Ausgabe 
27.3.1884 Zweites Blatt
 
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Voraussichtlich gehen zu feiner Einschließung schon in den nächsten Tagen Truppen ab.

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Herrn. Aug. Müller, Leinen-, Wäsche- und Bettwaaren-Geschäst,

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Leinölfieeatii Fußbodrnwil Parquetbod, 0elfarbe, in

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AuS Main,, 20. März, wird der .Franks. Ztg." geschrieben: Von dem im November 1882 in dem benachbarten Bretzenheim gemachten großartigen Funde von Goldgulden der 13. und 14. Jahrhunderts 1005 Stücke welcher Dank der Bemühung unseres verdienstvollen Stadtbtbltothekars Dr. Vflke für das städtische Münrcabtnet erworben wurde, sollen nach gestern erfolgtem Stadtverordnetinbeschluß demnächst 800 Doubleiten durch Tausch oder V-rkaus abgegeben werden. Ein Ser» «ichnitz der abzugedenden Stücke wird in Kürze an die MÜnzcabinete und bedeutenden Münzensammler von dem hiesigen Münzencabinet versandt werden. Im Funde ver­treten sind, zum Theile mit einer interessanten Reihe von Rarttäten, Venedim Florenz, die Dauphine, Burgund, Flandern, Metz, LÜtzelburg, Böhmen, Ludwig der Baier und Karl IV., Oesterreich, MÜnsterberg, Schweidnitz, Ltegnitz, Lübeck, Nürnberg, Würzburg, Köln, Trier. Pfalzgras Ruprecht L, Oppenheim und Mainz. Für Interessenten fei noch bemerkt, daß der Fund mit Abbildungen wissenschaftlich btfcürteben ist von P. Joseph in Frankfurt m der SchriftHistorisch-kritische Beschreibung des Bretzen­heimer Goldguldenfundes" (Mainz, v. Zabern).

Berlin. Nachdem die Berichte Über die Trichinen - Epidemie, welche in den letzten Monaten des vorigen Jahres in EmerSleden und Umgegend im Regierungs­bezirk Magdeburg herrschte, beim Cultusmtnisterium eingetroffen, ist Ende vorigen Monats eine Circular-Verfügung an fämmtltche Provinzial.Regierungen, sowie auch an das hiesige Polizei-Präsidium ergangen, in welcher unter Aufführung statistischer Mitiheilungen über jene Epidemie aufs Neue vor den gesundheits- und oft lebens, gefährlichen Folgen des GmusseS rohen Schweinefleisches gewarnt wird. Das Fletsch eines einzigen in EmerSleden am 12. September v. I. geschlachteten Schweines hat sowohl dort alS in den Orten DeeSdors und Nienhagen die entsetzliche Epidemie her» vorgerufen, der 66 von 503 erkrankten Personen zum Opfer gefallen sind. Davon kommen aus EmerSleden 270 Kranke und 53 Tobte, aus Deesdorf 45 Kranke und 10 Tobte und auf Nienhagen 80 Kranke und 1 Todter. Außerdem wurden noch in der Stadt Gröningen 4 Erkrankungsfälle und 2 Todesfälle, in Kloster Gröningen 3 Erkcankungsfälle und in Schwanebeck 1 Erkrankungssall gemeldet. In dieser Be­ziehung ist bemerkenswerth, daß sämmtliche Personen, welche 125 Gramm und noch mehr von dem trichinösen Fleisch genossen hatten, gestorben sind. Ebenso ist auch ton sämmtltchen Gestorbenen ohne Ausnahme nachgewtesen worden, daß sie das Fletsch in rohem ungekochten Zustande genossen haben, was mit der in der Provinz Sachsen ein­gewurzelten Gewohnheit, rohes Schweinefleisch zu genießen, zusammenhängt. Od und inwiefern die betreffenden Fletschbeschauer eine Schuld trifft, hat die gerichtliche Unter­suchung noch nicht sestgestellt. Angesichts dieser beklagenSwerthen Ereignisse erklärt der Cultusmtnister es für dringend geboten, das Publikum vor dem Genuß deS rohen Fleisches wiederholt und nachdrücklich zu warnen. Desgleichen wird daraus aufmerksam zu macken fein, daß auch bei der Zubereitung des Schweinefleischs zu häuslichen Zwecken durch Kochen und Braten dasselbe in einen vollkommen garen Zustand üderzusühren ist, um hierdurch j-de Griahr von Gesundheitsbeschädigung auszuschdeßcn. Die Behörden sollen die geeigneten Maßregeln in der Richtung treffen.

Braunschweig, 19. März. Im October v. I. wurde hier ein Betrug ver­übt der in den weitesten Kreisen, namentlich in der kaufmännischen Welt, großes Aus­sehen erregte. Die Disconto Gesellschaft in Berlin erhielt von hier eine, wie sich später herausstellte, gefälschte Depesche, worin sie um Uebersendung von 75,000 X an die hiesige Firma M. Gutktnd u. Co- ersucht wurde. Die Depesche war wohlweislich so spät Nachmittags aufgegeben, daß der Betrag nicht mehr durch ©Iroconto überwiesen werden konnte, und daß die Vorschrift, den Betrag durch die Post zu senden, nicht aus­fiel. Der Betrag wurde abgesandt und der Werthbrirs hier auf der Post von einem Unbekannten aus Grund einer gefälschten Postguittung erhoben- Der Betrug »ar in seinen Einzelheiten so raffinht ausgedacht und ausgesührt, daß er wett und breit großes Aufsehen erregte. Durch Zufall kam man indeß den Thäiern auf die Spur und als Urheber deS Betrugs und der Fälschungen wurde Niemand anders alS der Procnrist der Firma ®. u. 6, ein noch verhSltntßmSßig junger Mann Namens Böwig, entlarvt- Derselbe wurde heute für sein mit so grobem Vertrauensbruch begangenes Verbrechen zu 61/» Jahren Zuchthaus verurtheilt; ein zweiter Betheiligter erhielt 21/* Jahre Zucht­haus- der dritte war durch den Tod dem Arme der Gerechtigkeit entzogen worden- Wie seiner Zeit mitgetheilt, war der Betrag von 75,000 X saft ganz wieder zur Stelle geschafft worden.

Erfelden, 19. März. Dieser Tage fanden hiesige Einwohner wiederum in dem durch den vo> jährigen Dammbruch entstandenen Kolk den wohlerhaltenen Unter­kiefer eines vorweltlichen Thieres, welcher das respectable Gewicht von 42 Pfd- auswies. Die Zähne sind wohl erhalten- Derselbe wurde vom Großh. Museum In Darmstadt für 6U X ^uffcher Schulverein-j Soeben gelangte Nr- 10 derMittheilungen des Vereins" zur Ausgabe. Dieselbe enthält alle auf die nächste am 2. Juni in Graz ftattfinbenbe Hauptversammlung und die Vorarbeiten für dieselbe Bezug habenden An­weisungen. Sodann folgt eine Zusammenstellung über den Stand der Ortsgruppen mit Beginn des vorigen Monats, wonach die Gesammtzahl derselben 798 betrug. Hiervon entfallen auf: Wien 10, Rieder-Oesterreich 115, Ob-r-Oesterrelch 49, Salz­burg 7 Steiermark 65, Kärnthen 36, Krain 3, Görz und Triest 2, Tyrol und Voral- berg 14, Böhmen 357, Mähren 102, Schlesien 37, Bukowina 1. Von 49 neu con- ftltutrten Ortsgruppen sind die Vorstandsmitglieder angegeben. Eine vorläufige Uebnsicht über die Geldgebahrung und den Bedarf des Vereins weist nach, daß die Einnahmen im Jahre 1883 212,100 fl. (1882 153,100 fl) betrugen, der bctmalfge Mit- glleberftanb sich auf 80,000 beläuft, und die ständigen Mltgliebsbeiträge etwa 100,000 fl. ausmachen dürften. Die Vereinsleitung knüpft daran die Aufforderung zur freiwilligen Erhöhung der regelmäßigen Beiträge der Mitglieder, welche zumeist sich mit dem niedrigsten Beitrag von 1 fl. begnügen. An Spenden gingen im Jahre 1883 86,000 fl. (1882 49.500 fl.) ein. Für Schulzwecke verausaabte der Verein im abgelaufenen Jahre 121,800 fl. und referofrte einen Betrag von 91,500 fl. für pio 1883 bewilligte, noch nicht ausbezahlte Unterstützungen- Auf Ankauf von Realitäten, Ertheilung von Dar­lehen und Vorschüssen wurden im Laufe der Jahre 55,000 fl- verwendet, so daß der Verein seit seiner Gründung (1880) im Ganzen 375,000 fl. für Schnlzwecke widmet«.

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Der regelmäßige Jahres - Aufwand für die E-Haltung der 33 Vereinsschulen und 24 Veremskindergärttn, sowie an ständigen Subventionen für andere Schule« und Kindergärten, an Gehaltszulagen, Katechetengehalte u. s. w. beträgt 106,000 st., außer-, dem sind Im Jahre 1884 24,000 fl- an bereits für dieses Jahr bewilligten einmaligen Unterstützungen, Kaufschlllingen, Bausubventtonen, Biblioihcksanschaffungen u. s. w. zu decken. Mit Zugrundeleguvg der Eiryrbmen des Vorjahres bleibt nur em Betrag von 5055,000 fl. zur freien Verfügung für neue Acvonen. Eine Erhöhung der Hin­nahmen ist daher dringend zu wünschen. Der Ausweis der im letzten Quartale Vor­genommenen Bewilligungen für Schulzwecke zeigt 37 Falle in Böhmen, 13 in Mähren, 7 in Schlesien, 6 in Galizien und der Bukowina, 6 tn Steiermark, 5 tn Kärnther, 7 in Krain, 3 H Tyrol, 1 in Trieft und 2 in Nieder - Oesterreich. Den Schluß der Nummer bildet der Versammlungs- und Festkalender für die Monate November bis Februar.

Paris, 19. März. Die Portiersfrau eines der Eckhäuser deS Boulevard Bovne- Nouvelle und Rue Saint-Denis stieg gestern Vormittag mit einer brennenden Ltgro n- lampe in der einen, einem Korbe leerer Flaschen in der anderen Hand tn den Keller hinunter. Kaum hatte sie die kleine Adtheilung, wo sie ihren Wein aufdewahrte^ betreten, als eine heftige Explosion sie zu Boden warf und zugleich ihre Kleider in Flammen geriethen. Die Unglückliche besaß noch Besinnung genug, sich aufzuraffen und brennend nach der Portiersloge zu laufen, wo ihr die erste Hilfe zu Theil wurde. Einiae Feuerwehrmänner stiegen ihrerseits in den Keller hinunter, constattrten da einen starken Amoniakgeruch und machten die Entdeckung, daß derselbe von einem ver­schütteten Brunnen hcrzurühren schien, welcher zu dem anstoßenden Hause, einer uralten moderigen Baracke, gehörte. Die explodtrten Gase mußten auS seiner Tiefe gekommen fein, denn ringsum waren die Mauern gesprungen oder eingestürzt. Dte PompierS benachrichtigten die Postzelvrästctnr, von der aus um 3 Uhr Nachmittags der Polizei- commissär Brissaud, der Officier de paix Viguier, ein städtischer Architekt und der Sergeant Hetsermann sich zu einer Enquete meldeten. Von zwei anderen Personen begleitet und mit einer Laterne ausgerüstet, begaben sie sich tn den Keller. Heisermann leuchtete voran. Bei dem Brunnen angekommen, erhob er die Laterne über feinen Kopf, um für den Architecten die Mauer zu beleuchten. In diesem Augenbl ck er- schütterte eine neue Explosion das Haus, dessen sämmtliche Fensterscheiben klirrend zerbrachen und einige Vorübergehende verletzten. Das Erdgeschoß und der erste Stock brachen zusammen und stürzten mit ihrem Inhalt: Möbcl, WirthShaustische u. s. w. in den Keller hinunter. Zwei der Personen, die mitgegangen waren, ein Polizeioffizier und der Journalist Dussaud, konnten sich retten und man beeilte sich, nach den Uedrtgen zu graben. Zurrst wurde Brissaud schwer verletzt und an Brandwunden leidend aus dem Schutte hervorgezogcn; dann kam die Reihe an den Archftccten, der sich ebenfalls in einem kläglichen Zustande befand. Beinahe eine ganze Stunde mußte nun von der Feuerwehr und der Polizei gearbeitet werden, bis man des Viguier ansickstg wurde. Sein Antlitz war ganz schwarz und sein Haupthaar verbrannt. Vergeblich bemühten sich die Aerzte, ihn ins Leben zurückzurufen. Auch Heisermann wurde als Leiche aus- gegraben. Mehr oder weniger gefährlich verletzt sind noch 15 andere Personen, Be­wohner des Hauses, Gäste desCabaret de FEcrevisse, Feuerwehrleute u. s w.

Die neue Adtheilung der Londoner Geheimpolizei, welche sich namentlich mit der Ueberwachung und Ausforschung der Anarchisten und Dynamitverschwörer zu be­schäftigen und die Ausführung ihrer Komplotte thunlichft zu vereiteln haben wird, soll aus 50 Geheimpolizisten bestehen. Von diesen werden der Nationalität nach 12 Eng­land. 8 Irland, 8 Amerika und die übrigen Rußland. Frankreich, Deutschland, Oester­reich, Italien. Spanien und Canada angehören. Mit der Organisation dieser neuen Vslizetmacht wurde der bisherige Untersecretär der irischen Crimtnalvolizei, Mr. Jcn- kinson, betraut. Im Parlamente sind jetzt 3 Polizisten aufgestellt, welche alle für bte Ausschüsse bestimmten Schriftenpackkte zu öffnen und zu untersuchen haben, um eine Einschmugaelung von Sprengstoffen zu verhindern.

In Neuhaldensleben bat der Brandmeister der Feuerwehr eine ganze Reihe von Brandstiftungen begangen, lediglich zu dem Zweck, die Prämie einzustretchen, welche für den zuerst auf der Brandstätte erscheinenden Feuerwehrmann ausgesiht ist. Natürlich war der Brandmeister stets der erste am Platz, wenn auch der Branv noch so nahe an der Wohnung eines Feuerwehrmanns ausbrach. Wenn dies auch allgemeines Erstaunen hervorrief, so regte sich doch fein Verdacht gegen den Brandmeister damit hätte man sich ja geradezu selbst ins Gesicht geschlagen. Alle Forschungen nach dem Thäter blieben denn auch ohne den geringsten Erfolg, bis einige im Sandboden in der Nähe der letzten Brandstätte vorgefundene Fußspuren, bei denen Absatzabdrücke mit einem seitlichen Flecken sich bemerklich machten, einen Anhaltspunkt zu bieten schienen. Man nahm von dem fraglichen Abdruck einen Gypsabguß und ließ denselben bei sämmtlichen Schuhmachern der Stadt vorzeigen. Einer derselben erinnerte sich gleich, auf einen Stiefelabsatz des Brandmeisters einen solchen Fleck angebracht zu haben. Da nun auch der betreffende Stiefel sich im Besitze des Brandmeisters vorfand, so schritt man unbedenklich zur Verhaftung. <

sVacante Stellen für Miliiäranwärter im Bereiche des 11. Armee-Corps.j Freudingen, PostagenlU'-, Landbriefträger, 510 «X Gehalt. Jena, Großh. LandeS- Heilanstalten, Wärt-r. 180 X Gehalt und freie Station. Langenschwaldach, Bürger­meisterei, Feldhüter, 700 <X Gehalt. Siegen, Magistrat, Poltzeicommissär, 2400 X Gehalt und 240 «X Wobnungsgeldzuschuß. Kgl. Elsrnbahn-Betriebsamt Frankfurt a. M-, 25 Hilfsbremser, täglich 0,60 «X bis 2 <X, sowie die reglementsmäßigen Kilometer-, Stunden- und UebernacbtungSaelber. Kgl. Eiscnbahn-Betriebsamt Frankfurt a. M., 10 Hilfswefchenfteller, Anfangs 1,50 bi§2<X Kgl. Eisenbahn-Betriebsamt Frankfurt a. M-, 30 Hilfsbahnwärter, Anfangs 1,50 bis 2 X Vacante Stellen im Bezirk der Großh. Hess. 25. Division. Offenbach, Amtsgericht, Gefangenwärtersgehilfe im Hastlocal za Offenbach, 600 JL Gehalt.

Schiffsnachrichten.

Bremen, 24. März. sPer transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Neckar, Capt. R. Bussins, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 8. März von Bremen abgegangen war, ist am 22. März, 11 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 24. März. sPer transatlantischen Telegraph 1 Der Postdampfer Fulda. Capt. O. Heimbruch, vom Norddeutschen Lloyd iw Bremen, welcher am 12. März von Bremen und am 13. März von Southampton abgegangen war, ist am 22. März, 4 Uhr Nachmittags, wohlbehalten tn Newyork angekommen.

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