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Nr. SL Freitag den 29. Februar issi

Gießener Anzeiger

Amts- und Auzeigcblatt für den Kreis Gießen.

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1 p " Durch bic Post bezogen mertel lährlich 2 Warf 50 Pf.

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ZAtlicher Hheil.

Bekanntmachung.

Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem OrtSvorstand zu Allendorf a. d. Lda. die Srkaudniß ertheilt, in Verbindung mit dem im April d. I. daselbst stattfindenden Markte eine Verloosung von Vieh und landwirthschastlichen Gegenständen zu veranstalten. Es dürfen dabei höchstens 5000 Loose i 1 zur Ausgabe gelangen und müssen inindestens 70% des Bruttoerlöses aus den Loosen zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden.

Der Vertrieb der Loose ist im Großherzogkyum gestattet.

Dr. Voekman«.

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Volitifche UeberKcbt.

Gießen, 28. Februar.

Der Streit über den Lasker'schen Zwischenfall dauert in der Presse noch immer fort, namentlich die Berliner Osficiösen kommen immer wie» 5er hierauf zurück. Sie wählen indessen bei der Vertheidigung des Reichskanzlers bezüglich seines Verhaltens gegenüber der bekannten Resolution des amerikani- chen Repräsentantenhauses gerade nicht die geschicktesten Mittel. So richten die l Wciösen Organe jetzt ihre Angriffe gegen den amerikanischen Gesandten in Berlin, Mr. Sargent, dem sie Betheiligung an dem in der Union blühenden Äienbahnschwindel vorwersen. Eine solche Beschuldigung gegen den Gesandten einer fremden Macht ist in der That ungewöhnlich und nur geeignet, die leise, schon in Folge derSchweinefleisch<Affaire" zwischen Deutschland und den Ver­einigten Staaten hervorgerufene Verstimmung zu verschärfen; hoffentlich wird der Streit über die ganze Laskerlche Affaire endlich ad acta gelegt, umsomehr, I a!S die Abberufung Mr. Sargent'S in naher Aussicht stehen soll.

Der anhaltische Landtag ist am Montag mit einer Thronrede .eröffnet worden, in welcher darauf hingewiesen wird, daß es die Absicht der Re- - gierung sei, für den Ausfall in den Erträgnissen der Leopoldrhaller Salzwerke eine Betheiligung der Negierung an der Fabrikation eintreten zu lassen.

In Dresden verschred am Montag der Staatsminister a. D. v. Friesen. (Richard, Freiherr v. Friesen, geboren den 9. August 1808 zu . rhürmtzdors bei Königstein i. S., trat nach Vollendung seiner Studien zu Frei­berg, Göttingen und Leipzig, 1835 in die KreiSdirection zu Leipzig ein und wurde am 6. Mai 1749 in Anbetracht der wichtigen Dienste, die er dem Lande n der damals so bewegten Zeit geleistet, zum Minister des Innern ernannt. Ja Folge von Differenzen mit dem Ministerpräsidenten v. Beust gab v. Friesen Ji>52 seine Entlassung, wurde aber schon im nächsten Jahre zum Kreisdirector n Zwickau ernannt, welche Stellung er 6 Jahre hindurch bekleidete. 1859 übernahm er das Ressort der Finanzen und 1866 nach dem Rücktritte Beust's ciich dasjenige der auswärtigen Angelegenheiten. An den Verhandlungen über die Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 nahm v. Friesen einen hervor­ragenden Antheil und ebenso an denen vom Jahre 1870 über den Anschluß * der süddeutschen Staaten. 1871 erhielt er den Vorsitz im Gesarnrnt-Ministe- | tmrn, 1876 trat er in den Ruhestand). Sein Hinscheiden wird im Lande das ausrichtigste Bedauern erregen.

Die kroatische Angelegenheit ist in Oesterreich in der .Erscheinungen Flucht" etwas zurückgetreten. Man darf aber deshalb nicht glauben, daß die ungarnfeindliche Bewegung in Kroatien nunmehr verschwunden ist, dagegen spricht Der ablehnende Beschluß der Agramer Handelskammer be­züglich der Beschickung der Landesausstellung in Pesth und überhaupt die ganze Agitation gegen die Betheiligung der Kroaten an dieser Ausstellung. Es wird deshalb dem Banns Graf Khurn-Hebervary noch manche schwierige Aufgabe zu lösen übrig bleiben, wenngleich durch die Ernennung der neuen Sectivns-Chefs Stankovic und Klein die in der kroatischen Landes-Regierung entstandenen Aacanzen wieder ausgefüllt sind.

Bonapartistische und Arbeiter-Demonstrationen wechseln in Frankreich wieder einmal ab. Bekanntlich hat in voriger Woche Prinz Jerome Napoleon, derrothe Prinz", an die Delegirten der bonapartistischen Lomit^s eine Ansprache gerichtet, in welcher er die Bonapartisten aufforderte, ihre Bestrebungen auf Herbeiführung einer Revision der Verfassung von 1875 ;u concentriren. Recht schlecht kommt der bekannte bonapartistische Schnapp- liahn Paul de Caffagnac in der Anwrache weg, dessen Politik Prinz Napoleon als eine prahlerische, ohnmächtige unv aufrührerische bezeichnete. Caffagnac ist in seinem OrganLe Pays" nichts schuldig geblieben, er spottet über die An­sprache desrothen Prinzen" an die Delegirten der Revisivnisten-Cornitcs und erklärt, daß derartige Comitös nicht existirten, sie seien nur Marionetten. Heben diesem häuslichen Zwist im Lager der Bonapartisten erregt besonders ter große Strike unter den Kohlenarbeitern im Norden Frankreichs, in den Gruben der Districte Lille, Denain u. f. w. Aufmerksamkeit. Ruhestörungen Kill) zwar noch nicht vorgekommen, aber die Anzahl der nach Tausenden zählen- l-n Strikenden ist geeignet, Besorgnisse emzuflößen, umsomehr, als die Kohlen- cmbeN'Gesellschast ihrerseits plötzlich 600 Arbeiter entlassen hat. Auch in 21. Etienne sind ca. 3000 Arbeiter beschäftigungslos, welche am Samstag ein \ \ Meeting veranstalteten, das aber resultatlos verlief.

In den leitenden Londoner Kreisen scheinen die neuesten Vor- gmge im Sudan eine völlige Kopflosigkeit erzeugt zu haben. Es zeigt sich dies an den einander geradezu entgegengesetzten Befehlen, welche von London der fischen Militärleitung in Egypten zugehen. Unter dem 24. Februar wurde

auf Befehl des Kriegsministers Marquis Hartington der Marsch des englischen Expeditions-Corps fiftirt, aber schon am nächsten Tag befahl Hartington den Weitermarsch. Anscheinend gedenkt die englische Heeresleitung dem immer un­bequemer werdenden Osman Digma endlich eine ernste Lection zu ertheilen. doch kommt vielleicht der Rebellen-General dieser Absicht durch einen Angriff auf Suakim zuvor. Der meuterische Geist, welcher unter den eingeborenen Truppen der dortigen Besatzung herrscht, wie die den Engländern feindliche Haltung der Bevölkerung würden wenigstens einen solchen Versuch begünstigen. In einem stricten Gegensatz zu dem militärischen Vorgehen der Engländer im Ost-Sudan steht aber die friedliche Mission Gordon im West-Sudan, hier will sich England mit dem Mahdi in friedlicher Weise auüeinandersetzen, dort wollen die Engländer seinem Unterbefehlshaber Osman Digma zu Leibe ober sollte Osman Digma ganz auf eigene Faust operiren? Jedenfalls decken sich die englischen Operationen bei Suakim nicht mit dem Charakter der Mission Gordon's.

In den spanischen Parteiverhältnissen bereitet sich eine über­raschende Wendung vor. Emile Castelar, der Führer der spanischen Intransi­genten, hotte kürzlich auf einem Spaziergange eine halbstündige Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Castillo und erschien am Sonntag auf einem Rout bet ber Herzogin von Mebina-Celi, wo auch ber König zugegen war. Man schließt hieraus auf eine Annäherung ber radikalen Partei an das gegenwär­tige conservative Cabinet, was für letzteres nur von Vortheil sein könnte.

Noch in dieser Woche syll das norwegische Reichsgericht zu Christiania fein erstes Urtheil, und zwar über den Präsidenten des Staats- rathes, (Seltner, fällen. Man glaubt, daß das Verbiet für (Seltner unb sieben feiner Collegen auf AmtSentsehung lauten wirb, bagegen bürste ber Rest bes norwegischen Minister-Colleqiums mit Gelbstrafen bavon kommen. Es läßt sich noch gar nicht absehen, welches bte Folgen ber Verurtheilung bes Cabinets fein würben, ba König Oscar entschlossen fein soll, keine neuen Rathgeber anzuneh­men, von benen sich voraussetzen ließe, baß sie in eine weitere Beschränkung ber königlichen Rechte willigen würden. (Siehe Depeschen. Reb.)

Deutschland.

Darmstadt, 26. Februar. Wir sinben uns in ber erfreulichen Lage, bie Verlobung Ihrer Großh. Hoheit ber Prinzessin Elisabeth, zweiten Tochter Sr. Königl. Hoheit bes Großherzogs, mit Sr. Kaiser!. Hoheit bem Großfürsten Sergius Alexanbrowitsch von Rußland mitthellen zu können.

Darmstadt, 27. Februar. Ihre Großh. Hoheit bie Prinzessin Eli­sabeth unb Se. Kaiser!. Hoheit ber Großfürst Sergius von Rußlanb empfingen heute Vormittag 10 Uhr bic Obersthof- unb Hofchargen, bie General- unb Flügelabjutanten Sr. König!. Hoheit bes Großherzogs, sowie bie persön­lichen Abjutanten ber Prinzen des Großh. Hauses behufs Entgegennahme der Glückwünsche zu Höchstihrer Verlobung.

Die Herren hatten darauf bie Ehre, auch von Sr. König!. Hoheit bem Großherzoge empfangen zu werben.

Morgen Abend halb 8 Uhr findet im Weißen Saale des Großh. Schlosses Galatafel statt, zu welcher an bie Mitglieder des diplomatischen Corps, an die Spitzen der Milllär- und Civilbehörden, sowie an bie Großh. Hofstaaten Einladungen ergangen sind. (Darmst. Ztg.)

Spanien.

Madrid, 26. Februar. Gegenüber den von außwSrttgen VlLtterv gebrachten MIttheUungen über Acte rdtgiöftr Intoleranz, bte in Spanien vorgekommen seien, wird von den Organen der Regierung hervorgehoben, datz jede angemessene Reclamation hierüber Gehör bei der Regierung finden würde, da dieselbe seft entschlossen sei, die Cultusfrethett zu respektiren.

Aegypten.

Kairo, 26. Februar. Aus Suakim vom 26. d. wird gemeldet: Die Truppen find gestern vorgerückt und haben ein vier Meilen von Trfnkitat befindliches, früher von Baker Pascha errichtetes Fort genommen, welches augenblicklich von 1000 Mann englischer Truppen besetzt ist. Der Feind floh. Der weitere Vormarsch soll am Donnerstag früh erfolgen und «erden die Truppen vorauSfichtlich Mittags bei dem 8 Meilen vom Fort gelegenen Elteb eintreffen, wo es zur Schlacht kommen dürfte Die feindlichen Streitkräfte werden auf 3500 Mann geschätzt.

Buller ist heute Nachmittag hier eingetroffen und sofort nach Triukitat ab­gegangen, wohin Admiral Hewett beretts heute bei Sonnenaufgang aufgebrochen ist.

Aus Suakim wird gemeldet, daß der Capitän des gestern dort eingetroffenea egypttscheu Dampfers ^Damanhar" fich weigerte, den ihm ertheilten Befehlen zu ge­horchen und nach Trinkitat zu gehen. Contreadmiral Hewett ordnete in Folge dessen seine soiorttge Verhaftung an und betraute 2 seiner Lieutenants mit dem Befehl üben das Schrff.