Freitag den SS Februar
1884
Nr. 45
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Trotz der großen Entrüstungs-Meetings, Conservativen an den verschiedensten Orten des Landes
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— General Millot erklärt, er habe hinreichende Streitkräfte
Telegraphische Depeschen.
Wolkk'S telegr. tkorresporrdenz-Bureau.
Berlin, 20. Februar. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Berathung über die Krettzordnung der Provinz Hannover fort und nahm zunächst S 24, die AmtSbefug- ntffe deS Landratbs betreffend, ml! großer Majorität an. S 24a, wonach >as Znstttut der Amttzoorstehers auf Antrag des ProomzlallandtagS durch Kön'gliche Verordnung eingeführt werden kann, gelangte mit 169 gegen 120 Stimmen zur Annahme, trotzdem sich der Minister von Putlkamer gegen diese von der Commission dem 5 24 hinzu- gefügte Bestimmung a ausgesprochen hatte. Der § 29 wurde nach der NegterungS- Vorlage, die $$ 25—28 und 30 bis zum Schluß in der von der Commission gegebenen
Politisch- Ueberficht.
Gießen, 21. Februar.
Das Verfahren des Reichskanzlers in Betreff der Beileidsbe- fchlüffe des Washingtoner Repräsentantenhauses anläßlich des Todes Lasker's wirbelt in der Presse viel Staub auf. Bekanntlich hat Fürst Bismarck diese ihm von dem amerikanischen Gesandten in Berlin, Mr. Sargent, zur lleber- mittelung an den Reichstag übergebenen Beschlüsse wieder an das Repräsentantenhaus zurückgehen lassen, mit der Motioirung, daß Lasker keine so hohe Stellung eingenommen habe, die ein derartiges auszeichnendes Dazwischentreten des Reichskanzlers gerechtfertigt erscheinen lasse. In der oppositionellen Presse findet dieser ablehnende Schritt des Kanzlers entschiedene Verurtheilung und die „Nat.-Zeitung" erblickt hierin einen Ausfluß persönlicher Empsindungen, für welche die öffentliche Meinung die angemessene Bezeichnung leicht finden werde. Wer indessen etwas kälteren Blutes die Angelegenheit beurtheilt, wird der H al- tung des Fürsten Bismarck nicht so Unrecht geben können, denn — das Andenken Lasker's in Ehren! — würde der Kanzler dem Ansinnen des amerikanischen Repräsentantenhauses nachgegeben haben, so wäre hiermit vielleicht ein nicht unbedenklicher Präcedenzfall für ähnliche Fälle geschaffen worden. Ob die Angelegenheit noch ein Nachspiel im Reichstag haben wird, ist noch nicht bekannt, eine eventuelle Interpellation der politischen Freunde Lasker's würde aber schwerlich den wahrscheinlich gewünschten Eindruck im Lande machen.
Für die dritte Lesung des Cultusetats im preußischen Abge- ordnetenbause stehen wieder erregte Debatten in Aussicht. Den Anlaß hierzu wird die Erneuerung des hinter dem Kardinal LedochowSki erlassenen Steckbriefes geben; der „Kuryer Poznanski" erklärt wenigstens mit aller Bestimmtheit, daß das Centrum und die Polen die Affaire zur Sprache bringen Würden. .
Die deutsche Bauernbewegung, welche bisher mehr auf Mtttel- unb Norddeutschland beschränkt war, zeigt sich nun auch im Süden. Am Sonntag sand in Weildorf bei Constanz eine stark besuchte Bauernversammlung statt, in welcher als Programm eines zu gründenden Bauernvereines die Reform- Vorschläge des badischen Agrariers, Baron v. Hornstein-Binningen, An-
Ein angeblicher Attentats-Versuch auf König -wird in Italien lebhaft erörtert. Der Vorfall ist kurz der, daß vom 16. zum 17. d. Mts. einige Individuen in der Nähe der Eorneto mit Gewehren den hier postirten Gensd'armen Varicchio angriffen und zwar kurz vorher, ehe der Hofzug, welcher den König von einem Jagdausflug zurücksührte, diese Strecke passirte. Varicchio gelang es aber, die Angreifer durch Revolverschüsse in die Flucht zu schlagen und einen der Männer zu verwunden. Diese Darstellung hat der Arbeitsminister Gemala in der Montags- Sitzung des Senats und der Deptirtenkammer gegeben und erklärt , die Regierung sei beschäftigt, weitere Nachrichten über den Charakter und die Tragwette des fraglichen Vorfalls einzuziehen.
Gleichwie jüngst die New-Dorker Socialisten, so haben sich jetzt auch die in Bern domicllirenden modernen Weltverbesserer mit den Vorfällen in Wien beschäftigt. In New-Dork war es Most, der die That Stell- macher's glorificirte und in Bern übernahm der Socialist Peukert die Vetther- digung der blutigen That Stellmacher'S. Er rechtfertigte dieselbe durch die
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nähme fanden.
Das französische Ministerium hat dieser Tage wieder eine parlamentarische Schlappe erlitten, welche den Anlaß zu abermaligen Minister- krisen-Gerüchten giebt. Bei der Berathung der Vorlage bezüglich der Straßen- Kundgebungen, aufrührerischen Plakate und Ruse war in der Deputirtenkammer von dem Deputirten Goblet ein Amendement eingebracht worden, nach welchem nur die Schwurgerichte, nicht aber die Zuchtpolizeigerichte für die Aburtheilung der genannten Vergehen competent sein sollen. Der Justizminister Feuillee und der Minister des Innern, Waldcck-Rousseau, bekämpsteu energisch das Amendement Goblet, doch wurde dasselbe mit 268 gegen 230 Stimmen angenommen und die gefammte Oppositions-Presse verlangt nun stürmisch den Rücktritt nicht nur der beiden Minister, sondern des gejammten Cabinets. Waldeck - Rousseau und Feuillöe sollen allerdings ihre Entlassung eingereicht haben, doch heißt es, daß dieselbe vorn Präsidenten Grövy nicht angenommen worden sei. Im Uebrigen erklären die Regierungs-Organe, daß das Ministerium schon vorher entschlossen war, aus der Verwerfung des Amendements Goblet keine Cabinets- frage zu machen und sich demnach nicht verpflichtet fühle, zurückzutreten. Es wird demnach dieser Sturm im Glase Wasser wohl ohne Herrn Ferry und seine Minister-Collegen vorübergehen.
Fassunfl angenommen.
Morarn soll über die Provinzialordnung beraten werden.
— Der „Reichsanzeiger- veröffentlicht eine Kaiserliche Verordnung über die Einberufung des ReiLstaas zum 6. März.
— Ferner publldrt der „Reichsanzeiger" einen von dem Fürsten Reichskanzler unter dem 9. Februar an den Gesandten in Washington gerichteten Erlaß, durch welchen die riurücksendung der von dem Repräsentantenhause in Betreff deS Todes Lasker's gefaßten Beileidsresolution erfolgte. Der Erlaß bezeichnet eine rede einem Deutschen im Autzlande zu Theil gewordene Anerkennung als erfreulich für daS Nationalgefühl, namentlich, wenn dieselbe von Seiten einer so hervorragenden Körperschaft, wie das amerikantsche Repräsentantenhaus, auSgeht, b>e Resolution enthalte jedoch über die Richtung und Wirkungen der politischenTbattgkeit Laskers etn Ujtbeil, weiches der Ueberzeugung des Reichskanzlers, sowie den von ihm.erlebten Thatsachen widerspreche. Der Reichskanzler müsse nach einer mehr als 30jährigen actioen Betheiligung auch seinem UNheile auf diesem Gebiete eine Competenz beilegen unk»er könne bet dem Kaiser nicht die Ermächtigung zur Vorlage der Resolution an den Reichstag beantragen, weil er alsdann ein alS unzutreffend erkanntes Urthetl sich amtlich aneignen und vertreten wüßte. a —...»
Paris, 20. gebt. Ein Brief des Superiors der auswärtigen Misffo, nett, Delpech, theilt mit: Der Präfekt der Propaganda in Rom, Kardinal Simeoni, übersandte 10,000 Frcs. zur Unterstützung der Christen in Tongking. — Die katholischen Blätter veröffentlichen die Note Jacobini's an die Nuntien bezüglich der Propaganda in Rom. Der Pariser Nuntius überreichte die Note
egyptische Politik Gladstone'S zu verdammen, kann man .
conservativen Tadelsantrages im Unterhause als gewiß betrachten. »Ist auch geschehen, wie wir gestern meldeten. Red.). Die Conservativen sind aber selbst Schuld, wenn ein vielversprechender Feldzug gegen das Cabinet Gladstone einen so schmählichen Ausgang nimmt, denn sie haben es nicht verstanden, die unleugbaren Fehler, die Mr. Gladstone mit seiner egyptischen Politik begangen I)at, gegen ihn auszubeuten und die Reden, welche auf dieser Seite des Hauses gegen die im Grunde ja verfehlte Politik Englands in Egypten gehalten wurden , haben offenbar nicht vermocht, die Herrschaft Gladstone's in ihren Funda-
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glückliche und schnelle Lösung seiner Ausgabe.
— In den Kohlenbergwerken von Anzin-Denain verweigern die die Annahme des neuen Arbettssystems. .
Rom, 20. Februar. Ein Telegramm der „Agenzia Stesani
An die italienische Regierung sind von keiner Regierung irgendwelche Bemerkungen anläßlich der Entscheidung des Cassationshoss bezüglich der Güter der Propaganda fide gerichtet worden. Nichtsdestoweniger ließ Mancmi Angesichts der gegenwärtigen Bestrebungen, die öffentliche Meinung zu täuschen und die auswärtigen Regierungen irre zu führen, den Vertretern Italiens präcift Weisungen zugehen, worin er darthut, daß kein Bejchwerdegrund vorliege. Es Han- beit sich, wie die Institutionen aussühren, nicht um einen Regierungsakt, sondern um einen von der höchsten Gerichtsbehörde bei vereinigten Sektionen gefaßte Entscheidung zur Durchsühmng von schon seit vielen Jahren in Krast stehenden Gesetzen. Es handelt sich weder um eine Konfiskation, noch um eine anderweitige feindselige oder nachcheilige Maßregel bezüglich der Propaganda üde, welche Mancini und die Regierung stets und überall in der Person chrer Dete- aitten gerade wegen ihrer Humanitären und civllisatorischen Mission befchutzlen. ES handelt sich um eine einfache Convertirung in consolidirte Rente oder Wpo- thekenwerthe, welche ohne irgend einen Vortheil für die Staatsregierung odec
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„Unterdrückung" in Wien und forderte gleichzeitig die gewaltsame Beseitigung aller Hindernisse, welche dem Ausbruche der Revolution entgegenstünden. Die anwesenden deutschen Socialdemokraten opponirten vielfach den Ausführungen Peukert's, sie scheinen demnach doch nicht ganz mit den blutdürstigen Wünschen und Forderungen ihres Gesinnungsgenossen einverstanden zu sein.
Die Verhandlungen vor dem Reichsgericht zu Christiania in der Komödie des Minister-AnklageprocesseS find am Montag beendigt worden. Die Urtheilsfällung soll am 22. d. Mts. beginnen und erwartet man die Bekanntmachung des Urtheils am 25. d. Mts.
Wohlbehalten ist General Gordon nach einer sehr raschen Reise am Montag früh in Khartum angekommen. Eine der ersten bedeutungsvollen Handlungen Gordou's nach feiner Ankunft in der Hauptstadt des Sudan ist der Erlaß einer Proklamation gewesen, welche den Mahdi als Sultan von Cor- dosan anerkennt. Die Proklamation hat in Khartum und bei den umwohnenden arabischen Stämmen einen günstigen Eindruck gemacht, ob aber der Mahdi sich wirklich nur mit dem Besitz der genannten Provinz begnügen wird, während sich der größte Theil des Sudan in seiner Gewalt befindet, muß erst abgewartet werden. Dtittlerweile richten sich Die Blicke mit Spannung auf die Expedition General Graham's zum Entsätze von Tokar, welche jedenfalls noch in dieser Woche in Suakim eintreffen wird. Osman Digma, der Befehlshaber der Aufständischen, will Tokar noch vor Ankunft der Engländer nehmen und sich bann mit aller Macht auf Suakim werfen. Hoffentlich macht ihm General Graham einen Strich durch diese Rechnung.__________________
Darmstadt, 20. Februar. Se. Könial. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: „ .
Am 9. Februar den Lehrer an dem Gymnanum zu Budmgen Theodor Klein zum Lehrer an dem Gymnasium zu Mainz, mit Wirkung vom 1. April d. Js. an, zu ernennen.


