Wafferwärme der Lahn.
Am 26. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: 16° R. — LuftwSrme 19° R.
Rübsamen.
S t r a ß b u r g, 23. Juni. Wie die »Els.-Lthr. Ztg." mittheilt, ist daS UnkversitätS- Corvs „Palatta" aufgelöst worden.
Bonn, 20. Juni. Gestern Nachmittag vor 3 Uhr wurde der Raubmörder Dahlhausen aus dem hiesigen Arrefthause in Begleitung eines Gendarmen und eines Gerichtsdieners, sowie zweier berittener Gendarmen mit Wagen über Holtorf und Vinxel nach dem Orte des Verbrechens, am sogen. „(Stein'1 oberhalb Broich bet Oberkassel, gebracht, um sein bereits vorgestern abgegebenes Geständniß zu vervollständigen. In Oberkassel und Umgegend war bereits vorgestern das Gerücht verbreitet, daß der Mörder Mittwoch Nachmittag zur Stelle des Mordes gebracht werden würde, in Folge dessen sich dort viele Hundert Personen etngefunden hatten. Gestern, Donnerstag, waren Anfangs nur wenige Menschen anwesend; später, als das Erscheinen des Dahlhausen an der Stelle seiner schrecklichen That in sichere Aussicht gestellt wurde, fanden sich noch an 150 Personen ein, die tn größter Aufregung den Mörder erwarteten. Gegen 41/» Uhr kam der den Mörder transportirende Wagen an der Stelle an- Das Verhör, zu dem sich der Untersuchungsrichter Herr Heule, sowie der stellvertretende Staatsanwalt Herr v. Schorlemer eingefunden hatten, nahm kurze Zeit nach dem Eintreffen des Transportes seinen Anfang. Dahlhausen gab auf die Fragen des Herrn Untersuchungsrichters kurze und bestimmte Antworten, die den Hergang seines schrecklichen Verbrechens im Einzelnen schilderten. Demgemäß hatte ihn die ermordete Dame nach dem auf Heisterbach führenden Weg gefragt. Er hatte ihr gesagt, daß der ein- geschlagene Weg der unrichtige sei und war darauf weitergegangen. Ungefähr zwanzig Schritte von der Dame entfernt, war er zurückgekommen, worauf die Dame seitwärts ins Gebüsch eilte, aber wenige Schritte aufwärts wieder aus dem Gebüsch hervortrat. Bei seinem Anblick habe sie sich, nachdem sie ihr Portemonnaie von sich geworfen, wiederum ins Gebüsch gewandt und sei gefallen. Das Portemonnaie habe er aufgerafft, den darin enthaltenen Geldbetrag an sich genommen und dasselbe darauf weggeworfen. Sodann habe er sich auf die Dame gestürzt und den Mord begangen und fein Opfer noch weiter ins Gebüsch geschleppt. DaS Verhör nahm ungefähr eine Stunde in Anspruch. Die begleitenden Beamten hatten alle Mühe, das erregte Publikum vom Mörder entfernt zu halten. Nach Beendigung des Verhörs wurde der Mörder aus dem Gebüsch wieder auf den Fahrweg geführt. Als er aus dem Gehölz heraustrat, versetzte ihm ein Herr aus dem anwesenden Publikum einen wuchtigen Schlag mit einem Stock über den Kopf, in Folge dessen Dahlhausen laut heulend zur Erde stürzte. Der Stock des Schlagenden zersplitterte vollständig. Sein Eigenthümer wurde sofort verhaftet und zu dem unterdessen im Transportwagen untergebrachten Mörder gesetzt. In Oberkassel wurde der Herr nach Protokollirung des Vorfalles wieder entlassen. Peter Dahlhausen, aus Vinxel gebürtig, ist eins von fünf unehelich geborenen Kmdern, seine Mutter war ebenfalls eins von Sier unehelich geborenen Kindern. Als kleiner Junge von 7 bis 8 Jahren hat er bereits einer älteren Person einen Geldbetrag von 5 Thalern aus der Tasche gestohlen. In Oberkassel ist der Verdacht rege geworden, als ob Dahlhausen mit dem vor etlichen Jahren erfolgte« spurlosen Verschwmden des Commis eines in einem nahe gelegenen Orte wohnhaften Fruchthändlers in Verbindung stehe. Zur Zeit des damaligen Verschwindens des Commis, welcher, nachdem er Tags vorher von Siegburg au8 eine größere Summe Geldes an seinen Prinzipal abgtfanbt hatte, erwiesenermaßen mit einem Geldbetrag von etwa 300 Mark den Weg nach Haufe eingeschlagen hatte, daselbst aber nicht angekommen war, befand sich Dahlhausen als beurlaubter Soldat in Vinx-l; er überschritt jedoch seinen Urlaub um eine Reihe von Tagen und wurde daraufhin später als Deserteur verhaftet und zu einem Jahre Festung verurtheilt.
— Die Königin von England, so berichteten kürzlich die Zeitungen, habe die Villa Nevada in Cannes, tu welcher der Herzog von Albany starb, angekauft, um sie einem kirchlichen Zwecke zu weihen. Die Nachricht ist eine müßige Erfindung französischer Blätter.
— Man schreibt uns aus Berlin: Winter im Sommer. Der Spaß geht denn doch gar zu weit. Man kann, auch wenn man seit Ewigkeiten wohlbestallter Wettermacher da droben ist. die kleinen Leutchen auf der Erdenkugel da unten ab und zu ein wenig zu Narren halten, ober auch die Ironie verliert, zu oft angewendet, ihre Wirkung und wird für Ernst genommen. So fragen wir uns denn jeden Morgen, wenn wir behutsam den Kops zum Fenster hinauSstecken, ob es nicht wirklich Spätherbst ober Sommeranfang sei und ov nicht wir uns in einem beklagenswerthen Jrrthurn befinden, wenn wir meinen, es sei wirklich jener Sommermonat da, in welchem die Feldfrüchte reifen, der blühende Wein von den heißen Sonnenstrahlen geküßt tn ruhiger Gluth sich zu Beeren entwickelt und die Nachtigall im dunkeln Busch sehnsüchtig ihr klagend Lied erschallen läßt. Klagelieder hört man wohl, «her sie sind nicht von süßen Tönen, sondern von Heulen und Zähneklappern begleitet. Scherz bet Seite, e8 kann so nicht weiter gehen. Frühmorgens klirren die Fensterscheiben, dir Baumäste stöhnen, die Telegraphendrähte sausen und der Kapellmeister dieses Orchesters ist rin furchtbarer Nordwind, der unermüdlich bis zum späten Abend seinen Dienst versieht und nicht einmal die von Musikern so hochgeschätzten Pausen einhält. WaS soll eigentlich aus einem solchen Juni werden? Der Nachtwächter klagt bitter, daß sein Winterrock ihn nicht genügend vor der grausen Kälte schütze und daß er im Pelz in den Straßen auf* und ablaufen müsse, um nicht zu erstarren. Und erst dir Bewohner der Sommerfrischen! Wie verzweifelt sie lächeln, wenn man sie fragt, wie sie sich draußen befinden, wie sie dem grausamen Frager ein gleiches Geschick mit theilnahmsvollen Herzen wünschen. Manche freilich wissen sichs gut einzurichten. So kam gestern ein Sommerfrischler aus dem „Grünen" nach der Stadt und wußte nicht genug Rühmens von dem behaglichen Leben dort draußen vor feinen Freunden zu machen. „Ach, wie wundervoll ist's doch bei uns draußen!" rief er. Mit höhnischem Gelächter erwiderte man ihm
fm ^oruS: „Beil bo3 „©efrorene- so wohlfeil ist!" „Aber nein," antwortete der kühne Tourist, „ich fühle mich dort so wohl, weil wir prächtig eingeheizt haben." Da« ist die Signatur des Tages.
— In Gevelsberg widerfuhr einem 20jährigen Mädchen ein schrecklicher aber selbstverschuldeter Unglücksfall. Dasselbe war auf einer Fabrik beschäftigt und bei einer Familie in Kost und Logis. Die Hausfrau war bei der Heimkehr des Mädchens noch im Garten beschäftigt und dieses beeilte sich nun, das Feuer anzuzünden Weil es nicht brennen wolle, griff die Person trotz den vielen bekannten Unglücks, fällen, welche auf diese Weise entstanden sind, zur Petroleumflasche und goß von dem Inhalt tn das Feuer. E n Schrei des Schreckens und Entsetzens entfuhr ihren Lippen denn sofort erfolgte eine Explosion und das brennende Petroleum ergoß sich über die Unglückliche und die Flammen schlugen lichterloh zum Fenster hinaus. Um den Brand der brennenden Kleider zu ersticken, warf sich das Mädchen auf das Bett; aber auch dieses fing Feuer und die Bedauernswerthe rannte nun die Seppe hinunter. Von herbeigeeilten Leuten wurden ihr die brennenden Kleider vom Leibe gerissen und die Flamme erstickt. Aber wie war die Unglückliche zugerichtet! Ganze Stücke Fleisch waren ihr vom Körper losgelöst. Von den beiden schleunigst herbeigeeilten Aerzten wurde der Verband angelegt und die Schwerverletzte noch am späten Abend in daS Krankenhaus gebracht.
— Einen sensationell-grausigen Abschluß fand am 20. b. M. in Lübeck die Schwurgerichtsverhandlung gegen den Dr. med. Jenner aus Geschendorf, der eines Verbrechens gegen die Sittlichkeit angeklagt war. Den „Hamb. Nachr." wird darüber geschrieben: Nachdem sich die Geschworenen zurückgezogen hatten, traten sie nach ein- flünbfger Berathnng in den Schwurgerichtssaal ein. Der Obmann verlas als Spruch der Geschworenen: „Schuldig mit mehr als sieben Stimmen." Der Angeklagte, ein in den 50er Jahren stehender Mann und Familienvater, trägt einen langen, grau melkten Vollbart; ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken, hörte er das Urtheil an. Nachdem der Staatsanwalt 3 Jahre Zuchthaus gegen den Angeklagten beantragt hatte und der V<rtheidiger, um Zulassung mildernder Umstände bittend, für das Strafmaß von 1 Jahr Zuchthaus eingeritten war, entfernten sich die Richter tn das Be- rathungszimmer. Der Angeklagte schien völlig ruhig dem mit ihm sprechenden Ver- theidiger zuzuhörcn und machte sich nur unter seinem langen Barte mit der Hand am Halse zu thun, als schöpfe er, den Hemdkr-gm lüftend, nach Athem. Plötzlich begann er zu wanken, man glaubte, er falle in Ohnmacht. Der Verthetdtger und der neben dem Angeklagten postirie Pollzst suchen ihm zur Hülfe zu kommen; der in diesem Augenblicke die Brust des Dr. Jenner überfluthende Blutstrom ließ erkennen, daß der Angeklagte sich selbst die große Halsarterie durchgeschnitten hatte. Nicht weniger wie 6 Aerzte, welche zum Thttl in der Verhandlung als Zeugen aufgetreten waren, sprangen sofort zu Hülfe. Mit fast übermenschlicher Kratt schleuderte Dr. Jenner die Helfenden zurück. Obgleich cd dem zunächst stehenden Physikus Dr. Tuerk gelungen war, die Halsmuskeln deS Unglücklichen, von hinten zugretsend, zusammenzupressen, stürzte Dr. Jenner doch wenige Secunden später, von dem enormen Blutverlust entkräftet, zu Boden und alsbald mußten die Aerzte den dngetretenen Tod constatiren. Die Olffent- lichkeit der Verhandlung war während der ganzen Beweisaufnahme ausgeschlossen worden. Nachdem der Spruch der Geschworenen verkündigt war, wurde der Zuschauer- raum wieder geöffnet, uno gerade während der Augenblicke, als Dr. Jenner Hand an sich legte, drängte daS neugierige Publ kum in den Saal, um zugleich Zeuge de« schauerlichen Schlußaktes der Gerichtsverhandlnng zu werden. DaS Urtheil des Gerichts lautete auf 2 Jahre Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.
— sAuf der Eisenbahn.^ Ein Spree - Athener wartete auf dem Perron eines schwäbischen Babnhofs auf den Zug, um mitzufahren. Der Zug kommt an und unser Reisender bemerkte, daß einige Wagenladungen Ochsen mitbesördert werden. Entrüstet und befremdet geht er sofort auf einen Conducteur mit der Frage los: „Hör'n Ee mal, Männeken, jeden Sie mich man doch mal Auskunft, wat bet für ’ne faule Jeschichte iS; dürfen denn hier in Schwaben mlt’n Personenzuge ooch Rindviecher befördert werden?" — „Jawohl, mell Herr, steiget Se no ruhig ein!" war die trockene Antwort des Conducteurs.
Handet «nd Verkehr.
Limburg, 25. Juni. Rother Weizen X 17.00, weißer Weizen 00.00, Korn X 13.50, Gerste X 9.50, Hafer X 8.40, Erbsen X —, Kartoffeln X —.
Frankfurt, 25. Juni. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu X-. 2.50—3.50, Stroh X 2.80—3.00, Eier das Hundert X 460—5.00, Butter 1. Qualität X 1.00, 2. Qualität X 1.10, Kartoffeln per Centner X 2.00—2.25, Kohlrabi 6-0 H pr. St, Erbsen 100 Kg. 19.00—27.50 X, Rothkraut pr. St. 00—00 Poularden X 0—0, Huhn^/L 1.50—2.20, 1 Ente X 3.00—4.00, 1 Taube 60—00 Hahn X 1.70—2.00, Gans X 0—0.00, Welsche X 7-12.—
— In Folge der vielen Gisrnbahn-Unglücksfälle, die in letzter Zeit gemeldet wurden, hat die Königlich Preußische Eisenbahndirection jetzt eine Verordnung erlassen, die den Schaffnern das Coupiren der Billets während der Fahrt auf das Strengste untersagt. Alle Billets sollen stets vor Abgang des Zuges coupirt werden.
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