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Deutschland.

Darmstadt, 23. October. Wegen des Ablebens Sr. Hoheit des Her­zogs von Braunschweig ist aus Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer von 14 Tagen angeordnet worden und wird sonach die bereits bestehende bis zum 5. November l. Js. einschließlich verlängert.

Darmstadt, 23. October. Se. Königl. Hoheit der Großherzog werden Samstag den 25. d. Mts. der Beisetzung des Höchstseligen Herzogs von Braun­schweig in Braunschweig beiwohnen und deshalb an diesem Tage keine Audien­zen ertheilen. Die Abreise ist vorläufig aus Freitag den 24. ds., Nachmittag- 5 Uhr, festgesetzt.

Oesterreich.

Wien. 22. October. Von der hiefigen Polizei ist neuerdings eine größere Anzahl Socialisten ausgewiesen worden.

Arankreich.

Paris, 22. Oktober. Der Conseilpräsident Jkle« Ferry empfing heute eine Deputation aus den nördlichen Departements und äußerte fich derselben gegenüber, daß die Frage einer Erhöhung der Getreide-Einfuhrzölle eine sehr ernste sei und eine gründliche Prüfung erheische.

Alle Zeitungen sprechen fich für die Absendung von hinreichenden Ver­stärkungen noch Tongktng aus. Das JournalParts" schlägt vor, 10,000 Manu und zwar 7000 Mann für General Bndre de l'Jsle und 3000 Mann für Admiral Courbet nachzusenden. DaS Blatt meint, die Kammern würden ihre Zustimmung nicht versagen.

Nachrichten aus Toulon signalifireu die baldige Abfahrt von zwei Schiffen, welche Truppen und Munition nach Tongking bringen sollen.

In Oran (Algier) sind gestern 9 Personen an der Cbolera gestorben.

Rouen, 22. October. In Folge von hier umlaufenden Gerüchten, wo­nach in Dport «"Kanton Fecamp, am Kanal La Manche) die Cholera ausgebrochen und von 10 erkrankten Personen 5 gestorben seien, hat sich der Präfekt des Departements Seine inferieure dorthin begeben, um festzustellen, ob es sich wirklich um die asiatische Cholera handelt, und event. die erforderlichen Maß­regeln zu treffen.

Amerika.

Rew-Bork, 22. October. An Bord des DampfersAmerique" von der transatlantischen Linie, welcher heute abgehen sollte, brach Feuer aus, das jedoch bald gelöscht wurde. Der Schaden an verbrannter Baumwolle wrrd aus 500 Dollars geschätzt; das Schiff selbst ist wenig beschädigt.

Te!eMa-hischr Depesche«.

Berlin, 23. October. Der Bundesrath hat in seiner heutigen Sitzung die Vorlagen über die Ausdehnung der Unfallversicherung auf das Transport- gewerbe und über die Dampfer-Subvention an die Ausschüsse zur Vorberathung überwiesen. Die Frage über die Legitimation der braunschweigischen Bevoll­mächtigten wurde heute nicht berührt.

Der Reichskanzler Fürst Bismarck empfing heute Vormittag einen längeren Besuch des Prinzen Wilhelm und begab sich darauf zu Fuß in's Hotel Royal", woselbst der Fürst dem Botschafter Malet einen Besuch abstattete. vormittags empfing Se. Maj. der Kaiser Besuche der

Prinzessin Friedrich Karl, Mittags 12 Uhr des Erbprinzen und der Erbprin- ressin von Sachsen-Meiningen. Von 1 Uhr Nachmittags ab arbeitete Se. Ma;, der Kaiser mit dem Ches des Militär-Cabinets, v. Albedyll, und hatte sodann eine längere Conserenz mit dem Fürsten Bismarck.

Braunschweig, 23. October. Um 12 Uhr 7 Mm. Nachts traf der Extrazug mit der Leiche des Herzogs unter dem Geläute särnrntltcher Glocken auf dem Bahn­höfe ein. Nach kurzem Gebet, welches Abt Thiele sprach, wurde der Sarg von acht­zehn Unterofficteren aufgehoben und auf den von einem Baldachin.^Erragten Leichen­wagen gestellt. Die Truppen präsentirten und der Zug setzte sich in der schon gestern angegebenen Reihenfolge nach dem R^sidenzschlofse in Bewegung. An der Spitze und zum Schlüsse marschirten je 2 Eskadrons des Husarenregiments. Neben dem von 6 Pferden gezogenen Leichenwagen schritten 24 Fackelträger. Auf den Straßen, selche der Leichenzug passtrte, bildeten Kriegervereine, Bürger,, «schützen, Turner und ver-

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Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Politische Ueberstcht.

Gießen , 24. October.

Der Kaiser ist am Donnerstag Morgen wieder in Berlin einge­troffen. Kronprinz Rudolf von Oesterreich hat sich nach Beendigung seiner in Gemeinschaft mit Prinz Wilhelm von Preußen in Ostpreußen und bei Huber- tusstock unternommenen Jagden am Montag Nachmittag von Berlin nach Wien zurückbegeben.

Die braunschweigische Erbfolgefrage herrscht neben der Wahl­bewegung in unseren inneren Angelegenheiten entschieden vor. lieber erstere Angelegenheit liegt eine Fülle von Einzelheiten und Meldungen vor, deren Wie­dergabe an dieser Stelle unmöglich. Was besonders den Kernpunkt der ganzen Frage anbelangt, nämlich ob der Herzog von Cumberland sich bereit finden lassen wird, die durch die Ereignisse von 1866 und 1870 neugeschaffene Lage in Deutschland anzuerkennen, um in seine Rechte als nächster Thronfolger in Braunschweig einzutreten, so kann man hierüber in der Tagespresse sehr ent­gegengesetzte Meinungen vernehmen. Bezeichnend ist es jedenfalls, daß sich Excellenz Windthorst nach Gmunden an dasHoflager" des Herzogs von Cum­berland begeben hat, um mit demselben über die Lage zu conferiren. Es erscheint sehr begreiflich, daß der Herzog den Rath des Centrumsführers und persönlichen Sachwalters der wölfischen Familie zu hören wünscht und vielleicht haben diejenigen nicht Unrecht, welche behaupten, Herr Dr. Windthorst würde in Gmunden zu einem Compromiß mit der preußischen Krone rathen. Was die Angelegenheit des Fürstenthums Oels anbelangt, welches bekanntlich als Kronlehen von Preußen unmittelbar nach dem Tode des Herzogs Wilhelm wie­der eingezooen worden ist, so liegen hier die Dinge durchaus noch nicht klar. Es wird jetzt behauptet, daß die jüngere welfische Linie auch in OelS erbberech­tigt sei, und ferner, daß der Herzog von Braunschweig berechtigt gewesen sei, über die allodialen Bestandtheile nach Gutdünken zu verfügen. Letzterer Ansicht scheint allerdings auch der hohe Erblasser selbst gewesen zu sein, denn in seinem Testamente soll Herzog Wilhelm den Prinzen Georg von Sachsen zum Erben des 40,000 Morgen betragenden AllodialbesitzeS des Fürstenthums Oels eingesetzt habn, während dem Vernehmen nach der Herzog von Cumber­land der Erbe des coloffalen Baarvermögens des verstorbenen Herzogs man spricht von 300 Mill. Jt.\ ist. Der preußische Kronprinz ist laut Ver- trag von 1879 Lehnsnachfolger des circa 31/2 Quadratmeilen umfassenden Für- stenthumeS Oels.

Aus Berlin wird geschrieben: Der Tod des Herzogs von Braun­schweig hat, wie nachträglich bekannt wird, den Kaiser sehr bewegt, obwohl er feit einer Reihe von Jahren mit dem verstorbenen Fürsten nicht in birecter Be­ziehung stand. Bei der Bestattung des Herzogs wird der kaiserliche Hof durch ein Mitglied der kaiserlichen Familie vertreten sein. Für das Magdeburgische Hnsaren'Regiment Nr. 10, dessen Chef der Herzog war, hat der Kaiser eine 14tägige Trauer angeordnet.

Die Wahlbewegung wird mit den am nächsten Dienstag stattfinden­den Neuwahlen zum Reichstage ihren naturgemäßen Abschluß finden. Es trennen uns also nur noch wenige Tage von diesem entscheidenden Termine und somit möge jeder Wähler nochmals mit sich selbst gewissenhaft zu Rathe gehen, welchem Candidaten er seine Stimme geben will.

In Oesterreich erreicht in dieser Woche die Session der Einzel-Land­tage ihr Ende, da kommenden Montag in Pesth die Delegationen zusammen­treten, mit denen die Landtage alsdann collidiren würden. Die meiste Auf­merksamkeit haben wiederum der böhmische und der kroatische Landtag erregt. In ersterem ist der von den Deutschböhmen schon längst befürwortete Gedanke der nationalen Abtrennung Der Bezirke durch den bekannten Herbst'schen Antrag zum präcisen Ausdruck gelangt, der freilich durch den verstümmelnden czechischen Gegenantrag beseitigt wurde. Es ist eben den Czechen, wie der Abg. Plener in seiner großen Rede hervorhob, gelungen, eine Friedens-Idee zu einer Ge­meindesache zu degradiren, aber nicht, die Zukunstsbedeutung dieser Idee zu schwächen, die ein nationales Programm der Deutschböhmen bleiben wird. In der Agramer Landstube haben die Gegensätze zwischen Den radikalen und den gemäßigten Elementen noch in letzter Stunde zu tumultuarischen Scenen geführt. Zu der Dienstagssitzung führten diese, durch die Starcsevicianer verursachten Auftritte zum vorzeitigen Schluß der Sitzung, indem der Präsident die Exelu- dirung von 12 Abgeordneten beantragte, welchem Antrag die Majorität des Landtages auch Folge gab.

Die französische Regierung wird durch die kritische finanzielle Lage, Die zu einer Ministerkrisis zu führen droht, wie durch die Tongking- Angelegenheit in gleichem Maße in Anspruch genommen. Am Dienstag trat der Mmisterrath zusammen, um über die schwebenden Fragen zu berathen, es ist indessen das Resultat der Conserenz noch nicht bekannt. Jedenfalls hat aber Herr Ferry einen parlamentarischen Mißerfolg bezüglich der Credit-Nachforde- rungen für Tongking nicht zu fürchten, denn von den in die Tongking-Com- mis'ion gewählten Deputirten sind 4 gegen 7 für den Regierungs-Entwurf. Auch ist die Commission fast einstimmig für die Votirung höherer Credite, um die Tongking-Angelegenheit möglichst bald zu erledigen. Die Nachricht, daß für Den China-Feldzug ein Armee-Corps mobilisirt werden solle, ist unrichtig, da General Briöre keine Verstärkungen verlangt hat und sollen solche nöthigenfalls aus der afrikanischen Armee entnommen werden.

In England setzen Die Minister ihre Rede-Campagne anläßlich

der bevorstehenden Parlaments-Eröffnung fort. Am Dienstag sprach der Finanzmiuister Childers vor seinen Wählern in Knottingley. Er erklärte, die Regierung hätte gehofft, in diesem Jahre die Finanzen Egyptens im Einver- ftändniß mit Frankreich und den anderen Mächten aus eine andere Grundlage stellen zu können. Diese Hoffnung fei aber durch die französische Kammer ver­eitelt worden; Childers sprach dann die Erwartung aus, daß die Vorschläge, welche aus Northbrook's Bericht gegründet seien, England mit Europa befrie­digen würden. Die weiteren Ausführungen Childers' waren ohne Interesse.

Der glänzende Sieg, den die Liberalen Belgiens bei den am Sonn­tag stattgesundenen Communalwahlen davongetragen haben, ist auf die politische Constellation in diesem Lande nicht ohne Einfluß geblieben. Es gehen bereits Gerüchte von einer Demission Des Cabinets Malou und wenn auch der osficiöse belgische Telegraph dieselben dementirt, so gilt eine Umgestaltung in dem bis­herigen klerikalen belgischen Ministerium doch als sicher. Wie es heißt, würden die von den Liberalen am meisten befeindeten Minister Jacobs und de Woeste aus dem Ministerium ausscheiden.