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27.1.1884 Zweites Blatt
 
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gtr. 23. Zweites Blatt Sonntag den 27. Januar 1SS4

KiKner Mnzeiger

Amts- uud Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureau r Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Wochenschau.

Gieße», 26. Januar.

Die abgelaufene Woche bot in parlamentarischer Hinsicht im Gegen­sätze zu der vorigen wenig BemerkenSwertheS dar. Die Debatten im preußi­schen Abgeordnetenhaus über den Eisenbahn-Etat verliefen durchaus geschäfts­mäßig und wurden die ein)einen Kapitel meist ohne erheblichen Widerspruch bewilligt. Auch derSchwerinstag" am Mittwoch brachte keinerlei bernerkenS- werthe Momente. Desgleichen ist aus dem Herrenhavse, welches am Dienstag und Mittwoch Sitzungen hielt, die ersten nach den Weihnachtsserien, nichts von außergewöhnlichem Interesse zu berichten. Was den preußischen Vslkswirth- schastsrath anbetrifft, welcher in dieser Woche zur Berathung der Grundzüge des Unfallversicherungs-Gesetzes zusammengetreten ist, so beendigte derselbe am Mittwoch die Generaldebatte hierüber und wählte schließlich eine freie Commission zur Vorberathung einiger Abschnitte. Im Laufe der Debatte erklärte der Ministerialdirector Bosse, es sei kein Geheimniß, daß die Reichsregierung auch die Alters- und Jnvaliden-Versorgung der Arbeiter zu regeln in's Auge faßte; die Regelung aber nur nach gründlicher Prüfung aller einschlagenden Verhält­nisse möglich sei; sie befinde sich noch in der Vorbereitung. Der Redner trat der Meinung entgegen, vaß sich durch die Grundzüge des Unfallversicherungs- Gesetzes ein sichtliches Mißtrauen gegen die Arbeitgeber hinziehe; im Gegentheil bestehe alles Vertrauen zu denselben. Man wünsche aber auch, daß sich die Arbeiter an der Lösung der betr. Aufgaben betheiligen und hoffe, daß sich ein Verhältniß des gegenseitigen Vertrauens zwischen beiden Theilen Heraus­stellen werde.

Im elsaß-lothringischen Landesausschusse kam am Dienstag gelegentlich eines Angriffes des Abg. Zorn von Bulach Sohn auf den Statt­halter dessen Politik zur Sprache. Staatssecretär v. Hofmann wies die gegen die versöhnlichen Bestrebungen des Statthalters gerichteten Angriffe entschieden zurück und ^erklärte im Uetieigen, daß das s. Z. von derRordd. Allg. Ztg." .zuerst veröffentlichte Interview der HerrenA." undB." die Anschauungen des Statthalters in vielen Stücken richtig wiedergegeben habe. Bedeutsam war die Erklärung des Abg. Köchlin (Mülhausen), daß die Angriffe des Abg. v. Bulach keineswegs eine Ansicht des Landesausschuffes repräsentirten und daß das Land dem Statthalter für seine Regierung der Milde dankbar sein werde.

Der ungarische Ministerpräsident v. Tisza weilte in dieser Woche wiederum in Wien. Die Ereignisse in Kroatien, welche zur zeitweiligen Schließung des Agramer Landtages führten, sowie der noch immer in der Schwebe befindliche Conflict mit dem Oberhause wegen des Mischehen-Gesetzes werden jedenfalls die Hauptmomente des mündlichen Berichtes Tisza's an den Kaiser gebildet haben. An demselben Dienstag, an welchem Herr v. Tisza in Wien eintraf, verließ Herr v. Giers, der russische Minister des Auswärtigen, die österreichische Hauptstadt, um sich nach Petersburg zurückzubegeben. Der leitende Minister Rußlands hat sich über die Aufnahme, welche er in Wien allseitig gefunden, unverhohlen anerkennend ausgesprochen und man darf an­nehmen, daß sein jüngster Aufenthalt in Wien von günstigstem Einflüsse auf das Verhältniß zwischen Rußland und Oesterreich sein wird. Die interessante Sprachendebatte im österreichischen Abgeordnetenhause, deren Beginn schon am ersten Sitzungstage, am Dienstag, erwartet wurde, hat erst am Donnerstag ihren Anfang genommen. Die Ablehnung des Antrages Wurmbrandt, die Re­gierung auf Grund der Anerkennung der deutschen Sprache als Staatssprache zur Vorlage eines allgemeinen Sprachengesetzes auszufordern, gilt als gewiß. Banquier Eisert in Wien ist am Dienstag Abend seinen schweren Verletzungen erlegen; auch der kleine Eisert ringt mit dem Tode.

Die französischen Regierungs- und parlamentarischen Kreise werden gegenwärtig durch Fragen der Finanz- und socialen Politik stark in Anspruch genommen. In beiden Häusern des Parlaments ist in den letzten Tagen fast ausschließlich über das Budget verhandelt worden und hatte die Regierung hierbei lebhafte Angriffe auszuhalten. Auch die in Paris herrschende wirthschaftliche Krisis kam bei dieser Gelegenheit im Senate mit zur Sprache, wobei ein Redner der vielverbreiteten Ansicht entgegentrat, daß diese Krisis eine Folge des Frankfurter Friedensvertrags sei. Aus Tongking istnichts Neues" zu melden, die Operationen gegen Bacninh nehmen einen sehr langsamen Fortgang und werden vor Ankunft der französischen Verstärk­ungen kaum zu einem nennenswerthen Resultate führen.

Die öffentliche Meinung in England ist über die Entsendung Gordon Paschas nach dem Sudan sehr befriedigt. Es documentirt sich hier­durch der feste Entschluß des Cabinets von St. James, die Regelung der egyptischen Angelegenheiten nunmehr energisch in die Hand zu nehmen. Die anfängliche Absicht der englischen Regierung, den Sudan sich selbst zu über­lassen, stieß selbst innerhalb der ministeriellen Partei auf lebhaften Wider- .pruch, man wies hier namentlich daraus hin, wie sehr die Handelsintereffen Englands im Sudan engagirt seien und dieses Argument dürfte wohl den Ausschlag zu Gunsten der Mission Gordon Paschas gegeben haben. Gordon Pascha geht über Suakün nach Chartum, dem Ziel seiner Reise, und beab­sichtigt er, sich zunächst mit den Beduinenstämmen von Suakim in ein freund­schaftliches Einvernehmen zu setzen. Mit ihrer Hülfe gedenkt dann Gordon Pascha Chartum zu entsetzen, welches von den Schaaren des Mahdi bereits cernirt fein soll.

Die italienische Deputirtenkammer ist in dieser Woche wieder zusammengetreten und brachte die Opposition gleich in einer der ersten Sitzungen einen Gegenstand für das Cabinet Depretis zur Sprache. Ein Fischer aus Chioggia war in Spalato, also auf österreichischem Gebiete, ermordet worden und hat sich die Untersuchung dieser Angelegenheit in die Länge gezogen. Der Deputirte Bernini machte dieselbe zum Gegenstand einer Interpellation und erklärte hierbei der Minister des Auswärtigen, Mancini, daß er den italieni­schen Consularagenten sofort vom Amte suspendirt, infolge der widersprechenden Berichte aber seine höheren Beamten behufs Einziehung genauer Informationen und Berichterstattung dorthin entsendet habe. Auf Antrag des Interpellanten wurde die Begründung der Interpellation aus den 2. Februar festgesetzt.

Mit der Ersetzung des Cabinets Posada Herrera durch das Ministerium Canovas del Castillo hat sich in Spanien mit einem Schlag ein Uebergang vom liberalen zum conservativen Regime vollzogen. Von welchem Einfluß dieser Scenenwechsel auf die Gestaltung der inneren Verhältnisse des Pyrenäenlandes sein wird, läßt sich jetzt noch nicht ermessen, jedenfalls wird man aber den Regierungswechsel in den Beamtenkreisen zunächst verspüren. Fast sämmtliche Gouverneure der einzelnen Provinzen sind durch neue Persön­lichkeiten conservativer Gesinnungen ersetzt worden und auch sonst vollzieht sich unter den höheren spanischen Beamten einePurification" im Sinne des jetzigen Cabinets. Im Uebrigen will das Cabinet Canovas del Castillo, wenigstens was die auswärtige Politik anbelangt, in den Geleisen des zurückgetretenen Ministe-- rinms fortwandeln.

Der Untergang des DampfersCity of Cotumbus".

Entsetzliche Einzelheiten werden aus Newyork den englischen Blättern über den Untergang desCity of Columbus" gemeldet. Das Schiff, ein starker eiserner Dampfer von 2000 Tonnen Gehalt, gehörte der Boston und Savannah-Linie an und hatte 102 Passagiere, darunter 35 Frauen und Kinder, an Bord. ES waren meist Neu- Engländer, welche den Winter im Süden zubringen wollten. Die Mannschaft bestand aus 45 Personen, der Capttän heißt Wright. DaS Schiff verließ Boston am Donnerstag (X7- Januar) Nachmittag. Die Nacht war stürmisch und kalt, aber trocken und klar uno gegen Morgen schien der Mond. Die Küste von Massachussets, welche der Dampfer zu umsegeln hatte, ist als gefährlich bekannt und namentlich das Riff Devils Bridge an dem Südrande (Gay Head) der Insel Marthas Kneyard, etwa 21 Km. von Cap Cod und 130 Km. von Boston entfernt, wird von den Seeleuten ängstlich gemieden. Auf dieses gefährliche Riff stieß nun der unglückliche Dampfer am Freitag 4 Uhr Morgens. Das Schiff muß IVr Km. von seinem Curse abgewichen sein. Nachdem es an das Riff angefahren war, fuhr es unter der Gewalt des Anpralls etwa zwei Schiffslängen nach rückwärts, begann dann sich mit Wasser zu füllen, neigte sich zur Sette und sank mit dem Htntertheil unter Wasser. Der Capttän forderte die Passagiere auf, sich zu einem Versuche, mit den Booten ans Land zu kommen, vorzuberetten, allein Erstere schienen so erschreckt zu sein und vielleicht die Größe der Gefahr nicht sofort zu erkennen, so daß viele unter Deck blieben, bis das steigende Wasser sie htnauftrteb. In diesem Augenblicke stürzte eine schäumende Wassermasse über das Schiff und spülte alles Lebende hinweg. So kamen 60 Personen einschließlich aller Frauen und Kinder (mit Ausnahme von zwei Knaben) ums Leben. Viele Leichen sind, mit Rettungs­gürteln versehen, in aufrechter Haltung vorgefunden worden, ein Beweis dafür, daß sie sich einige Zeit gequält haben müssen. Nun begann für die wmigen Ueberlebenden ein furchtbarer Kampf. Verschiedene Boote verließen das Schiff, allein sie schlugen entweder sogleich um oder gingen, von unerfahrenen Händen gelenkt, später an den Felsen zu Grunde. Nicht em einziges Menschenleben wurde durch die Boote gerettet. Mittlerweile hatte sich das Takelwerk mit Menschen gefüllt, aber da das Wrack hin- und herschwankte, so schlugen auch hier die eisigen Wogen hinein. Man sah ein Ehe­paar sich zum letzten Male küssen und sich umarmen und dann in die Fluthen sinken. Zwei Brüder waren in dem Takelwerk. Der Altere schlug den Jüngeren, als dieser ihm Muth zusprach und so den Knaben wach erhielt, bis nach 8 Stunden die Boote ihnen Rettung brachten. Dann sprangen sie zusammen in die Wogen und schwammen zu dem Boote, als wenn sie auf ihrer Excursion zu Coney Island wären. Bald stürzte hier einer vor Erschöpfung, bald dort einer schon todt aus dem Takelwerk, während mehrere, selbst nachdem der Tod schon eingetreten war, angefroren an den Stricken blieben. Zuletzt waren von den 80 Personen, welche den sonnigen Süden hatten aufsuchen wollen, nur noch 9 Menschen übrig geblieben. Von der Mannschaft wurden 13 gerettet.

Nachdem der Tag angebrochen war, sah man vom Lande aus das Wrack und um 10 Uhr kam von der Gay Head-Statton das Rettungsboot und rettete 7 Personen. Später kam ein zweites Rettungsboot und zu Mittag erschien der Ver. Staaten Zoll- DampferDexter", welcher in der Nachbarschaft gekreuzt hatte. Die See ging sehr hoch uud der Zolldampfer konnte sich dem Wrack nur auf 300 Ellen nähern. Ein Boot wurde ausgesetzt und rettete einen Mann, ein zweites nahm dann noch einige Andere auf. ES war nicht möglich, hart an das Wrack heranzufahren und so mußten die Unglücklichen in das Wasser springen, um dann erst aus demselben gezogen zu werden. Offiziere und Matrosen vom Zolldampfer sprangen ins Wasser, um diejenigen, welche nicht schwimmen konnten, noch rechtzeitig zu erfassen. Sehr gerühmt wird die Aufopferung des Lieutenants Rhodes vom Zoll-Dampfer. Zweimal schwamm er durch die aufgeregten und eisigen Fluthen, um ein Seil an das Wrack zu heften. Beim ersten Mal wurde er von den Wogen zurückgeschleudert, verletzt und erschöpft, allein noch einmal wagte er das Unternehmen und nun gelang es ihm.

Alle Offiziere an Deck desCity of Columbus" sind ertrunken und so wird die wahre Ursache des Unglücks vielleicht nie genau bekannt werden. Der Capttän war der Letzte, der gerettet wurde. Einer der Ueberlebenden sagt aus, daß ihm der Lootse, als er an den Mast geklammert hing, erzählt habe, er sei, nachdem er das Steuerrad fest gemacht, für einen Augenblick zum Dampfschlot gegangen, um sich zu wärmen. Als er auf seinen Posten zurückkehrte, fand er, daß sich das Schiff gewendet hatte; er sah, daß sie mitten zwischen den Klippen gerathen waren und hielt sofort auf das Land zu. Der Capttän widerspricht dieser Behauptung und erklärt, daß er selbst den Cur8 des Schiffes bestimmt habe, ehe er sich unter Deck begab und dem zweiten Offizier den Befehl übertrug. Oas Schiff fuhr bald darauf auf das Riff an. Der Capttän versichert jedoch, es sei ihm ein Räthsel, wie der Dampfer aus dem richtigen Curse kommen konnte, und glaubt dies einer starken Strömung zuschreiben zu müssen. Alle mit der Oertltchkeit vertrauten Seeleute behaupten, daß der Dampfer seinen CurS ganz verloren haben mußte, als er auffuhr. Die Ueberlebenden erzählen, daß sie zur Zeit, als sie in dem Taktlwerk hingen, zwei Dampfer passiren sahen, daß jedoch kein«.