Ausgabe 
20.11.1884 Zweites Blatt
 
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Lom Rheim, 9. November. Unter der lieber schr ist:Fmer im Postwagen* bringt die(§Ibf. Zlg.* folgende Milthetlung: In großer Leb-nsgesahr schwebte in der vergangenen Nacht ein Poftlchoffner, weicher den von Hannover kommenden Ell- güterzug b/gleittte. Auf der Streck« zwischen KLpp?rsteg und hier entstand in seinem Waggon auf eine roch nicht aufgeklärte Werse ein Bcond, welcher sehr schnell um sich griff, da über 600 Pocketr ihm reichliche Nahrung boten. Da war dem Beamt n guter Rach iheuer. An die Signallrine konnte er nicht gelangen, da diese bei Gülerzügen nickt on der Seite, sondern über Ken Waggons angebracht worden ist. Er die Thür auf und rief aus Leibeskräften um Hülfe, aber N-emand konnte ihn hören, Schließlich rettete er sich mit Brandwunden im G'sicht auf das Trttib.eit, wo cr stchen bletoen mußte, da bekanntlich die Colliwagen keine fortlaufenden Tr'ttbr tier haben, um zu einem ankern Waggon zu gelangen. Als der Zug h er einfuhr, löschte die hiesige Feuerwehr schnell den Brand. Es stt-d von über 600 Pecketen v elleicht nur 20 Stück gerettet Die Ueberreste wurden von hiesigen Postbeamten sorgfältig gesammelt und sanden sich noch manche kostbare Gegenstände tu der Asche, wie z. B. goldene Arm­bänder, silberne Bestecke u. dgl. mehr.

Hattenheim, 12. November. Em erschreckl'ches Unglück ereignete sich gestern Morgen hei Hattenheim auf der Straße nach Erbach. Der Fuhrmann Quirin Abel von Oestrich, welcher im Begriff war, in Gesellschaft zweier anderen Fuhren Wein nach Mainz zu fahren, wollte, wie man sagt, das titnteifte seiner drei geladenen Halb­stücke, welches sich etwas verrückt hatte, mit Hülfe seiner beiden Collegen wieder be­festigen, als das Pferd sortgMg und er unter den Wagen gerieih DaS Rad ging über den Kopf des Uaglücklichm, welcher onf der Stelle to-t war. Sein Leichnam wurde cuf das Rach bau« dahier verbrecht und heute Abend, nachdem die gerichtliche Untersuchung stattgesunden hatte, nach Oestrich überführt. Der Verunglückte hinttrläkst eine Wtttwe mit einem Kinde.

Opoenheim a. Nh. ^Bericht und Bitte.) Der vorzugsweise auS Mitteln des Ruches und des hessischen Staates se i 7 Jahren ebenso stetig als harmonisch und stylgerecht sich vollzkhende Ausbau unserer voe bald zweihundert Jchren zerstörten (5t. Kutharirrenkilche geht mit Gottes Hülfe seinem vorläufigen Abschlüsse entgegen und es wird die weithin leuchtende Krrche mit ihrer reichen Gliederung nach einigen Jahren äußerlrch in aller Pracht und Reinheit wieder dastehen.

Aber der seitherige Bauplan war nur gerichtet auf die Herstellung drS Aeußeren der Kirche. Ausschließlich h-erfür wurden die vo i S'-t n deS Reiches und des Landes bewilligten Geldzuschüffe bchimmt.

AuS freiwillig gespendeten Mitteln war eS gelungen, den besonders schönen Wcftchor wenigstens zu bedachen und damit vor dem Verfall zu retten. DaS Innere der Kirchr dagegen und die volle Erneuerung des Westcho^s wie Der romanischen Thürme mußte nach Lage der Dtage zunächst unberücksichtigt Hüben.

Je mehr sich nun der Bau seiner Vollendung nähert, desto ar ff-llendcr wird der Contrast zw'fchen den restauruten und nicht restaurirten Tdeilen der Kirche.

Das Langbaus hat nur ein in der Noch her Zetten ausgeführt<S, die Slchrr- beit deS Baues benachtbettigendes hölzernes Schkingewölbe, für dessen Ersatz durch eine steinerne Wölbung k!ne Msttel vorhanden siid. Eve häßliche, die farbenfrische Wirkung des Baumaterials ganz oufhebende Tünche dickt die schlanken Pfeiler und lichten Hallen.

Hier den warmen Sandstein wieder zur Geltur g zu bringen vnd dabet s«hr be, deutende Schäden an den Pfeilern und KapMrn nachhaltig au?zubrssern, die vor­handenen reichen Sculpturen zu ergänzen oder zu sichern, die Kav Uenrethe in den Seitenschiffen wieder auSzubauen, farbige Fester e'nzusetzen, dem wahrhaft mächtigen Westchore wenigstens Gewölbe und Verglasung zu fcboffen und endlich den roman scheu Thürmcn die äußere und innere Ergänzung zu geben, d>8 Bll S harrt voch der dringenden Erledigung und v:rtrsut baß nnterze chr.ete Comtte dabet auf tue that- kräftige Mitwirkung der Nation, wie bis fitzt unter dem gnä-igm Schutze deS Kaiser- und des Landesherrn reich grholf-n wurde.

Für die angegebenen Zwecke bcdarf es noch bedeutender Geldmittel.

Unter dem Ausdrucke unseres tiefsten Dank s für alle die hochherzigen Gaben, welche b S dahin erstossen ober wenigstens gesichert sind, nehmen wir, von dem wachsenden Erfolge getragen und begeistert von der Schönheit deß in tiefgläubtger Frömmigkeit geschaffnen GotteSbaueS frÜH-rer Jahrhunderte, unser Werk wieder auf.

An alle Kreise unseres Volk s richten wir h'ermtt die verzl che Bitte, unS weiter mit Geld für die ganze Wiederherstellung der St. Kachcninenkirche zu helfen, die Hand nicht zu verschließe, wenn nächsten« und für eine Ruhe unterer Jahre ihre finanzielle MtthÜlfe angeiufen wttd.

D e Kirche hat im doppelten Sinne nationale Bedeutung. Sie rst ein deutsch- gothischer Prachtbau und unter der kraftvollen Theilnahm' des ruhmreichen ersten Kaisers drs neiun deutschen Reichs bat ihre Restauration begonnen.

So ist es hoffentlich dem Reiche und Staate, btr ganzen Nation, vergönnt, am 31. Mai 1889, dem 200jährigen Jahrestage der 3-ttflörung durch Ludwig XIV. von Frankreichs Mordbrenner schr Schaaren unter GotteS Schutz und der Deutschen macht­voller Einigkeit die herrliche St. Katharineriifirche zu Oppenheim an den reden- umkrävzten Hügeln des Rheinstromes in dem alten Formenreichthum deutscher Gothik wieder zu schauen-

Oppcnheim a. Rh., den 20. October 1884.

Das Comte zur W'ederherstellnng der St. Kathorinenk-rche:

Am endt - Oppenheim . Bauunternehmer. Bay er-Oppenheim, Land- wirth. Bon Hard »Oppenheim, Pfarrer. Diehl - Dienheim, Pfarrer. Dr Dumont- Ma'nz, Großh. Oderbürgermeister. E g ly - Oppenheim, Bürgermeistr. Dr. Franck «Darmstadt, Rechtsanwalt. Frowein- Elberfeld, Gutsbesitzer in Opp nhetm. Heyl-Worms, G H. Commerdens rath. Iungkenn Oppenheim, Gaftwtrth. Kekulv Oppenheim, Kreis­rath. Lippold Mainz, Großh. Notar. L ü b k c-Stuttgart, königlicher Vrofesior am Polytechnikum. Mangold-Darmstadt, Apotheker. Rhetn- walb-Oppenheim, Fabrikant. Dr. Schäser-Darmstaot, Großh. Pro­fessor und Hofrath. Schäffer-Darmstadt, Gtoßherzoaltcher Obeibaurath. Schmidt, Friedrich, M n, k. k. Obervouraih. Schmidt, Heinrich, München, Architekt und kgl. Professor. Frbr. v. Sch mitt bürg, königl. Hauptmann trab Kammerherr, Darmstadt. Dr. Schön Offenbach, Großh. Realfchuldirector. Dr. Schröder - Darmstadt, LandtagSabrttordneter. Traamüller-Oppenheim, Buchdn.ckerechesitzer. Weil-AlSfeld, Rent- amtmann. Wallot, Paul, Berlin, Architekt. Zerban Oppenheim, Sparkasserechner.

Beiträge wolle man an ben Rechner deS Comite'S, Herrn Z erb an ^Oppen­heim, einsenden: auch sind alle Comitemstglieder zur Empfananabme bereit.

und Werkehr»

Bekanntmachung

die Ausgabe neuer Noten der Retchsbank zu 100 JL und 1000 JL betreffend.

In nächster Zett werden neue Noten der Rdchsbank zu 100 JL. und 1000 JL ausgegeben werden, deren Beschre.buvg w'.r nachstehend zur öffrutttchen Kenntniß bringen.

Berlin, den 10. November 1884.

Retchsbank-Directorium.

v. Dechend. Boese. v. Rotth. Gallenkamp. Herrmann. Koch. v. Koenen.

Beschretbung

der neuen Noten der Reichsbank zu 100 JL vom 3. September 1883.

Die Noten sinv 10,25 Cim. hoch, 15,9 Elm. breit und bestehen ans Hanfpapier mst blauem Faserftreifen an dem rechten Rande der Schauseite und einem künstl-chm Wasserzeichen mit der Zahl ,100".

Der Druck der Noten ist mittelst Kupferd^ucks in blauer Farbe, der Aufdruck der Nummern und des Stempels in tother Farbe durch Buchdruck hergestellt.

Die Schauseite enthält auf Hellem guillochirtem, von einer dunkleren Randleiste eingefaßtem Unterdrück mit dem Reichsadler in der Mitte

1. folgenden Dxt:

Reichsbanknote.

Ein Hundert Mark zahlt die Retchsbankhaupikasse in Berlin ohne LegtttmationSprüfung dem Einlieferer dieser Banknote.

Berlin, dm 3. September 1883.

Reichsbankdirectortum.

v Dechend. Boese. v Rotth. Gallenkamp. Herrmann. Koch. v. Koenen. in deutscher Schrift mit reich verzierten Anfangsbuchstaben;

2. links neben dem T<xt bte verzierte Werthzahl ,100* und unter derselben die Strafandrohung:

Wer Banknoten nachmacbt oder verfälscht, oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bcstrast*;

3. zweimal die Nummer mit der Littera (a, b., c., d) und rechts oben dm Stempel des Re-chSbavk-Directoriums.

Die Rückseite enthalt in einem die Worte:100 Mark Banknote vielfach wieder­holenden Rahmen links und rechts oben die Zahl100* und auf hellem Unterdrück zwei kniende weibliche Figuren, Industrie und Landwrrthschaft darstellend, welche einen kreisrunden Rahmen mit dem eichenlaubumkränzten Kopfe der Germania halten.

Der Unterdrück enthält ein rautenförmiges Muster, in wklchem Adler mit der verzierten W«.r1hzahl 100 abwechfiln, in der Mitte den Reichsadler.

Bes chreidung

der neuen Noten der Reichsbunk zu 1000 JL vom 2. Januar 1884.

Die Noten sind 11 Ctm. hoch, 18,6 Ctm. breit und bestehen aus Hanfpapier mit blauem Faserstreifen an dem rechten Rande der Schauseite.

Der Druck der Noten ist mittels Kupferd ucks in brauner Farbe, der Aufdruck der Nummern und des Stempels durch Buchdruck tn rother Farbe hergestellt.

Die Schouseite enthält auf Hellem guillochirtem, rechts und links von einer Randleiste eingefaßtem Unterdrück mit dem Reichsadler tn der Mitte:

1. folgenden Text:

Reichsbanknote.

Ein Tausend Mark zahlt die RetchSbankhauptkosse in Berlin ohne LegtttmationSprüfung dem Eiulleferer dieser Banknote.

2 darunter ein rechteckiges durch Blattwerk verziertes Feld mit der Werthzahl 1000* und zu beiden Seiten desselben die Strafandrohung:

Wer Banknoten nachmacht ober verfälscht, oder nachgemachte ober ver­fälschte sich verschafft und tn Verkehr bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft*;

3. die Unterschrift

Berlin, den 2. Januar 1884.

Relchsbankdireciorium.

v. Dechend. Börse, v. Rotth. Gallenkamp. Herrmann. Koch. v. Körnen.

4. zweimal die Nummer und Littera, sowie den Stempel des Reichsbank- DirectoriumS.

Die Rückseite ist eingefaßt von einem Rahmen, welcher durch Kreise mit der Zahl1000* gebildet wird, um welche sich etn Band mit dem vielfach wiederholten WorteMark* windet.

Das Mittelfeld zeigt den Reichsadler auf bekränztem Schilde, welches von zwei weiblichen Figuren, die Schifffahrt und den Errttesegen darstellend, gehalten wird.

Die mit Rankenwerk verzierten Seitenfelder tragen die Werthzahl1000".

Literarische-.

Professor Keller-Lenzinger bespricht <n einem böchst interessanten und beachtcnSwertben Aussatz in der eben erschtenenen Nummer 45 der »Gartenlaube* daS französische und deutsche Kunstgewerbe und kommt In logischer Folgerung zu dem Schlüsse, daß das offenbare Unterliegen deS französischen Kurffigewerdes dem d uischen gegenüber nicht etwa in einer Laune der Move oder einer besonderen Geschmacks­richtung zu suchen sei, sondern in dem nationalen E gcndünkel einerseits, der den Franzosen den klaren Blick und daS richtige Urtheil trübt, andererseits tn dem ernsten, durch W ffenschaft und Kunst unterstützten BorwärtSstrebm de« deutschen Kunst­gewerbes. Der Artikel ist lehrreich und beherz genSwerth auch für daS deutsche Kunstgewerbe, dem treffliche Winke aus diesen Zeilen entgegenblicken. Solche Worte sind zeitgemäß und müssen gesprochen werden und derGartenlaube* sei Dank, daß ste eS tbut. Auch der Übrige Inhalt der unS vorliegenden Nummern 45 und 46 dieses vortresflichen VolkSblatteS ist gediegen und dabei doch unterhaltend, den Lesern das Beste und Neueste der Zeit bietend. Ganz besondere« Lob aber verdienen diesmal wieder die Illustrationen. Mag man die spanischen Landschaft-- ober die Genrebilder betrachten daS große figurenreiche Bild L. Braun's aus dem Schlacht-Panmama von Leipzig, oder drss-n zierliche Vkgnett'n überall tritt uns dir künstlerstche Vollendung in drr Arbeit deS Zeichners, des Holzschneiders wie deS Drucker« entgegen, die in ihrem Zusammenwirken wirklich Bedeutendes, Schönes, in seinem Grsammteindruck kaum I ÜebertroffeneS darbieten.

Allgemeiner Anzeiger.

W Intennäntel

von Mark S. an.

Begeiimäiitel von Mark 7. an in grösster Auswahl.

F. Helberg,

6687 Kircheuplatz.

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Hlnüßertroffenes Aavrikat juw Stärken der Wäsche. !

EMIL FISCHBACH >. GIESSEN.

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