eines Zusatzbillets mit 6 2. bezw der hinttr- 30ßene höhere Fahrgeldbetrag durch V.rabfolgung enisprechender Fahrbillete erhoben werben. Schließlich bestimmt der Minister, daß in Fällen, in welchen Reisende ver- mrimhemf»l|npnari,9ia6bnrR<a6n einem Anschluß,uge onkommen unb aus diesem Grunde keine Zeil zum Lösen von Billeis für bie Wetiersabn haben, von Stacherhebun« rnmp» herS* 1 eA al,Ff f°a- Auch sollen aus der Abgangsstation"

nn** ®»/°n- rC Ausnahmen besonders zugelassen finb, alle Coupees geöffnet unb

? T" B-v°rzugung gemieden, ferner den Wünschen und der SeWetn=.

W"alle R°ckM^u'Äl weL"""" beä ®t,ritbtä n'4t darunter

731) lieber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in elr« oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn me.n von der Annoncen - Expedition von, HAASBESTESS" «fc in

Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, dio auch binsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grand reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath erthailt

Fuhrmanns Johannes

alt 73 Jahre, starb Herr

eine Tochter, Elisabeths Sohn, Ludwig Hermann

Der Auszug aus den Standesamts-Registern folgt in nächster Nummer.

Die Redaction.

Barth-k att'L & L » W M

Alt 75 Jahr^starb^den 22^ 3unt°' Jd' 2ßittöe be3 Schuhmachers Peter Deeg, . 261 3uni. Aloys Heinrich Sartorius, Aktuar i. P., alt 74 Jahre, starb

den 24. Juni. y u u

,, ,, Denselben. Lina R-Hl, l-dtg- Tochter d-S Taglöhners Friedrich R-Hl zu BraunselL alt 14 Jahre, starb den 24. Juni.

Auszug aus dm Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Gstraute.

9)en 22. Juni. Martin Heinrich Müller, Bergmann zu Grüninaen ein Wittwer und Caroline Elisabethe Simon, geb. Walter, Wtttwe des ~ -

Simon zu Gießen.

Getaufte.

Den 22. Juni. Dem Glasermeister Wilhelm Fillmann Mathilde, geboren den 10. Juni-

Denselben. Dem Dachdeckermeister Louis Schwalb ein Albert, geboren den 9. April.

~ Beerdigte.

Den 21. Juni. Jakob Vogt, Bäctermelfter zu Gießen, 19. Juni.

Brodpreise

vom 29. Juni bis 13. Juli 1884.

der Bäcker H i

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 28 bei M. Lenz u. C. Steinberger 27

2 (4 Pfd.) Weißbrod .... 56 bei M-Lenz u. C. Steinberger 54

1 (2 Pfd.) Schwarzbrot) 1. Sorte 25 bei M. Lenz u- C. Steinberger 24

2 (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 50 bei M. Lenz u. C. Steinberger 48

1 (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 22 bei M.Lenz, u. C. Steinberger 21

2 ' (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 44 bei M- Lenz u. C. Steinberger 42

3 (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte bei Gg. Müller, Konrad Haas, L. Schneider, Louis Keil, Fr- W. Hartmann, Carl Wallenfels . . 66 Gießen, den 28. Juni 1884.

1

2

1

2

3

1

2

3

der Brodverkäuser

Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 28

" n .... 56

.. (2 ) Schwarzbrod 1. Sorte 25

bei Hch. Rain 22

* (4 ) Schwarzbrod 1. Sorte 50

bei Hch. Rain 44

(6 ) Schwarzbrod 1. Sorte

(2 ) Schwarzbrod 2. Sorte 22

,, bei Hch. Rain 21

h (4 n ) Schwarzbrod 2. Sorte 44 bei Hch. Rain 42

" (5 u ) Schwarzbrod 2. Sorte 6£

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Wafferwärme der Lahn.

Am 28. Juni, zwischm 11 und 12 Uhr Mittags: 17Va° R. Lustwärme 20® R-

Rübfamen.

Kirchliche Anzeigen der evangel. Gemeinde.

.. . Morgen, Sonntag, 29. Juni, Abcnbs 8 Uhr: Bibelstunbe in der Klein- kinberschulc, Apostelgesch. Kap. 11, von Vers 19 an. Pfarrer Dr. Naumann.

2lm nächsten Mittwoch, ben 2. Juli, feiert ber Hessische Hauptver- ein der Gustav-Adolfs-Stiftuna sein Jahresfest hier in Gießen. Der Fest- gottesdlenst beginnt um 10 Uhr; in demselben wird nach der Festpredigt der Vereins- prasident die Gemeinde begrüßen, dann wird der Jahresbericht verlesen, und zuletzt werden 3 Abgeordnete der benachbarten Hauptvereine kurze Ansprachen halten; weitere Verhandlungen finden nicht statt, der Gottesdienst wird darum nicht allzulange dauerm und es wird gewiß den meisten Besuchern desselben möglich sein, bis zu Ende auszu­halten. Diejenigen, die vor Schluß desselben weggehen müssen, werden gebeten, wäh­rend der Gesänge, nicht während der Ansprachen, die Kirche zu verlassen.

Die Gottesdienst-Ordnung, nebst Liedern, ist beim Eintritt in die Kirche zu haben, kann aber auch jetzt schon bei Herrn Kirchendiener Knoll abgeholt werden. . ®ntporbü5nen und die hintere Hälfte des Schiffs der Kirche werden von halb 10 Uhr an allen Besuchern des Gottesdienstes geöffnet sein, die anderen Plätze bleiben den Therlnehmern am Festzuge Vorbehalten.

m xx Lie ^meinde wird freundlichst gebeten, durch recht zahlreiche Betheiligung nm Gottesdienst, auch am Festzuge, die Feier unseres Festes zu fördern und sich selbst den Segen desselben zu gewinnen.

Zur gest. BeuchtuuZ.

Schriftliche Anfragen wegen Auskunftsertheilung über Inserate rc. können W nur dann beantworten, wenn denselben eine Freimarke für die Rückantwort beigelegt - Ueber Inserate bezüglich deren Offerten einzureichen sind, ist bie Expedition zr. keinerlei Auskunftsertheilmigen befugt. Offertenbri^e sind soweit keine bestimmtem gegentheiligeu Abmachungen getroffen wurden in der Expedition abzuhyken.