seinen Besuch in Belgrad nunmehr bestimmt für den 30. d. Ms. angemeldet hat. Die Anwesenheit des rumänischen Herrschers in der Hauptstadt Serbiens wird jedoch nur einen Tag währen.
Die Lage im Sudan ist in der letzten Zeit unverändert geblieben; in Kairo werden die Vorbereitungen zu der englischen Expedition zur Be- fteiung Gordons rüstig fortgesetzt.
Sauregurken-Blüthen.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Die große Mehrzahl von ihnen aber, die gleich nach der Geburt zu sterben pflegen, wandern in die anatomischen Museen und fristen dort ihr geisterhaftes Dasein tu konzentrirtem Spiritus, von den störenden Einflüssen der äußeren Welt sorgfältig abgeschlossen durch eine luftdichte Thiermembran.
Die Medtctn spielt bei der Entenzucht des Hochsommers überhaupt eine sehr bedeutende Rolle. Ganz abgesehen von jenen Abnormitäten pflegt sie in den Monaten Juli und August den neugierigen ZeitungS - Berichterstattern mit den merkwürdigsten „Fällen" aufzuwarten, in denen der Arzt dann stets als Retter der Menschheit mit einem kleinen Heiligenschein um daS gelehrte Haupt in dem Vordergrund zu erscheinen pflegt. Um diese Zeit beginnt eS zu klirren und zu klappern von verschluckten Gabeln und silbernen Theelöffeln, dir sich unversehrt im Magen deS Patienten vorzufinden pflegen; die Nähnadeln beginnen ihre merkwürdigen Wanderungen durch den menschlichen Körper, man verschluckt sie ruhig und zieht sie nach einigen Wochen kaltblütig aus der rechten oder linken Wade wieder heraus. Besonder« findige Aerzte begnügen sich in der heißen Jahreszeit natürlich nicht mit derartigen alltäglichen Bagatellen und neuerdings scheint sich der „Ladestock im Gehirn" als besondere Specialttät einen festen Platz in der medicinischen ProxiS sichern zu wollen. Besagter Ladestock wird einem Soldaten von einem anderen in den Kopf geschossen, dringt mehrere Zoll tn’5 Gehirn ein und der rasch hrrbeigeholte Arzt hat dann weiter nicht« zu thun, al« den Schädel ein biSchen auseinander zu sägen, den voreiligen Ladeftock durch ein paar kräftige Hammerschläge au« feiner ungewöhnlichen Lage zu befreien und der Patient ist gerettet. Man sieht, die Sache ist eigentlich gar nicht so schwer. Die Gabel im Magen deS Italiener« Paolo Seoerie, die vor mehreren Jahren nicht nur im Innern de« Italiener«, sondern auch in der ganzen medicinischen Welt so großes Aufsehen machte, hat noch vor Kurzem in dem Löffel im Magen eine« französischen Kellners em Seiten- ftück gefunden, das nur noch auf da« von irgend einem Spanier, Deutschen oder Russen zu verschluckende Meffer wartet, damit auch in Betreff der verschluckten Eß- geräthe bas alte Sprüchwort: „Aller guten Dinge sind drei l" zu seiner Geltung komme.
Außer den seltsamen Schicksalen de« Menschen widmet man bei sehr hohem Stande des Thermometer« auch den höchst merkwürdigen Eigenschaften einzelner Thiere die gebührende achtungsvolle Aufmerksamkeit. Die meisten Zeitungen haben natürlich nicht Raum genug, sich mit diesem unterhaltenden Sport das ganze Jahr zu beschäftigen; aber während der Hundstage erzählt jede« Blatt ganz gern einmal die Geschichte von der erstaunlichen Kraft der Ameise, die Lasten schleppt, deren Schwere mehr als daS Doppelte ihres eigenen Körpergewicht« beträgt. Oder es erscheinen Notizen folgender Art: „Appetit eine« Vogel«. Der Appetit eine« Vogels ist außerordentlich. Eine Drossel verzehrt auf einmal die größte Schnecke. Ein Mann würde in demselben Verhültniß eine ganze RindSkeule zum MittagSbrod essen. Auch daS Roth- kehlchen ist höchst gefräßig. Man hat ausgerechnet, daß, um ein Rothkehlchen bei normalem Gewicht zu erhallen, eine Menge thterischer Kost erforderlich ist, die einem 14 Fuß langen Regenwurm gleichkommt. N mmt man einen gewöhnlichen Menschen ttnb vergleicht man seine Masse mit der de« Rothkchlchens, so lägt sich berechnen, wie viel Nahrung er in 24 Stunden verbrauchen würde, wenn er in demselben Verhültniß wie der Vogel äße. Gesetzt, eine Wurst, 9 Zoll im Umfange, stellte den Regenwurm dar, so würde der Mensch 27 Fuß von solcher Wurst alle 24 Stunden verzehren. Die« ist besonders erwähnenSwerth, um die Thätigkeit zu beweisen, welche von tnseklcn- fressenden Vögeln entwickelt wird."
Daran knüpft der geistreiche Redacteur bann etwa noch die Bemerkung, „daß die Sänger unter den Menschen doch mehr Werth auf das Trinken als auf da« Essen zu legen pflegen", und der Bildungsphilister lieft die Notiz deS Morgens beim Kaffee mit dem behaglichen Gefühl, wie hoch doch der Mensch über den Vögeln steht und wie gut e« für das Wirthschaftsbuch feiner Frau ist, baß er nicht täglich eine ganze RindSkeule zum Mittagessen zu verzehren braucht.
Alljährlich erscheint auch die Geschichte von dem „merkwürdigen Kampf zwischen einer Schwalbe und einem Sperling" wieder, in welcher der Spatz stets als frecher Gassenjunge dargestellt ist, der sich allerlei dreiste Unverschämtheiten erlaubt, bis er von der tugendhaften Frau Schwalbe endlich gebührend gezüchtigt wird. DaS nennt man bann poetische Gerechtigkeit. In den letzten Jahren hat diese Geschichte noch folgende tragische Variante erhalten: Der Spatz, der nicht nur ein frecher und gefräßiger Bursche, sondern auch ein fauler Schlingel ist, läßt e« sich einfallen, in Abwesenheit des Schwalbenpaare« daS Nest zu okkupiren, das die braven Eheleute eben erst mit vieler Mühe fertig geklebt und gezimmert hatten. Als die Schwalben von einem kurzen Beutezug helmkehrten, finden sie den Eindringling breit und frech im Neste hingelagert. Ihn aus feiner festen Position gewaltsam zu vertreiben, ist natürlich nicht möglich. WaS thun? Eine Zeitlang sitzen sie zwitschernd und berathend neben einander auf dem Dachfirst, bann scheinen sie plötzlich einen genialen Gcbanken gefaßt zu haben. Die Frau Schwalbe setzt sich so dicht vor das Nest, daß der Spatz, der nichts Gutes ahnt, nicht die Flucht ergreifen kann; der Gatte aber fliegt fort und schleppt emsig Strohhälmchen und Federn und allerlei Baumaterial herbei, mit welchem nun Frau Schwalbe den Eingang des Neste« zu vermauern beginnt. Mit Todesangst sieht der Spatz diesem Beginnen zu, die Situation erinnert ihn lebhaft an die Ein- mauerungSfcene in Auber'S „Maurer und Schlosser", er sucht zu entflohen, e8 gelingt ihm nicht und die rächenden Schwalben vollenden rasch und ruhig ihre düstere Arbeit. Nach einigen Wochen finden bann Arbeiter die Leiche des Spatzes, dem eine tragische Schuld ein frühzeitiges Ende bereitete. Er starb al« Opfer seiner Frechheit.
Noch weit klüger als die Sckwalben sind natürlich von jeher die Elephanten gewesen, von deren Witz und Geistesgegenwart alljährlich neue Beispiele erfunden werden. Heuer sind es zwei kleine Elephanten im zoologischen Garten zu St. Petersburg, auf denen die Enten gezüchtet werden. Heber einen luftigen Streich, den diese Dickhäuter, die sich demnächst auch als Velocipedisten, Klavier- und Tamburinspieler produciren werden, vor Kurzem begangen haben, berichtet ein Petersburger Blatt Folgende«: „Den beiden Nimmersatten Gesellen war e« ausgefallen, daß, sobald Je
mand au« dem Publikum ihnen Brod ober Naschwerk reichen wollte, die Umstehenden auf ein an der Außenseite des Zwingers befindliches Schild mit der Aufschrift- »Nicht füttern I" wiefen, worauf der Thierfrcund von der beabsichtigten Fütterung Abstand nahm. Die beiden Elephanten sahen diesen Vorgängen immer verdrossener zu; endlich ging ihnen die Geduld völlig aus und sie machten sich daran, das verhängnißvolle Schild, welches sie um so manchen leckren Bissen gebracht, au« der Welt zu schaffen. Mit den Rüffeln suchten sie zuerst die das Schild haltenden Nägel zu entfernen und als da« nicht recht gelingen wollte, b gönnen sie da« Eisenblech an den Ecken mühsam aufzurollen. Auf diesem Wege brachten sie es auch recht west, aber doch nicht bis zur völligen Ausführung ihres Vorhabens, woran sie übrigen« nur durch daS Einschreiten des Wächters verhindert wurden. Aufgegeben haben die beiden Elephanten ihre Anschläge auf daS ihrem Grimm verfallene Schild keineswegs, denn in jedem Augenblick, wo sie sich unbewacht glauben, machen sie sich verstohlen auf'« Neue an die Arbeit.' Hoffentlich unterläßt man nicht, den klugen Thieren auch Eingang in die Petersburger Akademie der Wissenschaften zu gewähren.
Neben bicftn periodisch immer wieder kehrenden Enten werden natürlich in jedem Jahre auch stets einige neue Geschichten erfunden, wie sie sich den aktuellen Verhältnissen gerade anpassen lassen. Diese Geschichten sind aber meist nur Geschöpfe eine« Sommers, entweder weil daS Interesse an ihnen mit den Tagesereignissen schwindet, denen sie ihren Ursprung verdanken, oder weil sie zwar nicht wahr, aber doch auch riebt gut erfunden sind. So lauft in diesem Jahre nicht nur die Meldung durch die Blätter, daß auf der demnächsttgen Weltausstellung in Nizza eine Taucherglocke fungire« werde, in der zum Mindesten ein Dutzend einen Ball abhalten und sonstige Bllottia treiben können, sondern e« wird auch gemeldet, daß sich „tu Frankreich" (wo? wird leider nicht gesagt) eine Gesellschaft „unter Leitung eines Abbe" gebildet, welche beabsichtigt — die Wagen des armen Königs Pharao, der — „und Roß und Reiter sah man niemals wieder" — mit Mann und Mau« damals im Rothen Meer ertrunken ist, nebst deren höchst wahrscheinlich recht respektablem Inhalt wieder an's Tageslicht zu fördern. Wie nämlich der kluge Herr auSgetüftelt zu haben glaubt, sind alle diese Schätze von einem Salzlager bedeckt und eS handelt sich zunächst „nur um die Kleinigkeit", gerade die Stelle zu finden, wo Bartel den Most verloren hat. Für diese famose Idee „soll" bereit« die erkleckliche Summe von 750,000 Frcs. zusammengebracht sein, welche jedenfalls ausreichen wird, den gläubigen Actionären eine Spritztour von Marseille nach Aden zu ermöglichen.
Außerdem werden in der heißen Jahreszeit natürlich immer wieder die schlagendsten Beweise dafür beigebracht, daß „Freude tödten könne", daß sich Austern auf Bäumen züchten laffen und daß Gurkenbowle ein unfehlbares Mittel gegen die Cholera sei. Um die letztere Thatsache gründlich zu erhärten, wird stets noch da« Recept zu einer trefflichen Gurkenbowle veröffentlicht, das ich unfern Lesern hier auch gern mittheilen würde, wenn ich nicht genau wüßte, daß sie eS schon seit Jahren auswendig kennen, und wenn ich nicht fürchtete, daß der geehrte Leser auch dieses vortreffliche Recept hohnlachend als eine „Sauregurken-Blüthe" von sich weisen würde.
Max Sch önau.
Vermischte-.
Lübeck, 18. August. Ein schreckliches Ereigniß, welchem drei Menschen zum Opfer fielen, trug sich heute Morgen in unserer Stadt zu. Einige Minuten nach 7 Uhr böite man in einer Straße zwei kurz aufeinander folgende Detonationen, gleichzeitig flogen Glasscherben, Holztheile und Mauerwerk aus einem Hause, in welchem sich ein Materialwaaren- und Droguen-Geschäft befand und unmittelbar darauf drang starker Rauch au« demselben. Aus der Thür des Hauses schleppte sich mühsam und jammernd ein blutüberströmter Mann, der von Hinzukommenden in ein benachbartes Haus getragen wurde. Die sofort herbeigeeilte Feuerwehr fand in dem Hause zwei gräßlich verstümmelte Leichen, den Laden selbst größtentheil« zerstört, die Zwischenwand nach der Hausflur zu durchgeschlagen, kurz ein gräßliches Bild der Verwüstung. Einen wahrhaft schauderhaften Anblick boten die beiden Leichen dar, welche als der Inhaber des Geschäfts und dessen Lehrling erkannt würben, sowie der Dritte, ein zufällig zu der Zeit im Laden anwesender Mann, einen Anblick, wie man ihn sonst nur auf dem Schlachtfelde neben einer, zerplatzten Granate antreffen kann. Dem Lehrling waren beide Arme weggeriffen (sie wurden erst später gefunden), sowie der Unterleib in eine unkenntliche Masse verwandelt. Der noch am Leben gebliebene war durch Stücke einer dicken Kruke an 9 bis 10 Stellen de« Körpers schwer verletzt, und mit solcher Wucht waren die Stücke aufgeschlagen, daß sie meistens tief in den Körper eindrangen; ein großes Stück hatte die linke Brustseite durchgeschlagen und die Lunge verletzt, andere hatten den Unterkiefer zerschmettert ober waren in den Kopf, die Oberschenkel und Arme gedrungen. Von den hinzugerufenen Aerzten dem Krankenhause überwiesen, starb der BeklagenSwerthe nach 2 Stunden. Außer diesen waren noch zwei Passanten durch herumfliegende Glasftücke erheblich verletzt. Der Luftdruck bei der Detonation war so stark, daß alle Fenster des gegenüberliegenden Hauses, sowie daumendicke Ladenscheiben in tausend Stücke splitterten. Nach Allem mußte dies Werk der Zerstörung durch Entzündung von Explosionsstoffen herbeigeführt worden sein, allein in welcher Weise die« geschehen ist, wird wohl nie genau zu ermitteln sein, weil denjenigen, welche Auskunft geben könnten, der Mund geschlossen ist; auch der erst später Gestorbene konnte nur angeben, daß er zufällig im Laden gewesen sei. Ein au5 dem Hause beförderter zerbrochener Glasballon, in welchem Aether gewesen, läßt verrnuthen, daß hiervon die Explosion ausging. Auch weisen die Verletzungen der drei Gestorbenen darauf bin, daß der Lehrling dem Explosionsorte am nächsten war, also vielleicht durch dessen Unvorsichtigkeit die Katastrophe herbeigeführt wurde. Zum Schlüsse darf nicht .unerwähnt bleiben, daß bereits vor 3 Jahren in demselben Hause im Keller eine Explosion stattfand, die aber glücklicherweise nicht von so schrecklichen Folgen begleitet war. (F- Z.)
— (Ein arme« Kind ) Durch einen seltsamen Unglücksfall ist kürzlich eine in Alexisbad atn Harz weilende Berliner Familie in tiefe Trauer versetzt worden. Da« dreijährige Töchterchen der Familie war mit seiner Großmutter von Ballenstedt nach Alexisbad herübergekommen und in das dort befindliche Klösterltng'sche Hotel gegangen, woselbst im Saale gerade der Kronleuchter angeftech wurde. Hierbei muß der Kellner den Kronleuchter aus dem Schraubengewinde gedreht haben, denn derselbe fiel herunter und so unglücklich auf das nach den Flammen schauende kleine Mädchen, daß demselben das Gesicht in der Nähe der Schläfe tief aufgeschlitzt wurde und eine große klaffende Wunde entstand. Ein Arzt trennte die heruvterhängende Haut vom Gesicht ab und vernähte Wunde. Das Kind starb jedoch bereits am nächsten Tage. Vor seinem Tode batte es noch wiederholt, auf dem Krankenbett liegend, gesagt: „Bitte, bitte, liebe Großmama, laß doch den Kronleuchter hängen, ich will ja artig sein!" — Das arme Wesen batte in dem Wahne gelebt, die Großmama habe den Kronleuchter herunterfallen lassen, um es zu strafen.
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