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Kirchliche Anzeigen der evangel. Gemeinde.

,. 26. Marz, Abends 6 Uhr, 5. Passionswochengo 1 tes-

drenst. Pfarrer Schlosser-

Berlin, 24. März, lieber die bereits gemeldete Aeußerung des Kaisers bei dem vorgestrigen Empfange des RetchstagSprüstdtumS berichtet dieKreuzztg.": Der Kaiser sprach die feste Hoffnung aus, daß der Vorschlag der verbündeten Regierungen aus Verlängerung des SoctaUstengesetzes angenommen werden würde. Er kenne dte be­treffenden Zustände wohl und habe mit eigenem Blute dafür stehen müssen. Dte Ablehnung der Verlängerung könne er nur als ein gegen seine Person gerichtetes Er- gebntß ansehen.

Prinz Heinrich stattete Mittags dem Fürsten Bismarck einen Besuch ab.

Dresden, 24. März. Dte erste Kammer genehmigte in Ueberetnsttmmung mit der zweiten Kammer den Bau eines neuen Kunstakademie- und KunstauSsteüungs- Geöäudes auf der Brühl'schen Terrasse, ermächtigte ferner die Regierung zur Hebers nähme deS Betriebes einer von der Sachsen-Altenburg'schen Regierung zu erbauenden Eisenbahn von Ronneburg nach Meuselwitz und genehmigte endlich das Gesetz betreffend den Ausschluß säumiger Abgabenpflichtiger von öffentlichen Vergnügungsorten mit den von der zweiten Kammer beschloßenen Abänderungen. Die zweite Kammer hat ihren Beschluß, die Errichtung eines Gesundheits-Museums zu genehmigen, zurückgezogen und in Ueberelnsttmmung mit der erstenKammer den diesbezüglichen Antrag der Regierung zur Erwägung überwiesen-

Schwerin i. M., 24. März. Der Herzog Paul Friedrich hat für stch und seine Descendenz auf alle Erbfolgerechte in Mecklenburg verzichtet und r.war in der Weise, daß seine nachgeborenen Brüder und deren Descendenz ihm und seiner Descendenz vorgehen, nach deren Aussterben jedoch das Erbrecht des Herzogs und seiner Descendenz wieder unter der Bedingung in Kraft tritt, daß der Erbfolgeberechtigte zur protestantischen Kirche überzutreten hat.

Chriftiania, 24. März. Das heute von dem Reichsgericht gegen den Staatsrath Jensen gefällte Urtheil lautet auf AmtSentsetzung. Der König wird am Mittwoch hier zurückerwartet.

Paris, 24. März. Der Geschichtsschreiber Mignet ist heute früh 7 Uhr gestorben.

Rom, 24. März Bezüglich der Bildung eines neuen CabineLS ist noch nichts Definitives bekannt. Wie die Blätter melden, soll der Ackerbauminister auf seinem Rücktritt beharren, de Pretis aber nicht geneigt sein, sich von dem­selben zu trennen.

Rom, 24. März. DerOsservatore Romano" schreibt: Dte Blätter, welche in den lrtzten Tagen von der Abreise des Papstes sprachen, sind im Allgemeinen nicht richtig verstanden worden. Sie sprachen von der Möglichkeit, daß der Papst eines Tages gezwungen sein könnte, abzureisen, aber nicht von einer bevorstehenden Abreise. Der Zeitpunkt der letzteren hänge keineswegs vom Papste ab, sondern von der italieni­schen Regierung. An dem Tage, an welchem der Papst sich allzu sehr kompromittirt und in seiner Freiheit allzu beengt sehen werde, werde er den KretS, der ihn beengt, durchbrechen und, wie so viele seiner Vorgänger, anderwärts em freieres sichereres Asyl suchen. Er werde es ebenso machen, wie kürzlich die Propaganda es gemacht habe. Ueberall, wo er hingehe, werde er dte Kirche mit sich nehmen. Der Ort, wo er sich ntederlafsen werde, werde zum Mittelpunkt der Welt werden. Während ein ein­faches Dorf, welches dem Papst als Asyl dient, universelle Bedeutung erlangen würde, würde Rom durch dte Abreise des Papstes seine ganze Größe einbüßen. DerOsser- vatore Romano" zählt dann dte Hauvtbeschwerden des Papstthums gegen die Italienische Regierung auf und schließt:Wenn der Papst noch in Rom bleibt, so geschieht dies etnz'g und allein, um Rom und Italien, dte er sehr liebt, sehr ernste moralische und materielle Schädigungen zu ersparen, denen sie ausgesetzt würden, wenn sie sich nicht mehr im wohlthuenden Schatten des heiligen Stuhles befänden. Der Papst im Exil und umherirrend mürbe den Enthusiasmus selbst unempfindlicher Völker Hervorrufen und diese zu großherzigen Unternehmungen antreiben. Das Unglück käme dann über Jene, die den Papst zum Verbannten, zu einem Herumirrenden gemacht hätten I Eben deßhalb überschreitet der Papst nicht die Schwelle des Vatikans.

Petersburg, 24. März. Wie die deutschePetersb. Ztg." mittheilt, fand am Geburtstage des Kaisers Wilhelm bei dem Kaiser und der Kaiserin in Gatschina ein Diner statt, zu welchem der deutsche Botschafter, General- Lieutenant v. Schweinitz, der General-Lieutenant v. Werder und sämmtliche Mit­glieder der deutschen Botschaft Einladungen erhalten hatten. Der Kaiser und die Großfürsten, letztere soweit sie Inhaber preußischer Regimenter sind, hatten preußische Uniformen angelegt. Während der Tafel brachte Kaiser Alexander einen Toast auf den Kaiser Wilhelm aus, worauf von der Tafelmusik die preußische Nationalhymne gespielt wurde. Am Vormittage hatten die hier an­wesenden Mitglieder der kaiserlichen Familie, die Minister und sonstigen Würden- träger, das diplomatische Corps, sowie die Mitglieder ver deutschen Kolonie zu Ehren des Tages in der deutschen Botschaft Glückwünsche dargebracht. Wie dieselbe Zeitung erfährt, hat Kaiser Wilhelm dem Minister des Aeußern v. Giers den schwarzen Adlerorden verliehen.

Der Minister des Innern hat verfügt, daß der seit dem 12. Januar verbotene Verkauf von Einzel-Nummern desPetersburgski Listok" wieder zu gestatten sei; gleichzeitig hat derselbe auf Grund des betr. Preßgesetzes den Ein­zelverkauf derSowremennya izwestija" in Moskau genehmigt.

Der deutsche Botschafter, General-Lieutenant v. Schweinitz, ist gestern nach dem Auslande abgereist, um einige Wochen bei seiner Familie zu verleben; während dieser Zeit führt Graf Bismarck die Geschäfte der Botschaft.

Den Toast auf den Kaiser Wilhelm bei dem Diner deutscher Reichs­angehörigen am 22. d. Mts. brachte der Präsident des Festausschusses Schor- nikau aus, während der von deni bayerischen Gesandten v. Gasser ausgebrachte Toast dem Kaiser Alexander galt.

m ,, Kairo, 24. Mär,. Nach hier eingegangenen Nachrichten befindet sich das ganze Gebiet ,üblich von Berber im Aufstande. Die Aufständischen umgeben Chartum auf allen Seiten. Die Verbindungen sind vollständig unterbrochen. Die Lage deS General« Gordon ist eine schwierige, wird aber bis jetzt nicht für beunruhigend an- acfehen. Von Berber aus sind zwei Boten mit Briefen an General Gordon abgesandt worden.

Zur geft. Beachtung.

Schriftliche Anfragen wegen AnskunftSertheilling über Inserate w. können i* nur dann b-aMworten, wenn denselben eine Freimarke für di- Rückantwort beigelrgt' ist. lieber Jnierate bezüglich deren Offerten emzu reichen sind, ist di- Erp diiion u . keinerlei AuvkuMtSeriheilungeii befugt. Offertenbriefe sind soweit keine'bestimm««,, aeaeinbeiliaeu Abmachungen getroffen wurden in der Ervedition abzuholen

SokaleS.

Gießen, 25. März. Tagesordnung für dte Stadtvcrordneten-Sitzung em $e*MerSt»6 den 27. März 1884, Nachmittags 4 Uhr.

1. Reklamation des Slraßenmetsters Philipp Klein in Heusenstamm wegen Zuziehung zu den Umlagen der Stadt Gießen für 1881/82.

2. Verstellungen im Poltzetgebäude.

3. Die Prüfung des Gemetndevoranschlags für das Jahr 1884/85.

Gießen, 25. März. Schwurgerichtsverhandlung am 24. März l. I. gegen Martin Wagner von Geilshausen, zuletzt wohnhaft in Gießen, wegen Raubs.

Wagner war angeklagt:

daß er in der Nacht vom 11. zum 12 Januar I. I. zu Gießen dem Samuel Pascoe von da auf öffentlicher Straße Geld, welches demselben gehörte, mittels Gewalt und unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben in der Absicht rechtswidriger Zueignung weg- genommen und daß er bet Begehung dieser That eine Waffe, nämlich em Messer, bet sich geführt habe.

Die Geschworenen verneinten die auf das Verbrechen des Raubs gerichtete Hauptfrage, dagegen bejahten sie dte HülfSfrage, welche das Verbrechen der räuberischen Erpressung zum Gegenstände hatte. Demzufolge wurde Wagner in eine Zuchthaus­strafe von 7 Jahren verurtheilt, ihm auch gleichzeitig die bürgerlichen Ehrenrechte aus dte Dauer von 5 Jahren abgesprochen und auf Zulässigkelt der Polizeiaufsicht erkannt.

Gießen, 25. März. Entgegen unserer in Nr. 69 gebrachten Nachricht, bringt die heutigeFranks. Zig" nachstehende Korrespondenz:

Gießen, 24. Marz. Man schreibt uns: Eine SSbelaffaire, deren Opfer der beim hiesigen Regiment sowohl wie bei der Bürgerschaft gleich beliebte Hauptmann Ronneberg geworden ist, bildet eben das Stadtgespräch. R. ist vor ca. 10 Tagen ta Offizier-Casino beim Kartenspiel mit dem Pr-Lieutenant Helling, der rabulistischer Natur sein soll, in Wortwechsel gerathen, wobei letzterer den Säbel zog und R. am Kopfe verwundete. Die Kopfrose stellte sich ein und setzte dem Leben des rüstigen Offiziers ein Ende. Von den Beiheiligten und den wenigen Wissenden war der Vorfall so geheim gehalten worden, daß bis zum Todestage der Regiments-Commandeur bett wahren Sachverhalt nicht gewußt haben soll. Man hatte daS Gerücht in Umlauf gesetzt, Hauptmann R. habe sich die Wunde durch Anstößen des Kopses an den Kron-. lcuchter eines hiesigen Delicatessengeschästes zugezogen*

. v selbstredend derFranks. Ztg." die Verantwortung für diese Korre­

spondenz überlassen.

,, Gießen, 24. M/Kz. sTheater.j Man mag an Rosens Arbeiten noch so viel auszusetzen Haden, eine Wirkung Haden alle: sie erregen Gelächter: er hat Humor unb seine Phantasie leistet Fabelhaftes in Erfindung drolliger Situationen. Eine eigentliche Verwickelung wohnt auch dem Stück:Neue Männer" nicht inne Knötchen reiht sich an Knötchen. Ein ehemaliger Holzhändler und Geflügelhändler' der unter dem Joche einer bösen Pantoffelherrscbast seufzt, seine Frau, die bet jeder Erinnerung an das einstige Geslügelgeschäst in Krämpfe fällt; ein RegierungSfeeretär der aus einem devoten, unterihänigsten Beamten plötzlich ein Mitglied des Resorm- vereinsNeue Männer" wird; Kapaunen, dte auf der Bühne gerupft und Bestecke die geputzt werden--es ist ein Schwank, nehmt Alles nur in Allem; wer

herzlich lachen wollte, hatte dazu Gelegenheit.

Dte Darstellung der Novität, an welcher mehr oder minder die Damen Frau Brede, Fräulein Kohrsen I. und II., Pögner I. und II., Desmont und Hoffmann, sowie die Herren Muff, Peters, Brautlecht, Schreiner und Schonwasser betheiligt waren, war eine wohlgelungene.

Die Jnscenitung extra betonen zu wollen, wäre eigentlich überflüssig, aber in diesem Falle verdient die Regte für dte geschickte Ausnutzung des beschränkten Bühnev- raums zu einer Dreitbetluna ein besonderes Lob.

~ sAlikaiholisches.j Auch tn Frankfurt a. M. hat sich eine altkatholifche Gemeinde gebildet und wird der erste altkalholische Gottesdienst am Palmsonntau (6 Av-il b. J.s gehalten werden und zwar tn der PaulSkircke.

Gondel und Werkehe.

,G^ßen, den 25. März. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund 1.001.10, Hühnereier 2 Stück 900 X Enteneier per Stück 5-0 X Gänse- eter per Stck. 10-00 X Käse Sick. 4-9 X Kasematte 3 X Erbsen per Liter 20 a Linien 32 X Tauben per Paar 801,10 X Hühner per Stück 0.901.50, Hahnen pr. ©tuet X 1.001.70, Enten per Stück X 2.00-2.50, Ochsenfleisch per Mund f^-OO X Kuh- und. Rindfleisch 48-56 X Kalbfleisch 45-50 X Schweinefleisch .>860 Hamlnelfleiich 6070 Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.004.00, Milch' per Liter 1318 X Gänse per Pfd. H 00-00, Zwiebeln per Ctr. X 18-20, Weiß­kraut per Hundert X 00. D

1Q,,^ron März. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wetterauer

fremder 19-4-20, Roggen ess. hies. X 16*/»:1/«, fremder XA17, Gerste eff. hies. u. Wetterauer X 1718, fremde X 1819, Hafer eff. hiesiger A ^ ^^ remder X 14y*-15/*. - Rüböl eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 (Str. d71/2. Branntwein eff. ohne Faß 42.

. Frankfurt 24. März Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Ange- trieben waren 300 Odjfen. ca. 18 Bullen, ca. 300 Kühe und Rinder, ca. 300 Kälber. Adresse stellten sich: Schien 1. Qual. X 68-00, 2. Qual. X 55-62, Kühe und Rmder 1-.Oual ^L 60-00, 2. Qual. X 5000, Kälber 1. Qual, X 70-00, 2 Qual. X 606t) per 100 Pfund Schlachtgewicht.

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