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1884

Samstag den 20. December

Nr. 288

««reaur Schulstraße 7. -

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Telegraphische Depesche«.

®oir» UUo«» Lottespottdem-Vrtt««r.

fiqer Zwölftel oder einem anderen finanziellen Auswege entschließen müffen, um die Regierung zur legitimen Fortführung der öffentlichen Ausgaben in den Stand ?U den Reihen der belgischen Liberalismus macht sich ein neuer Abbröckelungs.Proceß bemerklich, der von dem klerikalen Ministerium Ber- naert jedensalls mit Genuglhuung begrüßt werden wird. Am Montag Abend hielt die gemäßigt- Fraktion der liberalen Vereinigung in Brüssel eine Ver- sammlung ab, in welcher beschloffen wurde, fich von der alten liberalen Lereim- aung zu trennen und wurde zugleich eine Commisfion zur Ausarbeitung eines neuen Reglements ernannt. Die belgischen Radikalen haben unter der Führung des Devutirten Janson durch ihr unbesonnenes Verhalten den gemäßigten Libe­ralen eine weitere Bundesgenoffenschaft fast unmöglich gemacht; daß aber die e Scheidung der Geister nur dem gemeinsamen ultramontanen Gegner zu Gute kommen kann, hätte man sich im liberalen Lager doch vorher überlegen sollem

Rach längerer Pause ist von Formosa wieder eme Siegesdepesche des Admirals Courbet eingelaufen. Dieselbe besagt, daß Commandant Lacroix die neuen Werke der Chinesen, welch- die französischen Stellungen Gedrohten, ge­nommen hat, wobei die Chinesen 200 Mann au Tobten verloren, wahrend die Franzosen ihren Verlust aus nur 1 Todten und 7 Verwundete beziffern. Eme weniger angenehme Nachricht kommt aber gleich hinterher, indem eme Anzahl chinesischer Kreuzer mit noch unbekannter Bestimmung ausgelaufen sind, wahr« schemlich haben dieselbe Ordre, einen Angriff auf die demnächst zu erwartenden Transportschiffe mit den französischen Verstärkungen zu unternehmen. Ob der im Königreiche Korea ausgebrochene Ausstand auf den sranzösifch-chinesischen Conflict einwirken wird, bleibt vorerst noch abzuwarten, über die Tragweite der aus Korea gemeldeten Verwickelungen noq keine ausklärenden Nachrichten vorliegen. Di- englischen KriegsschiffeEspoir" undFlymg Fish haben Befehl, sich an der koreanifchen Küste aufzuhalten .... mi.

Aus Khartum ist in dem letztgen Hauptquartiere der -Mischen Nil Expedition, in Korti, ein Bot- mit der Meldung angekomrnen, daß Gordon uch wohl befinde und den Ausständischen ein- schwere Niederlage be,gebracht habe.

»erlitt, 18. December. Der Reichstag beftäNgte da« P^Mumsürd,- w-u-ri Dauer d-r S-lston. Zu dem Antrag-Gr,llenbergn, b,treffend dt-»bänd-run» d«S KrankenkaffengcledeS, wir» der EommisstonSantrag saft einftimmtg genehmtgt. Ei f°7g.n Wah"lpra'ung-n, -ob-, über die Wahl Schenck,, WU-d-v), Krooar checkS (Jüterbog!) amtliche Erhebungen verlangt werden, ehe über die GüNlgrett v schloffen wird.

-^Der^undesrath überwies den Gesetzentwurf ^gmBeittag,^R«tchS,a den Kosten des ZollanschluffeS Bremens an deu Ausschuß und nahm in zweiter Be ratbung^daS^PofffparkasffMbtz^an. . Ein Verein mehrerer Deut,«er ü. Paris hat dem Reichskanzler zur Kretrung der zweiten Directorstelle im auswärtigen Am^ die erforderliche Summe zunächst für ein Semester zur Verfügung gestellt- In dem betreffenden Tel^ramme sprechen' di- G-b-r den Wunsch aus daß ein Deutschlands würdevolleres neues AdsttmwungSrecht vor Anfang des zweiten Semesters, für welches das Geld auch bereit fei, stattfinden möchte.

«erlitt, 18 December. Ja der heutigen Stadtoerordnetensitzung gelangte ein

Mandates Ewald's auch bei Jahre langer Dauer seiner Auswetsung.sowtedatzdte Kortdauer der tbm in der Versammlung angewiesenen Stellungen durch DU Aus. Nung in üg-nd -in-r W-ise ,°-ff-tb°,t °--d-. V-rtr-t-r d-s^Magistrats mar-u bei Verlefuna der Anfrage nicht mehr anwesend. Ein Antrag auf ^infeyung eines aa8,Ä8 ju. ergäÄ be G-iS-!tS°rb»ung hstistchitt« d'S-^ "°rffch«r Ahndung heg 8uw>derbandelns gegen die Ordnung, insbesondere gegen Wahrrmg ÄÄwle wkgen Feststellung der Gegenstände, welche in geheimer Sitzung zu verhandeln sind, wurde angenommen. .

18 December. Die Sch'fffahrts - Akte für den Congo und Niger ist heute fertigqestellt worden. Morgen findet eine CommtssionSsitzung über einige unter- geordntt- Vunkle statt. Reinsdorf und Genoffen. In der

heutigen Siton« ward "nächst der Zeuge Palm wegen des Niederwatd.AMntatS nnnommm.^ DerMbe erkiärt, daß der Angeklagte Küchl-r ihm erzShlt, er und Rüg ch f,im nach dem Niederwald gereist, um den Jestzug zu stören; sie hatten m e ne Drainage Dynamit gelegt, dmch Regenweiter sei aber die Zündschnur naß g-word n und die Explosion unterblieben. Zeuge gibt zu, den Bttrag vcm 40 sich lewweise beschafft und ihn Küchler zu einer Reise nach London zur Herbeischoffungvon Schritt n flepeben zu haben. Angeklagter ReinSdorf will wissen, von wem der Zeuge Palm den GUdbetrag geliehen habe, er glaubt, daß er ihn von der Polizei -rhal en habe Der Q,une Drmetoert iede Auskunft, da er im anderen Falle befürchtete, selbst in die An- gelegenheit verwickelt zu werden- Der Zeuge bezeichnet es als richtig,.daß Küchler zu ihm gesagt, er sei mit nach dem Niederwald gegangen, um daß E^tatzuoerkiteln. Der Zeuge Färber, Kaufmann aus Barmen, will über einen an ihn gelangten> Br,es. unterzeichnet ,Ausschuß der social-revolutionären Partei in New-York, nicht daS Ge­ringste wiffev. An den Zeugen Polt zetcommiff ar Gottschalk richtet-Re vSdo^ die ccrQQe ob er wiffe daß die Arbeiter in Elberfeld und Barmen viel Dynamit in Besitz hätten. Gottschalk erklärt, es seien mehrere Steinbrüche vorhanden u>w die Stein brecker benutzten Dynamit, auch würde bet Anlegung von Hausbrunnen Dyaom t an apnae Büraermetster Alberti aus Rüdeshetm gab eingehende theilungen über die Wttkungen der Explofion in der Festhalle, ^Sgleichen der Wirch her <>Afer in der Halle. Die Mengen PorSberger und Lauter, sowie der Sach verständige Major Pagenstecher aus Mainz erklärten, daß über ^n Waff"durch^ fahrender Wagen und die darin befindlichen Personen auf daS Höchste durch die Ex.

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politische Ueberfkcht.

Gießen, 19. December.

Die parlamentarische Niederlage, welche dem Reichskanzler am Montag durch die Ablehnung der für die zweite Directorstelle im auswärtigen Amte geforderten Position Seitens der klerikal.freisinnigen Reichstags-Mehchett bereitet worden ist, hat in weiten Kreisen der deutschen Nation schmerzliche Ent­rüstung und selbst im Auslande Staunen erregt. Gerade jetzt, wo die äußern Umstände des Reiches ohne Gleichen dazu angethan sind, dem leitenden Staats- manne Vertrauen entgegenzubringcn und ihm die Arbeitslast so erträglich wie möglich zu machen, gerade jetzt, wo soeben unsere auswärtige Politik wieder die glänzendsten Proben ihrer Leistungssähigkeit abgelegt, wo Deutschland die größte Seemacht zur Anerkennung der Gleichberechtigung aller Nationen aus herrenlosem" Gebiete zur See gezwungen hat, wo ferner unter der Aegide des Fürsten Bismarck ein Völker - Areopag in der Neichshauptstadt versamme t ist gerade in diesem Momente findet sich in unserem obersten Parlamente wieder eine Majorität, die es, den eindringlichsten Vorstellungen des Kanzlers zum Trotz, ablehnt, eine neue dirigirende Arbeitskrajt rm auswärtigen Amte aufstellen zu kaffen! Es isi freilich dieselbe Majorität, die sich schon mehr,ach in der neuen Session des Reichstage» zur Bekämpfung wichtiger JM-reffm des Reich« zusammengesunden hat und das gelegentliche Vorhanden,em dieser Majo- rität ist ein schlagender Beweis für die Misore unserer parteipolitischen Zu- stände. Wie man im Auslande eine derartige Opposition auffaßt, davon zeugt ein Artikel des WienerFremdenblattes" über den erwähnten Reichstags- beschluß, worin es u. A. heißt:Es kann nur tief beklagt werden, daß gerade auf dem Gebiete der auswärtigen Politik unmittelbar unter dem gewaltigen Eindruck, den die Veröffentlichung der Aktenstücke über die westafn^msche Colonialpolitik in Deutschland wie in ganz Europa zu Gunsten des Fürsten Bismarck hervorgebracht hat, das deutsche Parlament so ganz am unrechten Orte und zur unrechten Zeit seiner Rancune die Zügel schießen ließ und bewußt oder unbewußt denjenigen Elementen HeereSfolge geleistet hat, welche dem^Reichs- kanzler und dem Reiche mU gleicher Unversöhnlichkeit entgegenarbeiten. Wir haben diesen charakteristischen Auslastungen eines so angr ehenm auswärtigen Prcßorgans nichts hinzuzusügenAuch bet der am Dienstag fortgesetzten Be­ratung des Etats des auswärtigen Amtes zeigte sich das Vorwalten der klerikal - sreifinnigen Majorität, denn eine ganze Reihe wichtiger Forderungen wurden gegen die Stimmen der Conservativen und der Nationalliberalen abge­lehnt, so die Summen, welche für die Errichtung eme« deutschen General­konsulats in der Capstadt und auf Korea, sowie eines Consulatü und dreier Viceconsulate in Apia (Congo-Jnseln) gefordert worden waren. Bewilligt wur­den für Apia nur ein Consul und ein Viceconsul, sowie je ein^Consul für die Capstadt und für Korea, dagegen nahm das Haus oie für Ernc^ung eines General-Consulats in Sidney geforderte Summe an und erledigte nach unerheb­licher Diskussion den Rest des Etats des auswärtigen Amtes.

Die Congo-Conserenz dürste am Mittwoch nach längerer Pause wieder eine Plenarsitzung abgehalten haben, um über die von ihrer Commisiion sestgestellte Schifffahrts-Akte für Congo und Niger endgültig zu beschließen.

Der vergangene Montag vor dem Reichsgericht zu Leipzig begonnene Hochverrathsproceß gegen die Anarchisten ReinsdorfundGenoffen zieht begreiflicher Weise die Aufmerksamkeit der weitesten Kreffe auf sich. Han- beite es sich doch vor Allem um jenes wahrhaft teuflische Unternehmen einiger von dem Giste der anarchistischen Ideen vollständig durchtränkter Wahnwitziger, der eOrhabenen Festversammlung, welche, Kaiser Wllhelm an der^Spitze, de Einweihung de« National-Denkmals auf dem Niederwalde am 28. (S^itember 1883 beiwohnte, durch Dynamit den Untergang zu bereiten , ^^ucklicherweife ist die Ausführung dieses gräßlichen Planes durch eme gütige Fügung des Geschicks vereitelt worden und auch die denselben Verbrechern zur Schuld zu legenden Dynamit-Attentate in Elberfeld und Rüdesheim haben wenigstens keine Personen zu Schaden gebracht. Heute stehen nun die Urheber und Mitwisier dieser Thaten, acht an der Zahl, vor dem obersten Gerichtshöfe Dmtschlands, bereits haben verschiedene der Angeklagten sich zu einem thellweisen GestandM ihrer Schuld bequemt. Nur der Hauptangeklagte, Reinsdorf, der et9entlt^e Urheber aller jener Unternehmungen, als welcher er von feinen Kosten selber be^ Zeichnet wird, leugnet; er leugnet auch, den Vorschlag gemacht zu haben, das Krieaerdenkmal aus dem Markte in Elberfeld in die Luft zu sprengen und im Kursaale zu Wiesbaden ein Dynamit-Attentat zu begehen, obwohl die druckend-

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unb Umqebung wohl in Folg- der Ausnahrnegefetze ^b°rSst°rrelch ver kät zu haben Wenigsten» d-ut-t hierauf di- jüngst in Urfahr bet Li» vorge nonnnene Verhaftung von vier Anarchisten hin. In Lmz wurden H°u»durch fnAimnm bei sieben verdächtigen Perfonen vorgenornrnen, doch ergab sich nichts Gmvirendes - In d-m^Kübeck-Schachte d-s Aninaer K°hl°nb-rgw°rke» d-r ^-^ff^unaarifchen Staatsbahn gehörig, hat eine Explosion stattgefunden, M ÄW& W bi» jetzt aus dem Schutt- hervorgezogen worden.

Die französischen Kammern stehen im B-gnff-, ihre Wethnachts- s-rien an,»treten um noch die dringendsten Arbeiten bts zum Beginn der par- serien anzulreien, ^.r hj 6ärt biß Deputirtenkammer jetzt täglich zwei

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.