Grunde liegen soll. Diese Regulirung ist aber wohl nur ein umschreibender Ausdruck für die von Rußland langst geplante Annexion des an das nordöstliche Persien stoßenven Gebietes von Sarachs, womit Rußland feine jüngsten Erwerbungen im Lande der Turkmenen „abrunden" würde.
In den im Gange befindlichen Unterhandlungen zwischen der Schweiz und dem päpstlichen Stuhl wegen Neuordnung der Diöcesan- Berhaltniffe der Kantone Basel und Tessin haben sich anscheinend Schwierigkeiten erhoben. Dem Vernehmen nach sind von dem päpstlichen Abgesandten Ferrata auf der Berner Conferenz zur Regulirung der schweizerischen Bisthums- Angelegenheiten Forderungen gestellt worden, in welche die Schweiz nicht einwilligen kann. Ferrata erwartet nun neue Instructionen, in Folge dessen die Verhandlungen augenblicklich ruhen. — Der vom altkatholischen Bsschof Herzog in Bern geweihte junge italienische Priester Filippo Cichelti Suriani hat am 29. Juni in der altkatholischen Kirche zu Rom seine erste Messe gelesen. In Rom selbst, wo Graf Campello zum Altkatholicismus übergetreten ist, ersteht unter den Augen des unfehlbaren Papstes eine protestantische Kapelle und Schule nach der andern.
Der Besuch des Königs von Rumänien in Belgrad ist nunmehr osficiell auf den 30. August festgesetzt. König Karl wird jedoch nur einen Tag in der serbischen Hauptstadt weilen und bereits am 31. ds. die Rückreise nach Bukarest antreten.
Die Mission des ersten Lords der englischen Admiralität, Lord Northbrook'S, in Egypten erscheint jetzt plötzlich in einer ganz neuen Beleuchtung. ES heißt nämlich, der Endzweck der Mission Northbrook'S sei, die Abdankung des gegenwärtigen Khedives Tewfik Pascha durchzusetzen unv dessen Sohn Abas unter der Regentschaft des Ministerpräsidenten Nubar Pascha als Khedive zu proklamiren. Es kann indessen der Welt ziemlich gleichgültig fein, wie der egyptische Schattenkönig künftig heißen wird, da am Nil thatsächlich doch nur die Engländer regieren. — Aus dem Sudan liegen keine Nachrichten von Belang vor.
Kairo, 20. August. Nach einer amtlichen Meldung aus Assuan fällt das Wasser des Nil täglich um mehrere Zoll und ist es deshalb Dampfschiffen jetzt ganz unmöglich, die Nilkatarakte zu passiren. In hiesigen Militärkreisen hält man eine Verlegung der Operationsbasis für die Expedition nach Khartum vom Nil nach Suakim für nothwendig, falls nicht ein baldiges und rasches Steigen des Nilwaffers eintreten sollte.
— Major Kitschener meldet aus Debbah, der Emir von Elhoda, der vom Mahdi eingesetzt worden sei, habe den befreundeten Stamm der Scheikiyeh geschlagen und sei auf dem Marsche zur Vereinigung mit einer andern Schaar Aufständischer, die sich 3 Tagereisen von Debbah entfernt befinde.
Telegraphische Depesche».
Bolff’i telegr. «srrespoudenL-Buveaa.
Paris, 21. August. In den letzten 24 Stunden find in Toulon 6, in Marseille 5, in Herault 9, in Gard 5, in Aude 5 und in den Ost-Pyrenäen 16 Cholera-Todesfälle vorgekommen.
London, 21. August. Eine Depesche der „Times" aus Peking von heute behauptet, der „Tfungli-Damen" stehe den Forderungen Frankreichs fortgesetzt ablehnend gegenüber und erkläre, China sei zum Kneg vorbereitet, öäs Telegramm will sogar wissen, auf dem französischen Consulat in Peking sei heute Mittag die französische Flagge eingezogen und die Wahrung der Interessen der französischen Staatsangehörigen sei dem russischen Gesandten anvertraut worden.
Rom, 21. August. Cholerabericht. Gestern sind in Bergamo 6 Er- krankungs- und 6 Todesfälle, in Campobaffo 7 Erkrankungs- und 3 Todesfälle, in Cosenza 1 Erkrankungsfall, in Cuneo 4 Erkrankunds- und ebensoviel Todesfälle, in Genua 1 Erkrankungsfall, in Massa 7 Erkrankungs- und 3 Todesfälle, in Parma 1 Todesfall, in Porto Maurizio 1 Erkrankungs- und 1 Todesfall und in Turin 10 Erkrankung«- und 6 Todesfälle vorgekommen.
Paris, 21. August. Das Journal „Paris" und mehrere andere Blätter melden: Li-Fong-Pao halte seine Aufgabe in Paris für beendet und werde heute nicht mit Ferry konseriren, wie heute früh verlautete. Dieselben Blätter meinen, die Antwort Chinas auf das letzte Ultimatum Frankreichs werde heute Abend eintreffen; man nimmt allgemein an, dieselbe werde ablehnend lauten.
— „Havas" veröffentlicht folgende Note: „Trotz des von der chinesischen Regierung fortdauernd bewilligten Aufschubs und trotz der französischen Unterhändler hat das Cabinet in Peking definitiv jede Genugthuung für den Verrath in Langson verweigert und seine Bevollmächtigten von Shanghai zurückberufen. Die französische Regierung mußte deßhalb der chinesischen Regierung einen letzten Aufschub Vorschlägen. Patenotre erhielt Befehl, dem Tsung-li-Pamen das Votum des französischen Parlaments zu notificiren und gleichzeittg zu erklären, daß die Entschädigungssumme definitiv auf 80 Millionen festgesetzt und in 10 Jahren zahlbar sei, und daß, wenn innerhalb achtundvierzig Stunden der Tsung-li-Aamen sich nicht endgültig entschieden habe, Admiral Courbet beauftragt werden würde, die erforderlichen Maßregeln zu ergreifen, um Frankreich die ihm zukommende Entschädigung zu sichern; der letzte Aufschub lief heute 1 Uhr Nachmittags ab- Semalle mußte deßhalb sofort Peking verlassen, um sich Patenotre, welcher in Shanghai bleibt, anzuschließen. Im Laufe des Tages suchte der chinesische Gesandte eine Audienz bei Ferry nach und erklärte, er habe vom Tsung- li-Namen den Befehl erhalten, auf seinen Posten nach Berlin zurückzukehren. Li- Fong-Pao verabschiedete sich von Ferry, welcher ihm sofort seine Pässe zustellen ließ.
Odessa, 21. August. Gegen den Gensdarmerie-Oberst Katansky wurde gestern won der Tochter eines hiesigen Kaufmanns, Namens Kaliuschnaja, ein Mordversuch gemacht. Dieselbe feuerte auf den Obersten mehrere Revolverschüsse ab, welche fehl gingen. Die Verbrecherin wurde verhaftet.
Trieft, 21. August. In Folge der angeordneten zehntägigen Quarantäne für italienische Provenienzen wird die Passage-Linie Triest-Venedig und die Fahrt von Zara nach Ancona bis auf Weiteres eingestellt.
Lokales.
Gießen, 22. August. Am Sonntag den 24. d. M. wird im hiesigen Realschulgebäude eine Ausstellung von Zeichnungen und Schülerarbeiten der Handwerker- und Kunftgewerdeschulen deS Großherzogthums eröffnet, auf welche wir ganz besonders aufmerksam machen. Nach dm Vorarbeiten zu dieser Ausstellung zu schließen, welche wir zu beobachtm Gelegenheit hatten, wird dieselbe außerordentlich interessant und reichhalt-g erscheinm und können wir deren Besichtigung, -welche für Jedermann unentgeltlich ist, allen Gewerbetreibenden und Freundm des Kunstgewerbes bestens empfehlen, namentlich aber auch jungen Leuten, die vor der Wahl des Berufes stehen und deren Eltern, indem eine solche Ausstellung ganz besonders geeignet ist, in die verschiedenen Zweige deS Gewerbes und deS Kunstgewerbes wünschenSwerthe Einblicke zu gewähren. Die Ausstellung dauert biS zum 7. September und kann täglich von 9—12 Uhr Morgens und von 2—5 Uhr Nachmittags besucht «erden.
Vermischtes.
Wiesbaden, 20. August. Als gestern früh gegen 7Uhr der bekannte Wächter der Leichtweißhöhle, Meister aus Rambach, sich an feinem Standorte einfand, fand er daselbst einen jungen Mann, der fich schon Tags vorher dorten Herumgetrieben und mit dem er sich längere Zeit unterhalten hatte. Der Fremde verlangte die Höhle zu besichtigen, doch kaum in dieselbe eingetreten, gab der Strolch auf den nichts ahnendm alten Mann zwei Schüsse aus einem Revolver ab, wovon die eine Kugel in das Hinterhaupt eindrang und brachte sodann dem schwer Verletzten auch noch durch einen Schlag auf den Kopf mit einem scharfkantigen Stück Holz eine weitere bedeutende Wunde bet. Mit der dem Verwundeten entrissenen Uhr suchte der Räuber dann das Weite. Später eintrtffrabe Passanten fanden den im Blute liegendm Mann, machten sofort der Polizei Anzeige, welche die Ueberführung des Armen in daS Krankenhaus schleunigst veranlaßte unb die Untersuchung einlettete. Eine gerichtliche Vernehmung sand bereits gestern Mittag statt. Hoffentlich gelingt eS, balb bes frechen Raubmörders habhaft zu werden; aber ernstlich muß darauf gedrungen werden, daß dem Sicherheit^- dienst besonders in der so viel besuchten Umgebung unserer Stadt eine erhöbtere Aufmerksamkeit werde und dürfte denn doch bei der großen Ausdehnung der stets freauentirten Umgegend die Anstellung einiger berittenen Schutzleute ober Gensbarmen behufs stänbigen PatroulltrenS eine bringenbe Nothwenbigkeit fein.
WieSbaben, 21. August. Der Strolch, ber den bejahrten Wächter ber LeichtweiShöhle gefährlich verwunbete unb Uhr und Kette beraubte, hat sich heute früh in Bingen a. Rh-, als ber betreff enbe Schutzmann tm „Englischen Hof, wo ber- selbe logtrtf, die Hanb an ihn legte, um ihn zu verhaften, erschossen. Der Räuber, der zwischen 7 unb 8 Uhr früh bte scheußliche Thal beging, flüchtete, ba ihm ein Criminalkommissariats - Schutzmann auf ben Fersen war, nach bem Jägerhaus „Fasanerie^, versuchte in Eltville und Nieberwalluff die geraubte Uhr zu verkaufen, waS ihm auch endlich in RüdeSheim gelang. Derselbe war ein stellenloser Kauf* ntann auS Hamburg und hat den Tag und die Nacht vorher, ehe er ben Raubanfall beging, im Hotel „zum grünen Walb" logirt.
— Der brüte Deutsche GabelSberger Stenographentag, welcher vom 15. bis 18. August zu Berlin tm Architektenhause abgehalten wurde, nahm einen allseitig befriedigenden Verlauf. Der Stenographentag ist die alle 5 Jahre stattfindende General- Versammlung deS Deutschen GabelSberger StenographendunbeS, welcher zur Zett 226 Vereine in ganz Deutschlanb, Oesterreich unb ber Schweiz mit über 7300 Mit- aliebern umfaßt. Die Verbanblungen wurden von Professor Dr. Tupetz ans Prag als Vertreter deS früheren Vororts geleitet; außer ihm bildeten daS Bureau Schulbirector Wagner (DreSben), Generalftcretär NoSke (Wien), Gymnasiallehrer Dr. Rueß (AugSburgV und Redacteur Dr. Gantter (Frankfurt a. M) Von ben Bunbesveretnen waren 203 durch 65 Delegirte vertreten, daneben waren zahlreiche andere GabelSberger Stenographen, insbesondere die Mitglieder deS Königlich sächsischen stenographischen Instituts aus Dresden und der Dtrector deS dänischen StenographenbureauS, Dessau aus Kopenhagen, erschienen. Die alte Garde ber Schule hatte m't anerkennenSwerther Pünktlichkeit fast vollzählig fich eingestellt; wir nennen bte Namen Heybe, Dr. Fruth, Lautenhammer, Dr. Eggers, Paul Schmidt, Albrecht, Zeibig, Dr. Rueß. Die österreichischen Ministerien deS Cultus und deS Kriegs batten besondere Vertreter entsandt, weil die Gabels- berger'sche Stenographie in Oesterreich einen Lehrgegenstand an den Schulen unb Militär-Bildungsanstalten bilbet. DaS Interesse, welches auch bie preußischen unb Reichsbebörben der Versammlung entgegenbradüen, bekundete sich durch Anwesenheit höherer Beamten ber Eisenbahn- und ReichSpostverwaltung. Ebenso wohnten hervorragende Mitglieder der VertretungSkörperschaften der Stolze'schm Schule sowohl ben. Versammlungen al8 auch bem geselligen Theile bei. Die Berathungsgegenstände, welche in einer vertraulichen Sitzung und zwei Hauptversammlungen erlebtgt wurden, betrafen meist geschäftliche und innere Angelegenheiten, Fragen deS Systems, seiner Regeln, Besprechung zu ergreifender Mittel und Wege zu feiner Ausbreitung u. s. w. Die gefaßten Beschlüsse haben daher außerhalb ber stenographischen Fachkreise weniger Bebeutung unb wir können uns darauf beschränken, zu erwähnen, daß zum BunbeS- vorort der Verein „GabelSberger" zu Berlin, welcher burch seinen Vorsitzenden, Gymnafial-Oberlehrer Schubring, bet Annahme ber Wahl das Versprechen gab, nach Möglichkeit bas ihm Übertragene Manbat bahin ausüben zu wollen, baß bie Vertretung bes Systems im Norben unb Osten DeutschlanbS an Umfang gewinne — unb daß als Ort deS nächsten Stenographentages welcher auf das Jahr 1889, genau 100 Jahre nach der Geburt GabelSbergers, fällt, München, bte Stelle seines Wirkens, gewählt würbe. Das ComitS für bte Errichtung cineS GabelSberger-DenkmalS, welches aus Anlaß deS StenogravhentageS eine Sitzung in Berlin abhielt, hat bereits Vorkehrungen getroffen, damit gleichzeitig mit dem nächsten Stenographentage auch das Denkmal des Begründers ber neueren deutschen Stenographie in München enthüllt werden kann. Die Concurrenz zur Einreichung von Entwürfen wird in den nächsten Tagen auS-^ geschrieben werden. Von allgemeinerem Interesse aus den Verhandlungen des Steno- grapbentageS war ein Vortrag, welchen Herr A. Beyerlen (Stuttgart) auf Grund persönlicher Erlebnisse über bie stenographischen Verhältnisse NorbamenkaS hielt unb womit bte Vorführung einer amerikanischen Schreibmaschine verbunden war. Für bte Geselligkeit war durch einen FestcommerS, ein gemeinschaftliches Mahl unb einen AuSflug nach Potsbam bestens gesorgt und werden die Tage deS StenographentagS in Berlin nicht nur nach dieser Richtung hin den Theilnehmern unvergeßlich bleiben, sondern nahmen dieselben auch die Ueberz-ugung mit, daß von diesem Stenographen» tage in ber ReichShauptstabt des deutschen Reichs ein neuer Aufschwung der Stenographie battren werde.
Znr gest. BeaehtnrrK
Schriftliche Airfragen wegen Auskrmftserchetkrng über Inserate k. können ete mir bann beantworten, wenn denselben eine Freimarke für die Rückantwort beigelegt ist. Ueber Inserate bezüglich deren Offerten eiilzureftbru sind, ist die (^»edifton zr> keinerlei Auskunftsertheilungen befugt. OffertenbrtHe sind — soweit feine beftimsttv» gegentbeiltaen Abmachungen getroffen wurden — in der Erveditton abzubrcken.
Kirchliche Anzeigen -er Stadt Gietzeu.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
11. Sonntag nach Trinitatis, 24. August.
Vormittags 8 Uhr: Plärrer Dingeldey.
Vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Kindcrkirche: fällt aus.
Katechismuslehre für die Mädchen Vormittags 11 Uhr in der Kirche: Pfarrer Dingeldey.
Am Sonntag, den 31. August, wird das heilige Abendmahl gefeiert werden;
die Beichte findet am Samstag zuvor, Nachmittags 2 Uhr, statt.
Die Pfarrgeschafte in der Woche vom 24. bis 30. August besorgt Pfarrer Dr. Naumann.
Katholische Gemeinde.
12. Sonntag nach Pfingsten.
Von 6 Uhr an: Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl- Commu-- nion. ValO Uhr: Hochamt und Predigt.
Die Nachmittags-Andacht fällt aus.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 6" Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr^
Samstag Abend 7*0 Uhr.__________________________________
Temperatur am 22. August (Mittags zwischen 11 und 12 Uhr).
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