Ausgabe 
22.3.1884 Zweites Blatt
 
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Mutter warf; das Messer tras den Kopf nächst der Schläfe mit solcher Wucht, daß die Spitze abbrach. Blutüberströmt stürzte die Schwerverletzte zusammen. Sle mußte tn§ Heiliggeisthospital verbracht werden, wo die im Kopfe zurückgebliebene Messerspitze herausgezogen wurde. Der Thatbestand wurde von dem königl. Kreisphysikus aus­genommen und der unnatürliche Sohn sofort verhaftet. An dem Auskommen der un­glücklichen Frau, einer Wrttwe, welche außer diesem mtßraihenen, von ihr sehr ver­wöhnten Sohne noch einen zweiten Sohn hat, der ein sehr braver Mensch sein soll, wird gezweifelt.

Erfurt, 18. Marz. Für das hier geplante Luther-Denkmal sind jetzt im Ganzen etwa 40,000 eingegangen, so daß das Comite an die Ausführung heran- treten darf. Dasselbe hat nun den Bildhauer Schaper, Professor an der Kunstakademie zu Berlin, Schöpfer des Göihe-Denkmals in Berlin und einer Reihe anderer Kunst­werke, mit der Ausführung betraut. Demgemäß ist der Plan eines ConcurrenzauS- schreibens aufgegeben. Für das Denkmal hat der Magistrat unserer Stadt bereits den Platz am nördlichen Ende des Angers, der von der Kaufmannsktrche, dem Römischen Kaiser und dem im Bau begriffenen neuen Postgebäude umgeben ist, zur Verfügung gestellt. In der ersten Generalversammlung des Lutherdenkmal-Verems, die hier am 20. ds. abgchalten wird und zu der auch auswärtige Mitglieder willkommen sind, soll über die bisherige Thätigkcit des Comites Bericht erstattet und Rechnung gelegt werden. Wettere Beiträge sind willkommen, da mit den oben angeführten 40,000 nur etwa die Hälfte der Kosten deS geplanten Denkmals gedeckt ist.

sFosstle Funde in Braunkohlenlagern.j Die Senckenberg'sche naturforschende Gesellschaft in Frankfurt hielt am Samstag eine wissenschaftliche Sitzung, in welcher Herr Dr. Kinkelin dre von Herrn Cäsar StrauS geschenkten, aus dem Braunkohlenlager bet Messel stammenden Skeletreste von Crocodtlrden besprach. Die beiden Arten, denen sie angehören, wurden von Ludwig Alligator Darwini und Crocodilus Ebersti genannt. Letztere Art unterschetdit sich von der ersteren wie die übrigen Crocodilus-Arten durch die längsgestreiften Zäbne. Leider sind die Skelettheile nicht in richtigem Zusammen­hang geblieben. D^r Crocodilus Ebersti stammt aus geringer Tiefe, höchstens 2 Mtr. unter der oberen Grenze der Braunkohle, welche hier fast zu Tage ausgeht. Der Alligator Darwini ist dagegen in einer Tiefe von 8090 Fuß gesunden. Bischer ist die Kohle nur in einer Fläche von ca. 400 Qm., deren Liegendes in 36 M. noch nickt erreicht ist, ausgenommen. Redner stellte cs daher als zweifellos hin, daß noch Hunderte von Crocodil'denleicknamen in der Folge ihre Auferstehung erfahren, umso­mehr als tm Laufe von 8 Monaten bereits 4 Exemplare zum Vorschein gekommen. Ferner berichtete Redner über einen Fund, der im vorigen Sommer in dem Braun­kohlenlager gefunden wurde, welches 11 Mtr. unter Tag oberhalb Seckbach in der westlich des Lohrberges nach Seckbach herabziehenden Depression von der Taunus- gesellschast explorirt und auSgebeutet wird. In etwa lO1/^ Mtr. unter Tag steht tm Sckacht ein sandig sich ansühlmder Schlamm an, der meist aus Schalenresten besteht, welche mit Evidenz die dortlge Kohle als oberottgocän oder dem Cyrenenmergelhorizont angehörig orienttren. Das Liegende dieser Schicht bildet ein Flötzchen von 1 Fuß Mächtigkeit, das durch eine lettige kohlenresthaltige Zwischenschicht von einem zweiten 2 Fuß mächtigen Flötz getrennt wird. Etwa 3 Mtr. tiefer kamen aus einem blauen Letten einige wenige Knochenreste, die Herr Ingenieur Bonmuter geschenkt bat, zum Vorschein. Das Thier scheint ein dem Anthracolherium sehr nahestehendes Genus zu sein, also einer der ersten Paarhufer, der älteste Säuger, der in hiesiger Gegend ge­funden wurde. Ueber ein mächtiges Flötz, daS seit einigen Jahren bei Seligenstadt von Herrn Dr. Mitscherlich dahier ausgebeutet wird, theilte der Redner Folgendes mit: Die vorhandenen Holzftücke erscheinen sehr zerfetzt, an der Lust zu Bastkohke zerfasert (eine solche lag als Geschenk auf). Die Kohle wird an manchen Orten unmittelbar von Kiesen überlagert, welche Mammuthzähne enthalten. In den oberen Lagen her Braunkohle werden dann und wann Coniserenzavsen, auch nicht erhaltbare Blätter und Nadeln gefunden, (sechs zum Theil vorzügliche Tannen-bezw. Föhrenzapfen, Geschenk von Herrn Dr. Mitscherlich, lagen gleichfalls auf) Das Alter dieser Kohle scheint den Fossilien nach der Vliocänzeit anzugehören. Es ist dies um so wahrscheinlicher, da ihr das kleine Flötzchen, welches bei Steinheim auf Anamesit liegt, con- temporär ist.

DieKöln. Zty." erzählt:In Weilerswist, einem Dörfchen des Land­kreises Köln, wohnt ein früherer Handwerker wenn wir nicht irren, ein Schuster Namens Peter Joseph Schell, der sich unter dem Schuhe der Gewerbesreiheit auf die Heilkunde verlegt hat. Daß das Amtsgericht zu Euskrrchen ihn schon einmal wegen

Curpfuscherei ober wegen unerlaubten Verkaufs von Arzneimitteln mit 100 JL Geld­buße und 6 Wochen Gefängruß bestraft hat, schreckte ihn nicht ab, sein unheilvolles Geschäft fottzusctzrn. In Sülz, Bürgermeisterei Efferen, hielt er neuester Zttt wöchent- lieft zweimal Sprechstunden; in dem Sprechzimmer, das er bei einem Wirlhe gemikthet, hing ein Porzellanschild mit der AufschriftApotheke in ßinbentbal". Gin Srucca- teur, der den Wundermann durchschaute, nahm sich vor, ihn auf6 Eis zu führen. Zuerst klagte er drm Wirth seine Leiden; er habe Schmerzen im ganzen Körper, kein Arzt könne ihm Helsen. Der Wirth wies ihn an unfern Heilkünstler, vor den er denn auch tn der gewöhnlichen Sprechstunde hintrat.Ich sehe schon, was Ihnen fehlt," wurde der sich krank Stellende angesprockcn,in allen Gliedern haben Sre kribbclnde und krabbelnde Schmerzen. Ich werde Ihnen schon helfen. Doch liege", so bemerkt der Herr Doctor weiter,ein schwieriger Fall vor, den er zu Hausr studtrcn müsse." Rach einigen Tagen erhielt der Pattent von Weilerswist einen Brief, durch welchen ihm die erfreuliche Mittheilung wurde, daß erAlgen* im Leibe habe.Algen", so hieß es wörtlich in dem Briese,das sind schwarze Thlere. Es war bis vor nicht langer Zeit eine offene Frage, ob Algen zum Thier- oder Pflanzenreich gehörten, ich finde aber die Sache entschieden, es sind Würmer, eine Art mit braunem Kopf und 6 Füßen und mehrere andere Arten, welche auch noch in der Entwickelung begriffen sind, und von diesen ist der ganze Körper tnfiltrtrt, daher ein unruhiges, kribbelndes Gefühl tm ganzen Körper, welches der blinde Arzt als Nervenleiden manchmal bezeichnet, und wenn nicht geheilt, zum frühen Tode führen muß. Es ist also das Kunststück, d<ese Thiere zu iödten, ohne dem Körper zu schaden und dieses bewirkt beschriebene Arznei, nach deren Gebrauch ich um Zusendung bitte. Bohnen, Kaffee und geistige Getränke, bes.Bier ist zu meiden. Bis dahin besten Gruß. Schell." Diebeschriebene Arznei" war noch dem unS vorliegenden Recept folgende: Nux jugl 2 dil 10,0, Aq. dest. 80,0, wovon dreistündlich ein Theelöffel voll zu nehmen war. Also einfache Nuß- blätter und destillirtes Wasser waren geeignet, die schrecklichen Thiere, welche der große Heilkünstler Schell entdeckt bat, zu tobten. Wundern muß man sich, daß derartige Schwindeleien so lange getrieben werden können. Aber freilich, es ist noch immer wahr, daß die Dummen nickt alle werden.

sVacartte Stellen für Militäranwärter im Bereiche des 11. Armee-Corps.) 1) Alsfeld, Postamt, Landbriesträger, 500 <AL Gehalt und 72 Wohnungsgeldzuschuß; 2) Büdesheim, Postagentur, Landdriesträger, 500 Gehalt und 60 «X Wohnungsgeld- Zuschuß; 3) Butzback, Postamt, Landbriesträger, 500 Gehalt und 108 Wohnungs- geldzuschuß; 4) Cassel, Postamt, sta«diger Hülfsboie, 1 80 Tagegeld; 5) Gießen,

Postamt, Landortefträger, 500Gehalt und 144Wohnungsgeldzuschuß; 6) Grebenau, Postamt, Landbrttfträger, 500 JL Gchalt und 60 Wohnungsgeldzuschuß; 7) Heppen­heim (Rheinhessen), Postamt, Landbriefträgcr, 550 JL Gehalt und 60 JL Wohnungs- geldzuschuß; 8) Limburg, Güterexpeditton des Königl. Eisenbahn»Betriebsamts Wies­baden, Bodenmeiste^-Aspirant, Anfangsgehalt 75 JL monatlich, steigend; 9) Lindenfels, Postamt, Landbrirfträger, 550 JL Gehalt und 60^ Wohnungsgeldzuschuß; 10) Lorsch, Postamt, Landdriesträger, 450 Gehalt und 108 Wohnungsgeldzuschuß; 11) Neckar­stein, Postamt, Landbriefträger, 500 JL Gehalt und 72 JL Wohnungsgeldzuschuß; 12) Offenbach, Postamt, Landbriefträger, 450 Gehalt und 180 Wohnungsgeld- zuschuß; 13) Wiesbaden, Kgl. Eisenbahn - Betriebsamt, Bureaudiener, Gehalt 75 JL monatlich, nach Anstellung 1050 jährlich.

Handel und Verkehr.

sPersonenzüge Kaffel-Franksurt a. M.^ Nachdem viele Jahre hindurch über die sehr mungrlhafte Personenzugsoerbindung zwischen Kassel uud den weiter nördlich gelegenen Stationen einerseits und Frankfurt a. M- andererseits vergeblich geklagt wo. den ist, steht nunmehr, wie wir hören, mit dem Inkrafttreten des diesjährigen Sommerfahrplanes eine wesentliche Verbesserung bevor. Während bislang der erste Personenzug von Frankfurt nach Kassel erst Vormittags 9Vr Uhr abging und gegen 3Vz Uhr Nachmittags in Kassel eintraf, von Nachmittags 1 Uhr bis Nachts IOV2 Uhr aber jede Personenzugsverbindung von Kassel nach Frankfurt fehlte, soll vom 20. Mat ab der Frühpersomnzug Frankfurt-Marburg bis Kassel durchgesührt werden, der Abendpersonenzug Marburg-Frankfurt aber schon von Kassel mit Anschluß von Uelzen-Hannover origintren. Beide Züge werden auch die 4. Classe mttführen, was tm Interesse der ärmeren Bevölkerung um so mehr zu begrüßen ist, als bisher zwischen 8 Uhr Vormittags und IOV2 Uhr AbendS kein Zug von Kassel nach Frankfurt und von Mittags 2V2 Uhr kein solcher in umgekehrter Richtung mit 4. Classe fuhr.

Atkgemeiner Anzeiger.

Holzversteigerungen

Im Lützellindener Markwald (im Großh. Hessen) sollen versteigert werden;

1. Dienstag den 23. d. Mts.,

Vormittags von 9 Uhr ab

Zusammenkunft bei der Sandgrube in den DistrictenStrauch",Neu- rvald" undHahnenkopf"

22 Eichenstämme 4,89 Fm.,

22 Nadelholzstämme 4,40 Fm.,

5 Eichenderbstangen 0,35 Fm.,

49 Nadelholzderbstangen 2,02 Fm.,

50 Reisstangen 0,38 Fm., sodann:

Scheller: 25 Rm. Eichen, 33 Nm.

Nadelholz, 2 Rm. Birken, Knüppel: 126 Rm. Eichen, 197 Rm.

Nadelholz, 2 Rm. Birken, Reisigwellen: 50 Eichen, 3240 Nadel­

holz und 30 Dörner.

II. Mittwoch de» 26. d. Mts.,

Vormittags von 9 Uhr ab

Zusammenkunft bei dem Hause des Bahnwärters Backes in den Di­strictenSchmalehecke",Sandhügel" undBörnchen":

6 Nadelholzstümme 1,32 Fm., 198 Nadelholz-Derbstangen = 8,27 Festm.,

4470 Nadelholz-Neisstangen 31,02 Festm.,

ferner:

Scheiter: 3 Rm. Nadelholz,

Knüppel: 14 Rm. Eichen, 57 Rm.

Nadelholz,

Reisigwellen: 230 Eichen, 4669 Nadel­holz, 320 Dörner.

Großrechtenbach, d. 19. März 1884.

2001 Das Bürgermeisteramt.

Bekanntmachung.

Anmeldungen zum Bezüge von Zinsen aus der Schottischen Stiftung haben bis zum 3. April bei Herrn Armenkasserechner Laub er zu erfolgen.

Gießen, am 15. März 1884.

Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.

A. Bramm.

aer Für Hamen! "MG

Den Empfang der neuen Frühjahrs- und Sontmerftoffe zeige ich hierdurch ergebenst an.

1922 J. Ch. Retter.

1946

A. Rockel, Hommrstraße.

per Liter JL. 1,15 in bester gelagerter Waare

Um mit meinem Lager rasch möglichst zu räumen, verkaufe ich:

Pfeffermünz, Wachholder, Himbeer, Kirsch, Perfico

Magenbitter re. per Liter 45

Hamburgertropfen, Boonekamp, Alter Schwede

Darmstädter Pserdemarkt-Fooje a 2 Mk.

(Ziehung den 23. April) zu haben in der Expedition desGießener Anzeiger^ Schulstraße 7.

Schwarzen Cachemire

empfehlen in schonen Qualitäten

1847 Gebr. Scheel.

Otffmtli-e AWkdnmg.

Alle Diejenigen, welche Forderungen an den Nachlaß des dahier verstorbenen Kutschers Michael Bey aus Wie­senbach, Königreich Württemberg, zu bilden haben, werden aufgefordert, solche so gewiß bis zum 1. April l. I. in der Gerichtsschreiberei des unter­zeichneten Gerichts anzumclden, als sonst unterstellt wird, sie verzichteten auf Befriedigung aus der dahier be­findlichen Nachlaßmasse.

Gießen, den 2. März 1884.

Großh. Amtsgericht Gießen.

Stammler. 1620

Die zur Errichtung eines Schul­aborts rc. in der Gemeinde Lollar erfor­derlichen Arbeiten sollen im Wege schrift­licher Submission vergeben werden:

Maurerarbeit, veranschl. zu Jl. 641,73

Zimmerarbeit, 240,54

Dachdeckerarbeit, 88,70

Schreinerarbeit, 91,68

Schlosserarbeit, 48,50

Eisen- u. Röhren-Lieferung,

veranschl. zu . . . 84,10

Weißbinderarbeit,veranschl. zu,, 133,66

Voranschlag, Zeichnung und Be- dingrmgen sind auf der dortigen Bürger meisterei einzusehen, ebendaselbst M auch bis zum 24. März, Vormittags 10 Uhr, die Offerten verschlossen eiu­zureichen.

Gießen, am 17. März 1884. Senßfelder,

Bezirksbauaufseher. 1943

Gsrtengeräthe, Pfuhlpumprn, Häckselmaschinen empfiehlt /SH

6(trl Henscl.