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Nr. IMS

Sanistag den 28. Juni

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E-,1Geint mit Ausnahme be» MonSsgA.

VW»saUr Schulstraße 7.

PreLK viei-teljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringerkohL Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Kf.

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AwLticher HHeiL.

Betreffend: Die Errichtung von Arbeiter-Colonieen. Gießen, den 26. Juni 1884.

Das GroßherZogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

In Auftrag Großherzoglichen Ministeriums benachrichtigen wir Sie, daß von dem Centralvorstand der Deutschen Arbeiter-Colonieen ein Korrespondenz­blatt, genannt:Die Arbeiter-Colonie", in monatlichen Heften herausgegeben wird, welches im Jahresabonnement 1 50 durch Agenten bezogen 1 25 H,

kostet. Das Blatt ist bestimmt, die Interessen der Deutschen Arbeiter-Colonieen und Naturalverpstegungs-Stationen zu fördern.

___________________________________________________Dr. Boekmann.__

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Abhaltung des Schützenfestes vom 28., 29., 30 Juni und 1. Juli 1884 in Gießen.

Während der Schützensesttage am 28., 29., 30. Juni und 1. Juli l. I. ist der Feldweg von der Licherstraße zur Grünbergerstraße insofern für Fuhrwerk und Reiter gesperrt, als dieser Feldweg bis auf einen für Fußgänger .frei bleibenden schmalen Pfad zu dem Festplatz zugezogen worden ist, so daß ein Fahren und Reiten an der fraglichen Stelle nicht stattfinden kann.

Gießen, den 27. Juni 1884. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

______________________________Fresenius._____________________

Politische »eberficht.

GLeßen, 27. Juni.

Die Colonialfrage für das deutsche Reich, welche schon län­gere Zeit auf der politischen Tagesordnung steht, ist in der Montags-Sitzung der Budget-Commission des Reichstages Gegenstand eingehender Erörterungen gewesen, denen der Umstand, daß der mitanwesende Reichskanzler das Wort ergriff und zum ersten Male in einer parlamentarischen Versammlung klar die Ziele seiner überseeischen Politik darlegte, eine ganz besondere Bedeutung ver­leiht. Es handelte sich um die weitere Berathung der vom Plenum nach der ersten Lesung an die Budget-Commission überwiesenen Dampfer-Subventions- Vorlage und richtete hierbei der Abg. Hammacher an den Kanzler die Bitte, womöglich über die Frage der gesammten Colonialpolitik der Reichsregierung Aufschluß zu geben. Der leitende Staatsmann hat dieser Bitte in bereitwillig­ster Weise entsprochen und die Ziele der deutschen Colonialpolitik dargelegt, welche darin gipfeln, daß das Reich sich in keine ungewiffen und kostspieligen Colonial-Unternehmungen im großen Style stürzen werde, wohl aber geneigt sei, kaufmännischen Privat-Unternehmungen in transoceanischen Gebieten vollsten Schutz und Unterstützung zuzumenden. Dem deutschen Unternehmungsgeiste, welcher im Auslande neue Ansiedelungen betreibt, müsse dort, wo bisher sich keine fremde Macht festgesetzt habe, die wünschenswerthe und nothwenvige Pro­tection des Vaterlandes zu Theil werden. In diesem Sinne sei auch die Angra- Pequena-Frage behandelt worden. Ueber den Ausgang dieser Angelegenheit machte Fürst Bismarck die erfreuliche Mittheilung, daß England nunmehr ein­gewilligt habe, daß die Lüderitzffchen Erwerbungen in Angra - Pequena unter deutschen Schutz gestellt worden sind. Aus den ferneren Aeußerungen des Reichskanzlers ging noch hervor, daß er auf das Zustandekommen der Dampfer- Subventions-Vorlage nach wie vor großen Werth legt und daß deren Ableh­nung Seitens des Reichstages seine (des Kanzlers) weiteren Entschließungen in der Colonialfrage bedenklich beeinflussen würde. Nach dem entschiedenen Ein­treten des Reichskanzlers für obige Vorlage steht zu erwarten, daß diese dem Plenum von der Commission zur Annahme empfohlen werden wird und eine bejahende Entscheidung des Parlaments würde die Colonialsrage um einen großen Schritt ihrer vom Fürsten Bismarck angedeuteten Lösung ent­gegenführen.

Seitdem der Reichstag das Unfallversicherungs-Gesetz in zweiter Lesung angenommen hat, arbeitet er mit Hochdruck. Zur Erledigung der zweiten Lesung der Actiengesetz-Novelle brauchte er nur die Sitzung vom Montag und wurde in derselben die Vorlage in allen Stücken in der von der Commission beantragten Fassung angenommen. In ebenso prompter Weise führte er am Dienstag die zweite Lesung des Militär- und Marine-Relicten- Gesetzes durch, welches gleichfalls nach den Commissions-Anträgen genehmigt wurde. Das Haus erledigte hieraus noch einige Petitionen und erklärte schließ­lich noch die Wahl des Abg. Leuschner im 17. sächsischen Wahlkreise wegen vielfacher Wahlbeeinflussungen für ungültig.

Auf dem Gebiete der hohen Politik herrschen die Erklärungen, welche von den Negierungen am Montag in den Parlamenten von Paris und London über vas englisch-französische Abkommen und den Stand der Conferenz- srage abgegeben worden sind, unbedingt vor. In reichster Fülle fließen die Mittheilungen über das westmächtliche Präliminar-Abkommen wegen Egyptens und namentlich berichtet der Telegraph über die Debatten in beiden Häusern des englischen Parlamentes bezüglich dieses Gegenstandes in ausführlichster Weise. Ueber die hauptsächlichsten Bestimmungen der Convention machte der Premier Gladstone folgende Mittheilungen im Unterhause, welche sich im Wesent­lichen mit denen, die Lord Granville im Oberhause und Ministerpräsident Ferry in der französischen Deputirtenkammer machte, decken: Die englische Regierung verpflichtet sich, am 1. Januar 1888 die militärische Occupation Egyptens auf- zuheben, falls die Mächte alsdann erklären, daß aus dem Rückzüge der engli­schen Truppen keine Gefahren für die Ordnung und den Frieden in Egypten

mehr erwachsen. Die General-Controle der egyptischen Finanzen abgeschafft und wird dafür eine internationale Schulden-Commission mit erweiterten Befug­nissen und einem Engländer als Vorsitzenden eingesetzt. Endlich verpflichtet sich die englische Regierung, die Neutralisirung Egyptens und des Suezkanals vor­zubereiten. Ferner erklärte Mr. Gladstone, die erste Conferenz-Sitzung würde kommenden Samstag stattsinden und würden bis dahin die weiteren Detalls des Finanzprojectes, mit welchem sich die Conserenz lediglich beschäftigen würde, den Mächten zugegangen sein. Sobald die Conferenz einen Beschluß gefaßt habe, solle derselbe dem Parlamente vorgelegt werden; falls aber letzteres diesen Be­schluß nicht billigen sollte, würde die Regierung unverweilt zurücktreten. Nun, dies strebt ja die Opposition in beiden Häusern des englischen Parlamentes aus allen Kräften an und es darf darum nicht überraschen, daß die oppositionellen Führer, Northcote, Salisbury u. s. w., das Arrangement bereits in heftigster Weise angegriffen haben und verlautet auch schon von einem in Vorbereitung befindlichen Tadelsantrage der Conservativen gegen das Cabinet Gladstone.

Wenn so dem letzteren das Abkommen mit Frankreich vor­aussichtlich noch heftige parlamentarische Stürme zuziehen wird, so hat dagegen die französische Deputirtenkammer die betr. Erklärungen Ferry's mit einer gewissen Reserve, jedoch gerade nicht ungünstig, ausgenommen. Es wurde dem Ministerpräsidenten bei verschiedenen Stellen sogar der Beifall der Kammer zu Theil und dies charakterisirt die Stimmung der maßgebenden republikanischen Fraktionen in der egyptischen Angelegenheit zur Genüge.- Ein unheimlicher Gast hat sich im Süden Frankreichs, in Toulon, eingestellt die Cholera. Dieselbe ist hier in den Marine-Hospitälern ausgetreten und obwohl osficielle Berichte besagen, daß man es nicht mit der echten, asiatischen, sondern nur mit der sporadischen Cholera zu thun habe, so haben sie doch nicht verhindern können, daß in Toulon vollständige Panik herrscht. Bis Dienstag Abend waren 6 Todesfälle an Cholera officiell bekannt.

In der italienischen Deputirtenkammer ist am Dienstag die Generaldebatte über das Budget des Innern zu Ende geführt worden, nachdem dieselbe überaus heftige Angriffe der Opposition gegen den Minißerpräsidenten de Pretis wegen dessen innerer Politik zu Tage gefördert hatte. Von den regierungsfreundlichen Deputirten Mordini und Minghetti wurde daher am Schluß der Debatte ein Vertrauensvotum für de Pretis beantragt, das aber nicht zu Stande kam, da diePentarchisten" und die radikalen Abgeordneten die Sitzung verließen und somit das Haus beschlußunfähig machten. Am Mitt­woch sollte die Abstimmung wiederholt werden.

In Norwegen thürmen sich der Neubildung des Cabinets immer neue Hindernisse entgegen. Professor Broch, welcher vom König mit der Lösung dieser Aufgabe betraut worden war, hat sich außer Stande gesehen, ein der Linken angenehmes Ministerium zu bilden und ist darum von dieser Aufgabe zurückgetreten. Es ist nun der Storthings-Präsident Sverdrup vom König ersucht worden, ihn in der Cabinetsblldung zu unterstützen. Sverdrup wird aber sein Ministerium jedenfalls nur aus den Reihen der Radikalen entnehmen und ob es in dieser einseitigen Zusammensetzung von dem Monarchen gutgeheißen werden wird, ist wiederum sehr fraglich.

Deutschland«

I. Darmstadt, 26. Juni. sZweite Kammer der ßanbßanbe.] Nach Er­öffnung der heutigen Sitzung machte der Präsident der Kammer Miltheilung von einem Edict Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, welches den Schluß des diesjährigen Landtags auf morgen, Freitag den 27. Juni, Mittags 12 Uhr, festsetzt.

Man schritt hierauf zur Berathung des Antrags des Abgeordneten El len berg er, die Vorlage eines Gesetzes über die Ablösung der auf Waldungen haftenden Berechtig­ungen betr.. Nachdem Ellenberger nochmals in längerer Rede seinen Antrag motioirt hatte, wurde der Ausschußantrag einstimmig angenommen, der, wie schon neulich be- richtet, dahin woöe Großherzogliche Regierung ersuchen, baldmöglichst einen

die neuere Adlösungsgesetzgebung berücksichtigenden Gesetzesentwurf, die Ablösung der auf Waldungen haftenden Berechtigungen betreffend, an die Stände gelangen zu lassen."