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Mittwoch den 28. Mai
Nr. 123
Dchvlstraß« 7.
Gießen, am 26. Mai 1884.
BrrLK vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringeriotz».
«rt Auörvrhme b*6 MsntSAS. §urch die Post bezogen vierteljährig 2 SRosi 50 Pi.
ium Unterhause und werden dieselben länger als eine Woche in Anspruch nehmen. Der Ausgang derselben wird für das Ministerium Tisza von besonderer Bedeutung sein, denn die Coalition der Magnaten, der hohen ^iftlichkert und der Antisemiten dürfte nichts unversucht lasten, um die liberale Mehrheit, auf welche sich Herr Tisza im Unterhause stützt, zu sprengen und so das liberale Regim in Ungarn zu stürzen. Auch die Radikalen und ferner die Kroaten, Rumänen u. s. w. machen große Anstrengungen , um ber den Wahlen so viel als möglich für sich herauszuschlagen und die Partei des Herrn Trsza wird oa ihrerseits ebenfalls Alles ausbieten müssen, wenn sie sich un Sattel behaupten will. — Das österreichische Abgeordnetenhaus dürste am Freitag oder spätestens am Samstag die Specialdebatte über die Arbeiter-Ordnung beendigt und somit feine Aufgaben im Wesentlichen erledigt haben.
Durch -in ganzes Heer von sich^kreuzenden und th-ilm-ff- wwer- sprechenden Gerüchten taucht, wenn auch noch in sehr nebelhafter Gestalt, das Prsject einer englischen Expedition zum Entsätze Khartums aus. Im englischen Kriegsministerium, wie in den Arsenalen von Woolwich soll bereits eine große Thätigkeit herrschen und glaubt man, daß die Expedition Anfangs August Kairo wird verlassen können. Die Regierung selbst hat in der Don- nerstagS-Sitzung des Unterhauses den Antrag auf Gewährung eines zweimonatlichen Kredits von 3V2 Mill. Pfund eingebracht und steht dkser Antrag jedenfalls mit dem Expeditions-Project in Verbindung; bestimmte Aeußerungen hierüber liegen jedoch von Seiten der englischen Regierung noch nicht oor. In der genannten Sitzung wurde von mehreren Seiten auch das Conserenz-^hema wieder angeregt, wobei der Premier Gladstone nochmals erklärte, daß er an der ursprünglich für die Conferenz angekündigten Basis ftsthatte. - Ueber den Empfang, den der englische Admiral Hewett anläßlich seiner Mission an König Johannes von Abyssinien in dessen Hauptstadt Adowa gesunden hat, waren recht ungünstige Nachrichten verbreitet worden, denen jetzt die englische Regierung durch die Erklärung entgegentritt, der Admiral sei in Adowa durchaus gastfreundlich ausgenommen worden. ... .
Ueber die auswärtige Politik Italiens hat der Minister des Auswärtigen, Mancini, in der Donnerstags-Sitzung des Senats recht werthvolle Erklärungen abgegeben. Aus ihnen ist zunächst zu entnehmen, daß Stauen durchaus keine Colonial-Politik treiben, sondern sich nur in Handels- und Wirth- schaftS-Colonien versuchen will. Weiter erklärte Mancini, die auswärtige Politik der italienischen Regierung werde auch seiner bestrebt sein , ine herzlichen Be- ziehungen Italiens zu allen Mächten noch mehr zu verbessern, zumal Italien mit einigen der Mächte durch besonders werthvolle Bande verknüpft Die Regierung sei außerdem entschlossen, nach Innen die Ordnung ausrecht zu erhalten und jede aufrührerische Kundgebung zu unterdrücken, die geeignet fei, die internationalen Beziehungen Italiens zu gefährden. Letztere Aeußerung ist offenbar an die Adresse der Irredentisten gerichtet und wird hostentlich ihre ernüchternde Wirkung für diese Herren nicht verfehlen. *
In Risch ist die Erösfnung der serbischen L-kup^chtina durchaus programmgemäß vor sich gegangen- Die vom König Milan persönlich verlesene Thronrede giebt von der inneren wie auswärtigen Lage Serbiens em im Allgemeinen recht erfreuliches Bild. Mit sichtlicher Genugthuung hebt die Thronrede den vorjährigen Besuch des Königs Milan bei den deutschen Kaiser- Manövern und die ihm hierbei von Kaiser Wilhelm erwiesenen Aufmerksamkeiten, sowie den jüngsten Aufenthalt des österreichischen Kronprinzenpaares m Belgrad hervor. Die Skupjchtina wählte hierauf die Mitglieder zu den Ädreh-,
Politische Ueberslcht.
Gieße«, 27. Mai.
-Die unerwarteten Aufmerksamkeiten, welche unser Kaiser der Kaiserin von Rußland bei ihrer Durchreise durch Berlin nach Rumpenheim, usp. Pbilippsruhe, erwiesen hat, sind ein weiteres Zeichen für die außerordentlich guten Beziehungen, welche gegenwärtig zwischen den Kaiserhosen von Berlin und Petersburg obwalten. Die Kaiserin Maria Feodorowna selbst ist durch di« überaus herzliche Begrüßung, welche ihr von Seiten des deutschen Kaisers « Theil geworden, höchst angenehm überrascht worden und hat sie von diesem Emvkang sowohl ihrem kaiserlichen Gemahl, als auch ihrem Vater, dem Könige van Dänemark, sofort telegraphische Mittheilung gemacht. Den Anlaß zur Reise der russischen Monarchin bildete bekanntlich die, Montag den 26. Ma», in Schloß Philippsruhe stattgefundene Vermählung des Erbprinzen von Anhalt mit der Prinzessin Elisabeth von Heffen-PhilippSthal. Die Trauungs-Feierlichkeiten batten einen außerordentlich glänzenden Kreis fürstlicher Gäste in PhistpMuhe versammelt, dem außer der Kaiserin von Rußland die Prinzessin von Wales mit ihren drei Töchtern, das kronprinzliche Paar von Dänemark, der Großherzog von Hessen, der Landgraf und die Landgräftn von Hessen, der Herzog und die Herzogin von Nassau, der Herzog und die Herzogin von Anhalt, die Großherzogin und der Erbgroßherzog von Mecklenburg-Streich, der Herzog von Cambridge u. s. w. angehörten, im Ganzen 55 fürstliche Personen. Auf der Rückreise von Philippsruhe nach Petersburg gedenkt die Kaiserin von Ruß- land am 4. oder 5. Juni in Berlin einzutreffen und hier einen mehrtägigen Ausenthalt zu nehmen. .
Prinz Wilhelm von Preußen traf am Freitag Vormittag von Petersburg in Moskau ein, von der Bevölkerung äußerst sympathisch empfangen, und nahm im Kremlpalais Wohnung. Ueber das Wiedereintreffen der Prinzen in Berlin ist noch nichts Genaueres bekannt.
Die auf parlamentarischem Gebiete eingetretene Stille wird, abgesehen von den Reichstags-Commissionen, nur noch durch die Sitzungen des Bundesrathes unterbrochen, welcher anscheinend gar keine größeren Psingstserten machen will. Die am 21. Mai abgehaltene Plenarsitzung ist nur deshalb erwäh- mnswerth. weil in ihr der Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des Gesitzes wegen Erhebung der Reichsstempelsteuer, den zuständigen Ausschüssen zur Vor- bieratbung überwiesen worden ist, welcher Gesetzentwurf also auch noch den Reichstag in dem kommenden letzten Abschnitt der Session beschäftigen wird. <^m fiebrigen ist seit der Vertagung des Reichstages und dem Schlüsse der preußischen Landtags-Session auf dem Felde der inneren Angelegenheiten eine merkwürdige Ruhe eingetreten und selbst von der Staatsrathösrage ist es vorläufig wieder still geworden. Auch die Fluch von Kommentaren zu dem Ber- liner Parteitag der Nationalliberalen hat sich wieder verlausen, nachdem alle Bekrittelungen der den Nationalliberalen mißgünstig gesinnten Preßorgane nichts cm dem Umstande haben hindern können, daß der Parteitag sich zu einer ebenso mürdigcn wie imposanten Kundgebung des gemäßigten Liberalismus gestaltete. Als Ergänzung zu der bekannten, in Berlin gesüßten Erklärung kann mau den wi angesehenen bayerischen Liberalen erlassenen Ausruf zur Bildung einer bayerischen Reichspartei" betrachten, die auf dem Boden des Heidelberger Programmes süßend, den Reichskanzler namentlich in seiner Socialpolitik kräftig MerMm chll^se nä($jlen $od?e beginnen in Ungarn die Neuwahlen
Betreffend - Die Einführung einer allgemeinen Einkommensteuer, hier die Wahl der Einschätzungs-Commissionen für 1885/86.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
Büraermeiftereien des Kreises (mit Ausnahme der Bürgermeisterei Gießen).
zwei Dritttheile dem Gemeindevorstand selbst angehören; wenigstens et« Mitglied-muß aber demselben angeboren.
S'SSÄ. lö,ra .« W «-E. * E. M M d-- W » S-»-° «>■ r«‘
nehmen lassen und das darüber aufgenommene Protokoll binnen 8 Tagen emsenden. v vt. Boek mann.
--------Betreffend: Die Schülerbibliotheken in den Volksschulen des Kreises Gießern am 261 SZai 1884' Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen
«m di- Schulvorstände des Kreises.
vr. Boekmann.


