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Juni 1882.

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2) lrr Erwägung zu ziehen, ob nicht gesetzliche Bestimmungen zu erlassen wären, wonach die zwangsweise Unterbringung solcher Studer auch ohne dte Voraussetzung einer verübten strafbaren Handlung zuaelaffen ist;

3) tn Betracht zu nehmen, ob fich neben der Erziehung in der Familie und der Benutzung der vorhandenen inländischen, wie auswärtigen Erziehungs- und Besserungsanstalten mit Rücksicht auf die dem Staate in Folge btr vorderen Positionen erwachsenden größeren Verpfl'chtungen nicht dre Errichtung einer solchen Erz ehungs- und Besserungsanstalt von Seiten deS Staates ewpfi hlt.

Telegraphische Depeschen.

WoM's telegs. Eorrespondem-NttreLU.

Merlin, 23. Januar. In der heutigen Sitzung des Volkswirthschastü- raths wurde die Generaldebatte über die Grundzüge des Unfallversicherungs- Gesetzes beendet und bestimmt, daß für die Specialberathung eine freie Com­mission gebildet werde zur Vorberathung einiger Abschnitte. Im Lause der Debatte erklärie der Ministerialdirector Bosse, es sei kein Geheimniß, daß die Reichsregierung auch die Alters- und Jnvaliden-Versorgung der Arbeiter zu regeln in'S Auge faßte. Die Regelung sei aber nur nach gründlicher Prüfung aller einschlagenden Verhältnisse möglich und befinde sich noch in Vorbereitung. Redner trat der Meinung entgegen, daß sich durch die Grundzüge deS Unfall­versicherungs-Gesetzes ein sichtliches Mißtrauen gegen die Arbeitgeber hinziehe. Im Gegentheil bestehe volles Vertrauen zu denselben. Man wünsche aber auch, die Arbeiter an der Lösung der betr. Aufgaben zu betheiligen, und hoffe, daß sich ein Verhältniß gegenseitigen Vertrauens zwischen beiden Theilen Heraus­stellen werde.

Die Jagdordnungs-Commission des Abgeordnetenhauses überwies die Fragen der Regulirung des Wildschadenersatzes und der generellen Bezeichnung der jagdbaren Thiere einer sünfgliederigen Subcommission, nahm den § 1 in der Fassung des Herrenhauses und nach längerer Debatte einstimmig 75 Hektar als Minunalgröße für den selbstständigen Jagdbezirk an.

Berlin, 23. Januar. Abgeordnetenhaus. Gegenüber dem Anträge Berling, betr. die Entschädigung der im Jahre 1863 in Schleswig - Holstein geleisteten Vorspanndienste, erklärte der Regierungs-Commissar, die Regierung sei nach den eingehendsten Erwägungen überzeugt, daß es sich um einen recht­lichen Anspruch an Dänemark handle und wolle der Petitions-Commission ge­naueste Mittheilung machen. Der Antrag wurde der Petitions-Commission überwiesen. Das Haus erledigte darauf eine Reihe Petitionen fast durchweg nach den Commissiöns-Anträgen.

Das Herrenhaus nahm den Gesetzentwurf über die Abänderung des Pensionsgesetzes an und genehmigte den Gesetzentwurf zur Adänverung des Ge­setzes über die Verwaltung des Staatüschuldenwesens mit der von. Beseler be­antragten Bestimmung, wonach die Hauptverwaltung der Staatsschulden aus einem Director uno mindestens drei Mitgliedern bestehen soll.

DerDeutsche Reichs-Anz." veröffentlicht eine Cabinetsordre vom 21. Januar^ durch welche Bischof Brinkmann von Münster begnadigt und die Wiederaufnahme der eingestellten Staatsleistungen für die Diöcese Münster von Neujahr 1884 ab angeordnet wird.

Bremen, 23. Januar. Der LloyddampferNeckar" mit der Leiche Lasker's ist heute früh 5 Uhr von Southampton wertergegangen und dürfte voraussichtlich morgen Nachmittag 5 Uhr in Bremerhaven eintreffen.

Oldenburg, 23. Januar. Die Strafkammer des hiesigen Landgerichts ver- urtheiUe heute die wegen Beleidigung des Majors Steinmann Angeklagten, Schau- sp.eler Schröder zu 100, Buchdruckereibesitzer Ltttmarm zu 50 und Redakteur Hess? zu 150 Geldstrafe. Die Kosten der Voruntersuchung trägt der Staat. Rechtsanwalt Sello aus Berlin vertrat den Nebenkläger.

Paris, 23. Januar. DerTemps" meldet, auf Posten Bonne Nouvelle ver­weigerten gestern 28 Constabler den Dienst, entschlossen sich aber in Folge der energi­schen Haltung des Officiers zu weiterer Dienstübung; auf den anderen Posten stellten einige wenige Constadler den Dienst gänzlrch ein.

Das JournalParis" veröffentlicht ein Telegramm aus Hongkong vom 22. d. M-, wonach die Operationen gegen Bacninh bis zur Ankunft der Verstärkungen, also wahrscheinlich bis Anfang März, verschoben werden.

Nachrichten aus Madagaskar vom 27. December zufolge ist der Gesund- hettszustand der französischen Truppen befriedigend. Dre Garnison von Tamatav? machte mehrere Ausfälle, lieber das Schicksal der madagassischen Gesandten ist da­selbst nichts bekannt. Am 13. November, Nachts, machten 500 Howas einen Angriff auf Majungo, um sich der Person der Königin zu bemächtigen, mußten sich aber' mit Verlust von 60 Tobten zurückziehen.

Konstantinopel, 23. Januar. Seit 14 Tagen sind contmuirliche Erdstöße in Kaladjik (Provinz Kostambul) beobachtet worden. Einige SHnareU sind eingestürzt, kein Menschenverlust.

Washington, 23. Januar. Der Scnat hnt einen Antrag genehmigt, der die Commission für die auswärtigen Angelegenheiten beauftragt, zum Schutze der amerikanischen Interessen gegenüber denjenigen Ländern, welche die Einfuhr von amerikanischem Fleisch verbieten oder beschränken, gesetzgeberische Maßregeln vorzubereiten.

Lokales»

Gießen, 24. Januar. fTheaier.^ Freitag den 25. d. M. findet das Benefiz der durch manche vortreffliche Leistung hier bekannt und beliebt gewordenen Hero ne unser s Stadtthcaters, des Fräulein Pögner I. statt. Die Dame hat stets ihren Platz aus­zufüllen gewußt und der Dtrection zum Besten des Ganzen selbst in der Operette ihre Kräfte in filteren Partieen zur Verfügung gestellt, was der Künstlerin gewiß hoch an­zurechnen ist. Wir brauchen wohl n cht besonders zu regem Besuche an dem betreffen­den Abend aufzufordern. Das Gießener Publikum hat bewiesen, daß es seine Lieb­linge bei ihren Benesicennicht im Stiche läßt, und zu diesen darf Frl. Pögner I. mit vollem Reckte gezählt werden.

Gießen, 23. Januar. (Concert der Meiningen'schen Hofkapelle unter Hans von Bülows Leitung). Ein umfassendes Urtyeil über alle Be­sonderheiten dieses Orchesters und seines Dirigenten abzugeben, möchte erst nach mehr­maligem Hören möglich sein. Es genüge für heute das Hervorheben der markantesten Eindrücke.

Der Dirigent selbst, wie er mit dem Tactstock und seiner ganzen Person sich giebt, hat seine Eigenthümlichkeiten; man konnte sagen, er horche allzu sichtbarlich auf den Pulsschlag seines Orchesters und suche das Erscheinende, das Abgethane und das zu Erwartende mit bezeichnender Geberde scheinbar mehr an das Erkenntnißoermögen als an die Empfindung, seiner Hörer zu vermitteln. Doch das sind Äußerlichkeiten, Manieren; Herr v. Bülow ist jedenfalls stets nur bei der Sache und wendet sich als Vertreter einer ihm ans Herz gewachsenen großen Aufgabe an die ideale Allge­meinheit, sagend:so muß es sein", nichtso will ich es".

Was das Orchester von einigen vierzig Mann an physischer Machtwirkung leistet, ist bewnndernswerth. In dieser Beziehung gedenken wir zunächst der Exactheit in der Bogenführung des Violincorps, des langausziehenden Strichs desselben, selbst in Pianostellen, wodurch solche außerordentlich an Langathmigkeit und Jntensivitat gewinnen: ferner im Allgemeinen der höchst haushälterisch und sorgsam vorbereiteten Steigerungen in Tongebung und Ausdruck, ein einfaches, aber sonst noch wenig benutztes Mittel, selbst mjt numerisch schwächeren Kräften große Wirkungen zu erzielen. Durch

alle diese Mittel wird eine unglaubliche Anspannung aller Nerven und Fibern des Hörers, schließlich ein geradezu fascinirender Effect erreicht.

Wer möchte einer so mächtigen Totalwirkung gegenüber sein Gedächtniß beschweren, den Nachgenuß sich absckwächen wollen mit kritifirendcr Abwägung gewisser besonders scharfer Accente und gewisser Dehnungen melodischer Phrasen, wie sie der Schwung der Declamation oder das tiefe Versenken in die Mystik detz musikalischen Gedichts mit sich bringen! Welcher gefesselt lauschende Hörer wird nicht umgekehrt oft mitten im Schwall großer Crescendi oder eines anhaltenden Forte die Sonderkund­gebung einzelner Instrumente herausgehört uub als vom Dirigenten mit besonderer Sorgfalt dargelegt zu beumnbern gehabt.haben. Die größte Klarheit und Treffsicher­heit, die in Bülows Kopfe herrschen muß er dirigirte sämmtliche Nummern aus­wendig, hat sich elektrisch auf sein Orchester fortgepflanzt. Ein singender Strom durchfluthet ein jedes dieser verschiedenen Organe und mündet, aus allen zusammen- fließend, als mächtiger, symphonischer Erguß direkt in die Seele des Hörers. Etwas, so zu sagen, Unaufhaltsames liegt in Bülows Nachschöpfung symphonischer Gebilde; nicht das Ausbreiten und Verweilen, mehr den lebendig aus dem Innern dringenden VerkündigungS- und Thatendrang will er uns nahelegen.

Gehen wir nun auf di'e einzelnen Productionen des Abends über. An der Spitze des Programms stand die Egm ont-Ouvertüre von Beethoven. Ueber die Wieder­gabe einzelner Stellen ließ sich streiten. Der Dirigent hielt das Tempo des Allegro, besonders beim Auftreten des den Eingang des Werkes bildenden energischen Motivs, etwas zurück; letzteres wurde außerdem noch hart und schwer gestoßen vorgetragen, eine Nüance, welche in Rücksicht auf den vom Compouisten jedenfalls intendirten Aus­druck kühnen Trotzes, gewaltiger Willensäußerung gewiß nicht übertrieben genannt werden kann. Zum mindesten würde diese Stelle, metronomisch genau mit dem Haupt­tempo übereinstlmmend gespielt, sehr an imponirender Wirkung verlieren. Der Schluß der Ouvertäre, jene glänzende Freiheitssymphonie, war ein Meisterstück genialer Steigerungskunst. Die erste Symphonie von Beethoven, der Haydn-Mozart- Epoche angehörend, bört man gewöhnlich nur von Dilettanten-Orchestern, weil es von den größeren Orchestern für zuleicht" gehalten wird, aber was macht Bülow aus dieser Symphonie! Da bekommt jede Note, jede^Figur eine Bedeuttlng, die man nicht in ihr sucht. Die Ouvertüre zuKönig Stephan" möchte das Virtuosen­stück des Orchesters genannt werden dürfen. Wenn auf eine Nummer, so paßt auf diese zur Charakterisirung des Vortrags das Epitheton .brillant". Ein Glanz, eine Verve ohne Gleichen umstrahlte und durchzuckte dies allerdings besonders prächtig instrumentirte (auf zwei ungarische Originalthemata ausgebaute) Stück. Ganz Vor­treffliches leisteten darin die Blechbläser, die bei einer anderen Gelegenheit sich nicht ganz taktfest erwiesen. Die dritte Symphonie von L. Spohr, die dem Referenten, wie wohl den meisten Hörern, neu gewesen ist, bot ein Beispiel davon, mit wie großem Erfolge Bülow selbst an Stellen, welche scheinbar unübersteigliche Schwierigkeiten bieten, eingreift, um der Idee des Compouisten gerecht zu rverden. Die Ouvertüre zuEuryanthe" war ein Muster graciösen, feinfühligen Vortrags und von blühend schöner Klangwirkung-.

In der Akademischen F estOuvertüre von Brahms zeigte sich das Orchester noch einmal in seiner ganzen Präcision und feiner ganzen Fülle, als das Organ eines ebenso kunstbegeisterten, wie mit geistiger Uefcerlegenbeit anordnenden Führers. Der lebhafte Applaus, der auch am Schlüsse dieser Ouvertüre erschallte, reizte den Dirigenten zu einer Wiederholung derselben.

Der geräumige Saal war fast vollständig gefüllt. Freude und Dank erfüllten die Gemüther; Bülow und die ©einigen werden nicht ohne das Bewußtsein geschieden fein, sich in den Gießenern eifrige Verehrer und Freunde erworben zu haben-

Vermischte«.

London, 21. Januar. Der Wachtposten vor dem Pulvermagazin Nr. 2 i« Woolwich wur de in verwickener Nacht von 3 Männern angegriffen, welche Ihm fein Gewehr zu entreißen vrrfuchten. Nach einem heftigen Ringen mit feinen Angreifern schoß der Soidat fetn Gewehr ab, um die Wache zu allarmtren, worauf die Männer, von denen einer angeblich mit einer Doppelbüchse bewaffnet war. die Flucht ergriffen- Die herbeigeeittm Mannschaften fanden ihren Kameraden tn erschöpftem Zustande und aus einer Wunde an der Hand blutend. Man glaubte Anfangs, die Angreifer feien Fenier gewesen, doch scheint sich dieser Verdacht nicht zu bestätigen.

sNcstauration des Heidelberger Schlosses.l Ob^-Buuraih Durm, Mitglied der Bau-Commsssion für das Heidelberger Schloß, beginnt in demCentralblatt deS Bauve^ms" mit eM'M längeren Aussatz über das genannte allbekannte Bauwerk und knüpft daran bie Frage, in welchem Sinne die Wiederherstellung desselben erfolgen solle. Eine Wiederaufführung des Schlosses in dem alten Glanze des Jahres 1688 würde viele Millionen erfordern; es wäre eine schöne, ideale Aufgabe, bei welcher leider die Gefahr nicht ausgeschlossen zu sein scheint, daß vielleicht eine spätere Zeit, weniger begeistert wie wir, aus halbem Wege dieselbe liegen läßt. DaS aber soll an- gestrebt werben, keinen Umbau zu anderen Zwecken vorzunehmen. Das Schloß soll, so weit dies eben nach den vorhandenen Mitteln ausführbar, auch wirklich als Schloß wieder aufgefühtt werden und man mag dann erst sehen, wie es am besten seine Ver­wendung findet. Die Rcpräsmtations'Räume im Erdgeschoß des Otto-Heinrichs-Baues und bie Schloßkapelle des Friedrichs,Baues müßten gleichen Zwecken wieder gewidmet, andere Räume dagegen zu Museums- oder Versammlungszwecken eingerichtet werden, je nach dem Umfange des späteren inneren Ausbaues. Die erste Arbeit auf diesem Wege wäre nun die Wiederherstellung des Otto-Heinrichs-Baues, des Friedrichs-Baues und des neuen Hofes mit dem Glockenthurm als einer zusammenhängenden Gruppe, wobei insbesondere auch die Erneuerung des reichen Figurenschmucks in's Auge zu fassen fein würde. Für die angegebenen Arbeiten ist ein ausreichendes Material schon vorhanden oder durch das Bureau in berjSammlung begriffen.

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Handel und Verkehr.

Limburg, 23. Januar. Rother Weizen Jl. 16.55, weißer Weizen JL 00.00 Korn «X 12.20, Gerste J4 9.45, Hafer JL 7.00, Erbsen X, Kartoffeln X..

Frankfurt, 23. Januar. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu «/& 3.003.60, Stroh <X 3.103.70, Eier das Hundert 5 609.60, Butter 1. Qualität j:. 0.85, 2. Qualität 1.20, Kartoffeln per Centner 2.252.50, Kohlrabi 3 - 5 4 ver Stück, Erbsen 100 Kgr. 1928 Rothkraut per St. 1230 Poularden 00, Huhn 1.502.20, 1 Ente JL 2.803.50, 1 Taube 5000 Habn JL 1.702.00, Gans JL 58.00, Welsche JL. 89.40 _

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Freitag, den 25. Januar 1884,

Vormitlags 11 Uhr, werde ich am Bahnhofe zu Albshausen einen Pferdebah«- Trarrsportwsgen, Seitenkipper, öffentlich meistbietend zwangs- weise versteigern.

Braunfels, den 23. Januar 1884.

597 Scllliephake^ Gerichtsvollzieher.

Wohnungs-Veränderung.

Meine Wohnung befindet fich von heute an bei Kaufmann C Lony, Neuenweg 15, vis-ä-vis dem Wwen.

Hochachtungsvoll

Carl Huhn,

598 Droschkenbksitzer.