Zweites Blatt
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1884
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auf etwa 10 Millionen Frcs. Die Generale Millot, Briere del l'Jsle und Negrier sind für die Waffenerfolge in Tongking zu Großofficieren der Ehrenlegion ernannt worden. Thainguyen ist am Freitag von General Briere de l'Jsle genommen worden und wurden hierbei große Munitionövorräthe erbeutet. — Am folgenden Tage hat der genannte General, welcher eine Menge Fahnen und 40 Broncekanonen als Siegesbeute mit sich führt, den Rückmarsch nach Hanoi angetreten.
Die italienische Ministerkrisis ist noch nicht zum Abschluß gelangt. Es kann indessen keinem Zweifel unterliegen, daß die Neubildung des Cabinets wieder unter de Pretis erfolgt, denn der König vermag eben Niemand Anderen zu finden, den er mit dieser Aufgabe betrauen könnte, da weder die Rechte noch die radikale Opposition stark genug sind, um die Regierung übernehmen zu können. Der „Raffegna" zufolge werden der Unterrichts-, der Ackerbau-, der Kriegs- und der Justizminister aus dem bisherigen Cabinet ausscheiden. Namentlich dürfte das Ausscheiden des Unterrichtsministers Baccelli viel zur Erleichterung der Neubildung des Cabinets mit beitragen, denn Baccelli war längst bei allen Parteien mißliebig, de Pretis aber bestand eigensinnig darauf, ihn zu halten und davon schreibt sich die ganze Krisis her. — Die vatikanischen Blätter erörtern wieder lebhaft das Project erner Uebersiedelung des Papstes nach Malta oder Frankreich und die Pariser „Union" sagt hierbei, daß dieser im vorigen Jahre ernstlich angekündigte Plan niemals aufgegeben worden sei.
Die Ausweisung von vier anerkannten Anarchisten aus der Schweiz, die in Folge eines Bundesraths-Beschlusses erfolgt ist, scheint die erste Wirkung von Vorstellungen zu sein, welche der österreichische Gesandte in Bern bei der Bundes-Regierung gethan hat. Die österreichischen Socialisten unterhalten mit den in der Schweiz domicilirenden Anarchisten offenbar enge Fühlung und es kann der Wiener Regierung wahrhaftig nicht gleichgültig sein, daß das socialistische Treiben in ihrem Lande von der benachbarten Schweiz her stets neue Nahrung erhält. So ist es denn auch erwiesene Thatsache, daß bte ausgewiesenen Anarchisten, von denen übrigens zwei österreichische Unter- thanen sind, in näheren Beziehungen zu Stellmacher und Kammerer gestanden haben. Eine eigentliche Theilnahme der Ausgewiesenen an den verbrecherischen Thaten Stellmacher's und Kammerer's läßt sich zwar nicht nachweisen, doch kommen die Thatumstände einer solchen ziemlich nahe.
In der griechischen Deputi rtenkammer sind jetzt heftige Kämpfe zwischen der Regierungspartei und der von Delyannis geführten Opposition an der Tagesordnung. Am Sonntag verließen die Oppositions-Mitglieder den Sitzungssaal, da in der vorhergegangenen Sitzung die Kammer trotz der Stimmenthaltung der Opposition mehrere Gesetzentwürfe votirt hatte und erklärten, daß sie die Regierung für die Folgen verantwortlich machten. Ministerpräsident Tricoupis tadelte die Opposition, welche durch die Obstruction die legislative Arbeit unmöglich mache.
Die Mission des Generals Gordon als Friedensapostel kann man nunmehr als gescheitert betrachten. Es ist ihm allerdings gelungen, die Garnison von Halfaya zu retten, Halfaya liegt aber nur wenige Meilen nilabwärts von Khartum und kann man hieraus ersehen, daß der Aufstand sogar bis nordwärts über Khartum hinaus vorgedruugen ist. Die Hauptstadt des Sudan selbst wird aber bereits von den Schaaren des Mahdi bedroht, denn eine Depesche meldet, daß die Rebellen in großer Zahl am jenseitigen Flußuser gegenüber von Khartum lagerten und Gordon beabsichtigte, dieselben anzugreifen. Daß das Heer des Mahdi schon so weit vorgedrungen ist, läßt die Lage Gor- don's als eine sehr precäre erscheine« und er wird froh fein muffen, wenn er selbst in Khartum nicht abgeschnitten wird. Von einer Rettung der übrigen Garnisonen des Sudan kann unter solchen Umständen schwerlich mehr die Rede sein. — Nach einer Meldung aus Suakim wurde am Sonntag, im Widerspruch mit den seitherigen bezüglichen Angaben, von Spionen die Nachricht gebracht I Osman Digma" halte sich fortgesetzt ganz in der Nähe von Tamanieb auf.
Politische «eberflcht.
Gießen, 26. März.
Dem Reichstag ist die zwölfte Denkschrift über die Ausführung der Vtünzgesetzgebung, sowie der Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1883 zugegangen. Die Denkschrift ergibt, daß im Jahre 1883 Gold zu Prägungszwecken für Rechnung des Reiches überhaupt nicht angekauft ist. Jn- s»iveit ist die Sistwung der Münzreform auch im abgelaufenen Jahre eine vollständige gewesen. Außer 132,130 JL in Kronen, welche aus nicht mehr uinlaufsfähigen Reichsgoldmünzen hergestellt wurden, hat eine Prägung von Goldmünzen im Jahre 1883 im Betrage von 88,155,340 «M. nur für Privat- nchnung siattgefunden. Die Reichsbank hat im Jahre 1883 für ihre Rechnung Gold in Münzen und Barren für 55,908,872 erworben. An Goldmünzen waren bis Ende 1883 im Ganzen ausgeprägt worden 1,864,354,865 darunter für Privatrechnung 544,034,900 Eingezogen wurden 985,085 Der Umlauf an Goldmünzen in Deutschland würde danach, abgesehen von dem verhältnismäßig nicht bedeutenden Abfluß in's Ausland und der Verwendung zu. industriellen Zwecken, rund 1863,37 Mill. JL. oder 41,11 Jl. für den Kopf der Bevölkerung betragen. Von den Silbermünzen wurden im Ganzen 8 Millionen «X in Zwanzigpfennigstücken eingezogen und in Ein- und Zweimarkstücke umgeprägt. Ende 1883 waren an Silbermünzen überhaupt 441,585,589,50 ausgeprägt. Der Bruttomünzgewinn betrug bis Ende 1883 42,704,268 JL.. Von Nickelmünzen wurden im Jahre 1883 452 M. eingezogen und blieben 44,755,823 M. int Umlauf. Der Bestand an Silberbarren hat sich von 188,954 vtL auf 94,468 Kg. (nach den jetzigen Preisen nur 14,19 Mill. cAJ erniedrigt. In den finanziellen Ergebnissen der Münzreform ist im Jahre 1883 keine Veränderung eingetreten.
Der Kaiser soll bei dem gleichzeitigen Empfange des Präsidiums des Reichstags und der Mitglieder des Bundesraths seine Freude über die Unterstützung ausgedrückt haben, welche ihm die deutschen Negierungen in der Bekämpfung der Socialisten gewährten, sowie sein Bedauern, daß im Reichstage die Nothwendigkeit jener Bekämpfung nicht gleichmäßig erkannt zu werden schiene. Der Kaiser erinnerte an die gegen feine Person gerichteten Attentate und fügte dm Ausdruck der Hoffnung hinztt, daß auch der Reichstag sich der Erkenntniß der Nothwendigkeit des Socialistengesetzes nicht verschließen werde. Das alles dem Sinne nach. In den Kreisen des Bundesraths wird übrigens die schließliche Annahme des Socialistengesetzes nicht bezweifelt und man glaubt, auch die Mehrheit des Centrums werde dafür stimmen. An besondere Zugeständnisse, die ihm deswegen seitens der Regierung in Aussicht ständen, will man noch nicht glauben.
Der Strike der Arbeiter in den großen Baumwollspinnereien des nördlichen Böhmens, in Tetfchen, Bensen u. s. w. dauert noch immer fort. Die Zahl der Strikenden beläuft sich auf 6—7000 Personen, doch sind bisher noch keine Unruhen vorgekommen, wenngleich die betreffenden Bezirke vorsichtshalber mit Militär belegt worden sind. Uebrigens wird selbst in den regierungsfreundlichen Blättern darauf hingewiesen, daß die Arbeitslöhne der nördlichböhmischen Weber in der That sehr niedrige sind, 8 bis 10 die Uoche — und davon soll eine ganze Familie leben! Die Arbeiter fordern iäne 20procentige Lohnerhöhung und die Errichtung von Krankenkaffen und diese Forderungen sind unter den obwaltenden Verhältnissen keine unbillige ju nennen.
Die Tongkingfrage erscheint in militärischer Beziehung als gelöst . Ipld die französische Regierung wendet ihre Aufmerksamkeit nun einer andern (|ilB Angelegenheit zu. Die Dinge auf Madagaskar harren ebenfalls noch der > Lösung und gedenkt die Regierung, in der Deputirtenkammer die Einsetzung ■ lipdtt8" d Mer Specialcommission zu beantragen, welcher sie vertrauliche Mittheilungen “■rtt I^lchttch des von ihr beabsichtigten Vorgehens auf Madagaskar machen will. ^bictiW' ifirt Lern Vernehmen nach sollen 5—6000 Mann von den in Tongking disponibel (gewordenen Truppen zu einer Expedition gegen Tananariva, der Hauptstadt tzder Howas, verwendet werden und schätzt man die Kosten dieser Expedition
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