Ausgabe 
23.11.1884 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

uitb Sefannten

K

Sonntag den 23. November

Erstes Blat^

Nr. 273

1881

ießener Anzeiger

Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mtt »rtngfrWfrn Durch bl« Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 5« Pf.

Schukstraße 7.

Erscheint -L-Klrch mit SkiSmchme >

1 Handschuh, 1 Fllzhut, 1 Portemonnaie, 1 Pack Tabak.

Gießen, am 22. November 1884.

Madrid, 21. November. Gegenüber den übertreibenden Darstellungen, welche

oppositionelle Blätter über die jüngsten Studentenunruhen und deren Veranlassung verbreiten, wird regierungsseitig Folgendes bekannt gegeben: Der der republikanischen * A. Kartei angehörige Professor Morayta war wegen einer antikirchlichen Rede von einem I .e jS^OO ' Bischof exkoinmunicirt worden. Eine unter den Studenten zur Unterzeichnung cursi- . % U--00 eTtnbc Erklärung, in welcher das Verhalten des Bischofs gebilligt wurde, gab zu L .Reibereien unter der Studentenschaft Anlaß. Da der Rektor der Universität denselben ff 72^00 ? nicht kräftig genug entgegentrat, so pflanzten sich dieselben nach der Straße fort und

v «eil««6

«tt

Gefunden: 1 Katechismus, 1 Buch, biblische Geschichte, 1 Schürze, Aufgefangen: 1 Schaf.

Darmstadt, 20. November. Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Sektion für Justizverwaltung, Nr. 21, enthält Aussckreiben d. d. Darmstadt, am 11. November, betreffend: Die Einführung von Normal'Formaten für das zum Amtsgebrauch erforderliche Papier.

Nr. 22 enthält nachstehendes Ausschreiben d. d. Darmstadt, am 12. No­vember, betreffend: Die Empfehlung von Rechtsanwälten durch Gerichtsvollzieher: Es ist zu unserer Kenntniß gekommen, daß ein Gerichtsvollzieher, an­läßlich eines von ihm oufgenommenen Wechselprotestes, seinem Auftraggeber unaufgefordert ein bestimmtes Anwaltsbureau als für die Durchführung der demnächst anzustrengenden Wechselklage besonders empfehlenswerth bezeichnet hat. Wir sehen uns hierdurch veranlaßt, Ihnen Folgendes zu eröffnen:

Mit Rücksicht auf ein offenbar bestehendes Bedürfniß ist es nicht zu bean­standen, wenn ein Gerichtsvollzieher, um einen Anwalt befragt, dem Fragenden einen Rechtsanwalt (oder mehrere Rechtsanwälte zur Auswahl) benennt. Dabei muß es indeffen sein Bewenden behalten. Der Benennung von Rechtsanwälten ohne besonderes Befragen, sowie der Anpreisung oder Empfehlung von auf Be­fragen hin benannten Rechtsanwälten haben sich die Gerichtsvollzieher, sowie auch deren Gehülfen, zu enthalten.

Die mit der Aufsicht über dieselben betrauten Beamten wollen über die Befolgung wachen und etwaigen Zuwiderhandlungen in geeigneter Weise entgegentreten."

Freitags von 8-9 Uhr öffnet.

f 5 Mck prämimeranbo. j ein gortbilbung§furfu8 Uhr abgehalten roeM. tt für Jedermann nnent«

mn BMAn Ferber 7706

Lokales.

Gießen, 22. November. (Graf Zichy.) Wir können den Lesern d. Bl. die erfreuliche M'.tthetluaz machen, daß Graf Ztchy, der berühmte Clavtervirtrrose, der

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Wim, 1« '^tvaaren * ®üte unter Satantie. C,M eiischlag.d» --------- 7697

»*%<.;

Säbelhieben gegen die Ruhestörer vor. Fünf Polizeibeamte und 14 Studenten sind leicht verwundet, 68 Studenten wurden verhaftet. Der Rektor der Universität hat seine Entlassung gegeben, welche angenommen ist. Die Bevölkerung der Stadt hat sich an den Ruhestörungen in keiner Weise betheiligt.

Wien, 21. November. Sämmtliche Morgenblätter charakterisiren die deutsche Thronrede als eine eminente Friedensbotschaft: DasFremdenblatt" schreibt: Ruhmreicher Sieger in weltbewegenden Kämpfen, Schöpfer eines domi- nirenden Reiches, hat Kaiser Wilhelm den schönsten Herrscher-Triumph darin gefunden, seiner Nation unv dem Welttheil den Segen des Friedens zu bringen, diesen Frieden im Reiche und in Europa zu begründen, und ibn gegen Störun­gen und Gefahren zu sichern. Diesem erhabenen Ziele sehen wir alle Kräfte des greisen Regenten und den Einfluß fernes Reiches im Rathe Europas ge­weiht; diesem großen Ziele ist das sieggekrönte Deutschland im Bunde mit seinem gleichstrebenden Nachbar immer näher gekommen und heute verkünden die weisen und klaren Worte der Thronrede neuerdings das Wesen jenes edlen Programmes, das Kaiser Wilhelm und seine mächtigen Bundesgenossen zum Heile des sriedensbedürftiaen WelttheileS zum gemeinsamen Inhalte ihrer Politik erhoben haben. Weiter sagt dasFremdenblatt" : daß die Einladungen zu der afrikanischen Conferenz von dem deutschen Kaiser im Einverständnisse mit Frank­reich ergangen seien, bedeute allein schon einen Triumph des Frieden«, wie er größer nicht denkbar sei.Die Botschaft des greisen Kaisers", schließt da- Blatt,tönt mächtig hinaus in alle Welt und der Segen der dankbaren Völker ist die Antwort, die sie weckt in allen Staaten, denn in einem Gefühle begeg­ne? sich Völker des Erdballs, in der Freude am Frieden, in der Sehnsucht nach bent ungetrübten.' Genüsse seiner Segnungen." DieNeue Fr. Presse" schreibt: Die Thronrede giebt den innigsten Wünschen des Kaisers Wilhelm Ausdruck, die Hoffnungen Europas auf Erhaltung der Ruhe durch verheißungs­volle Versicherungen zu beleben. Wer hätte noch vor drei Jahren geträumt, daß Deutschland und Frankreich zusammen zu einer Conferenz in Berlin einla­den würden? Dies civilisatorische Werk vollziehe sich, während kein Wölkchen den europäischen Frieden bedrohe und der deutsche Kaiser mit einer Freudigkeit, welche die analogen Versicherungen des Kaisers von Oesterreich in seiner An­sprache an die Delegationen fast überbiete, die Thatsachen auszähle, welche auch für die Zukunst die Erhaltung des Friedens verheißen. Alle, die zur Conferenz gekommen, nenne der deutsche Kaiser die Freunde Deutschlands, ganz besonders aber die Kaiser von Oesterreich und Rußland, mit denen er in Skierniewice diese Freundschaft für lange Zeit besiegelt habe. Es sei das Beste, was eine Regierung von sich sagen könne, daß sie sich durch ihre kriegerischen Erfolge nicht verleiten ließ, das Glück der Völker aus anderem Wege als durch Pflege des Friedens und seiner Wohlthaten zu suchen. In derPresse" heißt es: Für Europa ist zur überzeugenden Wahrheit der Satz geworden,das deutsche Kaiserreich ist der Friede." In dieser Richtung bildet die Thronrede eine erfreuliche, von allen Völkern Europas dankbar begrüßte Ergänzung der Bot­schaft des österreichischen Kaisers an die Delegationen. Bezüglich der afrikani­schen Conferenz bemerkt diePresse": die Größe und die Zukunft Deutsch­land« ruhten in seiner Colonialpolitik und diese zu unterstützen und mitzuthun an der Befreiung des Deutschthums von den unwürdigen Fesseln, welche ihm im westfälischen Frieden angelegt wurden, den großen Handel und die Welt- Industrie auch für das deutsche Land und Volk nutzbar zu machen, sei die Pflicht jedes redlichen deutschen Patrioten. DasWiener Tagblatt" sagt: Kaiser Wilhelm will, nachdem er den Frieden nach Außen gefestigt und gesichert, auch den inneren Frieden, den Frieden in der Gesellschaft Herstellen; dazu sollen die socialen und wirthschaftlichen Reformen den Weg bahnen. DieWiener Allg. Ztg." hebt die Bescheidenheit und Friedfertigkeit in den Aeußerungen der deutschen Thronrede bezüglich der Ausgaben Deutschlands in Afrika hervor. Das deutsche Reich sei stolz darauf, als bester Wahrer des Friedens geachtet zu werven und die Thronrede verkündet diese Mission. Das Blatt betont ferner die Worte des Kaisers bezüglich der Entrevue in Skierniewice. Dieselben ließen erkennen, daß an derselben die persönlichen Gesühle des Kaisers in demselben Grade betheiligt gewesen seien, als die Erwägungen der Politik. DieDeutsche Zeitung" sagt: lieber die gewichtigste und dringendste aller Fragen, über oas Verhältniß zwischen den großen Militärmächten des Welttheils, äußert sich der Kaiser mit seiner Zuversicht, welche alle Besorgnisse vor einer Störung des Weltfriedens verscheuchen muß.

Petersburg, 21. November. Der Kaiser und die Kaiserin besichtigten gestern das in Schweden erbaute KriegsschiffSiwatsch." Auf der Newa ist starker Eisgang.

Shanghai, 21. November. Zwei chinesische gepanzerte Kreuzerschiffe sind hier eingetroffen. Es geht das Gerücht, daß dieselben versuchen werden, die Blokade von Formosa zu brechen.

Telegraphische Depesche«.

Wolsf's telr-r. «orrefpsn-em-Bvesa«.

Berti«, 21. November. Se. Majestät her Kaiser empfing Nachmittags im Beisein bt8 Staatssekretärs Grafen Hatzfeldt den braunschweigischen Mintsterresidenten Dr. v. Liebe zur Ueberreichung des neuen Beglaubigungsschreibens.

Ee. K. K- Hoheit der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin empfingen gestern Abend Stanley in längerer Audienz.

Seiten« des CentrumS wird eine Reihe socialistischer Anträge eingebracht werden, darunter die Einführung deS Normalarbeitstages, Beschränkung der Sonn­lagsarbeit, Beschränkung der Kinderarbeit in den Fabriken, ferner die Wiedereinführung der Berufung in Straffachen und die Aufhebung deS ExpatriirungSgesetzeS.

Die nationalltberale Fraction beschloß, bet der Präsidentenwahl für den von den Conservativen, dem Eentrum und den Deutschfreistnnigen aufgestellten Can- didaten sür den resp. ersten, zweiten und dritten Präsidentenposten zu stimmen.

Wien, 21. November. Bei Besprechung der deutschen Thronrede sagt dieWiener Abendpost":Sicherlich wird diese hochbedeutsame Kundgebung hier und überall das fteudigste Echo finden und Alle mit der lebhaftesten Genugthuung und Befriedigung er­füllen, welche mit uns in dem Zusammenstehen der Kaisermächte ein unvergängliches Unter­pfand der zum Wohle der Völker vereinbarten und festzuhaltenden Friedenspolitik erblicken."

London, 21. November. Das Unterhaus lehnte in seiner heutigen Sitzung mit 145 gegen 71 Stimmen den Antrag Labousheres ab, betreffend die Abänderung der Be­ziehungen beider Häuser zur Beseitigung des aus dem gegenwärtigen Verhältniffe des Oberhauses für die Gesetzgebung sich ergebenden Uebelstandes. Gladstone bekämpfte den Antrag, indem er erklärte, bei einer Beseitigung des änderen Hauses würde der Einfluß der Lords in anderer Weise zur Geltung kommen. Außerdem sei der Antrag unzeitgemäß, jetzt, wo vom Oberhause ein Akt der Klugheit und deS Entgegenkommens verlangt werde. Die Radikalen und Parnelliten bildeten die Minorität.

Petersburg, 21. November. Der direkte Verkehr zwischen Kronstadt und Peters­burg ist unterbrochen. Kronstadt ist von dichten Eismassen umgeben; die Einstellung der Schifffahrt ist nabe bevorstehend.

Pari-, 21. November. Die Kammer beschloß die unverzügliche Berathung des Resolutions-Antrages Cl^menceau, welcher die Veröffentlichung des Protokolls über die am 6. d. M. stattgehabte Sitzung der Tonkin-Commission verlangt. Clömenceau wirft Zerry vor, daß er die Wahrheit verberge; es ergebe sich dies aus den Worten Gran- ville's, daß Frankreich eine englische Mediation nachgesucht habe. Ferry unterbricht Mmenceau und erklärt dessen Behauptung für unrichtig. Cl^menceau beschuldigt Ferry sodann, daß er durch Aendcrung des Protokolls der Commission den Sinn seiner vorher abgegebenen Erklärungen geändert habe und fragt, ob die Kammer damit ein­verstanden sei, derart getäuscht zu werden. Ferry erklärt, daß die Aenderungen unbe­deutend seien; der Vorfall zeige, bis zu welchen Kleinlichkeiten der Geist der Opposition vorgehcn könne; er sei der Ansicht, daß derartige Kundgebungen große Unzuträglich- kcitcn nach sich ziehen und Frankreich in den Zustand der Inferiorität gegenüber einem : Mauen Feinde sehen würden, dem man nicht die Karten auf den Tisch legen könne. Schließlich erklärte Ferry, daß, wenn der Antrag angenommen würde, er die auswär­tigen Angelegenheiten nicht weiter würde leiten können. Nach verschiedenen Reden wird der Antrag Clsmenceau's mit 283 gegen 212 Stimmen verworfen.

Madrid, 21. November. Gestern Abend fanden hier antiklerikale Kundgebungen von Studenten statt, wobei die Polizei einschritt. Mehrere Bersonen wurden verhaftet.

l«infmbetfd)uk tot blS zum Abend statt, acht wird. 7701

lwann, Pfarrer

OiznMii| 8

liüllersehnh-.k 8

' ö- Hwrnum. gg

mim

i läßt in diesem Semester m dem UniversttatSgebäude, Meisberger Stenographit

1k 7^£ nicht kräftig genug entgegentrat, so pflanzten sich dieselben nach der Straße fort und y ßi-OO veranlaßten Ruhestörungen, an denen sich auch Mitglieder der republikanischen Partei i 90-00 beteiligten. Die Polizei war zum Einschreiten genöthigt; da von Seiten der Stu- |^ntm Revolverschüsse auf die Beamten abgcfeuert wurden, so gingen diese mit flachen

eunben

75.

22. »

6) aus

jttlebin W