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Samstag den 24. Mai

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1884

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r Schulstraße 7.

Erscheint LÄtzSich mit Ausnahme de« MontagS.

Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Deutschland.

Berlin, 20. Mai. Das Befinden des Kaisers ist durchaus zufriedenstellend unb die ganze Reihe anderweitiger Gerüchte ohne thatsächlicken Holt- M't großem Interesse folgt derselbe den Berichten über die Feste am russischen Hose. Nach einer Anordnung deS Kaisers soll der Großfürst-Thronfolger a la suite des Kaiser,Alcxander- Garde-Grenadter-RegtmentS geführt werden, bissen Chef btkannilich sein Vater und sein Groß- und Urgroßvater waren.

Die Kaiserin von Rußland wird anläßlich ihres bevorstehenden Aufenthalts in Hesien der Kaiserin Augusta in Baden-Baden einen Besuch ab flotten und es unten bleibt deßhalb die Reise der Großherzogin von Baden nach Berlin, welche bekanntlich für den Fcll erfolgen sollte, daß die Kaiserin von Rußland einen längeren Aufenthalt in Berlin genommen hätte.

Die Mitglieder deS Landtags haben meist noch gestern Abend Berlin ver­lassen und sich in die Heimath zurückbegeben. Wie es heißt, wäre die Regierung ent­schlossen, die Jagdovdnung und das CommunalsteuergeskH, und zwar nach voran­gehender Umarbeitung, m der nächsten Session wieder vorzulegen. Die Arbeiten der Steuercommission des Abgeordnetenhauses sollen doch nicht ganz verloren sein, sondern als Grundlage einer Umarbeitung benutzt werden. Mit der letzteren beabsichtigt man den neu zu belebenden Staatsrath zu betrauen.

Dem Bundesrath ist ein Gesetzentwurf für Elsaß - Lothringen zugegangen, -Drlcher anordnet, daß die Gemcinderälhe unter Mitwirkung der Höchftbesteuerten und mit Zustimmung des Bezirkstags für die Anlage und Unterhaltung der Gemeinde- Mdwege die Auferlegung eines vierten Frohntages beschließen können.

Die nordschleswigschen Reichstagsabgeordneten Johannsen und Lassen haben heute dem Cultusminister eine mit gegen 9000 Unterschriften versehene Petition über­reicht, welche die Aufhebung der Instruction der köntgl. Regierung vom 9. März 1878 über Erthetlung von deutschem Unterricht an den nordschleswigschen Volksschulen be­trifft und gleichfalls einen sorgfältigeren Unterricht im Damschen anzuordnen erbittet. Die Petition ist in deutscher und dänischer Sprache abgefaßi.

Der Kaiser nahm heute Vormittag Vorträge und zahlreiche militärische Meldungen entgegen, arbeitete mit dem Militärcabtnet und berieth am Nachmittag mit lern StaatSsecretär Grasen Hatzfeldt.

Der Botschafter Fürst Orlow und Fürst Dolgoruki, sowie das russische Bot- tchafispersonal sind der Kaiserin von Rußland, welche sich nach Schloß Rumpenheim bei Offenbach zu der Vermählung deS Erbprinzen von Anhalt mit der Prinzessin Elisabeth von Hessen begibt, bis Königsberg entgegengereist. An den HochzeitSfeier- lrchkeiten wollten u. a. noch theilnehmen die Könige von Dänemark und Griechenland, b .-r Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, der Prinz von Wales, der Herzog von Nassau, riebst Gemahlinnen.

Berlin, 21. Mai. Seine Majestät der Kaiser empfing heute Vorträge, ertheilte mehrere Audienzen und tonfertrte Nachmittags mit dem Minister Maybach.

DieProv.-Corr." bespricht die Ergebnisse der eben geschlossenen Landtags- sLssion und mißt dabei eine große Schuld daran, daß die Jagdordnung und die Vor­lage über die Communalsteuer gescheitert und die Vorlage über die Einkommen- und Eapiialrentensteuer nicht einmal über die CommtssionSverhandlungen gekommen seien, 1-er immer weiter um sich greifenden Neigung bei, die Vorschläge der Regierung nach den Parteiftandpunkten umzugestalten. Durch eine solche unfruchtbare THStigkeit, so meint dieProv -Corresp.", werde das Ansehen des Parlaments geschädigt. Jede Re- giterung werde eine einsichtige Kritik ihrer Vorlagen durch die Volksvertretung zu würdigen wissen wenn aber diese kritische Thätigkeit in dem Maße überhand nehme, Dvß die schöpferische Thät'gkeit mehr oder weniger in den Hintergrund gedrängt werde, donn entstehe die Gefahr, daß das Land das Vertrauen und das Interesse für die Mrlamentarischen Einrichtungen verliere.

Gegenüber der von derGermania" aus Rom gebrachten Meldung, der Papst habe dem Gesandten v. Schlözer erklärt, die Kirche könne das Opfer der Demission des Grasen Ledochowski nur dann bringen, wenn Preußen das Gesetz über btc Vorbildung der Geistlichen revidtre, sagt dieNordd. Allg. Zig.", daß, nach einer von unterrichteter Stelle erhaltenen Auskunft, der Papst in der mit Herrn v. Schlözer Wer die anderweitige Besetzung des Erzbisthums Posen gepflogenen Unterredung, von dar Revision des genannten Gesetzes gar nicht gesprochen habe. Nach anderen römischen Nachrichten solle der Papst durch die jesuitischen Einflüsterungen, daß die deutsche Presse iba verhöhne, weil sie In der Ernennung des Grafen Ledochowski zum Seccetär der Bittschriftencommtssion einen Sieg der preußischen Politik erblicke, verstimmt sein; ebenso sei der Papst über die Landtagsverhandlungen in Bezug auf die Interpellation des Abgeordneten von Jagdzewski in entstellender Meise berichtet worden; die Ab- fntigung, welche der Cultusminister einzelnen Rednern des Centrums ertheilte, habe tzuf den Papst verstimmend gewirkt; die polemisirenden Einflüsse ^machten sich wieder starker geltend. Hierzu bemerkt dieNordd. Allg. Zig.", daß sie kein angesehenes Blatt kenne, welches den Papst in der angegebenen Weise verhöhnt habe, dagegen halten viele Blätter die Regierung wegen zu großer Nachgiebigkeit verspottet. Wenn die Regierung durch das Canossa-Geschrei und nicht durch sachliche Rücksichten auf bas Seelsorge- be dürsniß der preußischen Katholiken geleitet worden wäre, so würden heute noch sämmt- liche Pfarreien, die inzwischen besetzt sind, verwaist sein.

Müuchen, 21. Mai. Hiesige liberale Blätter veröffentlichen einen von einer großen Anzahl Burger unterzeichneten Aufruf, welcher zur Bildung der bayerischen Reichspartei in München auffordert. Die Programmpunkte sind gleichlautend mit denjenigen des Augsburger Aufrufs.

Stuttgart, 21. Mai. In dem Befinden des Königs ist eine erhebliche Besserung eingetreten, die Fieber-Erscheinungen sind geschwunden, so daß der König bei günstiger Witterung voraussichtlich schon in den nächsten Tagen das Ammer verlassen kann.

Karlsruhe, 21. Mai. Die erste Kammer hat bei der heute fortge­fetzten Berathung über die landwirthschaftliche Enquete sämmtliche Anträge, betr. bie Technik und die Oeconomie des Betriebes, sowie das Schulwesen, Kredit-, Zoll- und Tarifwesen, ingleichen das Steuerwesen (höhere Börsensteuer), die Jllistizpflege (Vorlegung eines Gesetzes im Sinne des Hannoverschen Höferechts), bie Verwaltung und das Versicherungswesen genehmigt.

Gotha, 21. Mai. Der Landtag hat das Gesetz wegen Mißbrauchs de-s Vereins- und Versammlungsrechts auf die Zeit ver Geltung des Socialisten- gchtzes angenommen.

Oesterreich.

Wien, 21. Mai, Einer Meldung derPolit, Corresp," aus Cettinje

zufolge ist dem Fürsten von Montenegro, welcher mit großem Gefolge eine Be­reisung der nördlichen und östlichen Districte Montenegros angetreten hat, in Podgoritza ein sympathischer Empfang bereitet worden. Bei dem Diner toastirte der Fürst auf den Sultan, seinen guten Freund, dessen Freundschaft er hoch­schätze, worauf der türkische Resident Djeva Effendi einen Toast auf das Wohl des Fürsten ausbrachte.

AranLreich.

Pari-, 21. Mai. Am Samstag gaben die in Paris anwesenden deut­schen Socialisten ihrem Genossen Liebknecht in der Salle du Siocle, Avenue des Gobelins, ein Festessen, wobei Liebknecht eine Rede hielt, in der er wünschte, daß die Arbeiter den Chauvinismus bekämpfen und bei jeder Gelegenheit die friedlichen Absichten des deutschen Volkes betheuern möchten. Ein Franzose, Leclaire, sprach gleichfalls gegen den Krieg. Darauf folgten Gesänge und Tänze. Der Eintritt war gegen Zahlung von einem Francs Jedem gestattet. Die österreichischen Arbeiter hielten gestern Abend eine Versammlung, in welcher beschlossen wurde, daß gegen das Meeting der österreichischen Anarchisten vom 27. April öffentlicher Protest erhoben werden solle.

England.

London, 21. Mai. DiePall Mall Gazette" schreibt über bie beabsichtigte Expedition nach Khartum, dieselbe werbe Anfangs Herbst abgefanbt werben, falls Gordon nicht vorher ben Mahdi geschlagen und die Garnisonen errettet habe. In diesem Falle wäre die Expedition nicht nöthig. Wenn aber Gordon von dem Mahdi tnzwffchen geschlagen würbe unb sich alle Garnisonen ergäben, so werde die Exoedition wahrschein­lich nothwendig bleiben, um Kairo gegen den Mahdi, der bereits Oberegypten bedrohe, zu decken. Die Expedition werde aus wenigstens 10,000 Mann Truppen bestehen Die genannte Zeitung spricht ihr lebhaftes Bedauern aus, daß das (Sabine! nicht schon feit lange die Expedition nach dem Sudan beschlossen habe, da General Wolseley, der wahrscheinlich die Expedition befehligen werde, sich kämpfend seinen Weg durch die Stämme hindurch werbe bahnen müssen, die durch das bisherige Schweigen der eng­lischen Regieruna zu Feinden gemacht worben seien.

Windsor, 21. Mai. Der Großherzog und die Prinzessin Elisabeth von Hessen sind heute Nachmittag via Portsmouth nach Deutschland abgereist.

Rußland. ,

Petersburg, 21. Mai. Heute findet das Regimentsfest des Leibgarde- Kürassier-Regiments der Kaiserin in Gatschina statt. Auf dem Adelsballe hatten der Kaiser und die Großfürsten das Band des Schwarzen Adlerordens und die Kaiserin den preußischen Luisenorden angelegt, während Se. Königl. Hoheit Prinz Wilhelm das Band des Andreasordens trug.

Se. Königl. Hoheit der Prinz Wilhelm hat sich um 10 Uhr Vormit­tags in Begleitung des Großfürsten Wladimir und dessen Gemahlin, sowie der anderen Großfürsten, zu dem Regimentsfeste nach Gatschina begeben.

Rumänien.

Bukarest, 21. Mai. Der König hat dem Großfürsten-Thronfolger von Rußland anläßlich seiner Großjährigkeits-Erklärung das Großkreuz des Sterns von Rumänien verliehen.

AmeriLa.

Washington, 21. Mai. Heute wurde hier das Luther-Denkmal enthüllt.

Trlrgraphische Depeschm.

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Rurnpenbeim, 22. Mai. Die Kaiserin von Rußland mit ihren bei­den Töchtern, welche heute Vormittag 9 Uhr mittelst separaten Hofzuges in Frankfurt a. M. eingetroffen war, ist kurz nach 10 Uhr von dort zu Wagen hier angelangt. Der Herzog von Nassau und der Kronprinz und die Kron­prinzessin von Dänemark waren derselben bis Frankfurt a. M. entgegengesahren und hatten dieselbe hierher geleitet. Von anderen fürstlichen Personen sind hier anwesend: die Prinzessin von Wales mit ihren drei Töchtern Louise, Victoria und Maud, die Herzogin von Nassau mit ihrer Tochter, der Prinzessin Hilda, und dem Erbprinzen Wilhelm, die Prinzessin Marie von Anhalt mit ihrer Tochter, der Prinzessin Hilda, die Prinzessin Bathildis von Schaumburg- Lippe mit ihrer Tochter, der Prinzessin Charlotte, der Herzog von Cambridge. Der Landgraf und die Landgräfin von Hessen mit ihrer Familie und der Erb­prinz von Anhalt weilen in Philippsruhe und werden zum Diner hier erwartet.

Berlin, 22. Mai. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Mit dem Ver­lauf des hier abgehaltenen Parteitages der Nationalliberalen könnten Alle, denen die Förderung der öffentlichen Angelegenheiten im nationalen Sinne am Herzen liegt, recht wohl zufrieden sein. Die Nachwirkungen der Heidelberger Er­klärung seien noch lange nicht abgeschlossen, weil jene Erklärung, außerhalb der preußischen Parteikämpfe stehend, auch einen befreienden Einfluß auf diese zu üben geeignet sei.

Loudon, 22. Mai. Die gestrige Meldung derPall Mall Gazette" über die beabsichtigte Expedition nach dem Sudan findet in den heutigen Mor­genblättern keine Bestätigung. DieTimes" erfährt, es sei bis jetzt noch keinerlei Entscheidung getroffen, obschon ein bezüglicher, im Kriegsministerimn. ausgearbeiteter Plan der Negierung zur Erwägung vorliege,