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Herr Windthorst durch die Bemerkung unterbrach, daß er sihr überrascht sei, jetzt erst -u erfahren, tn welcher Gefahr er sich damals befunden. Nun erklärte Herr v Bötticher, daß die preußische Regierung binnen wenigen Tagen einen Gesetzentwurf zur Per» hürung anarchistischer Attentate beim Bundesrath etnbringen werde, der also noch in dieser Session dem Reichstag zugehen würde. Nun .gelangte auch die von den Freis sinntgen beantragte verschärfte Resolution einstimmig zur Annahme. Die Situation ist durch diese Vorgänge in wünschenswerther Weise geklärt. Es ist eine genaue Scheidung zwischen den anarchistischen Gefahren, sowie dem gegen sie gerichteten Gesetze und dem Socialistengksetz eingetreten, über dessen Verlängerung sich sitzt wett sachlicher wird sprechen lassen.

Frankfurt a. M., 27. April. In derRosenau" fand beute, Sonntag den 27. April, eine zweite Landesversammlung der hessischen Fortschrittspartei statt, nachdem die erste am 23. März in demselben Locale adgehalten worden war. Es hatten sich mindestens 250 Theilnehmer eingefunden, die von dem Vorsitzenden des LandeSaus- schusscs, Herrn Dr. Osann, begrüßt wurden. Derselbe bat zunächst die Versammlung, zu Ehren des verstorbenen Herrn Dr. v. Brüning,dieses achtungswerthen, tüchtigen deutschen Mannes- sich zu erheben, was geschah. Daraus verlas der Vor­sitzende den Antrag des verstärkten Landesausschusses. Der Antrag hat rolaenden Wortlaut:

1) Die hessische Fortschrittspartei spricht ihre Ucbereinstimmung mit den Grundsätzen der Heidelberger Erklärung nationaler und liberaler Männer vom 23. März d. I. aus und hält deßhald die Aufstellung eines besonderen Pro­gramms nicht für geboten.

2) Getreu ihrer Vergangenheit, wird die hessische Fortschrittspartei in den politischen Angelegenheiten des engeren Vaterlavd-s an den liberalen Grund­sätzen der Gesetzgebung der siebziger Jahre festhalten und die Rechte des Staates gegen ultramontane Übergriffe verthetdigen."

In der hierüber sich entspinnenden Debatte wird von verschiedenen Seiten nicht nur für eine etwas präcisere Fassung des Ausschuß-Antrags platbirt, und vorgeschlagen, die Wortemit den Grundsätzen" einfach wegzulassin, sondern es wird auch beantragt, die Ueberetnstimmung der Versammlung nut der Heidelberger Erklärung ausdrücklich tn dem Sinne der durch Herrn Dr. Miquel auf dem Neustadter Parteitage gegebenen Erläuterungen" auszusprechen.

Der Vorsitzende fordert schließ! ch Diejenigen auf, sich zu erheben, welche mit den Miquel'schen Erklärungen nicht einverstanden seien.

Da sich Nstmand erhob, so erklärte sich der Antragsteller dieses PassuS, Herr Guntrum-Benshetm, für befriedigt und zog feinen Antrag, betreffend Zustimmung zu den Dsiauel'schen Erläuterungen, zurück, worauf der erste Absatz des Ausschußantrags tu der Fassung:Die hessische Fortschrittspartei spricht ihre Ueberetnstimmung mit der Heidelberger Erklärung au« rc.-, einstimmig zur Annahme gelangt.

Von der Annahme des zweiten Absatzes des Landesausschuß-Antrags wurde ab­gesehen, dagegen der Landesausschuß beauftragt, <m Sinne dieses Absatzes im Verein mit den Landtagsabgeordneten der Partei einen Wahlaufruf zu erlass-n.

Man ging hierauf zur Berathung der Neuorganisation der Partei über.

Herr Marx,Worms stellt den Antrag:Daß In jedem hessischen Reichstags, wahlkce'.s schleunigst eine Organisation der Partei durch Bildung von Comite's vor­genommen werde, und daß von jedem Wahlkretscomite zwei Mitglieder zu Mitgliedern des Landeßausschusscs ernannt werden. Einstweilen soll der jetzige LandeSausscbuß bestehen bleiben." Nur hierdurch werde eine voll- und einheitliche Vertretung geschaffen werden können.

Herr Heyl-Worms beantragt:Die Landesversammlung beschließt, daß ge­geben, n Falle« tn allen hessischen ReichstagSwahlkretsen Candtdaten der national- liberalen Partei aufgestellt werden."

Herr Dr. Osann-Darmstadt empfiehlt die Gründung eines Landesoereins, zu­nächst bestehend aus dm heute hier anwesenden Herren, waS angenommen wird.

Der Marx'sche Antrag wird angenommen.

Ueber den Heypschen Antrag entsptnnt sich eine lange und hitzige Debatte. Von den Gegnern w'rd die Annahme des Antrags für gleichbedeutend mit einer Knechtung der Parteigenossen gehalten. Die Folge würde sein, daß nur die Extremen gewählt würden.

Herrvr.Dittmar.Gietzen ergreift die Gelegenheit, zu erklären, daßeinzelne Mit­glieder des nationalltberalen Vereins in Gießen bet der Schwierigkeit, einen Mann nanonaUtberaler Gesinnung durchdringen zu können, die Ansicht geäußert hätten, daß der Secesfionst Herr Gutfleisch bei einer Neuwahl unterstützt werden müsse. (Zahlreiche Rufe des Mißfallens.) Man möge nicht fordern, daß in jedem Wahlkreise national­liberale Car-drdaten ausgestellt werden sollen (zahlreiche Zurufe: O ja!), gleichviel, ob sie unterliegen. Ein wirklicher Beschluß aber, Herrn Gutfletsch zu unterstützen, sei nicht gefaßt worden.

Herr vr.Muhl aus Gießen, Vorsitzender des dortigen nationalliberalen Vereins, erläutert die (bereits ongedeuteten) Gründe, welche die Partei tn Gießen zwängen Gutfletsch zu wählen, wenn nicht die Reacttonäre dort siegen sollten. Unter den ob­waltenden Verhältnissen thu; ihm diese Wahl keinen Augenblick weh, und man werde Gutfleisch wählen,mögen Str hier beschließen, was Sie wollen!"

Herr Dr. Osann gibt seiner Verwunderung über diese Bemerkung deS Herrn Muhl Ausdruck und fragt, wozu man denn eigentlich einen LandtzSausschuß, eine Landesverfammlung brauche, wenn man auf deren entschieden ausgesprochene Wünsche fetne Rücksicht nehmen wolle.

Herr Bürgermeister chl er-Worms erklärt, daß Derjenige, der die Heidel­berger Erklärung unterschrieben und ihr zugestimmt habe, ein- für allemal das Tisch­tuch zwischen sich und der deutsch-freisinnigen Partei zerschnittcn habe. (Großer Beifall.) In demselben Sinne spricht sich die Mehrzahl der Redner aus. Man betont außerdem vielseitig, daß es ein großer taktischer Fehler wäre, gar keinen Candidaten aufzustellen; es müsse schneidig und energisch vorgegangen werden; komme es zur Stichwahl, so sei ts drffer, gar nicht zu wählen Von verschiedenen Selten wurde erklärt daß die welche einen Dcutsch-Freisinrtgen unterstützen, nicht mehr zur Partei gezählt werden könnten, denn gegen die Deursch-Freisinnigen klar und fest Stellung zu nehmen sei eine Lrbensbevingung für bU nationalliberale Partei.

Großen Beifall fand eine längere Auseinandersetzung des Herrn Prof. Oncken aus Gießen, welcher entschieden Front machte gegen die Anschauung im dortigen nattonolltberalen Verein, der er sich und Viele mit ihm, wenn sie zum Beschluß werden sollte, nicht unterordnen würde, denn Herr Gutfleisch habe erktärt, gegen Verlängerung des Socialistengesetzrs stimmen zu wollen, ein Punkt, der entscheidend sei. Einen solchen Mann könne man nicht unterstützen. Redner wies sodann auf die interessante That- sache hin. daß Hasenclever und Grillenberger offen im Reichstage sich als Gegner der Anarchisten bekannt hätten, was ihnen nur dadurch ermöglicht worden fei daß da« Social.stengesctz diese gemäßigten Vertreter der Socialdemokralie von der Tyrannei des revolutionären Flügels der Sooalbemokratm befreit habe. Die Wirksamkeit des Gesetzes fet eminent beruhigend und sie ermögliche eine sachgemäße Discussion, während nn Augenolicke, in dem es aufgehoben w-rde, die ganze frühere Agitation wieder von Neuem beginnen werde. Ein solches Gesetz müsse, so lange die sociale Frage noch nicht weiter vorgeschritten, aufrecht erhalten bleiben. So lange der Parlamentarismus und die constnutionklle Monarchie extftire, sei noch nie der Versuch gemacht worden, die sociale Frage zu losen, geschweige denn auf parlamentarischem Wege zu lösen. Ge- lmgen könne das nicht mit dem ersten Schritt, aber schon der bloße Versuch fei eine

i n, Tatsachen der deutschen Geschichte, die man unterstützen und nicht hindern müsse, wie letzteres von den Deutsch-Freisinnigen geschehe.

. bt; Frage was denn zu thun sei, wenn es zur Stichwahl zwischen einem

deutsch freisinnigen und einem frei-consnvattven Candidaten komme, wurde aufgeworfen und ein diesbezüglicher Antrag von einem Herrn Metz zu formuliren versucht. ES kam indeß zu einem Antrag nicht. Wohl ober fand die Anschauung der Herren Dr. Osann und Heyl, welche zu Gunsten der Frei konservativen sprachen, beifällige Aufnahme. Ein vermittelnder Antrag beS Herrn Dr. Osann, zu sagen:Die Landes- Versammlung der hessischen Fortschrittspartei erwartet, daß rc." anstatt:beschließt,

2k .WUTbe abgelehnt und der Heyl'sche Antrag mit großer Stimmenmehrheit un­verändert angenommen. Schluß gegen Uhr. (F.

England.

London, 26. April. In dem bekannten Confections - Geschäfte von Whiteley in Bayswater brach heute Morgen ein Feuer aus. Der anaerichtete Schaden wird aus eine halbe Million Psd. Sterl. geschätzt.

Gestern wurde bei Felling unweit Newcastel ein Kahn, worin mehrere deutsche Matrosen nach einem naheliegenden Kanonenboote übersetzen sollten, durch einen im Momente des Abgehens in den Kahn springenden Mann zum Um­schlagen gebracht. Bon den Insassen ertranken 6 (4 Deutsche, 2 Engländer).

Nach den Meldungen verschiedener Zeitungen aus Kairo vom gestrigen Tage hat der Vertreter Englands daselbst von Berber die Mitteilung erhalten, daß cs fortan nicht mehr möglich sei, Briefe oder Telegramme nach Khartum gelangen zu lassen. Die letzten Briefboten seien unverrichteter Sache zurückge­kehrt. Die Lage Berbers sei hoffnungslos. Osman Digma stehe mit seinem Anhang bei Handuk, 7 Meilen von Suakim entfernt. Die bei Suakim befind­lichen englischen Kanonenboote träfen Vorbereitungen, um bei einem etwaigen Angriffe aus Suakim Widerstand zu leisten. Zebehr Pascha soll mit den jüng­sten aufständischen Bewegungen im Norden von Khartum im Zusammen­hang stehen.

Birmingham, 26. April. Bei der heutigen Verhandlung gegen den am 11. ds. wegen des Besitzes von Sprengstoffen verhafteten Egan vor dem Polizeigerichtshofe erklärte der Ankläger, in dem Garten des Egan sei eine gedruckte Constitution der irischen Republik gesunden worden, worin es heiße, die irische Republik solle von einem elfgliederigen obersten Rath regiert werden!

Kossand.

Haag, 26. April. In der ersten Kammer interpcllirte Müller über den augenblicklichen Stand der Frage des Congo-Vertrages. Der Minister Vander- doos anerkennt das große Interesse an, das der Vertrag für den niederländischen Handel habe, und welcher der Regierung das Recht gebe, die Interessen so zu vertheidigen, wie es bereits geschehen. Die Niederlande beanspruchten nicht die Souveränität am Congo; sie wollten lediglich ihre vom Vertrag ignorirten com- merciellen Verbindungen fordern. Die Regierung sei überdies frei in ihrer Entschließung und werde dieselbe verantworten.

Italien.

Turin, 26. April. Bei Eröffnung der nationalen Ausstellung hielten Prinz Amadeus, her Präsident der Ausstellung, Villa, und bet Minister Grimaldt Ansprachen. Ersterer hob hervor, baß Italien alsbald nach der Beendigung des nationalen Kampfes fich mit gleichem Eifer dem wirthschastlichen Aufschwünge gewidmet habe. Villa sagte, Italien wolle fdne Siege nur durch Werke des Friedens unb der Arbeit erringen. Er begrüßte das diplomatische Corps, dcffen Anwesenheit ein Beweis von der Runetfluna der befreundeten Mächte für Italien sei. Grimaldt erklärte, nach dieser Feier fei DU Epoche der Ausstellungen geschlossen. Volk und Regierung müßten sich sammeln, «in- gedenk der 2Bo4e Victor Emanuels, daß Institutionen nach ihren Wirkungen für baS moralische unb materielle Wohl gewürdigt werben.

Spanien.

Madrid, 26. April.Imperial" meldet, einige Osficiere unb Unteroffidere wurden in Barcelona verhaftet, ebenso in Cordova ^n Gendvarmerie-CapitSn, in Cad x 4 Civilpersonen.

Seröien.

Belgrad, 26. April. Zum Empfang des österreichischen Kronprinzen- Paares werden große Vorbereitungen getroffen, die Straßen und Häuser werden geschmückt; es sind 5 Triumphbogen errichtet. Zum Tages-Commandan!en ist General Ovanovic ernannt worden.

Rumänien.

Bukarest, 26. April. Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Oesterreich sind gestern mit einstündiger Verspätung gegen 9 Uhr Abends eingetroffen. Der König und die Königin waren dem Kronprinzlichen Paare entgegengefahren. Auf dem beflaggten und hell erleuchteten Bahnhofe harrten die offiziellen und ge­ladenen Gäste, sowie eine Deputation der österreich-ungarischen Kolonie, während sich außerhalb desselben eine ungeheuere Menschenmenge versammelt hatte. Nach dem Eintreffen des Zuges, der mit Kanonensalven und der österreichischen Nationalhymne begrüßt würbe, fanden d'e gegenseitigen Vorstellungen und die Revue über die am Bahnhof aufgestellten Truppen statt. Die Gemahlinnen der Würdenträger überreichten der Kronprinzessin Bouquets. Der König hatte die österreichische Uniform angelegt. Durch die beflaggten und beleuchteten Straßen erfolgte unter enthusiastischen Zurufen und Ovationen in Galawagen die Fahrt zum Palais, wo von 10 Militärmusikcapellen unb 150 Tambours ein Zapfenstreich bei Fackelbeleuchtung ausgeführt wurde» Der König und die Königin erschienen mit dem Kronprinzenpaare auf dem Balkon und wurden von iber Bevölkerung laut begrüßt, wobei die Musikkapellen die österreichische Nationalhymne und die Brabanyonne spielten.

Bukarest, 26. April. Bei dem Empfange der Vertreter der öster­reichisch-ungarischen Kolonie, welche von dem österreichisch-ungarischkn Gesandten v. Mayr vorgestellt wurden, reichte der Kronprinz jedem der letzteren die Hand und sprach seinen Dank aus für den schönen Empfang und für die vielen Beweise der Treue und Loyalität, die ihm und seiner Gemahlin aller Orten gegeben worben seien, er werbe bem Kaiser hierüber mit Freube berichten Die ben, Vertretern ber österreichisch-ungarischen Kolonie ertheilte Audienz währte eine halbe Stunde. Der Vorbeimarsch des II. Armeekorps erfolgte vor dem königlichen Palais, in dessen Hofe der Kronprinz Rudolf zu Pferde Ausftellung genommen hatte, während die Königin und die Kronprinzessin vom- Fenster aus zusahen. Der König führte unter dem Jubel der Bevölkerung mit gezogenem Säbel die Truppen vor.

Aegypten.

Ksiro, 26. April. Die Antwort der britischen Regierung ist einge- troffen; es wird darin erklärt, die Expedition nach Berber sei gegenwärtig un­möglich und könnte vor 4 Monaten nicht abgehen. Die Entscheidung wurde dem- Gouverneur von Berber mitgetheilt; derselbe ist ermächtigt, wenn irgend möglich, fich zurückzuziehen. Der Gouverneur Dongolas suchte telegraphisch um einen Urlaub nach zur Pilgerfahrt nach Mecca.

Telegraphische Depeschen.

Wslst'S telegr. Lsrrespondenz-B«r<a«.

Madrid, 28. April. (Privat-Depesche). Auf der Eisenbahn zwischen Badajoz und Ciudad-Real sand gestern eine Entgleisung eines Eisenbahnzuges statt. Der Zug stürzte in den Fluß. Die Zahl der Tobten beträgt mehr als 60, darunter gegen 50 beurlaubte Soldaten. Einige Journale glauben, der Unfall sei von verbrecherischer Hand herbeigeführt.

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