Dienstag -en 29. April
18S1
Nr. 99
Erscheint tLgttch mit Ausnahme des MsntagS.
W«reanr Schulstraße 7.
a-en
PreiH vierteljährlich 2 Marr 20 Pf. nnt Bringerlohn.
Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mar! 50 Pf.
von der deutschen freisinnigen Partei verschärften Fasiung einstimmig angenommen, wobei der Staatsminister von Bötticher die baldige Embringung des von der Preußischen S!Lü Legierung geplanten Gesetzentwurfs bet dem Bundesrathe in Aussicht stellte.
— Die Baucommtssion des Reichstages genehmigte unter dem Vorsitze des StaatSsecretärS von Bötticher definitiv den abgeänderten Bauplan des Reichstags- gebäudes. Der Kaiser soll nunmehr gebeten werden, den Termin für die Grundsteinlegung zu bestimmen.
— Der Magistrat hat in seiner heutiqm Sitzung beschlossen, die Beschwerdeschrift der Stadtverordneten über den Erlaß des Oberpräsidenten, betreffend das Verbot, den Antrag Singer auf die Tagesordnung zu stellen, an den Minister des Innern abzusenden.
Berlin, 26. April. Wir entnehmen der „Franks. Zig." das Nachstehende: Das Wesentliche über die Beschlüsse der Commission des Reichstages für das Soctaltften- gesetz ist bereits in Kürze mitgetdeilt. ES lohnt sich aber angesichts der Bedeutung, welche diese Frage für die gegenwärtige gesummte politische Situation hat, auf die sehr interessanten Vorgänge in der Commissinn im Zusammenhänge einzugehen- Nachdem sich in der Generaldebatte gezeigt hatte, daß der Reichskanzler, Herr v. Putlkamer und die Conservativen hauptsächlich die anarchistischen Umtriebe und Attentate für die Verlängerung ins Treffen zu führen und die Soctaldemokraten und Anarchisten zu tdenti- ficiren suchten, mußte den Gegnern des Gesetzes daran liegen, in der Commission erstens die von Herrn v. Puttkamer versprochenen Aufklärungen über anarchistische Umtriebe zu erhalten und zweitens unzweideutig nachzumeisen, daß sie sofort bereit find, gegen die Anarchisten und ihre Unthaten die strengsten gesetzgeberischen Maßregeln zu unterstützen. So e. klärt es sich, daß die Freisinnigen in der Commission mit allem Nachdruck darauf bestanden, daß zunächst die zweite Wlndthorst'sche Resolution berathen würde, welche die Regierung zu einem Gesetze gegen den Mißbrauch von Sprengstoffen also gegen die sogenannten anarchistischen Attentate ouffordert. Auffallender und sehr bezeichnender Weise stießen sie dabet auf den Widerstand der Regierungsoertreter und der Conservativen. Herr v. Puttkamer vermied eS unter verschiedenen Vorwänden, die versprochenen Aufklärungen über anarchistische Umtriebe zu geben und auch die Aufforderung, ein Gesetz zur Verhütung anarchistischer Attentate vorzulegen, wurde ausweichend behandelt. Es hieß, man sei mit der Vorbereitung dazu beschä.tigt; die Schwierigkeiten seien sehr groß u- s- w Als in der heutigen Sitzung trotz deS Widerstandes der Conservativen zunächst über diese Frage verhandelt wurde, macht«! Baumbach, Richter und Hanel der Regierung ernste Vorwürfe, daß sie, wenn sie die anarchistische Gefahr für so groß halte, nicht längst ein Gesetz dagegen eingebracht habe. Richter wandte das Wort, das der RetchSkanzler tm R-tchstage zebraucht hat, den RegierungSvertretern gegenüber an und fragte, ob sie etwa erst Blut sehen wollten. Als Staatssecretär v. Bötticher (Herr v. Putkamer war in der heutigen Sitzung nicht anwesend) wieder auf die großen Schwierigkeiten eines solchen Gesetzes htnwtes, erklärte Hänel, daß er bereits einen Entwurf fix und fertig habe und ihn, wenn die Regierung zaudere, einbringen werde. Richter bemerkte, daß ihm und seinen Freunden die Windthorst'sche Resolution, gegen die Herr v. Bötticher natürlich nichts etnzuweuden hatte, nicht scharf genug gefaßt erscheine. Er beantragte daher eine andere Fassung derselben, in welcher die Erwartung ausgesprochen wird, daß die Regierungen noch in dieser Session ein Gesetz gegen anarchistische Gefahren vorlegen werden. „ Auch^ Reichensperger sprach sich in diesem Sinne aus. Wiederholte Schlußantrage der Conservativen wurden von Richter in sehr energischer Weise zurückgewtefen, der schließlich, da die Regierung die versprochenen Aufklärungen über anarchistische Umtriebe zu geben vermied, selbst in dieser Beziehung Enthüllungen machte, um zu demonstriren, daß das Soctoltstengesetz anarchistische Attentate, mit denen es doch gar nichts zu schaffen hat, nicht zu verhindern vermöge. Er thetlte hierauf mit, daß er genau wisse, daß außer dem bekannten Neinsdorff noch acht Andere verhaftet worden sind, von denen zwei, der Eine in Elberfeld, der Andere in Naumburg, übereinstimmend aus- gesagt haben, daß sie vor der Einweihung des Denkmals auf dem Niederwald in eine Drainröhre 16 Pfund Dynamit in das Fundoment deS Denkmals gebracht haben. Nur durch den Regen und die Nasse des Bodens sei die beabsichtigte Explosion wahrend der Einweihung verhindert worden. Einige Tage darauf hätten sie das Dynamit wieder entfern^ wobei es in einem Zelte des Festplatzes zu einer ungefährlichen Explosion gekommen sei. In der Commission herrsche über diese Mtttheilung nicht geringes Erstaunen, das
AerttsHkand.
Darmstadt- 26. April. Gestern Vormittag besuchten Ihre Majestät die Königin Victoria, Ihre Königliche Hoheit bie Prinzessin Beatrice, Seine Königliche Hoheit der Großherzog, J.J. K. Gr. H.H. der Erbgroßher- Zog und die Prinzessinnen-Töchter am Jahrestag ihres Geburtstages das Grab Äer Höchstseligen Großherzogin Alice im Mausoleum auf der Rosenhöhe, um .die Grabesstätte mit Blumen zu schmücken und die Kränze daran niederzu- legen, welche aus England hierher gesandt worden sind.
Nachnnttags unternehmen Ihre Majestät die Königin Victoria, Ihre König!. Hoheit die Prinzessin Beatrice, Seine Königliche Hoheit der Großherzog, und Ihre Großh. Hoheit die Prinzessin Victoria eine Spazierfahrt in den Krarnchsteiner Wildpark
— Ihre Kaiserliche Hoheit die deutsche Kronprinzessin, Ihre Königlichen Hoheiten die Erbprinzessin von Meiningen und die Prinzessin Victoria von Preußen, sowie das fünfjährige Töchterchen der Erbprinzessin von Meiningen, Prinzessin Feodora, sind gestern Abend 9 Uhr dahier eingetroffen und von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog, Ihrer Großherzoglichen Hoheit der Prinzessin Victoria, Ihren Großherzoglichen Hoheiten den Prinzen Heinrich, Wilhelm und Alexander, sowie von den Prinzen Heinrich und Franz Josef Battenberg am Bahnhof empfangen und begrüßt worden. Die Herrschaften fuhren nach dein Schlöffe, wo sie abstiegen und .mit Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog soupirten, demnächst zur Begrüßung Ihrer Majestät der Königin Victoria in das Neue Palais.
— Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Beatrice von England und die Prinzessinnen Victoria und Elisabeth besuchten gestern Mittag das Alicehospital auf der Mathildenhöhe. Die Prinzessinnen wurden von der Vorsteherin Frl. Helmsdörfer und den: Geschäftsführer Regierungsrath v. Bechtold durch die sämmtlichen Räume der Anstalt geleitet und äußerten sich über alles Wahrgenommene in gnädigster Anerkennung.
— Die erste Kammer der Stände wird nicht vor Mitte der zweiten Woche des Monats Mai wieder zusammentreten. . ,
— Durch Beschluß des Vuudesraths ist der Besuch der hiesigen technischen Hochschule dem Besuch einer Universität int Sinne der Vorschriften für die Prüfung der Apotheker gleichgestellt worden- Es wird somit angehenden Apothekern von jetzt an Gelegenheit geboten sein, an der hiesigen technischen Hochschule ihre Studien zu absolviren und die pharmaceutische Staatsprüfung abzulegen. , r o r .
Berlin, 26 April- In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses legte bei der Dritten Lesung der Jagdordnung der Minister Lucius den Standpunkt der Regierung gegenüber den Beschlüssen der zweiten Lesung dar und bezeichnete hierbei «ls Verschlechterungen, denen die Regierung widersprechen müsse: die Beschlüsse, betr- die Bildung des Jagdoorstandes, den Modus der Verpachtung, den Sonntags-Para- araphen, das Verzeichntß der jagdbaren Thiere und die Vorschriften über den Wildschütz und den Schadenersatz. Bet der Spectaldiscussion wurden die von dem Ersatz des Wildschadens und dem polizeilichen Verfahren bet der Feststellung desselben handelnden Paragraphen 72 btS 81 wesentlich nach den Beschlüssen der zweiten Lesung respective thetlwetse mit den abändernden Anträgen der Abgeordneten Althaus und Arenberg angenommen- - Die Fortsetzung der Berathung findet Montag statt.
— Die Commission für das Soctalistengeietz trat heute auf Antrag des Ab- reordneten Richter zunächst in die Berathung der zweiten Resolution des Abgeordneten Wtndthorst, betreffend Den Verkehr mit Sprengstoffen ein. Dieselbe wurde in einer
W lkttiek' tften
M'»-"S s*.
***#
:rt) *
Modenlvelt. istärteZeituüK leite uiib Hans: eiten. Alle IW : Nummer. W Mjährlicd^lI ; 75 Kr. Jährlis . cheinen: iummern mit enu.Handarbkik j haltend gegen M । Bildungen mit Ä-: । ganze Gebiet in rasche für Dam, ivic für das zaetm ebenso die && mb die Bett- s e Handa'.beiltii ic
WSchnittmflm »er Garderobe w neichmngen P" ckerei, ME
■rjtitfflä** ingen «nd P' nnmmiarahSf '
; Wen l, Vpti"
eUbampfem bts ” flonb
Reis
ch A«rrik«
Betreffend: Die Ableistung des Verfassungseides. Gießen, am 26. April 1884.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an dis Groß her möglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Die Ableistung des Verfaffungseides der seit November v. I. aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großh. Hess. Unterthanen, welche sich, ohne Ortsbüraer ru werden, seit der bemerkten Zeit verheirathet haben, soll wie folgt stattsinden, nämlich : m ..,, . ,
derjeniaetl aus den in dem AurtSgertchtsbezirk Gießen liegenden Gemeinden Freitag den 16. Mai, Vormittags 10 Uhr, m dem derjenigen aus d-n"ü?den^Amtsg"richtsbrzirken Grünberg und Homberg liegenden Gemeinden Montag den 19. Mai, Vor- mittags 10 Uhr, in dem Rathhaus zu Grünberg, ... .
derjenigen aus den in den AmtSgerichtSbezirken Lich und Butzbach liegenden Gememdeu Freitag den 23. Ma», Bor mit tags
10 Uhr, in dem Rathhau» zu Lich und „ , , r. , , . an.;
derjenigen aus den in den AmtSgerichtSbezirken Hungen, Nidda und Laubach liegenden Gemeinden Montag de« 2b. wat, Vormittags 10 Uhr, in dem RathhauS zu Hungen.
Sie wollen die betreffenden Perfonen hiernach vorladen und daß dies geschehen, unter Namhaftmachung der Vorgeladenen, uns anzeigcn oder denchten, daß Niemand vorzuladen war.
Halten sich dergleichen Personen auswärts auf, so ist der Aufenthaltsort anzugeben.
Dr. Boekmann, ,
sch II.
'h h c
Kr
In der Nähe des Wismarer Steges, hart am Lahnufer, Gemarkung Gießen, wurde ein lederner Umhangeranzen, wie solcher vori den> Aroetterni und resp. Landleuten aus der Umgegend getragen werden, gefunden. Die angestellten Recherchen haben bis »etzt ergeben, daß die Möglichkeit, datz em Ung uckstall hier vorliege, nicht ausgeschlossen ist und wird deßhalb Jedermann, der etwa Auskunft ertheilen kann, aufgefordert, solche uns unverzüglich zntoinmen zu lasten.
Bemerkt wird noch, daß in dem Ranzen sich ein gelbes Taschentuch ohne Zeichen befindet.
Gießen, den 26. April 1884. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius. ..........................
•tm rcntetr tersehow.
vf, Gieße«.
an Alle, V' «Nglisih.
pantsch
W. sprecht» :
Wen durch die rla^anblmiß ! liß.
verbrrcktste ato I chi'> achrdrw n-;" ■ dräM frmm


