Ausgabe 
27.1.1884 Erstes Blatt
 
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Amts- und Auzergkblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Bureau r Schulstraße 7.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Die neuerlichen Erhebungen ergaben, daß Blöch fünf Schüsse erhielt. Der Thäter raubte dem Ermordeten Uhr und Kette, Börse und Revolver. Bet der LetbeSvtsilatio« deS ThäterS wurden gefunden: zwei Flaschen Gift, eine k'loschwere Dynamitbombe, welche nach dem Gutachten des Technikers 200 Menschen tödten könnte, ferner drei Revolver und zwei Dolche. Als er bet der Festnahme von Arbeitern durchgeprügelt wurde, sagte er: ,Dte Gesellschaft hat mich zum Mörder gemacht!" Er verweigert bisher beharrlich jede Auskunft über seine Person und sagt nur beim Verhör, er habe von der deutschen Anarchisten-Gesellschaft die Mlssion erhalten, Blöch, welcher Schaff- hauser verhaftete, zu tödten. (BLJW)

Amtschland.

Darmstadt, 23. Januar. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Bei­lage Nr. 1) enthalt:

1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend.

2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, den Ausschlag der zur Bestreitung der allgemeinen Bedürfnisse der evang. Kirche des Großherzoglhums im Etatsjahr 1884/85 erforderlichen Steuern betreffend.

3. Bekanntmachung Großherzoglicher General-Adjutantur, die Freiherrlich v. Weyhers'sche Eleonoren-Stiftung betreffend. '

4. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Groß-Gerau, die Niederschlagung des Kopfgeldes der israelitischen Religions-Gemeinde Wolfskehlen - Goddelau pro 1883/84 und die Nichterhebung des Kopfgeldes und der Umlagen der ge­nannten Gemeinde pro 1884/85 betreffend.

5. Ordensverleihungen:

Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 15 December 1883 dem Glöckner Wendel Heppenheimer zu Nieder-Namstadt das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für langjährige treue Dienste", am 29 December dem Bürgermeister in Rumpenheim Konrad Kaiser IV. das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für langjährige treu- Dienste", ain 1. Januar 1884 dem Bürgermeister in Stumpertenrod Heinr. Schleuning das silberne Kreuz des Berdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen, an dems. Tage dem Bürgermeister in Winterkasten Peter Lannert das Allgemeine Ehren- reichen mit der Inschrift:Für langjährige treue Dienste", am 7. Januar dem Bürgermeister in Merlau Georg Sartorius das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für langjährige treue Dienste" zu verleihen.

6. Ermächtigungen zur Annahme und zum Trassen fremder Orden:

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 30 December 1883 dem Vorsitzenden des Hülfsvereins vom rothen Kreuz tm Großherzogthnm, Ministerialrath Weber dahier, die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Kaiser von Rußland verliehenen Erinnerungszeichens vom rothen Kreuz, am 4. Januar 1884 dem Bahnhofsverwalter der Hessischen LudwigSbahn zu Frankfurt a. M. Franz v. Flamerdinghe dis Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem König von Portugal verliehenen Ritterkreuzes de« ChriftuS- ordens, am 8. Januar dem evang. Pfarrer und Dekan Müller zu Alsfeld die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme der ihm von Sr. Hoheit dem Fürsten von Bulgarien verliehenen Medaille für Wissenschaft und Kunst zu ertheilen.

7. Namensveränderungen:

Am 15. December 1883 wurde dem Lieutenant im 2. Großh. Badischen Grenadier-Regiment (Kaiser Wilhelm) Nr. 110 Alfred Wilhelm Maria Karl Riedel zu Mannheim gestattet, daß derselbe statt feines seitherigen in Zukunft den FamiliennamenRiedel von Konsheim" führe.

8. Zulassungen zur Rechtsanwaltschaft:

Am 27. December 1883 wurde der Gerichtsaccessist Kaspar Klein aus Mainz zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgerichte Alzey zugelassen; am Z. Januar 1884 wurde der Gerichtsaccessist Karl Koch aus Maulbach zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgerichte Michelstadt zugelassen; am 10. Januar wurde der Gerichtsaccessist Daniel Freund aus Offenbach zur Rechtsanwalt­schaft bei dem Amtsgerichte Offenbach, fowie bei der Kammer für Handelssachen mit dem Sitze zu Offenbach zugelassen. (Schluß folgt).

Hesterreich.

Wie«, 25. Januar. In FlortSdorf wurde heute früh ein Detectivbeamter, Namens Blöch, alS er sich von ferner Wohnung nach dem Polizeicommtffartat begab, von einem anscheinend dem Arbetterstande angehörigen Manne erschoßen. Paffanten nahmen den Mörder, welcher zu entfliehen suchte, fest und brachten ihn nach dem Commissartate. Im Besitze deS Mörders, welcher jede Auskunft verweigerte, wurde eine Dynamttbombe, ein Revolver und ein vergifteter Dolch gefunden.

Die Ermordung des DetectivS Blöch erregt das größte Aufsehen. In parla­mentarischen Kreisen wird die Ergreifung von Ausnahmemaßregeln lebhaft erörtert.

Bekanntmachung.

GroßherzoalicheS Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Vorstand der Saalbau-Actiengesellschaft in Darmstadt die Erlaubniß -rtheilt zur theilwcssen Beschaffung der Mittel für die Ausschmückung der inneren Räume des Saalbaus am 1. Mai 1884 eine Verloosung von unb sowie von Erzeugnissen der Kunstindustrie und Industrie zu veranstalten. Es dürfen höchstens 30,000 Loose a 1 JL ausgegebew werden und sind mindestens 60% des Bruttoerlöses aus den Loosen zum Ankauf von Gewinnsten zu verwenden.

Der Vertrieb der Loose ist im Großherzogthum gestattet.

Gießen, den 25. Januar 1884. Großherzogliches KrerSamt Gießen.

Dr. Boekmann. _

Telegraphische Depeschen.

Wolff'* teleg*. Eorrespondenz-Dnrea«.

Berlin, 25. Januar. Seine Majestät der Kaiser empfing heute Vormittag ben Statthalter von Elsaß - Lothringen, General-Feldmarschall Frhr. v. Manteuffel, und Nachmittags den Prinzen Albrecht. ve t t

Das Abgeordnetenhaus verwies heute die Secundärbahnvorlage nach un» erheblicher Debatte an die Budgetcommffsion. Minister Maybach erklärte, den oiel- fachc Wünschen um Anlage weiterer Secundärbahnen stehe die Regierung nicht un- svmpathtsch gegenüber, doch könnten alle Wünsche, so berechtigt die Mehrzahl auch sei nicht auf einmal befriedigt werden. H'erouf wurde ein Theil deS Etats des Ministeriums des Innern nach unerheblicher Debatte erledigt. ,

Die Commission für die schlesische Landgüterordnung hat d e ersten zehn Paragraphen in der Fassung des Herrenhauses genehmigt- Die Majorität der Com­mission zeigte sich geneigt, dem ganzen Gesetz ohne Veränderung zuzustimmen.

Wie derDeutsche Reichsanzetger" meldet, ist Professor Dörner auf fein Ansuchen seines Amtes als Mitglied des evangelischen Oberkirchenraths enthoben und bei diesem Anlaß zum wirklichen Oberconsistortalrath mit dem Range eines RatheS erster Klasse ernannt mordrn. , . n , m ,

Der Volkswirthschaftsrath genehmigte heute dre Ziffern 6 bis 19 der Grund­rüge der Unsallversicherungsvorlage unverändert bei sehr eingehender Berathuna- Ziffer 6 (Erhebung der Deckungskapitalien) wurde »it allen gegen drei, die Bildung vorr Reservefonds mit 25 gegen 23 Stimmen abgelehnt. .

Der Kaiser empfing Nachmittags die Besuche des Kronprinzen, der Kron­prinzessin, der Prinzessin Victoria und der Erbprinzesfin von Mermnyen. Das Befinden des Kaisers ist äußerst befriedigend; die Heiserkeit hat sich erheblich verringert, der Schnupfen ist fast vollständig geschwunden.

Frankfurt a. O., 25. Januar. Musikdrrector Gottfried Piefke, Director der gesarnmten Musik-Corps des 3. Armee-Corps, ist heute früh Hier­selbst gestorben. , , . r A .

Kottbus, 25. Januar. Um 5V2 Uhr Abends sand heute in der Georg Voigt'schen Fabrik eine Kessel-Explosion statt. So weit bis jetzt con* statirt, sind 4 Personen getödtet.

München, 25. Januar. Der Kaiser von Oesterrerch wird morgen früh hier zu mehrtägigem Aufenthalte eintreffen.

Die Abgeordnetenkammer hat nach zweitägiger Debatte den Antrag auf Aushebung des Notariats mit 80 gegen 59 Stimmen der Linken ange--' nommen. Der Justizminister hatte sich gestern und heute gegen ben Antrag

Bremerhaven, 25. Januar. In Folge des Sturmes traf der DanwferNeckars mit der Leiche Dr. Lasker's erst heute Vormittag 10 Uhr auf der Rhede em. Fast sämmtliche Schiffe und Gebäude hatten halbmast geflaggt. Sofort nach dem^Emtreflen. im Hafen wurde der Sarg ans Land geschafft und unter den Klangen des Trauer­marsches von Beethoven in die Halle des norddeutschen Llyod getragen, welche mit frifchem Grün und Flaggen reich geschmückt war. Hier wurde der Sarg auf ernen. Katafalk gestellt. Ein Bruder und Schwager Lasker s, die Abgeordneten Wölfel, Baumbach, Barth, Lipke und Ahlhorn, ferner der. Ausschuß des hiesigen RerchsveremS. Mitglieder der Behörden und mehrere Hundert hiesige Burger nahmen um dem Katn- falk Aufstellung, worauf der Präsident der Bremer Burgmchaft Klaus en, die. erste Ansprache hielt, in der er den Tödten auf deutschem Boden b-grutzte und seine Uneigen- nützigkeit, Charakterreinheit, seine Liebe zur Freiheit und zum Vaterlande rühmend her­vorhob. Der Reichtagsabgeordnete Baumbach rief dem Verewigten namens seiner Freunde und Wähler das Willkommen in der deutschen Heimath zu und dankte den Deutschen Amerika's für di- Aufnahme und die Ehren, die Lasker m Amerika gefunden habe. Lasker's Tod habe Alle tiefbewegt, Lasker's Herz habe stets rm Baterlande gewellt, an seinem Sarge müsse aller Streit und Hader schweigen, auch der konfessionelle, denn der Verstorbene habe sich zur wahren Religion der Menschlichkeit bekannt, er fei viel bekämpft, aber auch geliebt worden. Seine Selbstlosigkeit, Selbstverleugnung und Vaterlandsliebe sei von Jedermann anerkannt. Der Relchstagsabgeordnetc Wölfel legte darauf im Namen der liberalen Vereinigung einen Kranz auf dm L-arg- nieder. Der Prediger der israelitischen Gemeinde Lewinger, feierte m seiner Rede Lasker als Freund der Wahrheit und legte gleichfalls emen Kranz auf den Sa^ Unter d« Klängen eines Trauermarsches wurde der Sarg hierauf m einen schwarz und wem

Gefundene Gegenstände:

1 Messer, 1 Uhrkette, 1 Hundemaulkorb, 1 schwarze Schürze, 3 bunte Taschentücher, 1 Portemonnaie ohne Inhalt, 2 Körbe, 1 Schi-bkarren, 1 H°s-nsell, 1 Hemd und 1 Paar Strümpfe, Zeug zu einem Schleier, 1 Arbeitsschurze, mehrere Schlussel.

Gießen, den 26. Januar 1884. Großherzogliches Pülizemmt Gießen.

Fresenru s.