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200. Donnerstag den 28. August 1881

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.

_ " " o Drei- vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit BrinHerloSn.

Erscheint 1-glich mit Ausnahme des Montags. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Die

unterzeichnete Die

Bekanntmachung.

^"kn Mchwe^v^Thaisachen. welche hie Überzeugung oon dem ursächlichen Zusammenhänge der Krankheit mit einer im Kriege von 1870/71

$ L B sich ihr Verdienst beläuft;

4) den Beweis der vorhandenen verminderten Erwerbsfähigkeit.

Gesuche sind möglichst bald durch die Bezirksfeldwebel Herzurerchen.

Gießen den 16 August 1884. Großherzogliches Lqjidwehr-Bez^ks-Conmrando.

Gretzen. oen ir>. »ugun $$ Röder, Oberst z. D. und Bezrrks-Commandeur. ,

Commando wenden.

aber doch, daß die chinesische Gesandtschaft Pari« noch in voriger Woche ver> lasten hat, um nach Berlin zurückzukehren und somit w-tre auch die Melouirg von der angeblichen Wiederaufnahme der Verhandlungen falsch. Trotzdem kann man aber jeden Tag davon hören, daß die chinesische Regierung wieder emge- lenkt hat, da nun von den Franzosen vor Foutchou voller Ernst gemacht war« den ist. Noch am Freitag Nachmittag hat die französische Flotte Foutchou bombardirt, wodurch dar Arsenal zerstört wurde; gleichzeitig haben die Fran­zosen die vor Foutchou liegenden sieben chinesischen Kanonenboote genommen oder nach einer anderweitigen Meldung in den Grund gebohrt; die Nachricht ' daß zwei französische Kriegsschiffe hierbei auf den Grund gerathen seren, bestätig ich nicht. Da« europäische Viertel von Foutchou ist durch das Bombardement des Ortes in keiner Weife beunruhigt worden, was bewerft, daß 8nfceuf) bei feinem Vorgehen gegen die chinesischen Hafenstädte ersichtlich bemüht ist, die fremden Interessen zu schonen. Hebet den Eindruck, den ba« »ombarbement von Foutchou auf die Pekinger Regierung gemacht Hat, verlautet noch nichts, doch ist es nicht unwahrscheinlich, daß wie wir oben schon angedeutet man sich in Peking den Franzosen gegenüber zetzt zur Nachgiebigkeit entschließt. Foutchou selbst scheint von den Franzosen nicht besetzt worden zu sein, da es dem Avmiral Courbet wohl an den nöthigen Landungstruppen fehlt.

Der englische Speculationsgeist ist offenbar darauf bedacht, auch aus der französisch - chinesischen Affaire ein Profitchen herauszuschlagen. Auf einem Meeting angesehener Londoner Nheoer und anderer mit China m Handelrverbindung stehender Firmen ist der Beschluß gefaßt worden, Lord Gran« Me zu ersuchen, bei der französischen Regierung anzufragen, °b englisch Schiffe, mit Waffen und Kriegsmaterial beladen, unbehelligt in chinesische Häsen juge« lasten werden. Mit andern Worten: Die englischen Kramer wollen die Gele« genheit benutzen, den Chinesen Kriegsmaterial u. s w. ruzuführen, um hierbei ein erkleckliche« Sümmchen zu profitiren. Frankreich wird sich dies wohl Höf-

Die Cholora macht jetzt in Italien bedenkliche Sprünge. So ist sie ganz plötzlich in Spezzia, dem großen, südlich von Genua gelegenen italienischen Krieg«- und Handelshafen, aufgetreten und zwar N°ch °mem heftigen Gewittersturm. Die Cholera ist hier sehr bösartig fetteten benn von 70 an ihr Erkrankten starben 40. Auch in andern »^lienischen Orten wüthet jetzt die Epidemie in heftiger Weise; in der Stadt Susca (Provinz Cuneo) kamen innerhalb drei Tagen 108 Erkrankungen an der Cholera vor, von Denen 58 tödtlich verliefen. Auch aus Mailand und Neapel werden Cholerasälle ^Bedeutungsvolle Nachrichten kommen aus Süd-Afrika Boern und Engländer scheinen sich wieder feindselig gegenüber zu stehen, da das Zululand unter Die Schutzherrrschast der Transvaal-Republik gestellt worden ist. Und mehr noch: Das Portugiesenthum ist am Zambesi bedroht, und zwar von Seiten der eingeborenen Bevölkerung, die eine allgemeine Schsiderhebung m Scene gesetzt hat- Diese Ereignisse werden ihren Uesen Eindruck m Europa, namenllüh aber bei uns in Deutschland, wo man augenblicklich bie res afn- canae mit besonderem Jnterepe verfolgt, nicht verseh^.------------

TkleqraPhifche Deyefcheu. Wolfk s UUßt» es«.

Berlin, 26. Aug. DerReichs-Anz." thellt den Tod Lord Ampthills mit und fügt hinzu: Die kaiserliche Regierung beklagt den unerroorteten $ob de« ausgezeichneten Staatsmannes, welcher wahrend nahezu iMhnger Wir^ samkeit die Beziehungen Großbritannien« zu Deutschland vermittelte und durch seine reiche Bildung in weiten Kreisen sich zahlreiche Freunde erwarb.

Die Taufe des jüngsten Sohnes de« Prinzen Wilhelm ist verschoben ro°rbe1 Der Staatrsecretär Gras Hatzseldt trat nunmehr seinen Urlaub an und begab sich zunächst nach Frankfurt a. M. .(R.n

- Der frühere portugiesische Minister Serpa P'mertel ist hier emgetroffen.

Politische Ueberficht. !

Gieße«, 27. August.

Die Gerüchte über die signalisirte Kaiserzusammenkunft gewinnen jetzt eine positive Gestalt, insofern, al« von verschiedenen Seiten über- , einstimmend versichert wird, daß dieselbe in den ersten Septembertagen stattsin. , ben werde. Darüber, ob es sich nur um eine Begegnung Mschen Kaiser Wsth.lm , unb Kaiser Alexander handelt, oder ob auch der österreichische Monarch an der- selben theilnehmen wird, lauten die Nachrichten noch theilwe.se wider prechend Rach einer allerdings unverbürgten Meldung derKreuz-Ztg. wurde Stettin her Ort der Monarchen-Zusarnrnenkunst sein, roorauS der Schluß zu Ziehen wäre, daß sich hier nur die beiben erfteren ieits verlautet auch, daß Skierniewice, eine kleine Stadt m Russisch-Polen, an her Linie Warschau-Krakau, von welcher hier ein Schienenstrang nach Thorn abzweigt, zum Rendez-vous-Ort ausersehen sei. Da Skierniewice von der öster­reichischen Grenze aus mit der Bahn in ein paar Stunden zu erreichen ist, so Würde die Wahl dieser Stadt aus die Teilnahme Kaiser Franz Josefs an der Monarchen-Entrevue Hinweisen. Jedenfalls wird man in den nächsten Tagen hierüber wohl Näheres erfahren.

In den Berliner militärischen Kreisen sieht man nach Been­digung der Herbst-Dianöver großen und belangreichen Veränderungen in der Besetzung höherer militärischer Posten entgegen. q,., f

Der preußische Finanzminister v. Scholz ist in FnednchSthal bei Lohenelbe in Böhmen, wo er seinen Urlaub zubringen wollte, erkrankt, so daß er seinen dortigen Aufenthalt abbrechen und nach Berlin zuruckkehren mußte. Die Erkrankung trägt einen so ernsten Charakter, daß eme Uebernahme der Dienstgejchäste Seitens des Patienten für die nächste Zeit nicht zu erwarten^ist..trifft in Hamburg die neueste Post aus Süd- Afrika ein und mit dieser wird auch eine amtliche Klarlegung Der jüngsten Bor- qänge an der afrikanischen Westküste zu erwarten fein. Mittlerweile zeigt es sich, daß die Entfaltung der deulschen Flagge in Cameruns an der Goldkuste und in Anqra Pequena bei uns eine ebenso freudige Bewegung hervorgerufen bat als seiner Zelt die Kunde von der Erwerbung von Angra Pequena und es ist bezeichnend, daß die abfälligen Urtheile über die deutschen Colomal- Unternehmungen allmälig verstummen.

Die Nachricht, daß die österreichisch-ungarische Regierung vier Kriegsschiffe zur besonderen Wahrnehmung der handelspolitischen und con- sularischen Jntereffen Oesterreich-Ungarns entsenden wolle, deutet daraus hm, daß sich auch in Oesterreich eine Bewegung bemerkbar macht, die auf die Wahr­nehmung und Vermehrung der überseeischen Jntereffen gerichtet ist. BlS Ml trat der Umstand, daß Oesterreich eine verhältnißmäßig noch kleine Kriegs- Marine besitzt, einer entschiedenen Wahrnehmung der überseeischen commercteuen unb handelspolitischen Jntereffen Oesterreich-Ungarns hindernd entgegen. 2luch fehlt es in den österreichischen Hafenstädten an einer unternehmenden Kauf­mannschaft, in Triest z. B. findet sich kein solcher Handelsstand, wie m Ham­burg und Bremen, wo es Handelsfirmen giebt, die feit Generationen vom Baler auf den Sohn Schiffsrheder sind; die einst hochberühmten Häsen Dalmatiens haben keinen auswärtigen Handel, da der Unternehmungsgeist und der weite Gesichtskreis fehlt. Es steht aber zu hoffen, Daß in Oesterreich mit einer traf- tigeren Entwickelung ber Kriegsflotte auch bie Entwickelung ber Hanbelsflotte /eichen Schritt halten würbe. Wenn bie großen Kaufleute auf einen sichern Schutz rechnen können, werben sie ihre Kapitalien auch im überseeischen «anbei Megen unb Handelsverbindungen bis in bie fernsten Meere anknüpsen.

Heber bie französisch-chinesische Streit-Affaire hatte bet Telegraph au« Paris in ben letzten Tagen ein wunberdares Chaos von sich mibersprechenben Nachrichten gebracht. Namentlich barüber ob ber chinesische Sefanbte Li-^ona-Pao Pari« verlassen habe, ober noch bort weste, würben . fonwährenb wibersprechenbe Depeschen in bie Welt gesandt. Es scheint nun I