Einzelbild herunterladen

*N«0.

*u.

ialt

*0000000

ässen, o

§

rsen H. 0

Novität! 8

Ende 10 Uhr.

ft Kohrsen ll. Ö . Sttflnti#**

nit die schmerzliche N n Leiden erfolgten -mutter und Groß-

Bliebmttr.

er Erp

lltlü

Nr. 73.

Mittwoch den 26. März

issa

Erscheint t^Alich mit Ausnahme des MontagS

M

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringerKchn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps.

Nr. 8 des Reichs-Gesetzblatts, auSgegebm den 20. d. M., enthält: (Nr. 1532.) Gesetz, betreffend die Stimmzettel für öffentliche Wahlen. Vom 12. März 1884.

Gießen, den 24. März 1884. Großherzogliches Kreisamt Gießen. -

Dr. Boekinann.

t Schulstraße 7.

WM« N»

PoLLtifche Ueberfkcht.

Gießen, 25. März.

Dar Geburtsfest des Kaisers hatte diesmal einen noch größeren Kreis deutscher Fürsten am Berliner Hofe versammelt, als sonst. Es waren zur persönlichen Beglückwünschung des Kaisers erschienen der König von Sachsen, der Großherzig und die Großherzogin von Baden, der Großherzog und die Großherzogin von Sachsen nebst dem Erbgroßherzog, die- Herzöge von Meinin­gen und Anhalt, der Erbgroßherzog von Oldenburg nebst Gemahlin, die Fürsten von Schwarzburg - Sondershausen und von Waldeck, Prinz und Prinzessin Albrecht von Preußen, die Prinzen Adolf zu Schaumburg-Lippe, Friedrich Fer- dinand und Albert zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und Heinrich von Heffen, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin u. s. w. Außer- dem war auch Prinz Heinrich von Preußen, welcher seither in Kiel noch Dienst gethan hatte, am Samstag in Berlin eingetroffen, um seinen kaiserlichen Groß­vater zu beglückwünschen und denselben nach der langen Meeresfahrt, welche den Prinzen seit 18 Monaten von der Heimath entfernt gehalten hatte, zu begrüßen.

Eine Haupt- und Staatsaction ist im Reichtage vorüber, die Socialisten-Debatte vom Donnerstag und Freitag, von der wir jedoch noch eine Auflage erleben werden, da die Vorlage über die zweijährige Verlängerung des SocialistengesetzeS nicht pure abgelehnt, sondern an eine Commission ver­wiesen worden ist. Was den allgemeinen Charakter der zweitägigen Verhand­lungen anbelangt, so muß zunächst constatirt werden, daß dieselben frei von der Leidenschaftlichkeit waren, welche den früheren Debatten des Reichstages über diesen Gegenstand anhaftete und daß sich selbst die socialdemokratischen Redner eines gemäßigten Tones befleißigten, wenn sie sich auch natürlich in ihren alt­gewohnten und bekannten Tiraden ergingen. Das Hauptinteresse knüpfte sich an die Donnerstags-Debatte, einmal, weil an diesem Tage Fürst Bismarck wiederum sprach und dann, weil Windthorst sich über die Stellungnahme seiner Partei gegenüber der vorgeschlagenen Verlängerung des SocialistengesetzeS äußerte. Bekanntlich ist in dieser Frage die Haltung des Centrums maßgebend, die Rede seines Chefs war indeffen so diplomatisch gehalten, daß man aus ihr noch nicht die bestimmte Ueberzeugung gewinnen konnte, das Centrum werde der Vorlage zustimmen und so muß man denn die dahin gehenden Annahmen einstweilen auf sich beruhen lassen. Fürst Bismarck beleuchtete die Angelegen­heit von dem höheren Gesichtspunke aus dem Zusammenhangs mit seinen social­politischen Plänen überhaupt und wies nochmals daraus hin, daß die Heilung der socialen Schäden nicht nur durch regressive, sondern auch durch positive Maßregeln für das Wohl der arbeitenden Klaffen zu geschehen habe, trotzdem dürfe man die vorbeugenden Mittel gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie nicht aus der Hand geben. Schließlich sind aus der Donnerstags-Sitzung noch die Rede des Ministers v. Puttkamer, in welcher sich derselbe namentlich gegen das in einem kürzlich erschienenen Buche Bebel's nieder­gelegteProgramm" des socialistischen Zukunftsstaates wandte, und die Erklä­rung des nationalliberalen Abg. Marguardsen, daß seine Partei für die Ver­längerung des SocialistengesetzeS stimmen würde, hervorzuheben. Die Verhand­lungen vom Freitag förderten über die vorliegende Materie wenig Neues zu Tage. Von Seiten der deutschen freisinnigen Partei übte Abg. Dr. Hänel eine abweisende Kritik an der Vorlage aus, von den Conservativen sprachen sich die Abgg. v. Kardorff und v. Maltzahn-Gülz für die Vorlage und für Plenar- berathung aus, während sich die Abgg. Sonnemann und Liebknecht dagegen erklärten. Schließlich griff auch Fürst Bismarck wieder in die Discussion ein und wies besonders aus die eigenthümlichen Verhältnisse in den ehemals polni­schen Landestheilen hin, durch welche dort die Ausrottung der Socialdemokratie verhindert werde. Die Vorlage wurde hierauf, wie schon erwähnt, an eine 2Igliederige Commission verwiesen und zwar gegen die Stimmen der beiden con- ser^-aUven Fraktionen und der Socialdemokraten. Am Montag beschäftigte sich der Reichstag mit der ersten Lesung des Actiengesetzes.

Der französische Feldzug in Tongking wird den Versicherungen der Pariser osficiöscn Blätter zufolge mit der Einnahme von Hung-Hoa, nord- ivrstlich von Sontay am Rothen Fluß gelegen, beendigt fein. Was nun die zu >.'wartenden diplomatischen Verhandlungen zwischen Paris und Peking bringen werden, läßt sich natürlich noch nicht mit Bestimmtheit voraussagen, zumal von Seiten Chinas irgendwelche Eröffnungen gegenüber der französischen Regierung «och nicht geu'.acht worden sind. Für Frankreich gilt indessen dasbeati possi- dentes und im faktischen Besitz von Tongking kann es den diplomatischen Unterhandlungen mit Ruhe entgegensehen, lieber die Höhe der Kriegsentschädi­gung, welche Frankreich von China verlangen will, verlautet noch nichts Posi­tives, vielleicht begnügt man sich aber in Paris mit der Anerkennung der französischen Suzerainetät über Tongking Seitens Chinas. Die französische Deputirtenkammer hat am Donnerstag den Antrag der monarchischen Fraktionen

auf Erneuerung der Budgetcommission durch das Listenscrutinium mit 310 gegen 201 Stimmen abgelehnt.

Für die englische Regierung hat der ungünstige Ausfall zweien jüngst vollzogenen Ersatzwahlen zum Unterlaufe eine ernste Bedeutung. In Huntingdonshire ist der conservative Candidat Sir Robert Peel und in Cam­bridgeshire ebenfalls ein Conscrvativer, Thornhill, gewählt worden. Beide Kreise waren bisher durch liberale Abgeordnete im Unterhause vertreten und Cambridgeshire ist sogar ein alter liberaler Sitz, dessen Vertreter bisher Mr. Brand, der frühere Sprecher (Präsident) des Unterhauses, war. Man kann in diesen Wahlniederlagen der Regierungspartei wiederum ein Symptom der im Lande unleugbar gegen das Cabinet Gladstone herrschenden Verstimmung erblicken, welche durch die beunruhigenden Gerüchte über die Mission Gordon's sich nur noch vergrößern wirb.

Trotz des Erfolges, den das Cabinet de Pretis in der Sitzung der italienischen Deputirtenkammer vom 19. März durch die Wahl des regierungsfreundlichen Abg. Coppino zum Präsidenten errungen hatte, ist das­selbe durch die eigenthümliche parlamentarische Lage zur Demission genöthigt worden. Der König hat bereits mit verschiedenen hervorragenden politischen Persönlichkeiten über die Neubildung des CabinetS conferirt, einstweilen aber noch ohne Erfolg.

In Spanien haben die neulichen Verhaftungen ganz ent­schieden zu einer Klärung der Situation geführt. Dem energischen Vorgehen des Ministeriums Canovas del Castillo ist es gelungen, die drohende revolu- tWikJe Bewegung im Keime zu ersticken und herrscht den aus den verschie­densten Theilen des Landes eingehenden Berichten zufolge überall Ruhe und Ordnung.

Die Erhebung der Araber im Ost-Sudan kann man im Wesent­lichen als niedergeschlagen betrachten. Die beiden Schlachten von El Teb und Tamanieb haben das Heer Osman Digma's mehr als decimirt und mit jedem Tag nimmt die Schaar derer, welche bis jetzt zu ihm hielten, ab. Schlimm scheinen jedoch die Dinge im West-Sudan zu stehen und wenn sich auch die sensationelle Nachricht von der Gefangennahme und Enthauptung General Gor- don's als eine französische Erfindung herausgestellt hat, so erscheint seine Lage doch stark gefährdet und es werden sich die Engländer vielleicht noch entschließen müssen, von der Küste des Rothen Meeres den Wüstenmarsch nach Khartum zu unternehmen.

Darmstadt, 24. März. Se. Königl. Hoheit der Großherzog und Se. Großh. Hoheit der Prinz Alexander statteten am gestrigen Tage Ihrer Majestät der Kaiserin von Oesterreich in Wiesbaden ihren Besuch ab. Dir- Herrschaften dinirten darauf bei Sr. Hoheit dem Prinzen Nicolaus von Nassau.

I. Darmstadl, 24. März. sZwette Kammer der 2anbflfir.be.] Der Finanz­ausschuß wirb kommenden FreUag den 28. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, behufs Br- rathung und Beschlußfassung über den bet neulicher Session eingelangtcn Initiativantrag des Abg. Schaum, einen Gesetzentwurf, die Herstellung eines Anschlusses der Actten- zuckersabrikBüdingen" in Stockheim an die Oberhessische Bahn betreffend, zu- sammentreren.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'L telegr. Eorresporrdenr-Brrerarr.

Berlin, 24. März. In der heutigen Sitzung des Reichstags übermittelte zu­nächst der Präsident den Dank Seiner Majestät des Kaisers für die Allerhöchstdemselben dargebrachten Wünsche des Hauses.

Alsdann konstatirte der Präsident, daß bei der letzten Sitzung des Reichstags Niemand ohne Einlaßkarte die Journalisten-Trtbüne betreten habe. Der mit der Schweiz abgeschlossene Vertrag wegen der gegenseitigen Zulassung von Medicinal- personen, sowie das Gesetz über die Controls des Re'.chshaushaltS wurden in dritter Lesung genehmigt. Bei der ersten Lesung des Acttengesetzes sprachen sich die Ab­geordneten Horwitz und Büsing für die Vorlage aus, fanden jedoch einzelne Bestimmungen zu hart und von zu großem Mißtrauen dtkltrt. Der Abg. Rerchensperger (Olpe) hielt dafür, daß im Entwurf die strafrechtliche Seite zu wenig betont sei, und der Abg. Hartmann sprach stch ebenfalls für strengere Bestimmungen aus. Der Abg. Bam­berger äußerte sich im Allgemeinen günstig über die Vorlage. Der Staatssecretar Schelling wies den Vorwurf, daß die Vorlage von einem Mißtrauen gegen den Handels­stand getragen sei, zurück. Der Abg. Oechelhäuser sprach für die Revision der ganzen handelsrechtlichen Gesetzgebung. Schließlich wurde die Vorlage an eine Commission von 21 Mitgliedern verwiesen.

Die nächste Sitzung findet Mittwoch statt. Auf der Tagesordnung für dieselbe sind verschiedene Initiativanträge der Abgg. Barth, Lmzmann, Philippi-Lenzmann, Büchtemann, Eberly, v. Czarlinski, Munckel und Lmzmann gesetzt.

Im Abgeordnetenhause wurde der Antrag Bachem, die Abänderung der Rheinischen Städteordnung betreffend, fast einstimmig der verstärkten G metnde-Com- Mission überwiesen. Außerdem wurden noch einige Positionen, vorwiegend localen In­halts, erledigt.

In der nächsten Mittwoch" stattfindenden Sitzung wird die Jagdordnung be- rathen werden.

Das Herrenhaus genehmigte die Hannoversche Kreisordnung und Provinztai- ordnung in der von dem Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung, für welche bet Minister v. Puttkamer wiederholt eintrat.