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24.8.1884 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 24. Angnst

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Gießen, 23. August.

Die projectirte Zusammenkunft der Kaiser von Deutsch­land und Rußland, event. auch von Oesterreich, bildete neben der Var- riner Minister-Entrevue den Brennpunkt der politlschen DlScussion der Woche. Daß erstere entschieden geplant ist, geht aus mancherlei Anzeichen hervor am meisten aus den veränderten Dispositionen zu den Karler-Manovern am Rhem. Der Beginn derselben ist säst um eine Woche hinauSge choben worden und sucht man die bis jetzt noch geheim gehaltenen Grunde dafür darin, daß sür den Kaiser im September eine volle Woche zur freien Verfügung gewonnen werden ioll Da nun in diese Zeit die Manöver der russischen Truppen an der russisch- polnischen Grenze sallen, so liegt die Vermuthung nahe, daß für diese Zeit auch Die Begegnung zwischen den drei Kaisern geplant ist. Tag und Ort derselben sind indessen noch durchaus nicht fixirt und hängt das Weitere vorläufig von dem ärztlichen Gutachten darüber ab, ob der Gesundheitszustand Kaiser Wil- Helms in Anbetracht der mit den bevorstehenden Herbst-Manövern verbundenen Strapazen noch weitere Reiseanstrengungen für den greisen Monarchen gestatte. Wahrscheinlich werden schon die nächsten Tage Näheres über dre stgnalisirte Kaiser-Zusammenkunst bringen, bi« dahin wird man aber mit Combinationen und Conjecturen über dieses hochpolitische Ereigniß zurückhalten muffen. Daß übrigens die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland vortreffliche sind, geht schon daraus hervor, daß Kaiser Wilhelm in seiner Erwiderung auf die ihm anläßlich des Regimentssestes seines Petersburger Grenadier-Regimentes telegraphisch dargebrachte Huldigung in bemerkenswerlher Werse aus die Waffen- thaien hm weist, welche 1813 und 1814 den Grund zu der Waffenbrüderschaft zwischen der preußischen und russischen Armee gelegt haben. Was nun die Varuner Zusammenkunft zwischen Fürst Bismarck und Graf Kalnoky anbelmigt, so labt sich zwar zwischen diesem Ereigniß und der signalnirten Monarchen- Begegnung kein thatsächlicher Zusammenhang Nachweisen, datz indessen dieses Project unmittelbar nach den Besprechungen der beiden Staatsmänner austaucht, ist wohl auch nicht ohne Bedeutung. Im Uebrigen verlautet fetzt von der Bar­riner Minister-Conserenz mit Bestimmtheit, daß auf derselben u. A. auch uoer gemeinsam zu ergreisende Maßregeln der europäischen Staaten gegen die anar- chistischen Gefahren eine Einigung erzielt worden und daß ferner Frage der Auszahlung der Entschädigung deutscher und österreichischer Staatsangehörlger für Verluste bei den Unruhen in Alexandrien zur angelegenllichen Erörterung gelangt ist. Es heißt, baß Deutschland und Oesterreich m Bezug hierauf be- stimmr formulirte Forderungen stellen würden. , .

Aus dem Gebiete der hohen Politik ist aus dieser Woche eine Weitere wichtige Nachricht zu verzeichnen. Dieielbe betrifft die Einberufung einer Conferenz zur Regelung der Congo-Frage, doch soll auf ihr auch me eauptische Angelegenheit, und zwar in einem weiteren Sinne, als betreffs oer finanziellen Punkte, zur Sprache kommen. Es verlautet weiter, daß die Con- ferenz von Deutschland im kommenden Herbste nach Berlin einberufen werden solle "und würve Deutschland auf derselben natürlich auch präsidiren.

Ein ferneres bedeutsames Anzeichen dafür, daß die Reichs- Legierung entschlossen ist, in energischer Weise ihre inaugurirte Colonial-Politik sortzusetzen, liegt in der Meldung, daß der deutsche Generalconsul Dr. Nachtigal auf der Wörmann'schen Besitzung südlich vom Congo angelangt sei und auf der­selben habe die deutsche Flagge aushissen lassen. Die Firma Wörmann habe vorher mit den das Hinterland beherrschenden Häuptlingen Verträge abge­schlossen durch welche ihr alle Hoheitsrechte abgetreten seien. Gleichzeitig mit dieser von derRhein.-Wests. 3tg." in Essen gebrachten Nachricht macht der Hamb Corresp." die Müthellung, daß Dr. Nachtigal auf Kameruns und Bimdia welche Orte an der Küste von Guinea, also nördlich vom Congo, liegen, Lie deutsche Fahne entfaltet habe und dürften diese Orte wohl mit den oben «rwähnten Wörmann'schen Besitzungen identisch s-m. Endlich wußte noch em

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Bekanntmachung.

unterzeichnete Commando wenden.

^n Mchwe?v°n°Thatsachen, welche die Ueberzeugung von dem ursächlichen Zusammenhänge der Krankheit mit einer im Kriege von 1870,71

4) den Beweis der vorhandenen verminderten Erwerbsfähigkeit.

Die Gesuche sind möglichst bald durch die Bezirksfeldwebel herzureichen.

Gießen den 16. August 1884. Großherzogliches £an^roe^p9e^lrt8^(SommaTlt)0.

B ü Frh. v. Röder, Oberst z. D. und Bezirks-Commandeur. ~-- ,,

okfelbe durch Mannschaften des auf der Fahrt nach Angra P-guena begriffenen Kanonenboote»Möwe" habe wegnehmen und durch die deutsche Flagge ersetzen lassen. Diese sensationelle Meldung ist jedoch bereit« amtlich dementirt worden und werden jedensalls die nächsten Tage die nothwendige Aufklärung über alle diese Aussehen erregenden Nachrichten bringen.

Im österreichischen Kaiserstaate sanden m letzter Woche zwei nationale Feste von grundverschiedenem Charakter statt. Zu Krakau feierten Czechen und Polen ein großes Verbrüderungsfest, dessen, Tendenz sich offenbar qeqen das Deutschthum richtete und in Hermannstadt begingen und begehen noch die siebenbLger Sachsen die Feier ihrer 700jäMen Existenz in Siebenbürgen, ein Fest von grunddeutschem Charakter und Wesen. Während aber zu Her­mannstadt die unverbrüchliche Zugehörigkeit des ftebenburger Sachsenlandes zum Gesammtreiche Oesterreich betont wurde, verherrlichte man zu Krakau in kaum verhüllter Weise das czechffch- polnische Zukunftsreich und dieser Unterschied ist für den Geist beider Feste hinlänglich kennzeichnend.

Frankreich wird zur Zeit die allgemeine Ausmerkiamkeit fast aus­schließlich durch den Streitfall mit China in Anspruch genommen. Die längsten Telearamme aus China lauten wieder einmal recht kriegerisch und scheint es sich zu bestätigen, daß chinesischerseits die Unterhandlungen mit den französischen Bevollmächtigten zu Schanghai über die Entschädigungsfrage abgebrochen worden sind und daß somit die Kriegspartei in Peking. wieder O erwaffer gewönne rickltiaer Erkenntniß dessen, baß nut bie energische Haltung ben Chi nesen Respect einzuflößen vermag, hat denn auch der französische Ministerpräsident Ferry dem chinesischen Gesandten Li-Fong-Pao am Donnerstag kategorisch er­klärt daß wenn sich China nicht alsbald zur Zahlung der nunrmhr auf 80 Mill fttc« firirten Entschädigung bequeme, Admiral Courbet Foutchou und

Len werd?. Beantwortung ist ChinaemlFrfft von ^wei Taaen aestellt worden und wenn nach Ablauf dieses Ultimatums reine Antwor? von der chinesischen Regierung eingelaufen ift

wohl Befehl erhalten, ungesäumt seinen u-uen Instructionen gemäß zu hand ln. Fn Daris ist man freilich etwas spät zu der Einsicht gelangt, daß mit Thaten, nicht aber mit Worten, der zweideutigen chinesischen Diplomatie beigeEommen werben tann. jwifcben Deutschland und England ist in

ten leilaiben Sol»«« «Mr» MB S-Mst»»d mchrs-ch S".»"«- WÄÄg n GTnnra , Deauena - Angelegenheit gegenüber Deutschland scharf angegriffen wird und ^in welchem^das englische Weft^latt seine Landsleute schließlich darauf auf­merksam macht, daß für ihre colonialen Bestrebungen m Afrika noch genug GaMe""spÄn^sich in"ebeSÄ Ächiedenem Tone'W Gunsten eines ÄeSfiSÄ Deutschland in der auswärtigen Politik au». S^Mn bedeutsamen Kundgebungen der öffentlichen Meinung gegenüber wird Mr. Gladstone wohl wieder in seiner Haltung gegen Deutfchland ein« lenken muffen.^ Ucnif4e sßrcffe bilden die Cholera und das Räuber­unwesen in Mittelitalien Gegenstände fortwährender Erörterungem Das eine wie das andere Uebel will sich nicht ausrotten lassen, die Herren Brig°nten nielleickt noch weniger als die Cholera; doch will fetzt bie Regierung Die größten Anstrengungen machen, um sowohl den

Handwerk zu legen, als auch das Weiterschreiten der Cholera nach Mittelitalien

--------- ' " ~ ' Preis vierteljLbrlich 2 Mar? LV Pf. mti

Erscheint mit »vsnOhme des »snlags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart LV Pf.

Zweites Blatt. Sonntag den 24. August 1881

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