gebunden würben, schien ein Fi-b-rfrost den Mann zu schütteln. Mit keuchender Brust und halb gebrochen rief er den Versammelten zu: „Verzeiht mir, »lebe Christen!' Dann hoben ihn die Gehülfen in die Höhe und wayrend einer derselben ihm die Schlinge um den Hals legte, warf der Todeskandidat noch einmal einen matten Blick auf die Menge und mit erlöschender Stimme stammelte er: „Ist keiner unter Euch, !»rr mir flucht?" „Sterbe getrost, mein Sohn!" flüsterte Pater Kodlttschek, woraus Schlossarek, seine ganze Kraft zufammennehmend, sich aufrichtete und in höchster Extase «ußrief: „Gott, verzech' mir meine schweren Sünden, ich bin verflucht auf Erden! «Gott, nimm meine Frau in Schutz 1" Die Just ficaiton erfolgte schnell. Dann erschien Hugo Schenk. Auf den Lippen Schenk'S lag ein leichtts Lächeln, als er, vor der Justificirungs-Commisston sich verneinend, dem Publikum sein noch Würmer rosig gefärbtes Antlitz zuwandte. In dem Augenblicke, ba die Gehilfen des Nüchrtchters auf ihn zutraten, um ihn zu entkleiden, ging ern merkliches Zittern durch fernen Körper enb er biß heftig die Lippen aufeinander. Dann rhf er dem Serlsorger mit le fer Stimme zu: „Grüßen Sie mir meine Frau " Der Todeskampf, den er zu erleiden chatte, war kürzer und leichter als der Schlossarek's. Er währte kaum 3 Minuten.
— r@m Mord mit Einwilligung des Gemordeten.^ Vor der Strafkammer zu Mannheim wurde ein grausiger Fall verhandelt. Die Arbeiterfamilie Stumpf certeth in Roth, weil der Ehemann, ein rechtschofsener. fleißiger und äußerst friedlicher Mann, seit längeren Monaten keine richtige Befchäftigung mehr finden konnte; er war alt und kränklich geworden und die Kräfte schwanden ihm mehr und mehr. D-eFrau, 62 Jahre alt, die durch Nähen, Bügeln, Waschen rc. Geld mitoei dienen half, hatte sich in letzter Zeit dem Branntweintrunke ergeben und verlor deshalb viele ihrer Kunden. Wie kümmerlich sich die Stumpf'schen Eh-lertte ernähren mußten, mag die Thalsache erhellen, daß der Ehemann ein btS zwei Mal n der Woche, trotz seines schwächt ch n Zustandes, Nachtwacken für 20 bis 30 Pfg. die Nacht übernahm. Hatte er aber auch Nichts zu thun, so laute ihn seine Frau schon bet Morgengrauen auS dem Bette, bändelte überhaupt beständig mit ihm, weil sie in letzter Zeit saft immer vom Fusel dmebelt war und äußerte des Oefteren Dritten gegenüber, daß sie hob wäre, wenn ihr Mann nicht mehr käme rc. Am 28. Februar konnte der fällige Miethzins nicht bezahlt werden, ein Unt-rftützungsgesuch beim Gemeinderath war abschlägig beschicdm worden, weil man annahm, dc>ß die Frau alles Geld in Schnaps vertrinken werbe tmb auch der Sohn des Stumpf, der seither seinen Vater nach Kräften unterstützt, vermochte augenblicklich kein Geld herbnzuschafftn. Der mitleidige Huuswirth lieft die Leute indeß wohnen. Am 4. März meldete die Frau der Polizei, daß sich ihr Mann dm Hals abgeschnitten habe und gab, nach dem „Mannheimer Journal", in der Vor- ur-tersuchung Folgendes an: Sie hatten am Abend des 3. lange über ihre Nothloge mit einander gesprochen in ihrem gemeinschaftlichen Schlafzimmer, bis sie etngeschlafm -sei. Gegen 12 Uhr habe sich ihr Mann vom Bette erhoben und sei m die nebenan liegende Dachkammer gegangen. Wie er so lange ausgedlsiben, sei sie ihm gefolgt und habe ihn mit offenem Hewdkragen und einem Nasirmesser in der Hand in der Kammer getroffen. Er habe sie dann gebeten, ihm doch den Hals obzusÄnciden. Anfänglich Habe sie zwar nicht gewollt, ihm dann aber einen tüchtigen Schnitt in den Hals versetzt, so daß er zu Boden gestürzt sei; sie habe ihn dann verbluten lassen wollen, zu welchem Zwecke sie sich Stunde ins Schlafzimmer begeben hatte. Als sie hierauf Äie Kammer wieder betreten hatte, lebte der Mann noch, fa er konnte mit ihrer Hilfe noch gehen, und so trocknete sie ihm daS Blut ad, legte ei nm ßivß-n Tuch'.appen auf Die klaffende Wunde und brachte ihren so schwer verletzten Monn tos gemeinschaftliche Bett, bis er ihr andern Mittags, da er nicht mehr sprechen konnte, mit Zeichen bc- Äeutete, daß sie ihm vollends den Hals üdschnerden möge. Beide gingen dann wieder in die Dachkammer und da habe sie dem Manne den zweiten Scknitt, welcher todtftck -war, betgebracht. Das Gericht gelangte zu der Überzeugung, daß sich der Vorgang wirklich so abgespielt haben müsse. Gegen einen Mord oder eine Tödtung ohne Einwilligung spricht nämlich der Umstand, daß b c M tbewohner nichts wohrnahmen, da sich der stärkere Ehemann wohl doch gewehrt haben würde, und sich eine ältere und
frischere, 1 Meter im Durchmesser habende Blutlache in der Dachkammer zeigte und im Bette keine Blutspur war. Es blkb daher nur die einzige Annahme, daß der Gctödtete mit einverstanden war. Der ganze Fall wirft em trauriges Streiflicht auf ein durch Schnapsgenuß beeinflußtes Weib und bedauert der Herr Vorsitzende, sowie der Herr Staatsanwalt, daß das Gesetz im gegebenen Falle keine höhere Strafe zulasse. Das Unheil lautete bann auf den Höchstbetrag von 6 Jahren Gefäagniß und die Kosten
— ^Schnell aefrett.] E'n wohlhabender, in Bismarck, Dak, ansässiger Schwede, so erzählt uie „N -A. H.-Z", kam vor einigen Tagen nach Nedwing, Minn, mit der Absichi, sich eine Levensgefährtin zu suchen. Dem ersten Manne, welchen er auf dem Bahnhofe traf, bot der Schwede sofort 200 Dollars Belohnung, wenn er ihm zu einer Gattin verhelfen wolle. Der Fremde nahm den Heirathslusttgen mit in sein Haus und stellte ihm seine Tochter vor. Die Letztere gefiel dem bfeberen Schweden derartig, daß er sich sofort mit der jungen Dame verlobte und ihr in Bismarck befindlich.s Grund- eigenthum im Werthe von 40,000 «AL gerichtlich überschreiben liefe. Drei Tage darauf fand die Hochz'it statt. Der Schwiegervater hat ein brillantes Geschäft gemacht, denn er hat nicht nur die 200 Dollars Belohnung erhalten, sondern auch seine Tochter auf anständige Art unter die Haube gebracht.
Frankfurt a. M., 23. April. Gestern Abend erschienen in einer Restauration unweit des Römerbergs zwei Soldaten mit silbergrauen Bärten. Die anderen Gäste waren über die seltsame Erscheinung erstaunt und auf Befragen erzählten sie ihre Leidensgeschichte. Im Jahre 1870 waren beide als Landwehrleute bet der Belagerung von Metz. Hier vergriffen sie sich an einem Unteroffizier und wurden in Folge dcsien zu 15 Jahren F'stung verurtheilt. Vierzehn Jahre haben sie abbüßen müssen, eins wurde ihnen geschenkt. Der eine der beiden Soldaten war auS Stettin. Als er in den Krieg zog, verließ er die Frau und sechs Kinder; die Frau ist unterdessen gestorben. Der andere, unverheirathet, war aus Hamburg. Beide waren in hohem Grade freudig gestimmt, namentlich fühlte sich der Unverhetrathete glücklich, seine greisen Eltern wiederzusehen; schwer aber fiel es Ersterem aufs Herz, daß ihn feine Kinder nicht kennen werden.
Leipzig. Die großartige Erbschaft, welche der Stadt Leipzig durch das Vermächtniß des jüngst verstorbenen Buchhändlers Herrn Carl Tauchnttz zugesallen ist, btlbet das Tagesgespräch in hiesigen Kreisen. Man thetlt und aus zuverlässiger Quelle mit, daß der Betrag der gesammten Hinterlassenschaft sich auf ungefähr 4 Millionen Mark belaufen düffte; sie würde dementspreckend sich noch auf eine höhere Summe als die der Grsssi'schen Erbschaft beziffern. Es sollen Neunzehntel des gesammten Zins- Ertrages nach Belieben des RatheS zu WohlthStigkeilszweSen verwendet werden (Kirche und Theater sind übergangen), das letzte Zehntel des Zinsertrages soll zum Capital geschlagen werden, welches dadurch immerfort anwächst. Welche bedeutende Summen her Verstorbene schon bei Lebzeiten der Stadt und den verschiedenen milden Sttstungen zugewendet hat, erfährt man erst jetzt nach dessen Tode, da bei den Schenkungen immer die Bedingung daran geknüpft war, seinen Namen ni verschweigen. Vor einigen Jahren batte derselbe unserer städtischen Behörde 400,000 «AL zum Zwecke des Stecken- Hauses übermittelt; auch dem Krankenhaus war eine Stiftung von 50,000 «AL überwiesen; das Asyl für Obdachlose hatte eine Unterstützung von 30,000 JL erfahren, die Ferien-Colonien waren bedacht, zahlreiche Sckulfretstellen an. verschiedenen Schulen errichtet worben; alle diese Unterstützungen und Schenkungen geschahen in einfacher, schlichter Form, ohne irgendwelche erschwerenden und lästtgm Bedingungen. — Die Geschenke bei Lebzeiten des SchenkgeberS mögen vielleickt nach und nach schon eine Million Mark bUragen haben. Abgesehen von her großen financiellen Unterstützung, die damit den milden Stiftungen dieser Stadt zufließt, mag .auck unsere städtische Verwaltung eine Hobe Befriedisung darin erblicken, daß in. den letzten Jahren solche reiche Sckenkungrn zu ihrer Verfügung gestellt worben sind. Herrsckte Mißtrauen ober Un- zufriebcnheit im Allgemeinen gegen unsere städtischen Körperschaften, so würbe man von berartigen großen Vermächtnissen wohl nicht« berichten können.
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