Berlin, 20. Januar. Gegenüber der Nachricht der „Germania", dem Papste sei bei dem Neujahrsempfange des diplomatischen Corps durch den Grafen Paar ein Schreiben des öfterrttcktschen Kaisers übergeben worden, in welchem dieser die Versicherung geben soll, daß er an keinen Gegenbesuch im Quirtnal denke, ist die „Nordd. Allg. Ztg." durch Wiener Mitteilungen aus wohlunterrichteten Kreisen in die Lage gesetzt, zu erklären, daß diese Nachricht einfach erfunden ist.
— Die „Nordd. Allg Zig." konstatttt. daß Castelar's Angriffe auf die Person des deutschen Kaiser in der europäischen Presse nut Entrüstung zurückgewiesen worden seien, nut Ausnahme der französischen Presse. Daß diese sich auf die Seite Castelar's stelle, nehme nicht Wunder, zumal Castelar bestrebt sei, die Segnungen der französischen Republik möglichst auf Spanien zu übertragen- Castelar's republikanisch'französische Sympathien erklärten andererseits genügend seine Feindseligkeit gegen Deutschland, welches der spanischen Monarchie stets freundlich gewesen und unter den Großmächten als eine der ersten sich bereit erklärt habe, Alfons XII als König von Spanien on- zuerkknnen. Eine solche Bethätigung der Sympathie für das spanische Königshaus könne der Cxpräsident der spanischen Republ k den Deutschen nicht vergeben. Ob die Zukunft des spanischen Volkes dadurch geschädigt wird, wenn das Land neuerdings der Sp'elball ehrgeiziger Republikaner und monarchischer Prätendenten werbe, das sei für Castelar von geringem Interesse im Vergleich zu der rein persönlichen Frage, ob Castelar nicht etwa in den trüben Wässern der Republik wieder eine hervorragende Stelle für sich selbst fischen könnte.
Kairo, 20. Januar. Meldung des „Reuter'schen Bureau." Die griechische Negierung hat sich geweigert, der Verlängerung der Befugnisse der internationalen Gerichtshöfe auf 5 Jahre beizutreten und die vorgängige Ernennung eines griechischen Mitgliedes des Appellhofes in Alexandrien verlangt. Die egyptffche Regierung hat diesem Verlangen nicht Folge gegeben und hat der Khedive das Dekret, betr. die Verlängernng der Befugnisse, publiciren lassen.
Lokales.
Gießen, 21.Januar. sBülow - Concert.j Das Programm des am Mittwoch in Weuzel's Saalbau stattfindenden Concerts der Hofcapelle des Herzogs von Sachsen- Meiningen, unter Leitung ihres Intendanten, des Herrn Dr Hans von Bülow, umfaßt sieben Stücke: die Ouvertüre zu Goethes Egmont von L- van Beethoven, desselben Meisters erste Sinfonie und die Ouvertüre zu „König Stephan"; ferner die Ouvertüre zur Oper „Eury.artthe" von C. M. v. Weber, die dritte ©infonie(C-moll) von L. Spohr und zum Schluß die Akademische Festouvertüre von Johannes Brahms. Unter diesen zu erwartenden Gaben ist unstreitig die Egmont-Partttur die werthvollste. Sie enthält wunderbare Jnstrumentalbilder, keine Tonmalerei, sondern große, unendlich vergeistigte, nicht in Worte zu fassende, dramatische Actionen aus den höchsten Sphären psychischen Lebens.
Gießen, 21.Januar, [herein ßrebttreform] Am Samstag den 19.d.M. traten b?e Mitglieder genannten Vereins zu einer ordentlichen Generalversammlung im „Frankfurter Hof dahier zusammen. Die angesetzte Tagesordnung umfaßte: Vorlage des Geschäftsberichtes, Ergänzung des Vorstandes, sowie Erledigung ver- schiedeper Anträge von Vereinsmitgltedern. Der Geschäftsbericht konnte die Tbatsache constatiren, daß der Verein ununterbrochen in erfreulichem Wachsthum begriffen ist und nach ollen Setten hin eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet. Während seines viekmonatlichen Bestehens sind dem Vereinsbureau von 74 Mitgliedern 948 Posten im Betrage von 32 OOO X zur Eintreibung übergeben worden, wovon bis Ende December 1883 220 Posten erledigt werden konnten. Durch monatliche Abzahlung gelangen 95 Posten zur Regultrung.
Dieses Resultat stellt sich als ein sebr erfreuliches dar, wenn berücksichtigt wird, daß dem Vereinsbureau fast ausschließlich nur schwer etnzubekommende Ausstände übergeben werden.
Gießen, 21. Januar. Kunstschlosser Jmm, der bekannte Zeuge im Proceß Dickhoff, der mit der Nachricht von seiner im Januar erfolgenden Anstellung als Werkmeister in einer auswärtigen Maschinenfabrik seinen Bekannten wohl nur ein Märchen erzählt hatte, tst auf Requisition der Gießener Behörde in der Nacht vom 16. zum 17. Januar in Berlin verhaftet und hierher überführt worden, da er im Verdacht steht, bei den Einbrüchen, die im vorigen Jahre hier verübt oder versucht wurden, betheiltgt gewesen zu sein.
— In diesen Tagen hat sich hier eine katholische Studentenverbindung unter dem Namen Hassta-Rhenania aufgethan. Ihre Farben sind gelb-wetß-roth.
— Im Saale des Caf4 Leib feierte am Samstag Abend der Kriegerverein sein diesjähriges Stiftungsfest unter ganz außerordentlicher Betheiligung geladener Gäste und der Mitglieder mit ihren Damen. Nach Abspielen des Kriegermarsches von Krausse wurde von unserer Theatergesellschaft das Lustspiel „Krieg im Frieden" recht gut gegeben. Hierauf wurden sodann noch verschiedene Concertpiecen von der Regimentscapelle vorgetragen, worauf sich ein recht gemüthltches Tänzchen anschloß. Ungetrübter Frohsinn und Heiterkeit schmückte den Abend, an welchen alle Theilnehmer gerne zurückdenken werden, bis zur späten Stunde aus.
Vermischte-.
Frankfurt a. M., 14. Januar. Der Junggesellen-Ball wird, wie wir hören, im Palmengarten abgehalten. Das Comite hat beschlossen, daß das Fest erst nach Absolvirung sämmtlicher für diese Wintersaison bestimmten Festlichkeiten stattifinde, da man alsdann erst einen sicheren Ueberblick gewinnt, was noch von Junggesellen, die tine Frau ernähren können, auf Lager ist.
Vom Rhetn, 18. Januar. Ueber die grausige Mordaffaire bei Opladen erhält die „Düsseld. Volksztg." folgende ausführliche Mittheilung: Gestern Vormittag nach 11 Uhr hörte man auf dem Hofe Neuenkamp an dem Wege von Leichlingen nach Neukirchen kurz binteretnander mehrere Schüsse fallen und gleich darauf ein entsetzliches Hülferufen. Ein Mensch Namens Fuchs, früher Maurer, jetzt Heftemacher, hatte die Tochter seines Nachbarn Lattner, em blühendes Mädchen von 19 Jahren al« dieselbe von einem Besuch bei der in der Nähe wohnenden befreundeten Familie Metzner betau ^«.überfallen und mit Messerstichen mißhandelt. Nach kräftigem Widerstande hatte der Mörder das Mädchen schließlich überwältigt und ihm den HalS durchschnitten Der Verbrecher fügte dem Morde noch die Scheußlichkeit hinzu, daß er dem Opfer in d e klaffende Wunde eine hölzerne Tabakspfeife steckte. Frau Metzner und Tochter die den Angriff von ferne sahen, eilten herbei, kamen aber zu spät, um dem überfallenen Mädchen Hülfe leisten zu können. Von dem Mörder wurden sie mit Schüssen empfangen, durch welche Frau Metzner am Arm verwundet wurde. — Durch das Krachen der Schüsse wurden auch die Eltern des ermordeten Mädchens aus ihrer ~ »u tbrem Verderben. Während Vater und Mutter um ita tobteteS £inb jammerten, eilte der Mörder in seine Wohnung zurück, um von Neuem
Revolver zu laden. Dann stürzte er hinaus nach dem Lottner'schen Hause schießt auf Lottner und verwundet ihn am Oberschenkel, worauf Lottner die Flucht er- 8rc ® ^ndet sich das Scheusal gegen die Frau und jagt ihr eine Kugel durch 0 b?lÄe todt zu Boden fällt. Doch auch der Mann soll mit einer blosen n a^onfommen* W nach, holt ihn nach einigen hundert Aen c ?' aS? _?u noch nickt kaput? Dann will ich Dir helfen!" brüllt er und stoßt ihm ein Scklacktmesser mehrere Male von hinten in den Leib, so daß auch Lottner zusammenbricht und nach etwa einer Viertelstunde den Geist aufgibt. Eine vorübergehende Frau aus Burtscheid hat Lottner vock lebend gefunden und mit brechender Zunge bat der zu Tode Getroffene dieser noch gesagt, daß Fuchs ihn gestochen, und
sie gebeten, nachzusehen, wie eS seiner Frau ginge. Die Frau ist bis an Lottnkr's Haus gegangen, hat sich aber gefürchtet, einzutreten. Zu Lottner zurückkehrend, kam He aerabe dazu, tote dieser feinen Geist aushauchte. Und nun der Mörder. Nachdem er sein grausiges Werk innerhalb einer Viertelstunde vollbracht, gab er gleichsam triumphircnd noch einige Schüsse in die Luft ab und zog sich dann m sein HauS zurück Thür und Fenster verschließend, und Stille lag für kurze Zeit über der Stätte des Verbrechens, da auch die Nachbarn aus Furcht vor dem Rasenden sich eingeschlossen hatten Doch bald wurde die Unthat bekannt und es sammelte sich eine auf tausend Köpfe anzuschlagende Menschenmenge von Nah und Fern, von welcher viele Personen Angesschts des furchtbaren Ereignisses in unserer sonst friedlichen Geaend in Thränen und lautes Schluchzen ausbrachen. Nachdem umstehende Männer erfahren, daß sich Fuchs in's Haus geflüchtet, wurde letzteres umstellt, doch wagte Niemand, in dasselbe einzudringen, weil der Mörder als em verwegener Mensch bekannt war, dem tm an- aetrunkenen Zustande nicht bekommen fei. Nach Verlauf einer halben Stunde eilte aus Opladen der herbeigerufene Gensdarm zu Pferd herbei, stieg vor dem Hause ab und verlangte durch Klopfen Einlaß. Als hierauf keine Antwort erfolgte, schlug der Beamte ein Fenster ein, stieg durch dasselbe und fand den Mörder in einer obere« Stube tobt im Blute liegen. Ec hatte sich in einem abgelegenen Winkel den Hals durckschnitten. Bei dem Mörder wurden außer 7 X und einigen Pfennigen der Revolver und noch mehrere Patronen gefunden. Als Motiv der gräßlichen That wird Rache angegeben, welche aus langjähriger Uneinigkeit mit den nun Erschlagenen entsprang. Der Mörder hat geglaubt, daß die Nachbarn auch daran schuld seien, daß er zu einer längeren Gefängnißstrafe verurtheilt worden war, zu deren Verbüßung in Düsseldorf er gestern Morgen eine Aufforderung erhalten hatte. Der Mörder hinterläßt eine Frau und neun unmündige Kinder in tiefster Armuth; im Hause fanden sich, wie sich später herausstellte, durchaus keine Lebensrnittel vor. Das arme Weib flüchtete sich, als sie ihren Mann in der Raserei sah, mit ihren Kindern zuerst in den nahegelegenen Busch und dann nach Hübscheid. Später sind die Kinder in verschiedenen Familien untergebracht worden. Wohin sich die Frau geflüchtet, wußte man spät Nachts n'cht. Die brd Leichen d-r Familie Lottner wurden, nachdem die ersten polizeilichen Ausnahmen ftaitgefunden hatten, in das Lottner'sche Haus gebracht und dort nebeneinander in ein Zimmer gebettet.
Köln, 18. Januar. Ueber die Verhaftung des vielgenannten Tillmann Hans wird der „Jndependance Belgr" aus Lüttich gemeldet: „Die hiesige Polizei hat einen wichtigen Fang gemacht. Die muthmoßlichen Mörder der Familie Stockhausen sind in ihre Hände gefallen. Verhaftet wurden vier Personen, nämlich: Tillmann Hans, Wilhelm Blatzheim, Therese Stein und Rosa Merckel. Dieselben wurden in einer Wohnung der Rue Soeurs-de-Hasque überrascht und so schnell Überwältigt, daß sie keine Zeit fanden, Widerstand zu leisten. Der Führer der-Bande, Tillmann Hans, war mit einem sechsläufigen Revolver versehen; auch fand man bei ihm die Nummern der „Köln. Ztg.", welche über die Mordtbat berichteten, resp. bas Signalement des muthmoßlichen Mörders enthielten- Die Verhafteten würben ins Gefängntß abgeführt und die Staatsanwälte in Köln und Antwerpen durch dringende Depeschen von der Verhaftung benachrichtigt." Das „Journal de Bruxelles", welches einen ähnlichen Bericht bringt, fügt noch hinzu, die Polizei sei am Sonntag Abend auf die Spur gekommen, an welchem Tage die Bande in einer Brauerei sich aufbielt, diese aber plötzlich verließ, nachdem sie in der „Köln. Ztg " den Steckbrief gelesen hatttn. In der Rue „Soeurs-de-Hasque" bewohnte sie ein Zimmer der ersten Etage und saßen gerade zu Tich, als die Verhaftung erfolgte. Außer dem Revolver und dem Steckbrief, welchen Tillmann im $ortemonnafe bei sich trug, fand man bei dem Verhafteten noch eine Anzahl Schlüssel, Haken und Passe-Partouts.
— Was der Krieg 1870—71 Frankreich gekostet hat, ist jetzt endgiltig festgestellt. Die Verluste an Geld und Mannschaften sind ungeheuer. Durch Tod, Verwundung und Gefangenschaft verlor das Land 656,093 Monn, wovon später allerdings einige 100,000 wieder in die Heimath zurückkehrten. Der Verlust an Geld belief sich auf 14326 Millionen Francs, davon 12131 Millionen aus dem Staatsschatz. Um ebenso viel mußte die Staatsschuld erhöht werden, die jetzt die höchste der ganzen Welt ist.
— sWiderstand gegen die Staatsgewalt 3 Hausfrau: „Was, Marie, Du küssest einen Polizisten?!" — Marie (verlegen): „Rein, Madame, er hat mich geküßt." — „Aber das hast Du Dir ruhig gefallen lassen." — Marie: „Ja, wenn ich das nicht thue, so wäre das Widerstand gegen die Staatsgewalt, meinte er und das wäre vom Sirafgesttzbuche verboten."
Handel und Vermehr.
m n Grünbera, 19. Januar. (Fruchtpreise.) Weizen X 19.30, Korn X 16.00, Gerste 14.40, Hafer X 14.30, Erbsen X 16.70, Lein X 00.00, Samen X 30.00, Kartoffeln X 0.00.
„ o Zr°?L!ur t, 19. Januar. Auf dem heutigen Markt kostete der Gentner Heu ^^-00-4.00, Stroh X 3.20—3.50, Eier das Hundert X 5.60—9.60, Butter 7}ua£tat> A 0.90, 2. Qualität X 115, Kartoffeln per Gentner X 2.25—2.75, Kohlrabi 3-5^9, per Stück, Erbsen 100 Kgr. 19—28 X, Rothkraut per St. 12—30 Poularden X 0-0 Huhn^L 1.50-2.20, 1 Ente X 2.80-3.50, 1 Taube 50-00^, Hahn X 1.70—2.00, Gans X 5-8.00, Welsche X 8-9.40
731) Ueber die H3he der Kosten, welche die Elnrüoknng einer Anzeige In eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sieh niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition «von Ig AA8«fc in
kt VLA* i1- O^rlgruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsiohts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
Kirchliche Anzeigen der evsngel. Gemeinde.
Apost-ig-sch/ö: M3Ämann.r «-mkinderschule: Bib-lstund-,
Kepertoir der vereinigten Stadttheater ;u Frankfurt a. M.
Dienstag den 22. Januar: aiibT”*’*”*0*
Ab°nn-m-nd°ErmsL5-Pr-,s-' Nachmittags 3./-Uhr: Struwwelpeter. Außer Donn-rstag den 2i. Januar: Götterdämmerung.
Freitag den 25. Januar geschlossen.
d-n 26. Januar - Zu M-zart's Geburtstag: Die Zauberflöte.
6«me?n nta6 271 3“nuat: N-" -instudtrt: Der Rattenfänger °ou
. on - Schauspielhaus.
M'S » der W-.se.
Donnerstag den 21. Januar geschlossen. 10 ' U’r-
& den 25 Januar: Der Bettelstudent.
Hi°r°uff°M.'7na'o°n 8£ff,n0 unb N-ub-rln.
Sonntag den 27. Januar: Der Veilchenfresser
^Montag d-n 28. Januar: Götz oon Berltch'naen.
Ein Wohnhaus
(mitten in der Stadt), mit 6 heizbaren Zimmern rc. nebst Garten, mit 58' Straßenfront und 260' Tiefe ist zu verkaufen.
Wo? sagt die Exped. d. Bl. 325
Allgemeiner Anzeiger.
Elb-Caviar Wilhelm Krämer, Gießen,
ipfiehlt 'w «x B ,, _ Bleichstraße Nr. 3,
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B r"rmiethung von Wohnungen und Geschäftslokalen. 330
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