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sr*. L7L. Samstag den 26. Juli 1884

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Vnreatrr Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag».

Prell vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher HHeit.

Gießen, am 24. Juli 1884.

Betreffend: Die Wahl der Einschätzungs-Commissionen für die Veranlagung der Einkommensteuer und Kapitalrentensteuer.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großberzogliche» Bürgermeistereien des Kreises mit Ausnahme der Bürgermeisterei Gießen.

Stach Art. 36 des Einkommensteuergesetzes und Art. 17 des Kapitalrentensteuergesetzes, beide vom 8. d. M-, soll behufs der Einschätzung in die Steuerklassen der Einkommensteuer zweiter Abtheilung und der Veranlagung der Kapitalrentensteuer für jede Gemeinde eine örtliche Commission gebildet werden, welche von dem Ortsvorstand aus je 3 Jahre gewählt wird. Von den zu wählenden Mitgliedern dürfen nicht mehr als zwei Dntttheüe dem Gememde- vorstand selbst angehören, wenigstens ein Mitglied muß aber demselben angehören.

Bei dieser letzteren Bestimmung bleibt der Bürgermeister, welcher als solcher ständiges Mitglied der Einschatzungscommission und Stellvertreter des Vorsttzerchm^st^außer^Beimcht^^o^.^^ Ministerium der Finanzen sind für Gemeinden bis zu 3000 Einwohnern, sonach für alle Gemeinden des Kreise« Gießm, mit Ausnahme der Stadt Gießen, 3 Mitglieder und 2 Ersatzmänner zu wählen. Q ~

Sie wollen sofort den Gemeinderath versammeln, die Wahl vornehmen lassen und da« darüber ausgenommen- Protokoll binnen 8 Tage» an uns

linsenden.

Dr. Boekmanu.

Bekanntmachung.

3n Gemäßheit der § 9 der Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreis« vom Monat Juni 1884 veröffentlicht:

Hafer JL 17.20, Heu 5.25, Stroh Jt. 4.75 per 100 Kilogramm.

Gießen, den 24. Juli 1884. Großherzogliche« Kreisamt Gießen.

___________________ l)r. Boekmann. ____________________

Brian ntmachung.

Großberzoaliche» Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Stadtrath zu Baden-Baden die Erlaubniß ertheilt, die Loose der von demselben .am 16. September, 23. Oetober und 16. December d. I. jur Erhaltung der Baden-Jffezheimer Pferde-Wettrennen zu veranstaltenden Verloosungen von Jndustne^egensU^en^im^^he^chum^chw ^.ve^ibm.^ genehmigten Gewinnpläne dürfen im Ganzen 250,000 Loose i24 ausgegeben iUiib müssen 250,100 zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden.

Gießen, den 24. Juli 1884. Großherzogliche- Kreisamt Gießen.

Dr. Boekman«.______.....

DarM-adt, 21. Juli. Zum Kaiserlich Russischen Generalconsul in Frankfurt a. M., dessen Amtsbezirk sich auch aus da» Großherzogthum Hessen erstreckt, ist Kammerherr und Staat-rath Oz^row ernannt und demselben Namen» des deutschen Reichs da» Exequatur erthellt worden.

Darmstadt, 24. Jult. Bet der heute staUgehabten LandtagSwahl siegte die uattonaütvevate Partei mit 600 Stimmen Majorität.

Mainz, 24. Jult. Bei der heutigen WahlmSnnenvahl zum Landtag siegte die ultramontane Lifte mit 5 Stimmen Majorität gegen die Socialdemokraten. Von 8300 Wahlberechtigten stimmten nur 2602 ab. Für die Candidaten der Ultramontanen stimmten 827, der Socialdemokraten 822, die Nationalliberalen 807, der Demo­kraten 366.

Bingen, 24.3411 Die Wahlmänner der VolkSpartet, welche für dm seitherigen Abgeordneten P-nnrtch stimmen werden, wurden nahezu einstimmig gewählt. Ein Gegencandtdat war nicht aufgestellt. Die Betheiligung war mäßig.

Telegraphische Depeschen.

Wolst'S teilest. «oerefpondem-Dnrea«.

Bad Gastein, 24. Juli. Se. Maj. der Kaiser machte heute Vor­mittag eine Promenade. Das Diner sand heute in Böckstein statt, und nahmen unter andern Gästen auch die Gemahlin des Botschafters Fürsten Hohenlohe und die Gräfin Lehndorff an demselben Theil.

Nach den bisherigen Dispositionen wird Se. Maj. der Kaiser am 5. August sich von hier nach Salzburg begeben, am 6. August mit dem Kaiser von Oesterreich in Ischl Zusammentreffen und am 7. August die Rückreise nach Berlin antreten.

Paris, 24. Juli. Von gestern Abend bis heute früh 10 Uhr starben in Toulon 20, in Marseille 16 Personen an der Cholera. In Arles sind 7 Cholera-Todesfälle vorgekommen.

London, 24. Juli. Ihre K. K. Hoheiten der Kronprinz und die Kron­prinzessin trafen heute früh mit den Prinzessinnen Victoria, Sophie und Mar­garethe auf der königlichen DachtOsborne" in Scheerneß ein und begaben sich sofort per Extrazug nach London.

Ihre K. K. Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin trafen mit den Prinzessinnen Victoria, Sophie und Margarethe heute Vormittag hier ein und wurden am Bahnhofe von dem Prinzen und der Prinzessin von Wales, sowie dem Prinzen und der Prinzessin Christian empfangen. Vom Bahnhofe begaben sich die kronprinzlichen Herrschaften nach dem Buckingham Palaste, wo dieselben Wohnung nehmen.

London, 24. Juli. Ein Telegramm aus Affouan von gestern meldet, Major Tchener werde mit 40 Beduinen morgen von Korosko nach Dongola abgehen, um über die wahre Lage der Dinge in Dongola Erkundigung rinzuziehen.

Nach in Suakim umlaufenden Gerüchten fahren Kriegsdampfer Gor- don's fort, die Insurgenten zwischen Khartum und Berber zu beunruhigen.

Handel'- Messias.

(Schluß.)

Mit dem Theil» b-»iunt die ernst« Trauer; denn, der nur GM-S geth«n, motz a» Lamm Satte» di- Sünden der W«lt tragen (Chor Nr. 20), muß Schmach und Verachtung, Hahn und G--lung auf sich nehme«, wie die schm-r,durchtrLnrt- Alt-Arte (Nr. 21) ausdrückt, muß unser« Qualen erdulden, unsere Missethaten büßen (Chor Nr. 22), während wir doch nur durch leine Wunden geheiligt werden können (Chorsuge Nr. 23) und ohne ihn, wie veriitte Sch-s« dem Hirten sern,-rstreut find (Chor Nr. 24). Diese rasch- Folge von Chören hielt Händel offenbar allein sür fähig, bm Schmer, der ganzen Menschheit in erhabener Würde auSzudrücken; dazwischen ertönt die rührende Stimme des Contra-AIt und zum Schluffe will der Autor dem schwachen, durch jene Trauerchöre schwer ergriffenen Herzen deS Zuhörers zur Erholung ein heiteres Intermezzo schenken durch den Chor der verirrten Heerde; jedoch bars selbst dieser Chor nicht in Heiterkeit ausklingen, er endtgi vielmehr mit dem düsteren Moll- satze: »Doch der Ew'ge wars aus ihn unser Aller Miffethat", und stellt so den lchweren Ernst wieder her. DaS T-nor-Recitativ (Nr. 27) sührt die Trauerkloge weiter, daß die Schmach dem Erlöser das Herz bricht; etn Tenor-Arioso INr. 28) bereitet auf sein bittere- Sterben vor, da noch Niemand solche Schmerzen erduldet und weil reine Klangmacht der Welt den Tod deS Heilandes würdig auszudrücken vermag, so gibt ein einfaches Sopran-Recitatio (Nr. 29) die Kunde seines Scheidens in nüchternen Worten und Tönen. ,,ei^ c ß ,

So nahe an der ernsten Trauer muß auch die fröhliche Feier der Auferstehung maßvoll beginnen: ein mild-freudiges Sopran-Arioso (Nr. 30) dankt dem Herrn, daß er den Heiland nicht im Grabe ließ, daß sein Heiliger nicht Verwesung sah. Um io energischer ist der AuferstehungSchor (Nr. 31) im fünfstimmtgen Ausdruck der Freude für die ganze Welt. Nun folgt die Ausbreitung des ChrtstenthumS. Groß war die Menge der Boten Gottes, die nach dem Chore (Nr. 35) dem Worte deS Herrn gemäß auszogen, um mit lieblichem Schritte (Sopran-Arie Nr. 36) den Frieden anzukündtgen und Botschaft zu bringen vom Heil, da8 ewig ist. In alle Lande geht ihr Schall und ihr Wort an alle Enden der Welt, was der Chor (Nr^ 37) tn mächtigen, nach allen Richtungen sich verbreitenden Tonfiguren ausmalt. Dawider entbrennen die Heiden und toben im Zorne (Baß-Arie Nr. 38), ihre Könige lehnen sich auf und die Fürsten stehen auf zur Empörung. Die Aufforderung im Chore (Nr. 39), ihre Bande zu zer­reißen und ihr Joch abzuwerfen, bleibt vergeblich; aber der im Himmel wohnet, lachet ihrer Wuth (Tenor-Recttativ Nr. 40), er zerschlägt sie mit eisernem Scepter und zerbricht sie wie Töpfe in Scherben (Arie Nr. 41), weShalb der Chor (Nr. 42) das unsterbliche Hallelujah singt und die allmächtige, ewige Regierung des Herrn preist.

Der dritte Theil schildert den hohen Werth der Erlösung für die Menschheit, die Ueberwtndung von Tod. Gericht und Hölle und die Erwerbung des Himmels, kurz die vier letzten Dinge. Die tiefsinnige Sopran-Arie (Nr. 43) stößt un8 tn rührenden Melodien den Troft ein, daß unser Erlöser lebt und uns am jüngsten Tage auferwecken wird. Mit ihm überwinden wir den Tod. bekräftigt der Chor (Nr. 44) in so energischen Zügen, daß ihm ein Zweifel zu den Unmöglichkeiten gehört. Da? Baß-Recitatto (Nr. 45) verkündigt, daß beim Weltgerichte nicht bloS die Aufttweckten, sondern auch die noch Lebenden verwandelt werden; sie erhalten (Baß-Arie Nr. 46), wenn die letzte Posaune erschallt, alle einen unverweslichen Leib. Die Überwindung der Holle und die Erwerbung des HimmelS wird in dem Schlußchore (Nr. 51) dargestellt. Die Aus- erwählten, die durch Christus in den Himmel etngehen, fingen, mit ben Engelchoren vereinigt, Jubelhymnen dem Lamme, das auf dem Stuhle zur Rechten Gottes thront, dem alle Gewalt und Ruhm und Lob und Preis gebührt und schließen das Werk mit der unvergleichlichen Amenfuge.