Ausgabe 
27.1.1884 Zweites Blatt
 
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Derselben daS Wrack bemerkte. Der Steuermann eines dieser Dampfer erklärt, daß er auf dem gescheiterten Schiffe, welches er durch das Fernglas betrachtete, keine lebenden Wesen bemerkt habe. Der Schiffskörper des gescheiterten Dampfers ist ohne sichtbare Verletzung und man glaubt, noch viele Leichen im Zwischendeck finden zu können. DaS Unglück wird von allen Newyorker Zeitungen grenzenloser Unwissenheit und Sorglosigkeit -ugeschrteben und man verlangt die strengste Untersuchung.

Vermischte-.

AuS Dresden. 20. Januar, wird berichtet: Eine Schreckensnachricht durch­läuft unsere Stadt- In dem benachbarten Industrie-Städtchen Radeberg (7000 Ein­wohner) soll unter eigenthümlichen Umständen ein längst todt geglaubtes männliches Wesen au8 Jahrzehnte langer Vermauerung wieder ans Tageslicht gebracht worben sein- Bet dem Hausbesitzer und Kattundrucker Fasold in der Dresdener Straße, einer der lebendigsten Verkehrsadern der Stadt, ereignete e8 sich kürzlich, daß der haldrdwtlsche 21jährige dritte Sohn im Hofraum sich erhängte. Die Eltern besorgten alles Erforder­liche zur Beerdigung des Leichnams selbst: sie schnitten ihn ab und wuschen ihn, ohne blS dahin etwas von dem Vorfall verlauten zu lassen- Der Argwohn der Leichenfrau, welche in jener Procedur keineswegs nur einen Act practischer Sparsamkeit, sondern «tu verdächtiges Gebühren erblicken zu müssen glaubte, war um so weniger ungerecht» fertigt, als man den Todttn ihr als einen eines natürlichen Todes Gestorbenen be- zeichacte. Wie wenig indessen ihr Verdacht begründet befunden wurde, beweist der Umstand, daß der Tobte anstandslos begraben ward. Trotzdem fand aber eine gericht­liche Besichtigung des Schauplatzes der Thal statt, die der damit beauftragte Raths­wachtmeister so gewissenhaft und gründlich autzführte, daß sie daS völlig unerwartete Ergebniß hatte, einen lebendig Begrabenen an das Tageslicht zu fördern. Nur durch die Heimlichthueret und Abgeschlossenheit der Fasold'schen Eheleute war es möglich, 16 lange Jahre hindurch einen Menschen, ihren zweiten Sohn, in entsetzlicher Weise feit seinem 14. Lebensjahre verborgen zu halten. Das Gericht entdeckte den jetzt Dreißigjährigen, der zwar nie für tobt ausgegeben, vielfach aber für todt gehalten worden ist, in einem verschlossenen Kammerraum von ca. 2 Metern Länge und 1 Meter Brette, in welchen nur durch eine schmutzige, etwa handbreite Fensterscheibe ein Licht­strahl zu dringen vermochte. Auf faulem Stroh hockte das Opfer elterlicher Verwahr­losung entmenscht, verthiert, verschmutzt, Ungeziefer- und schwärenbedeckt, abgezehrt, sprachlos, licht- und menschenscheu. Die Feder sträubt sich, die näheren Umstände ein­gehender mitzutheilen. Forscht man nach dem Grunde solcher unmenschlichen Handlungs­weise, so soll lediglich Geiz als die Ursache desselben zu betrachten sein, Geiz von Leuten, welche ein schuldenfreies, wohlverzinsliches Hau8 besitzen.

(Eine Chaffepotkugel von Wörths Der ehemalige Königs-Grenadier des 2. Mestpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 7, der gegenwärtig in Berlin, Friedrichs- gracht 43, wohnende Invalide A- P , hatte bei Wörth am 6. August 1870 einen Schuß in den Hals erhalten. Edle Theile waren nicht verletzt, doch gelang es, trotz Mehrfacher Operationen, den Aerzten nicht, die offenbar noch in der Tiefe steckende Kugel zu entfernen- Die Wunde heilte zu wie ja bereits mehrfach das Einheiten der Kugeln selbst im Gehirn beobachtet wurde und der Blefsirte wurde als Invalide entlasten. Während der ganzen Zeit hatte ihm die Wunde sehr viel Schmerzen ver­ursacht und manche schlaflose Nacht bereitet. Jetzt, nach 13 Jahren und 5 Monaten, ist er durch einen glücklichen Zufall, ohne jede Operation von fernemKriegsandenken" befreit worden. Am 6. d. Mts. früh beim Waschen mußte P. mehrmals niesen; in Folge dieser Erschütterung ging dem P. eine seit einiger Zeit bestehende Geschwulst mit. Er spürte plötzlich im Munde einen harten Gegenstand und mußte Blut, ver- Mischt mit Eiter, ausspeien. Zunächst dachte er, daß ihm ein Zahn ausgefallen wäre. 8118 er daher nach dem harten Gegenstände griff und denselben reinigte, entpuppte sich derselbe als eine breitgeschlagene an einem Ende zusammengedrückte Bleikugel es war jene Chaffepotkugel, die er in der Schlacht bei Wörth erhalten und die er über 13 Jahre lang in seinem Körper herumgetragen hat

Darmstadt. Das »Fr. Journ." meldet: Das Großh. Hessische Palais auf der Zeil fleht seit einiger Zett zum Ankauf. Dasselbe hat einen Flächeninhalt von etwa 3700 Qu-Mtr., darunter einen Hofraum von über 2000 Qu-Mtr. und einen Gartenraum von ea. 1000 Qu -Mtr. Das nach der Zeil zu stehende Palais hat eine Front von ca. 150 Fuß, während die Front deS Gebäudes in der Stiftstraße etwa

60 Fuß beträgt. Vor einigen Jahren find auf den ganzen Gebäudecomplex 1,500,000 Mark geboten worden; man hatte aber damals noch nicht die Absicht, das Palaiö zu veräußern. Mit dem Verkaufe des Palais ist Dr. Jucho in Frar.kfurt beauftragt.

Kassel, 22. Januar. Gestern Abend gegen HVrUhr fuhr der Lokomotivführer Kanold mit dem Hrlfshetzer Hilgenberg auf bet MaschinePaderborn II.- vor» Maschinenhause des hiesigen BahnhofS auf die Schiebebühne, um sich durch die Loco- motlve nach der Ausfahrt bringen zu lassen. Beim Vorfahren stieg Kanold von der Maschine, um von der Locomotive 1192, welche er vorher geführt. Liderung re. herüber zu holen. Auf dem Tender stehend, wird er wahrscheinlich die Kiste haben offnen wollen und durch das Zurückfallen des Deckels zu Falle gebracht worden fein.' Er stürzte mit dem Kopf zuerst auf den Erdboden herab. Der Unglückliche erlitt dabet einen Schädelbruch, infolge dessen der Tod alsbald eintrat. Ein Lehrling deS Buch­bindermeisters P. dahier hatte heute daS Unglück, mit einer Hand unter die Schneide­maschine zu kommen, infolge dessen die drei Mittelfinger surckschnitten wurden.

[®tn glücklicher Kellners Eine 28jährtpe englische Miß, welche 7 Millionen Mark Vermögen besitzt und in einem der ersten Hotels von Mailand logirt, hat sich daselbst, wie italienische Blätter erzählen, in einen 21jähnpen hübschen Kellner, dessen Vater ein armer, aber ehrbarer Handwerker ist und unweit Turin lebt, sterblich verliebt und beschlossen, mit ihm in den heiligen Stand der Ehe zu treten. Die Mutter deS Fräuleins hat dies Anfangs nicht zugeben wollen, da aber die Tacktet majorenn ist, sich in daS Unvermeidliche gefügt und ist nach der lombardischen Capitale abgereift, um ihren zukünftigen Schwiegersohn kennen zu lernen.

(Vacante Stellen für Mllitäranwätter im Bereiche deS 11. Armee-Corps } Arnsberg, Magistrat, Gasmeister, 900 A Gehalt und freie Wohnung. Arnsberg, Kgl. Regierung, Regierungsbote, 960 A Gehalt und 144 A Wohnungsgeldzuschuß. Arnsberg, Magistrat, Vorarbeiter und Wassermeistet, 756 A Gehalt. Jena, ch-rurg. Abtheilung des Landkrankenhauses, Wärter, 180 Gehalt und freie Station. Laubach, Postamt, Landbriefttäget, 550 A Gehalt und 72 A Wohnungsgeldzuschuß. Weimar, Großh. Bezirksdirection Weimar, Wagenmeister, 90100 A Gehalt monatlich. Eisen- bahnbetliebsomt zu Wiesbaden, 10 Schaffner-Anwärter, Anfangsgehalt 60 monatlich und die reglementsmäßigen Fahrgelder. Ebendaselbst 10 Weichensteller-Anwärter, 60 A Gehalt monatlich, nach Anstellung steigend bis zu 1050 A jährlich. Im Bereiche der Großh. Hess. (25.) Division: Darmstadt, M nisterium des Innern und der Justiz, Verwalter an dem Gefängnisse zu Darmstadt, 1900 A Gehalt, freie Wohnung, Holz und Licht. Lampertheim, Großh. Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Bauwesen, Dammwärter, 8401040 A Gehalt.

Literarisches.

Ein Buch, das in akademischen Kreisen sehr willkommen geheißen werben wirb, ist der soeben im Verlage von C. A. Koch in Leipzig erschieneneAkademische Dukaten der für 1884* (Preis 50 Pffl.). Das hübsch ausgestattete Büchlein, das sich bequem im Portemonnaie tranSportiren enthält trotz seiner Zierlichkeit einen Notizkalender, eine Urberstcht über die deutschen Unlvrrsitäten und deren Freauenr im vergangenen Sommersemester und im laufenden Wintersemester, sowie ein aus­führliches Verzeichniß der sämmtlichen studentischen Corporationen; ferner eine Münz- verMchung, Würfel- und Quodlibettouren und dergl. Man kann denselben als eine handliche Miniaturausgabe deS bekannten Afcherson'schen Universitäts-Kalenders bezeichnen.

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Verkäufe und Verpachtungen, Betheiligungen, Stellen-Vakanzen etc.

werben am sichersten durch Annoncen in zweckentsprechenden Zeitungen zur Keuntnih der bez. Reflektanten gebracht; die einlaufenden Offerten werden den Inserenten im Onsinal äu8efanbt. Nähere Auskunft ertheilt die Anuoncen-Err-edition von »«»oU Moffe, Frankfurt a. M-, Roßmarkt Nr. 3. 73**

Allgemein«» Anzeiger.

Algd-Verpschtung.

Donnerstag d. 31. Januar 1884,

Nachmittags 1 Uhr

soll auf dem Gemeindehaus dahier die der Gemeinde Lang-Göns zustehende Wald- und Feldjagd, ca. 1524 Hectare enthaltend, in 3 Abteilungen auf weitere 6 Jahre verpachtet werden.

Lang-Göns, den 18. Januar 1884. Großh. Bürgermeisterei Lang-Göns.

529 Brückel.

Holz -Versteigerung

Mittwoch den 30. d. M.,

Vormittags von 9 Uhr an,

soll im Garbenteicher Gemeindewald, Listrikt Langenwald und Herrenwald nachverzeichnetes Holz versteigert werden:

10 Rm. Nadel-Scheitholz,

464 Knüppelholz,

62 Stockholz,

95 Reisholz,

4390 Wellen Nadel-Reisholz,

180 Nadel-Stämme von 13 bis 35 Ctm: Durchmesser und 6 bis 14 Mr. Länge,

27 Nadel-Derbstangen von 8 bis 11 Ctm. Durchmesser und 4 bis 11 Mr. Länge,

330 Nadel-Reisstangen.

Der Anfang ist zur bestimrnten Stunde im Distrikt Langenwald bei der Eisenbahn.

Garbenteich, am 23. Januar 1884. Gtoßh. Bürgermeisterei Garbenteich.

Schwarz. 599

549 (Sitte Parthie Felge« und GPeichen find billig abzugeben bet GgSpgr Jung, Klein-Linden.

Ausverkauf.

Um mit meinen bedeutenden

SchuhwaKrenvlZVräthen aufzuräumen, tritt von heute ab ein Ausverkauf derselben ein. Derselbe umfaßt

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Franffurt a. O., im November 1883. Robert v. Stephani,

Jagdverpachtung.

Die der Gemeinde L i ch innerhalb ihrer Gemarkung in Wald und Feld zustehende Jagd soll

Mittwoch den 6. Februar 1. Z.

des Nachmittags um 2 Uhr auf weitere 6 Jahre unter den bekannt gemacht werdenden Bedingungen auf hiesigem Bürgermeisterbureau öffentlich meistbietend verpachtet werden.

Lich, den 20. Januar 1884.

Großh. Bürgermeisterei Lich.

Walz. 326-

Keilgeßotenes.

Reinschweckettbe Caffee'S von 1 A bis

1 60 H (auf meinen guten

Java-Caffee k 1 a pr. Pfd. mache ich besonders aufmerksam),

Gebranntett Caffee pr. Pfd. von 1 A

bis 1 A 60

Mucker (ff. Rasfittade) pr. Pfd. 43

_ iui Brod 40

Würfelzucker pr. Pfd. 45

gemahlener Zucker (rein) pr. Pfd. 46 X anderen Colonialwaaren em­pfiehlt billigst

453

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