Ausgabe 
27.11.1884 Erstes Blatt
 
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Nx. 278 Erstes Blatt. Donnerstag den 27. November 1884

Amts- und Anzeigtblatt für den Kreis Gießen.

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MreiA vierteljäbrttch 2 Mark 20 Pf. mit ©liiv Durch die Prist bergen vierteljährlich 2 Mar! E

Erscheint tÄflM mit deS MoutagS.

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Amtlicher Hheil.

Bekanntmachung

gewöhnlicher Tageardeiter wie folgt festgesetzt :

Betreffend: Die Ausführung des Reichsgesetzes über die Krankenversicherung der Arbeiter. , A

In Gemäßheit des Reichsgesetzes vom 15 Juni 1883 haben wir nach Anhörung der Gemeindevorstände den Betrag deS ortsüblichen Lagelohns

Großherzogliches Äreisantf Gießen, Dr. Boekmanrr.

die Höfe Albach, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Muschenheim und Hof Gill, Rieder-Bessingen, Ronnenroth, Obbornhofen, Ober-Bessingen, Ober- Hörgern, Rabertshausen und Hof Ringelshausen, Rodheim a. d. Horloff und Hof Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen:.

1) Für erwachsene männliche Arbeiter auf 1.50 Jl.

2) Für erwachsene weibliche Arbeiter aus 95

3) Für jugendliche männliche Arbeiter aus 80 H.

4) Für jugendliche weibliche Arbeiter auf 70 H.

I). Für die Gemeinden Allertshausen, Beltershain, Climbach, Ettingshausen, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Kesselbach, Lauter, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Odenhausen und Hof Appenborn, Queckborn, Reinhardshain. Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veilsberg und Wirberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain:

1) Für erwachsene männliche Arbeiter auf 1.45 «X

2) Für erwachsene weibliche Arbeiter auf 90 H.

3) Für jugendliche männliche Arbeiter aus 80

4) Für jugendliche weibliche Arbeiter aus 60 H.

zu gewähren ist.

Gießen, am 25. November 1884.

A. Für die Stadt Gießen:

1) Für erwachsene (über 16 Jahre alte) männliche Arbeiter aus 1.70 J4.

2) Für erwachsene weibliche Arbeiter auf 1.10 JL

3) Für jugendliche (unter 16 Jahre alte) männliche Arbeiter auf 80

4) Für jugendliche weibliche Arbeiter auf 75

L. Für die Gemeinden Albach, Allendorf a. d. Lahn, Allendors a. d. Lumda, Alt-Buseck, Annerod,. Bersrod mit Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen und Hof Heibertshausen, Garbenteich, Groß-Buseck, Groß-Linden, Grüningen, Hattenrod, Hausen, Heuchelheim, Klein-Linden, Lang-Göns, Leih­gestern, Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg und Hof Friedelhausen, Steinbach, Treis a. d. Lumda, Trohe, Watzenborn mit Steinberg, Wieseck:

1) Für erwachsene männliche Arbeiter auf 1.60 au

2) Für erwachsene weibliche Arbeiter auf 1 JL

3) Für jugendliche männliche Arbeiter auf 85

4) Für jugendliche weibliche Arbeiter auf 70

C. Für die Gemeinden Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt unb Hof Arnsburg, Holzheim, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Lich und Die hier festgestellten Löhne bilden den Maßstab, nach welchem .. ,c

bei der Gemeindekrankenversicherung (§ 4 des Gesetzes) das Krankengeld (§ 6) und bie Versicherungsbeiträge (§ J), bei Ortskrankenkaffen (§ 20 3ir. 3), Betriebs- (Fabrik-)Krankei kaffen (§ 64), Baukrankenkaffen (§ 72), Jnnungskrankenkaffen (§ 73) und bei ^den^inÄr^Geineinde domicikirtm Eingeschriebenen und sonstigen Hllfskaffen ohne Beitrittszwang (§75), wenn deren Mitglieder von der Gemeindekrankenversicherung und von der Verpflichtung, einer nach Maßgabe der Vorschriften des Gesetzes errichteten Krankenkasse mit Ausnahme der Knappschaftskaffen beizutreten, befreit sein sollen, das Krankengeld

" Betreffend: Wie oben.--------- , Gießen, am 25. November 1884.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglicherr Bürgermeistereien des Kreises. Wir beauftragen Sie, die vorstehende Bekanntmachung, soweit sie Ihre Gemeinden angeht, ortsüblich zu publiciren.

Dr. Boekmann. __

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Telegraphische Depeschen.

0^'9 Mrar. Gorvelponvem-Bvreir«.

Berlin, 25. Novbr. Die Rückkehr Ihrer Mas. der Kaiserin hierher wird am 2. Deceinber erwartet. Am Freitag trifft der König von Sachsen hier ein, um Se. Mas. den Kaiser zur Jagd nach Hubertusstock zu begleiten.

Bremerhafen, 25. November. In der heutigen Verhandlung des Seeamter, betr. die Collision des DampfersHohenstausen" mit der Korvette Sophie" stellte der Neichskommissar den Antrag auf Patententziehung gegen Len Kapitän destzohenstausen", Winter. Das Urtheil wird am 9. December 12 Uhr Mittags verkündet werden.

Paris", 25. November. Die am Sonntag anläßlich einer Arbeiterver­sammlung verhafteten Anarchisten wurden theils wegen aufrührerischen Hand­lungen, theils wegen Beleioigung der Polizei zu Gefängnißstrasen von 8 Tagen bis zu 4 Monaten verurtheilt.

Aus Oran werden 3 Cholera-Todesfälle gemeldet.

Paris, 25. November. Angesichts des fast gänzlichen Erlöschens der Cholera hat auch der Seinepräsekt die Veröffentlichung von Cholera-Berichten eingestellt.

Niga,- 25. November. In Folge Explosion eines Gasolin - Rohres ist heute Ntorgen das Hauptgebäude der hiesigen Fabrik desWestfälischen Draht- Jndustrie-Vereins" vollständig ausgebrannt. Auch die Lagervorräthe wurden theilweise beschädigt. Der Schaden wird auf etwa 150,000 Rubel geschätzt und wird durch die Affecuranzen gedeckt.

Gemäß eines Uebereinkommens zwischen einem Rigaer Rheder und den Rigaer -Mitauer und Libau-Romnyer Eisenbahn-Verwaltungen wird mit dem 1/13. December während der Winter-Monate ein directer überseeischer Verkehr von London, Hüll, Newcastle und Antwerpen, von Havre und Bordeaux, Lübeck und Kopenhagen via Libau nach Riga und umgekehrt zu einem ermäßigten Taris eröffnet werden. ~ c N r. .

Bordeaux, 25. November. Das hiesige JournalGironde" meldet die in Pauillac auf dem PaquetbooteVille de St. Nazaire" erfolgte Ver­haftung von vier angeblich deutschen Matrosen des italienischen SchiffesBerna", welche beschuldigt sind, in Santander einen Mordversuch aus ihren Kapitän be­gangen zu haben. Die vier Angeklagten sind hier gefangen gesetzt und dem ita­lienischen Consul zur Verfügung gestellt worden.

Petersburg, 25. November. Das Kaiserpaar ist heute nach Peters- bürg übergesiedelt.

Tarent, 25. November. In der letzten Nacht fing ein Waggon der von Reggio kommenden Zuges Feuer; ein Reisender kam dabei um.

Atom, 25. Novbr. DieAmtözeitung" veröffentlicht die Decrete, betr. die Annahme der Demission Ferracius, die Ernennung Pessine's zum Justiz­minister und Durando's zum Präsident des Senats ... ... r

Universität» - Chronik.

Gießen, 26. November. Unsere LndewigS>"n'»«si>« besuchen tn diesem Wintersemester 605 tmmatrifultrtc Studtrende, die Gesammtzahi sämmtttcher Zuhörer beträgt daaegen 527.

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G. Gießen, 26. November. sSterbltchkeit in Gleßen-l Die Sterblichkeit blieb auch während der Woche vom 16. bis 22. November wieder eine geringe, e8 ^^sneten sich wiederum nur 6 Todesfälle, davon 4 bet Erwachsenen, 2 bet Kindern. Bet den letzteren war einmal Nterencntzündung, einmal Gehirnentzündung die Todesursache. Von den Erwachsenen starb je eine Person an Altersschwäche, Her-krankheit. Lungen­schwindsucht und ein Mann von auswärts erlag den Folgen einer schweren Verletzung, bli er ©ieftcnT 26. Äommber. [Post festum.] Dos Programm be8 I. Abonnemeil!- Concerlo bes hiesigen Coac-ri-V-remS ward am letzten Sonntag so tr-W<d auSgesührl daß ein Bericht darüber ledigltch zum Loblied aus den Dirigenten, den Solisten und das Orchester werden muß.

IPugen'bjlIbeuTft^l°5>&filer so bedeutend, daß man sttueLetstungsn «t! ein paar conventionellen Phrasen nicht abthun kann. Wer daS Glück hatte, ihn vor einem Jahre zu hören, wird einen eminenten Fortschritt in feiner ganzen Entwicklung bemerken. Der Stürmer und Dränger, der vor mcht allzu langer Zeit die bedeutendsten Kritiker in Verlegenheit uno Verzweiflung trieb, unter dessen wuchtigem Anschlag d e Tasten zertrümmert zu werden schienen,,hat sich vollständig abgeklärt. Seine Techn.k ist kaum gestiegen - sie hat es nicht nothig doch sein ganzes Spül hat eine andre Physiognomie gewonnen. Bei feinem ersten Auftreten war es die dämonische Technik, die Jeden hinriß, die alle Aufmerksamkeit auf sich allein ziehen mutzte, denn sie war zu neu, zu eigenartig, zu riesig. Man konnte kaum auf den Zuhalt achten, so stavd man unter dem Banne seiner fast unfehlbaren Technik. Die

war damals förmlich zertrümmernd; man muß ihn Liszt3 ®s"d°r-.^n,r* ^bernApJll.n9 hören, wie dieser Octaoenfturm über die Tasten brauste. Wer hätte dem primE- haft aussehenden Jüngling, in seinen kleinen Händen solch^^uft u.rmuthet? Sein Handgelenk war so unheimlich ausgebildet, daß bei bem Vortrage der Rubinstein scheu a-dur Etüde Ov- 23.2 selbst die vorzüglichsten Clavierspieler von LcipziS. Berlin, Straßburg von Bewunderung hingerissen wurden. Der e-dur Mittelsatz der Chopm scheu