Deutschland.
Darmstadt, 20. Juni. Gerichlsaccessist Rudolf Prätorius in Langen wurde durch Verfügung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz zum Hülsgerichtsschreiber am Großh. Landgericht der Provinz Starkendura bestellt.
— Der „Deutsche Reichs-Anz." veröffentlicht die durch Se. Maj. den Kaiser dem General-Lieutenant Prinzen Heinrich von Hessen, Großh. Hoheit, Commandeur der Großh. (25.) Division, ertheilte Erlaubniß zur Anlegung des Höchstdemselben verliehenen Großkreuzes des Herzoglich Anhaltischen Haus- Ordens Albrechts des Bären.
Amerika.
New-Uork, 19. Juni. Der Senat hat die Bill, nach welcher die bei den Mormonen herrschenden Mißbräuche beseitigt und die Angelegenheiten in Utah in Gemäßheit der Landesgesetze geordnet werden sollen, angenommen.
— In den letzten Tagen sind in verschiedenen Staaten demokratische Conventionen abgehalten worden; dieselben haben sich sämmtlich für die Ausstellung des Gouverneurs von New-Iork, Cleveland, als Prästdentschafts-Candidaten der demokratischen Partei ausgesprochen.
Vermischtes.
Hochheim bet Worms, 18. Juni. Heute Mittag fand ein hiesiger Landwirth auf einem Kornacker, etwa 12 Schritte vom Wege entfernt, einen Mann mit etnge- schlagenem Schädel, aus dessen Paß ersichtlich ist, daß derselbe an oer polnischen Grenze zu Hause, 56 Jahre alt und verhelrathet ist und zuletzt in Pirmasenz tn Arbeit stand; neben dem Tovten lag ein Stock (sog. Bletknüppel), womit die Wunden an der Stirn verursacht sein dürften.
Bingen, 19.Juni. Die seit nun schon 8 Tagen herschende niedere Temperatur hält immer noch an. In wenigen Tagen beginnt kalendermäßig der Sommer und wollen wir hoffen, daß er uns einen nachhaltigen Umschwung der Witterung bringe. Es wäre dies jetzt die höchste Zett, wenn nicht die guten Aussichten auf eine gesegnete Weinernte zu Nichte gemacht werden sollen. Die Traubenblüthe, welche bet der jetzt herschenden Temperatur gar nicht recht zur Entfaltung gelangen kann, bedarf zu einem raschen Verlaufe wenigstens 14 Tage bis 3 Wochen sonniges warmes Wetter. Tritt dieses nicht recht bald ein, dann kann der Heuwurm nicht ausbleiben.
Freiburg, 16. Juni. Allgemeines Aufsehen erregten in neuester Zeit hier die zahlreichen Erkrankungen unter dem hiesigen Militär an Typhus. Bereits wurden 62 Kranke im Spital untergcbracht. Namentlich ist es das 2 Bataillon des hiesigen Regiments, bet dem die meisten Erkrankungsfälle oorkamen, während das 1. Batatllon nur vereinzelte Fälle und das Füsilterbatatllon bisher keinen Kranken aufzuwetsen hat. Die Ursache der Krankheit hat man noch nicht gefunden.
— In Hohenlimburg wurde in voriger Woche eine Kindtaufe gefeiert, bei welcher außer der Mutter auch noch die Groß-, Ur- und Ururgroßmutter zugegen waren.
Bonn, 14. Juni. Die „D. Reichsztg." berichtet: In der heutigen Strafkammersitzung kam eine Duellgeschtchte (Schlägermensuren) zur gerichtlichen Erledigung. Es handelte sich um sog. Bestimmungs-Mensuren, woran sich mehrere Mitglieder der hiesigen Corps „Borussia« und „Palatta" betheiligt hatten. Nur eine, wie ausgeführt wurde, auf einem Mißverständniß beruhende Contrahage log vor. Angeschuldtgt dteser- halb waren: Achatius, Graf zu Dohna, Stud. jur. aus Schlodten, zur Zeit in Berlin, Hermann Schäffer, Cand. med. aus Altena, Alfred Reumont, Cand. jur. aus Aachen, Robert Köhler, Cand. jur. aus Thorn, Victor Steinbrück, Cand. jur. aus Prelitz bet Stettin. Der Angeklagte Josef Meller aus Nettesheim war durch Krankheit am Erscheinen verhindert und wurde gegen diesen die Sache ausgesetzt. Die Mensur hatte siattgefunden am 15. November 1881 tn einer Scheune am Jesuitenhof. Die Angelegenheit konnte nicht eher zur Verhandlung kommen, weil die Betheiligten inzwischen ihre Dienstzeit absoloirten. Einige derselben, wie Graf Henkel von Donnersmark, Graf Sterstorpf rc. haben sich vor dem Militärgericht verantworten müssen. Die Mensuren wurden von den Beklagten zugegeben, weßhalb die Beweisaufnahme sich hauptsächlich um den mitangeschuldigten Gärtner Paul Lembke, der durch Vermiethung seiner Scheune an die Studenten behufs Abhaltung der Mensuren, wegen der Beihülfe zum Zweikampf beschuldigt wurde, indeß leugnete, gewußt zu haben, daß es sich um Duelle handelte. Ein dteserhalb oorgeladener Corpsdtener verweigerte mit Rücksicht auf den § 84 der Strafproceß-Ordnung seine Aussage. Der Gärtner wurde wegen Mangels an hinreichendem Beweis freigesprochen; für die übrigen 5 Beklagten lautete das Urtheil auf je 3 Monate Festungshaft (Minimum der Strafe). Wie verschieden die Auffassung der Schlägermensuren trotz der bekannten Reichsgerichts-Entscheidung bleibt, ging aus den Worten des Staatsanwalts, Herrn von Redern, hervor. Darnach sind die übrigen 6 bethetligten Duellanten wegen der tn Rede stehenden Mensuren frei- gesprochen worden, weil die Militärgerichte die Mensuren als Kampfspiele aufgefaßt hätten, welche Urtheile vom obersten Kriegsherrn bestätigt worden seien.
— sEin Act der Selbsthülfe.) In den letzten Jahren ist es bedauerlicher Weise recht oft vorgekommen, daß pflichtvergessene Ehemänner ihre Frauen und Kinder böswilliger Weise verlassen Haden, um an einem anderen Orte auf eigene Faust ein Lotterleben zu führen. Die Verlassenen fielen dann zumeist der öffentlichen Armenpflege anheim oder hatten, wenn sie letztere nicht tn Anspruch nahmen, mit großem Elend zu kämpfen. Um gegen solche Verirrungen und die daraus für die Allgemeinheit entspringenden Nachtheile möglichst anzukämpfen, haben — wie das „M. T." mittheilen kann — eine große Anzahl deutscher Armenverbände auf Antrag der Stadt Frankfurt a. M. sich zu einem sehr beachtenswerthen Acte der Selbfthülfe entschlossen Hiernach werden die Namen der gewissenlosen Subjecte, welche ihre Familien böslich im Stich gelassen, gegenseitig bekannt gegeben und jede der verbündeten Gemeinden hat die Pflicht, die Flüchtigen im Betretungsfalle sofort aus- und nach dem Wohnort der Familie zurückzuverweisen. Wenn diesem Sckutzverbande, wie zu hoffen steht, mög> uchst alle wichtigeren Industrie- und Handelsstädte beitreten und die Vorschriften mit Aufmerksamkeit und Strenge handhaben, dann wird es unzweifelhaft gelingen, im Rahmen der gesetzlichen Befugnisse die Armenkassen wesentlich zu entlasten.
o „ “ Nur ju berechtigt ift die Klage, welcher bie Berliner „Staatsbürger; Bettung" beredte Worte leiht: „Die Rücksichtslosigkeit, welche manche Vereine, Körperschaften rc. der Presse gegenüber beweisen, grenzt in der That mitunter an das Un- erhörte. Da werden allerlei Zuschriften an die Redactionen gerichtet, welche meist das eigenste Interesse der Vereine rc. betreffen und nicht selten lediglich eine Reklame für dieselben sind, mit dem Verlangen, den Inhalt derselben tn die Leitung aufzuaehmen. Aber diese Zuschriften sind nicht etwa in einer Form gehalten, welche die Veröffentlichung ohne Weiteres ermöglicht; nein, der Eine schickt ein Programm der Andere seine Statuten, der Dritte gar em ellenlanges, für die Anschlagsäulen bestimmtes Plakat und dazu einen Brief, in welchem bestimmt wird, tote die Veröffentlichung gewünscht wird. Die Redaction kann bann sehen, wie sie die Sache zurecht macht. Das find aber noch die höflichen Leute. Andere halten es nicht einmal der Mühe werth fich der Form zu bedienen, die der conventionelle Verkehr vorschreibt. Am ärgsten aber sind die auf hektographtschem Wege hergestellten Abzüge. Meist werden dieselben von Leuten angefertigt, die mit dem Hektographen gar nicht umzugehen wissen, und so kommt es denn, daß die Briefe an die Redactionm gar nicht leserlich sind und die Hälfte ihres Inhalts errathen werden muß. Das schönste aber ist, daß die Absender höchst empört sind, wenn solche — Briefe in den Papierkorb wandern. Welche Zeit und Mühe das Enträthseln, Zurechtstutzen rc. solcher Zuschriften macht, das bedenkt man nicht und schimpft nur wacker auf die Presse, wenn sie nicht thut, was in so rücksichtsloser Form gefordert wird. Da nun aber die Redactcure so zu sagen doch auch Menschen sind, und noch dazu recht viel geplagte, so dürfte ihr Wunsch nach etwas mehr Rücksichtnahme sicher kein ungerechtfertigter zu nennen fein."
— Eine „blaue Grotte«, ähnlich der berühmten auf der Insel Capri, ist vor Kurzem auf einer der dalmatinischen Inseln entdeckt worden. Die „N. Fr. Pr." erhalt darüber folgende Zuschrift: „Herr Redacteur! Im vorigen Monat wurde von mir auf der dalmatinischen Insel Busi eine „blaue Grotte" erschlossen. Dieselbe besteht eigentlich aus drei zusammenhängenden Grotten, welche nur auf dem Wasserwege zu Schiffe besucht werden können und in der Ax: eine Gesammtlänge von 87 Meter besitzen. Die mittlere derselben, welche 13Vr Meter in der Länge mißt, hat eine hohe Wölbung und erhält ihr Lickt durch eine colossale, vollständig unter dem Meere befindliche Oeffnung, in Folge besten sie fich im herrlichen blauen Lichte zeigt, welches Licht auch von unten in die beiden anstoßenden Grotten dringt. Das Wasser ist selbst an den seichtesten Stellen der Hauptgrotte noch immer 16 Meter tief und von wunderbarer Klarheit. Die Lffg Seemeilen lange Insel Busi, südwestlich von Lissa gelegen, enthalt, roJe s^on der Name andeutet (buso heißt „durchlöchert") viele, nur mittels Boote zugängliche Grotten, beten größte mehr als 150 Meter lang, sehr hoch und ungemein malerisch ist. Hochachtungsvoll Eugen Freiherr v. Ransonnet, K. K. L-gations- Secretar a. D."
- - (Unfreiwilliger Besuch in einem Bärenzwinger.) Aus Paris wird vom 11. ds. geschrieben: „In dem Zwinger des bet den Besuchern des Jardtn des Plantes in gutem Ansehen stehenden Meister Petz spielte sich gestern Nachmittag -m Beisein einer Menge Zuschauer eine erschreckende Scene ab. Ein anscheinend dem Arbeiter- ftande angehörender Besucher des Gartens, der vermuthltch angetrunken war, fi-l Über die Brüstung in den Zwinger hinab, wo der Bär nebst einem Weibchen eine Verdauungspromenade machte. Das Weibchen bekam Angst und lief nach seinem Verschlag; der Bär aber, ohne besondere feindliche Absichten, bescknüffelte den ohnmächtig Daliegenden, der aus einer Kopfwunde stark blutete. Der Mann öffnete endlich die Augen und als er den Bären vor sich sah, versuchte er es, ihm m t der Hand den Rachen zusammen zu halten. Das Thier wehrte sich und versetzte dem halb Bewußtlosen einen ziemlich starken Schlag auf die Schulter. Die Zuschauer folgten mit Spannung den Vorgängen und Einige von ihnen suchten den Bären durch Geschrei zu verscheuchen. Die Wärter warfen nun ein langes Tau in die Grube, welches vier Mann an einem Ende festhielten. Der Verwundete griff nach dem Seile und suchte so empor zu kommen. Aber her Bär war flink hinter ihm und wollte dies hindern. Es gelang jedoch, ihn durch Steinwürfe abzuschrccken und der Verunglückte kam wieder an der Oberfläche zum Vorschein. Er mußte jedoch nach dem Hospital gebracht werden." w
— (Ein schlauer Speculant) Man schreibt uns aus der französischen Hauptstadt: Die sichersten Speculationen bleiben immer noch die — auf die Dummheit der Menschen. DaS hat offenbar ein Pariser Pfiffikus beherzigt, der soeben eine Anzahl biederer Bourgeois in köstlicher Weise übers Ohr gehauen hat. Schwarz gekleidet, i die_ Rosette der Ehrenlegion im Knopfloch, eine Ledermappe unter dem Arm — so präsentirte er sich bet kleinen Rentiers. Hausbesitzern, Restaurateuren, Hoteliers und stellte sich als „Delegirter des städtischen Gesundheitsamtes" vor. Unter dem Vorwand einer amtlichen Untersuchung unterzog er die Producte des Weinkellers und der Speisekammer einer höchst eingehenden Prüfung, machte dann Notizen und zog sich gravitätisch mit der beruhigenden Versicherung zurück, „daß die Nahrungsmiitel vollkommen rein und unverfälscht seien." Wie man sich denken kann, beeilten sich namentlich die Restaurantsbesitzer, ihrem amtlichen Gaste die leckersten Bissen und die vortrefflichsten Weine vorzusetzen. Der Gauner, der so mehrere Wochen in Saus und Braus lebte, ist gerade in dem Augenblicke verduftet, wo die Polizei von seinem Treiben Wind bekam!
— sEs kommt nur auf die Auffassung an.] Es war auf her Dampferüberfahrt von Hamburg nach Helgoland. In der Nähe des Steuermanns stand ein zaghafter kleiner Herr, der sich in seinen Havelock gewickelt hatte und mit ängstlichen Blicken auf die Wolken blickte, welche sich am Firmament zusammenballten. Der Sturm wuchs und rumorte in der Takelage umher, die Rahen und die Masten knackten und dem kleinen Herrn beim Steuermann wurde immer unheimlicher zu Muthe. Er hatte sich bereits einmal an den wetterharten Marinier, der das Rad des Steuers regierte, gewendet, um von ihm Trost und womöglich Hoffnung auf baldige Besserung des Wetters zu empfangen. Aber der Steuermann konnte ihm keine guten Aussichten geben, im Gegenthetl, er meinte, es werde noch viel schl'mmer kommen. Und so geschah es. Der Regen strömte vom Himmel herab und der Sturm trieb ganze Lagen über das nasse Verdeck, es war, als sollten die Masten stürzen und die Welt zu Grunde gehen. Der zaghafte Passagier steckte den Kopf aus seiner Vermummung und sagte zudem Steuermann: „Das ift ja ein schreckliches Wetter!" Der Hamburger nickte und erwiderte: „Ja de arme Lütt am Land!"
— Eine merkwürdige Erfahrung machte in SBerltn eine Frau, der ein Kanarienvogel entflogen war und für dessen Einlieferung sie 10 JL Belohnung ausgesetzt hatte. Nicht weniger als 15 „redliche Finder" meldeten sich, jeder mit einem Kanarienvogel in der Hand, keiner aber war der rechte.
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