Der Gesetzentwurf, betreffend daS Hufbcfchlaggewerbe, wurde in dritter Lesung mit der Aenderuna genehmigt, daß nur solche Schmtedetnnungen, welchen von den höheren Verwaltungsbehörden die Berechtigung zur Ertheilung von Prüfungszeugnissen verliehen werden, zur Ausstellung von Zeugnissen berechtigt sein sollen und daß ferner die Regierung befugt sein soll, von der Beibringung deö Prüfungszeugniffes zu dls- penstren- Die nächste Sitzung findet Donnerstag statt.
— Wie die „Berliner Bössenzeitung" mttiheilt, hatte Professor Mommsen bestimmt erklärt, ein Reichstagsmandat nicht wieder anzunchmen.
— Der Reichstag hielt, wie das Abgeordnetenhaus, heute die erste Sitzung nach dem Osterfeste ab. Bet der zweiten L-sung der Novelle zum HilfSkassengesetz wurde der Art. 2a mit dem Zusatz genehmigt, daß auf den Antrag derHtlfskassen die höhere Verwaltungsbehörde bet der Zulassung zugleich bescheinigen muß, daß daS Statut den Vorschriften bcB $ 75 des Krankenversicherungs-Gesetzes genügt. Der Art. 8 gelangte mit dem Zusatz zur Annahme, daß drcentralistrte Verwaltungsstellen einzurichten sind, welche die Berechiigung haben, Gelder bis zur halben Höhe des Jahresbeitrags selbstständig zu verwalten und zu regeln. Die übrigen Artikel biS Artikel 11 wurden nach den Commtssionsanträgen genehmigt. Bet der namentlichen Abstimmung über den ersten Satz deS $ 33 (Art. 11) ergab sich die Beschlußunfähigkeit des HauseS. — Die Fortsetzung der Berathuna wurde auf morgen festgesetzt.
_ Nach einer „Stefantmeldung" aus Kairo befinden sich die italienischen Gefangenen des Mahdi olle wobl und werden gut behandelt.
Kiel, 22. April. Der Ches der Admiralität, Generallieutenant v. Caprivi, ist heute Vormittag hier emgetroffen. Das UebungSgeschwader ist mit dem heutigen Tage in Dienst gestellt.
Wien, 22. April. Die Mörder Hugo Schenk und Schlossarek find heute früh durch den Strang hingerichtet morden.
London, 22. April. Dem „Standard" zufolge wäre die Zustimmung fast aller Großmächte zu der wegen der egyptischen Finanzen abzuhaltenden Conferenz bereits eingegangen.
— Ein Telegramm des „Standard" aus Kairo meldet aus angeblich bester Quelle, es sei beschlossen, die größte, bei der egyptischen Armee verfüg- 'bare Streitmacht binnen längstens 6 Wochen nach.Khartum zu senden. General Kordon habe in einem Telegramm an den Generalconsul Baring sich höchst prüftet ausgesprochen über die Art, in welcher er von der englischen Negierung preisgegeben worden sei, derselbe sei entschlossen, sich gänzlich loszusagen von denen, die ihn verlassen hätten und die Schuld trügen an den im Sudan verloren gehenden Menschenleben.
— Heute früh sand in Ipswich und an mehreren anderen Orten in den östlichen Grafschaften eine ziemlich heftige Erderschütterung statt. Erheblich heftiger wurde dieselbe in Colchester verspürt, wo man auch ein starkes unterirdisches Getöse hörte; alle Gebäude geriethen in eine zitternde Bewegung, eine große Anzahl von Schornsteinen stürzte ein, ein 150 Fuß hoher Kirchthurm brach zusammen. Die Erderschütllrung dauerte etwa 30 Secuuden, die Bevölkerung war auf das Aeußerste beunruhigt und eilte auf die Straßen und in's Freie. Ein Verlust von Menschenleben ist nicht zu beklagen.
Nom, 22. April. Der „Duitto" erklärt die neuerdings verbreiteten Gerüchte über eine bevorstehende Reise des Königs nach dem Auslande für unbegründet.
Petersburg, 22. April. Die Prinzessin Elisabeth von Sachsen- Altenburg ist mittelst Separatzuqes Nachmittags eingetroffen, vom Kaiserpaar, -er Mutter, dem Bruder des Bräutigams, den Hofstaaten, dem Diplomaten- Corps und den Ministern am Bahnhofe begrüßt. Constantin Constantinowisch war derselben entgegengefahren. Auf dem Bahnhose war eine Ehrencompagnie des Jtzmailow'schen Leibgarde-Regiments, welchem der Bräutigam angehört, mit Fahne und Musik-Corps aufgestellt. Vom Bahnhof begaben sich die Fürstlichkeiten in vierspännigen Galakutschen nach dem Marmorpalais, wo die Gemächer für die Braut hergerichtet sind.
— Die Trauung Constantin Constantinowitsch mit Elisabeth von Sachjen- Altenburg ist für den 27. d. Mts. anberaumt. Am 28. o. MtS. findet eine Theatervorstellung statt; für den 1. Mai ist eine GratulationS>Cour in Aussicht genommen.
Konstantinopel, 22. April. Das österreichische Kronprinzenpaar besuchte nochmals den Stamdul-Bazar, sodann daS KrtegSmtnistertum, woselbst es einer Truppenparade beiwohnte. Abends fand ein Bankttt an Bord deS „Miramar" statt, wo das Kronprinzenpaar übernachtet. Der „Miramar" geht um 2 Uhr früh nach Mudantna ab. Es werden große Vorbereitungen getroffen.
Lokale-.
G. Gießen, 23. April. (Sterblichkeit in Gießen.) Die Zahl der Todesfälle -wahrend der Woche vom 13. bis 19. April erhöhte sich wieder auf 11. Davon kamen 4 auf Kinder, von denen 2 an Gehirnentzündung, eins an Zellgewebsverhärtung, einS an Lungenschwindsucht starb. Bet den erwachsenen Personen war Todesursache: Lungenerwetterung, Lungenschwindsucht, Magengeschwür, KrebS, Ohnmacht. Brightssche Nterenkrankhett je einmal. Eine Frau endete durch Selbstmord (Erhängen).
— Gestern Abend gegen 7 Uhr weilte Herr Staatssekretär Dr. Stephan zur Besichtigung des neuen PostlocalS in der Schulstraße tn unserer Stadt. In seiner Begleitung befand sich Herr Oberpostdirettor Hagemanu von Darmstadt. Von Meßen au8 begab sich der Herr Staatssrcretär nach Marburg.
Gießen, 23. April. Wie man auS dem Annoncentheile ersieht, wird das Angarrsche Künstler-Quartett Pinter Bunko aus Budapest nächsten Sonntag And Montag im Wenzel'schen Etablssement concerttren. Die Leistungen dieser Künstler müssen ganz eminent sein, indem die sämmtltchen Räume des Palmengartens achtmal Hinter einander trotz der schlechten Witterung auSverkauft waren. Die einzelnen P'.öcen Lieser Künstler wurden stets mit rauschendem Beifall seilens des Publikums entgegen- genommen und steht unS laut dm Krttikm aller größeren Blätter ein hoher Kunstgenuß bevor.
Vermischtes.
Frankfurt a. M., 21. April. Heute früh starb nachmehrwöchentlichem Leiden "Herr Dr. Adolf von Brüning, ehemaliger RetchstagSabgcordneter für Höchst und -Eigenthümer des „Frankfurter Journals". Rühmend hervorzuheben ist das rege Interesse, welche« der Verstorbene allen künstlerischen Bestrebungen entgegenbrachte und welches er als Vorsitzender des hiesigen kunstgewerblichen Vereins in besonders that- krästiger Weise bethätigte. — Von HauS aus Chemiker bat sich Adolf von Brüning durch einige wichtige chemische Erfindungen nicht nur außerordentliche Verdienste um die gesammte chemische Industrie Deutschlands erworben, sondern auch den Höchster Farbwerken, deren Mitbegründer er war, zu ihrer glänzenden Entwicklung verholfen; dagegen ist seine Thätigkeit als Mitglied der nattonalliberalen Partei weniger erfolgreich gewesen. — Der Verstorbene wurde erst im vorigen Jahre geadelt.
— Die Frankfurt-Offenbacher electrische Trambahn hat bereits vorgestern den Betrieb wieder eingestellt, jedoch denselben am 22. d. M. wieder ausgenommen. Wie verlautet, ist an der Maschinerie der Oberrader Central-Station eine Beschädigung vorgekommen. — Außerdem halte genannte „Blitzbahn" daS Malheur, tn Oberrad einen alten gebrechlichen Mann zu überfahren und nicht unerheblich zu verletzen. O. K.
Mainz, 17. April. Gestern Nachmittag 4 Uhr wurde die Frau deS mittelst Gift ermordeten Bewohner« von Zornheim unter Bedeckung von Gensdarmerie tn das hiesige Arresthaus eingeliefert. Die Sectton der Leiche fand gestern Nachmittag tn Zornheim statt; auf Grund derselben wurde die Hierherbringung der Verhafteten von Seiten der Staatsanwaltschaft verfügt. Die Frau soll ihrem Manne, der das Gewerbe eines Spenglers und LöffelgteßerL betrieb, das Gift in den Branntwein gemischt
haben. Einige Tage vor seinem Tode erzählte nämlich der Mann seinen Nachbarn, daß es ihm auf den Genuß von Branntwein, der ihm von seiner Frau gereicht werde, stets unwohl geworden set und er sich hätte übergeben müssen. Die Verhaftete ist eine stattliche Frau von ca. 44 Jahren und soll die schreckliche Thar Zwecks Wlederverehe- lichung mit einem jungen Burschen verübt haben.
— Das Reichsgericht hat entschieden, daß als Verlobte tm Sinne des Strafgesetzbuches und auch der Strafproceßordnung schon solche Personen zu betrachten seien, die sich einander ein ernstliches, wenn auch formloses Eheversprechen gegeben haben, selbst wenn daS bürgerliche Recht strengere Formen (z. B. einen gerichtlichen oder notariellen Act) vorschreibt. Diese Entscheidung ist bet vielen Antragsvergehen und ebenso bet der Frage der Zeugenverweigerung n cht unwichtig.
Mainz, 18. April. Wie die hiesigen Blätter mittherlen, zeigt sich in der Umgegend tn letzter Zett bet den Jagdhunden eine etgenthümltche Krankheit; die Hunde trauern einige Tage und verenden plötzlich an einem Schlaganfall. Es find aus diese Weise in der jüngsten Zett sehr viele werthvolle Exemplare zu Grunde gegangen.
Pfungstadt, 16. April. Bet der gestern dahier stattgehabten Tanzmusik tanzte ein Unterofficter mit der Geliebten eines aus Heubach gebürtigen Dtenstknechts, was letzteren derart beleidigte, daß er seine Geliebte ohrfeigte und dteS den Eltern der Geliebten und dann seinem Dienstherrn mitthetlte. Nun hätte man glauben sollen, daS gekränkte Herz set hierdurch beruhigt, allein dem war nicht so, der Knecht ging vielmehr in sein Schlafzimmer und machte seinem Leben durch Erhängen ein Ende.
Oder-Ramstadt, 20. April. Eine in den jüngsten Tagen hier vorgekommene Schatzgräberei erregt große Heiterkeit und dürste eg sich damit etwa folgendermaßen verhalten: Ein Insasse des Provinzialarrefthauses, welcher mit dem Falschmünzer Helfrich vulgo „Spannerfritz" einige Zeit in einem Local zusammen inhafttrt war, erhielt von Helfrich die Mittheilung, daß er über 2000 JL ächte« Geld tn dem -wischen hier und Hahn gelegenen Walddistrict Dörnbach vergraben habe und beschrieb Helfrich dem Manne, der nicht mehr lange zu sitzen hatte, ganz genau die Stelle. Nachdem der Letztere aus dem Gefängniß entlassen war, begab er sich hierher und da er allein das Ausgrabegeschäft nicht besorgen zu können glaubte, zog er den Wirth, bei dem er sein Absteigequartier genommen, und einige anwesende Gäste in's Vertrauen. Man beschloß darauf, so schnell wie möglich zu handeln, damit nicht ein Anderer zuvorkäme, und wurde einstweilen bis zum Eintritt der Nacht auf den zu erhebenden Schatz tüchtig gezecht. Al« nun die Nacht gekommen, zog die kleine Schaar beim Scheine des Mondes tn den Wald, nachdem man zuvor heilig gelobt und geschworen, Über die Expedition Niemand eine Mittheilung zu machen. An der betreffenden Stelle angekommen, wurde nun mit Erter das ganze Terrain umgegraben, aber sosehr man auch arbeitete, gefunden wurde — nichts. Erft gegen Morgen traten die geprellten Schatzgräber schweißtriefend den Rückweg an. Hätten sie nun sämmtlich ihren Schwur gehalten, dann wäre auch nichts tn dte Oeffentirchkcit gedrungen, da aber einer nicht reinen Mund hielt, haben sie jetzt für den Spott nicht zu sorgen. Der „Spannerfritz" aber wird sich wohl heimlich tüchtig in's Fäustchen gelacht haben.
— [6in Selfmademan.] Der Lebenslauf des am 6. April verstorbenen Großindustriellen Theodor v. Cramer-Klett ist einer der seltsamsten gewesen. Wer hätte dem armen Nürnberger Literaten Cramer, der 1848 ein demokrattsch-socialistisches Blatt berausgab, weissagen mögen, daß er enden würde als vielfacher Millionär, vielfacher Ordensritter, Baron, Ehrendoctor und erblicher Reichsrath der Krone Bayerns? Und doch ist es so gekommen. Ihm eigneten im seltenen Maße Klugheit, Verstand und Beharrlichkeit. Zur rechten Zeit hörte der politische Agitator auf und hatte den Vortheil, nicht nur sein eminentes Talent gezeigt, sondern zugleich das volle Vertrauen der damals hochgradig erregten Nürnberger Arbeiter erworben zu haben. Und seine Beharrlichkeit trug den Sieg davon, als nach zehnjährigem vergeblichen Bewerben um die Hand eines wohlhabenden Fräulein Klett tn Nürnberg, sich diese endlich erweichen ließ und er damit Besitzer einer kleinen Maschinenfabrik wurde. Mit eisernem Fletße und ftaunrnswerther Umsicht widmete er sich deren Leitung; kein Jahr war um und Alles war einverstanden, daß er für diesen Beruf geschaffen sei. Er reichte bei der bayerischen Regierung eine Denkschrift ein, die die Nürnberger Arbeiterverhältnisse darlegte und bat um ein Darlehen von einigen hunderttausend Gulden, um eine Loco- motiven- und Waggonfabrik gründen zu können, die Tausenden Brod geben werde. Nach schweren Bedenken hinsichtlich seiner demokratischen Vergangenheit, die er jedoch zu zerstreuen wußte, gewährte ihm König Mox das Darlehen und die neue Fabrik begann. Sie kam bald tn außerordentliche Blüthe. Cramer-Klett, wie er seit seiner Vermählung hieß, gewann das Vertrauen einer Reihe von Regierungen; schon nach wenigen Jahren war er Ritter vieler Orden und kaum achtunddretßigjährtg (geb. 1817) erhielt er den Orden der bayerischen Krone und damit Personaladel. Er wurde reicher und immer reicher; 1876 wurde er in den erblichen Fretherrnstand erhoben, wurde erblicher RetchLrath, und, abgesehen von feiner grenzenlosen Wohlthätigkeit gegen seine Arbeiter, hatte er so viel für wissenschaftliche Institute gestiftet, daß er das Ehren- doctordtplom der philosophischen Facultät tn Erlangen empfing. Seine erste Ehe blieb kinderlos, aus etrer zweiten ging ein Sohn hervor, der jetzt 10 Jahre alt ist.
— Im Jahre 1880 antwortete Kaiser Wilhelm der in Frankfurt a. M. festlich versammelten deutschen Turnerschast auf ihren Gruß folgendes: „An den Vorsitzenden, Oberbürgermeister Miquel. Ich beauftrage Sie, den Genossen des allgemeinen deutschen Turnfestes Meinen Dank für ihren Gruß und Meinen Wunsch für das fröhliche Gedeihen des mit der körperlichen Bildung zugleich den nationalen Sinn belebenden Turnwesens auszudrücken." Für dieses fröhliche Gedeihen, welches unser allverehrter Kaiser dem Turnwesen wünschte, legt ein eben erschienenes Buch Zeugniß ab. Es ist das „Handbuch der deutschen Turnerschaft. Zweite Auflage. Im Auftrag des Ausschusses herausgegeben von Dr. med. F. Goetz, Geschäftsführer u. s. w." Durchblättern wir die 160 Seiten dieses Buches, welche eine Reihe von Satzungen, Geschäfts-Turn- ordnungen, statistischen Aufstellungen u. dgl. enthalten, so staunen wir über den Umfang und die feste Gliederung der Organisation. Es besteht in Deutschland unter freien Vereinen keine von solcher Mächtigkeit. Im Jahre 1869 1546 Vereine mit 128,000, im Jahre 1880 2200 Vereine mit 170 000 Mitgliedern zählend, gehören hrute zur deutschen Turnerschaft über 2500 Vereine mit 236,000 Mitgliedern (außerdem gibt es noch 220 Vereine in Deutschland, welche sich dem großen Ganzen nicht angeschlossen haben.) Das Ganze ist in 15 Turnkresse und diese wieder sind in 191 Turngaue ein» getheilt. An der Spitze steht ein Fünfcr-AuSschuß, ihm zur Seite die Vertreter bet verschiedenen Kreise. Zum deutschen Turntag, der alle vier Jahre stattfindet, entsenden je 1000 Mitglieder einen Abgeordneten. Der letzte Turrnag, von gegen 200 Abgeordneten beschickt, fand im verflossenen Jahre zu Eisenach statt. Die feste Organisation hat es vermocht, den schlichten turnerischen Sinn vor Ausschreitungen zu bewahren. Immer mehr schwinden Überflüssige Feste und eitle Schaustellungen mit ihrem Bier- und Ballturnen. Aber niemals wurde so viel und so stramm geturnt rote heute; 50,000 Männer und Jünglinge beleben allabendlich die deutschen Turnplätze und Turnhallen- Von letzteren sind 240 specielles Eigenthum der betreffenden Vereine Der Turnbetrieb selbst ist ein anderer geworden: nie wurde so schulgerecht geturnt wie heute.
Lübeck, 16. April. Heute wurde durch das hiesige Amtsgericht das im Jahr« 1873 errichtete Testament Emanuel GetbeLS publicirt. In der vom Dichter selbst tn seiner kräftigen charakteristischen Handschrift abgefaßten kurzen Urkunde rolrb fe ner langjährigen Hausfreundin und Nichte, Fräulein Bertha Geibel, eine jährliche Rente auS gesetzt. Zur Erbin seines kleinen Vermögens, einschließlich seiner Autorrechte, ernennt Geibel feine Tochter, Ehesrau des hiesigen Rechtsanwalts Dr. Ferdinand Fehling. Letzterem wird die Vollstreckung des Testaments übertraaen und die Bibliotb-k des Dichters vermacht. Der Erbin legt Geibel ausdrücklich an's Herz die Fürsorge für da? auf dem Friedhöfe zu München befindliche Grab seiner jung verstorbenen und viel besungene« Gattin Ada.
Berlin, 17. April. Kunstschlosser J m m, der vielgenannte Zeuge im D'ckhoff' Processe, welcher bekanntlich mit Hilfe der öffentlichen Wohlthätigkeit seine Auswanderung nach England bewerkstelligt haben soll, dürfte vielleicht noch im deutschen Lande weites von sich reden machen. Alle Versuche, dem Mann hier tn Berlin einen redlichen Brod erwerb zu schaffen, sind bekanntlich vergeblich gewesen und so kamen endlich diejenigkr Personen, die ein lebhaftes Interesse durch die That an den Tag gelegt hatten, auf bt( Idee, ihrem Schützling Auswanderung zu empfehlen. Jmm, der mißmuthig geworben war, erklärte sich bereit, vorläufig, aber ohne seine Familie, nach London zu gehen Man händigte ihm die für ihn gesammelten Gelder ein und gerübrt nahm er vor seinen Wohltbätern Abschied, indem er versprach, von London aus sofort zu schreiben Seiner Familie - Frau und Kindern — batte er eine größere Summe zurückgelasscn. Bisher hat er aber nichts von sich hören lassen. So viel steht fest, wie von competenter Seite mttgetheilt wird, daß Jmm auf dem Bahnhofe ein Billet nach Hamburg gelöst hat. Gleichwohl muß daran gezwesselt werden, daß Jmm nach England gegangen
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