Folgende Interpellationen wurden noch beartwortet:
1) Die Interpellation des Abgeordneten Maurer, das C vildiener-Wittwen- Jnstttut betreffend.
Der Abgeordnete Schröder hatte den Antrag gestellt, den Ständen eine Gesetzesvorlage zu machen, welche das Cioildtener-Wittwcn-Jnstttut neu regele. Auf die Mittheilung der Regierung hin, daß sie schon fett längerer Zeit mit den Vorarbeiten zur Prüfung dieser Frage sich befaßt habe, wurde von beiden Kammern der Stände beschlossen, den Antrag des Abg. Schröder für erledigt zu erklären. Abg. Maurer stellte nun an Großh. Staatsregierung die Anfrage: Wie weit die zugesagten Vorarbeiten gediehen seien und ob die entsprechende Gesetzesvorlage nunmehr erwartet werden könne. Diese Interpellation wurde für erledigt erklärt, nachdem die Regierung eine Regelung der Sache für nächsten Landtag zugesagt hatte.
2) Die Interpellation des Abgeordneten Lautz, betreffend die Verlegung des Knotenpunktes der Hessischen Ludwigsbahu-Station WiebelSbach-Heubach nach Groß-Umstadt.
Se. Exc. Mtntsterialpräsident Schleiermacher antwortet Namens der Re- glemng, daß dieselbe den Antrag nicht unterstützen könne, da die Verlegung dieser Station einerseits sehr große Kosten (ca. 480,000 vM) mit sich bringen würde, andererseits aber auch verschiedene Gemeinden allzu große Entfernungen von der Station er- bielten. Abg. Lautz spricht sich nochmals für Verlegung aus, worin er von dem Abg. Osann unterstützt wird, und richtet schließlich an die Regierung die dringende Bitte, die Sache nochmals in Erwägung zu ziehen.
3) Die Interpellation des Abg. Metz über den Stand der Vorarbeiten wegen Erhöhung und Verstärkung der hessischen Rhetndämme und sonstigen Uferschutzbauten.
Don der Regierung wurde geantwortet, daß die Commission von auswärtigen Technikern noch nicht zusammengetreten sei, daß jedoch das Material für dieselbe bereit liege und im nächsten Landtag bestimmt eine Gesetzesvorlage gemacht würde. Die Sache wurde damit für erledigt erklärt.
4) Interpellation des Abg. Wasserburg, betr. Verletzung drS Wahlgeheim- niffeS durch eins richterliche Behörde.
Ministerialpräsideut Finger erklärt, daß er nicht im Stande fei, Über den Verlauf der Sache etwas Genaues anzugeben. Im Uebrigen könne die Regierung eine richterliche Entscheidung nicht antasten. Die Parteien hätten an höhere Gerichte appelltren sollen. Rach längerer Debatte,' an der sich die Abgeordneten Wasserburg, Frank gegen den Abgeordnetm Osann bethetltgten, wurde die Jntr.pellation für erledigt erklärt.
Letzte Sitzung des diesjährigen Landtags Freitag dm 27. Juni.
Krarrkreich.
Paris, 25. Juni Eine Mittheilung des Handelsministers, nach welcher heute 2 Cholera-Todesfälle in Toulon vorgekommen sind, besagt, daß alle Aerzte übereinstimmend der Meinung sind, die Cholera sei nur sporadischer Natur. Der allgemeine Gesundheitszustand in Marseille und in dem ganzen benachbarten Gebiet sei nach wie vor ein günstiger.
— Rach weiteren Meldungen aus Toulon sind im Laufe des Nachmittags noch 3 Cholera-Todesfälle vorgekommen, so daß sich die Zahl der am heutigen Tage an der Cholera verstorbenen Personen auf 5 stellt. Neuerdings choleraverdächttg erkrankte Personen sind in das Cwil-Hosptlal heute nicht elngebracht wordcn. Die Bevölkerung zeigt sich wieder beruhigt.
Rußland.
Odessa, 25. Juni. Der in seiner Wohnung tobt aufgefundene Adjutant der GenSdarmerte-Verwaltung, Capttän Gidscheu, ist, wie die Untersuchung ergeben hat, von seinem Diener zum Zwecke der Beraubung ermordet worden.
Nischrri-Nowgorod, 25. Juni. Bei den am 19. (7) d. M. Hierselbst stattgehabten Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung sind 8 Personen um's Leben gekommen und 9, daruntrr 5 lebensgefährlich, verwundet. Weitere Ruhestörungen sind hier nicht vorgekommen. Zur Untersuchung der Vorfälle 'st der Prokurator des AppellationSgerrchtshofs zu Moskau, Murawsiff, hier etngetroffen.
— Eine Publikation des Gouverneurs im heutigen Tageblatt macht gegenüber den hier verbreiteten Gerüchten, daß in Kunawino wohnende Juden ein Christenmädchen geschlachtet hätten, bekannt, daß, wie die strenge Untersuchung über die Vorgänge am 19. (7.) dss. Mts. ergeben habe, diese Gerüchte lediglich auf Erfindung beruhten.
Trlegra-Hischr Depesche«.
Wolff'- teles«. Eorresvorrdem-WrrLeatt.
Berlin, 26. Juni. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurden bei Gelegenheit der Berathung des Handelsvertrages mit Corea die Dampfersubventionsund Colonialfragen in eingehendster Weise berührt. Hierbei betonten dre Conseroattven und Nationalltberalen den unmittelbaren Zusammenhang dieser Fragen und traten für das Zustandekommen der Dampfersubventron ein, während das Centrum und die Freisinnigen in Rücksicht auf die erheblichen finanziellen Anforderungcn eine vorherige sorgsame Prüfung — die in dieser Session jedoch nicht mehr möglich sei - forderten. Fürst Bismarck wies den Vorwurf zurück, als ob die Vorlage durch ihn verzögert sei und bedauerte, daß ein Theil des Hauses ihm nicht das nöthige Vertrauen entgegenbringe. Indem er auf seine jüngsten Erklärungen zurückkam, wiederholte er, daß es sich um eine Colontalpolittk durch Reichszuschuß und Reichsschutz, aber nicht um utopische Ideen, — nicht um die Gründung neuer Provinzen handle. Wenn Deutsche im Auslande von dem Reiche Schutz verlangten, dann könnte er denselben nicht versagen, eine solche Bankerotterklärung könnte er nicht abgeben. Die späte Einbringung der Vorlage sei zu erklären durch die ausgedehnten Verhandlungen mit dem befreundeten England wegen Angra Pequena. Der Reichskanzler bedauerte sodann, daß sein Gesundheitszustand es ihm nicht gestatte, die Mittheilungen soweit auszudehnen, wie er es gerne möchte und bedielt es sich vor. in der nächsten Session auf die Vorlage zurückzukommen. — Der Abgeordnete Richter äußerte, daß durch die heutigen Verhandlungen, bet welchen die von dem Fürsten Bismarck abgegebenen Erklärungen viele Befürchtungen zerstreut hätten, die ganze Situation wesentlich zum Vortheil der Subventionß- vorlage geklärt würde. — Hierauf ergriff Fürst Bismarck von Neuem das Wort- Es freue ihn ungemein, daß der Abgeordnete Richier jetzt der Vorlage viel näher stehe; fahren Sie nur so fort!" (Heiterkeit.) Wenn die Regierung sich in fünf Minuten über die allerwichtigsten Amendements schlüssig machen müßte, so könnt-n sich doch die Commission und das Plenum in vier Wochen über die Regierungsvorlage schlüssig machen. Die subventtontrten Postdampfer würden die Auswanderung nicht fördern Wenn die Auswanderungslustigen Export und Schutzzoll batten, würdm sie im Lande bleiben. Was die in der Commission erwähnte Festung Metz betreffe, so habe er (der Reichskanzler) sie nur in der Antwort auf eine Bemerkung des Abgeordneten Bamberger erwähnt. Uebr'gens habe man früher lange geglaubt, daß ein zweiter französischer Krieg ausbrechen werde. „Die Neigung hierzu war überall vorhanden, trotzdcm müssen Sie mir das Zeugniß ausstellen, daß ich es nicht dazu habe kommen lasten." Seit vierzehn Jahren habe Frankreich durch mehrere Regierungen hindurch Deutschland Vertrauen bewahrt, und unsere Beziehungen zu der französischen Regierung seien so vertrauttch und freundttch, wie zu der irgend eines anderen Landes. Es herrsche e n volles Vertrauen auf Gegenseitigkeit und Ehrlichkeit. Der Kanzler freue sich, diese Thatsachen bei dieser Gelegenheit hsrvorheben zu können.
Nachdem die erste Lesung geschlossen war, wurde sofort in die zweite eingetreten, wobei der Handelsvertrag mit Corea debattelos zur Annahme gelangte.
Die nächste Sitzung findet morgen statt.
Beuthen, 26. Juni. Die Beuthner Feuerwehr wurde zur Hülfe nach Schwientochlowitz allarmirt. Sämmtliche verschüttete Bergleute sollen noch am Leben sein ; 10 sind bereits herausgesördert.
, Breslau, 2£ Juni. Wie die Bresl. Ztg." meldet, sind acht von den in der Grube „Deutschland" Verschütteten lebend heraufgebracht worden und ist Hoffnung vorhanden, daß noch mehrere gerettet werden
m nunmehriger Feststellung beträgt die Zahl der in der Grube
„Deutschland" verschütteten Bergleute 42.
ParrS, 26. Juni. Nach den letzten Berichten aus Toulon find daselbst gestern Abend noch zwei Todesfälle an Cholera eingetreten, so daß fich die Ge- sammtzahl der gestrigen Todesfälle auf 7 beläuft.
— Nach hier eingegangener Meldung aus Hanoi vom 23. Juni hat eine Verletzung dcs mit China am 11. Mai abgeschlossenen Vertrages stattgefunden. Obgleich von Seiten der chinesischen Regierung die Räumung von Langson angemeldet worden war, wurde die französische Garnison am 23. Juni auf dem Marsche von etwa 4000 regulären chinesischen Truppen, welche verschanzt waren und Artillerie bei sich hatten, angegriffen. Die französischen Truppen verloren 7 Todte und 42 Verwundete. Negrier ist mit Verstärkungen nach Langson abgegangen.
— Eine an den Marineminister gerichtete Depesche vom 25. ds. bestätigt, daß eine Colonne von 700 Mann, darunter 300 tongkingnesische Hülfstruppen, als dieselben Langson besetzen wollten, in einem Defilv von 4000 Mann regulärer chinesischer Truppen angegriffen wurden. Die Colonne behauptete ihre Positionen und zwang den Feind zum Rückzüge.
— Der Ministerrath hat anläßlich des Gefechtes von Langson den General Millot telegraphisch angewiesen, die Rücksendung von Truppen aus Tong- king nach Frankreich einzustellen. Admiral Courbet, welcher sich gegenwärtig in der Vai von Along befindet, erhielt gleichzeitig Befehl, sich mit der Flotten- Abtheilung unter Admiral Lespes zu vereinigen. Admiral Courbet soll sich mit dem Gesandten Patenotre wegen der zu treffenden Maßregeln verständigen.
26. Juni. Depvtirtenkammer. Auf eine Anfrage Rouvier's erklärte der Handelsminister, er habe bisher zwei Berichte aus Toulon erhalten. Die Zahl der an der Cholera Erkrankten fei wenig erheblich, obwohl die Krankheit bereits vor zwölf Tagen zum ersten Male aufgetreten fei, die Krankheit habe also keinen stark um sich greifenden Charakter. Durch Reisende fei die Krankheit nicht verbreitet worden. Uebrigens hätten die Aerzte sich wiederholt dahin ausgesprochen, daß es sich um eine sporadische, nicht um die asiatische Cholera handele. Es seien alle Maßregeln getroffen worden, um eine Ausdehnung der Epidemie zu verhindern. Die Regierung habe niemals gezaudert, wenn es sich darum handelte, daS Land gegen die Mahr einer ansteckenden Krankheit von außerhalb zu schützen. Sollten außergewöhnliche Maßregeln nothwendig werden, so würden sie ohne Verzug ergriffen werden. — Der Conseilp resident Ferry erwiderte Tenot, der Gesandte Patenotre sei angewiesen worden, sich sofort nach Peking zu begeben, um wegen der Vorgänge bet Langson Ge- nugthuung zu verlangen; gleichzeitig habe Admiral Courbet den Befehl erhalten, mit zwei Geschwadern nordwärts zu gehen, um Patmotre zu unterstützen.
Rom, 26. Juni. Die italienische Postverwaltung ist davon verständigt worden, daß der postalische Packetverkehr von Frankreich nach Italien bis auf Weiteres eingestellt ist; von Frankreich kommende Correspondenzen werden an der Grenze desinficirt.
Konstantinopel, 26. Juni. Die Provenienzen aus Toulon haben sich einer regelmäßigen Quarantäne zu unterwerfen und müssen sich zu diesem Behufe ausschließlich nach Smyrna, Beiruth oder Tripolis begeben.
Lokale».
__ _ Gießen, 27. Juni. Nachdem in den letzten Tagen und zwar vom 9. bis 23. dS. zur Nachtzeit m hiesiger Stadt nicht weniger denn 36 Laternenscheiben zertrümmert worden, wurde in der Nacht vom 23. zum 24. ein Jünger der Wlssenschast dabei betroffen, wie er am Oswaldsgarten so lange an einem Laternenpfahl rüttelte, bis die Scheiben herausfielen und selbstredend zerbrachen. Außer diesem Zertrümmern von Scheiben sind in fragl. Zeit eine Menge von Beschädigungen an Wohnhäusern, Ausmachen von Laternen und zwar straßenweise, vorgekommen. Am tollsten war wohl die Nacht vom 23. zum 24., wo z. B. in den Neuen Säuen sehr grave Zerstörungen am Photograph Orth'schen Hause, wo das Firmenschild mit den Kloben herunter» gerissen und die neue Verschalung zerrissen, ferner der AuShängekaften der Photograph Wode Wrttwe vollständig zertrümmert und die in demselben befindlichen Photographien mitgenommen' wurden. Die Urhebers letzterer. Zerstörungen scheinen in der Nacht vom 25. zum 26. bet einem weiteren Demolirungsversuch am Orth'schen Hause ertappt worden zu fein.
— Am Samstag den 21. ds. hat ein 9jähr?ger Schuljunge einen 7jährigen Mitschüler derart mißhandelt, auf den Boden geworfen, mit einem Stück Holz geboxt und mit einem Stein auf den Kopf geschlagen, daß das arme Kind heute Nacht unter gräßlichen Schmerzen gestorben ist.
— Gieße«, 27. Juni. Die Tyroler Sängergesellschast Ludwig Rainer (sen.), die uns am 24. d. M. ergötzte, hat im Kurgarten von Wiesbaden an den darauf folgenden Tagen zwei Coucerte gegeben. Die Leistungen der Gesellschaft, berichtet die „Wiesbadener Zeitung", waren vorzüglich und ernteten bei den äußerst zahlreich erschienenen Gästen stürmischen Beifall.
Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
Samstag, den 28. Juni-
Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dingeldey.
3. Sonntag nach Trinitatis, den 29. Juni. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Vormittags 9^2 Uhr: Pfarrer Schlosser.
, Feier des heiligen Abendmahls.
Kinderklrche, Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Abend 8 Uhr in der Kleinkinderschule Bibelstunde, Apoftclgesch. Kap. 11, von Vers 19 an.
_ , r Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 29. Juni bis 5. Juli besorgt: Pfarrer Schlosser.,,
Am nächsten Mittwoch, den 2. Juli, feiert der Hessische Ha uptver- ern der Gustav-Adolfs-Stiftung sein Jahresfest hier tu Gießen. Der Fest- gottesdienst beginnt, um 10 Uhr; in demselben wird nach der Festpredigt der Vereins- prasident die Gemeinde begrüßen, dann wird der Jahresbericht verlesen, und zuletzt werden 3 Abgeordnete der benachbarten Hauptvereine kurze Ansprachen halten; weitere Verhandlungen finden nicht statt, der Gottesdienst wird baruni nicht allzulange dauern, und es wird, gewiß den meisten Besuchern desselben möglich sein, bis zu Ende auszuhalten. Diejenigen, die vor Schluß desselben weggehen müssen, werden gebeten, während der, Gesänge, nicht während der Ansprachen, die Kirche zu verlassen.
Die Gottesdienst-Ordnung, nebst Liedern, ist beim Eintritt in die Kirche zu haben, kann aber auch jetzt schon bei Herrn Kirchendiener Knoll abgeholt werden.
Die Emporbühnen und die hintere Hälfte des Schiffs der Kirche werden von halb 10 Uhr an allen Besuchern des Gottesdienstes geöffnet sein, die anderen Plätze bleiben den Theilnehmern am Festzuge vorbehalten.
Die Gemeinde wird freundlichst gebeten, durch recht zahlreiche Betheiligung am Gottesdienst, auch am Festzuge, die Feier unseres Festes zu fördern und sich selbst den Segen desselben zu gewinnen.
Katholische Gemeinde.
4. Sonntag nach Pfingsten.
(Fest der Apostelfürstcn Petrus und Paulus.)
Von 6 Uhr an: Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Commu- mon. VzlO Uhr: Hochamt und Festpredigt. 2 Uhr: Andacht.
Gottesdienst in der Iynagoge.
_ Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr,
Samstag Abend 910 Uhr.


