«ine große wirthschaftliche Krisis, die ihren Ursprung in der mißlichen Lage der Zuckerindustrie, der Hauptindustrie der Insel, hat. Die spanische Regierung scheint so gut wie nichts zu thun, um dieser Rothlage abzuhelfen und die Klagen -er durch Mißernten und die Sclavenemancipation schwer geschädigten Zucker- Plantagenbesitzer zu berücksichtigen. Es, ist daher begreiflich, daß die Verstimmung auf der Insel immer mehr um sich greift und daß früher oder später abermals ein ernster Aufstand ausbricht.
In Konstantinopel ist ein kleiner Ministerwechsel eingetreten. Der Minister des Aeußern, Arifi Pascha, hat aus noch unbekannten Gründen seine ^Entlassung erhalten und ist durch Affym Pascha ersetzt worden, der schon einmal kurze Zeit Minister des Auswärtigen war.
Aus Egypten sind in dieser Woche keine belangreichen Nachrichten eingegangen. Zu erwähnen ist jedoch eine Depesche Gordon's an den englischen Generalconsul Baring in Kairo, in welcher u. A. gemeldet wird, daß am Blauen Nil Alles gut stehe. In Folge von inneren Zwistigkeiten int Lager des Mahdi in El Obeid sei die von diesem gegen Khartum organistrte Expedition wieder aufgegeben tvorden und befänden sich anscheinend zwei Parteien gegen den Mahdi in Aufruhr. Eine anderweitige Bestätigung dieser Meldung liegt zur Zeit nicht vor.
Gegen den Präsidenten der central-amerikanischen Republik Guatemala ist aus politischen Motiven ein Attentatsversuch begangen worden, doch erhielt der Präsident nur eine leichte Verletzung.
BerrvifchtsH.
Wanne (Sr. Bochum), 11. April. In dem nahe gelegenen Walde deS Grafen Droste-Nesselrode-Reichenftein, dem sogenannten Emscher-Bruch, worin Edelhirsche unterhalten werden, trafen in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag zwei Förster mit einem in hiesiger und auch anderer Gegend als sehr gefährlichen und dieserhalb schon mehrmals bestraften Wilderer KriegSmann aus Bochum zusammen, auf den man im genannten Walde schon seit längerer Zeit fahndete. Die Aufforderung der Beamten, die Waffe zu strecken, beantwortete er damit, daß er auf einen der Förster feuerte. Dieselben gaben nun auch ihrerseits Schüsse ab, worauf der Wilddieb tobt zu Boden sank. Die gerichtliche Feststellung bc§ ThatbestandeS hat heute stattgefunden. Jedenfalls wird diese Nachricht viele Forftbeamte in der Provinz beruhigen, deren Leben durch diesen leidenschaftlichen Wildschützen oft in Gefahr gestanden hat. Sein Leib war mit Narbe« von Schrotkörnern aus früheren Kämpfen wie übersät.
Neapel, 15. April, lieber den Vorfall in der Kaserne „Piazza Falconi" werden folgende Einzelheiten gemeldet: Sonntag Abend um 10 Uhr gerteth ein Soldat NamenS Salvator MtSdei mit einem feiner Kameraden in Streit, ergriff ein Gewehr und feuerte zwei Schüsse auf ihn ab. Der erste Schuß rief allgemeine Be» stürzung unter den andern Soldaten hervor, die sich in d-m Zimmer befanden, und da sie den heftigen Character ihres Kameraden kannten, flohen sie eiligst in den Hof. Unterdessen war der Soldat, auf den MtSdei geschossen hatte, tobt zu Boden gefallen. Mtsdet schloß nun die Thür, löschte die Lichter aus und stellte sich an’8 Fenster, um von da au8 mehr al5 fünfzig Mal auf die i« dem Hof versammelten Kameraden zu schießen. Fünf Soldaten fielen tobt nieder, drei wurden schwer verwundet. Als sie ihre Kameraden fallen sahen, stürzten endlich mehrere Soldaten hinauf, brachen die Thür deS Z'mmers ein, in dem sich Misdei befand, entwaffneten den Mörder und brachten ihn in Sicherheit. c _
— Wie die „Rh. und R -Ztg " berichtet, wurde einem Mann-', der als Branntweinliebhaber bekannt ist, in einer Wtrthschaft in Holthausen ein hübsches Sümmchen Geld versprochen, wenn er e8 über sich gewänne, eine ganze Stunde vor einem SchnapS zu sitzen, ohne denselben auch nur anzurühren. Der Mann ging auf den Vorschlag ein und es gelang ihm auch, sich 35 Minuten lang zu demetstern- Da aber vermochte er es nicht länger mehr auszuhalten, er ließ das versprochene Geld im Stich und goß den Schnaps hinter die Binde. Ein Theil der Wettenden brach in Helles Gelächter au8, andere aber sagten mit Ernst: „Da sieht man wieder die furchtbare Macht der Leidenschaft des Branntweintrinkens."
— [Wobei ] AuS Paris erhält die „F. Z" folgende Mittheilung: Herr Dreyfuß, ein Juwelen- und Antiquitätenhändler in der Rue des Martyrs, hatte am vergangenen Sonntag der Frau X-, in der Rue Notre-Dame-de-Lorelte wohnhaft, ein altmodisches Schretbpult aus Eichenholz für d>e Summe von 350 Franken abgekauft. ES war ein großes, im Wege stehendes HauSgeräth, mit dem Frau X in der That nichts Besseres anzufangen wußte und sich dessen auch bereitwillig entledigte. Am Montag Abend klingelte es an der Thüre des Herrn Dreyfuß gewaltig. Es war Frau X., die in athemlosem Lause dahergeetlt kam, um eine bedeutende Summe Geldes zu reclamfrcn, die, wie sie sagte, in dem alten Schretbpulte eingeschlossen sei. Da e8 jedoch schon etwas spät war, um die Sache zu untersuchen, so bat Herr Dreyfuß die grau X, am andern Morgen wiederzukornmen. Am Dienstag früh nun untersuchte man das fragliche Möbel in Gegenwart der Eheleute X. und der Schatz ward vorgefunden. Er bestand in nicht weniger als 250,000 Franken tn Werthpapieren. Herr X. hatte sich nämlich vor einiger Zeit nach Amerika begeben und vor seiner Abreise diesen kleinen Schatz in daS fragliche Pult eingeschlosien. Bei seiner Rückkehr berührte er ihn nur, um die fälligen Coupons einzukassiren und begab sich dann wieder auf Reisen und zwar diesmal in die Schweiz. Bei seiner Wiederankunft in Parts am Montag Abend erfuhr er zu feiner Bestürzung, daß seine Frau das Pult veräußert hatte, und Frau X. selber war nicht weniger bestürzt als er, als sie durch ihren Mann von dem Betrage der in einem geheimen Fache deS Möbels verborgenen Werthpapiere in Kenntnitz gesetzt wurde. Glücklicherweise waren diese in die Hände eines Ehrenmannes gerathen, der sich denn auch sofort anschickte, die 250,000 Franken dem Eigentümer zurückzuerstatten. Nun kommt die noble Erkenntlichkeit dieses Letzteren Außer sich vor Freude, sein Gelb wieder erhalten zu haben, bot er dem Herrn Dreyfuß sofort ein — Gläschen Cognac im nächsten Weinladen an . . . allein Herr Dreyfuß schlug da« noble Anerbieten aus.
— [Scherzfrage.] Was ist eine standesgemäße Partie? — Wenn ein Bier- brauer eine Hopfenstange betreibet. __________________
Aufruf
;ur Gründung einer Arbeiter -Colonie für das Großherrogthum Hessen und den Königlich preußischen Regierungsbezirk Wiesbaden.
Schon seit Jahren wird mit Recht darüber geklagt, daß auf den Landstraßen eine große Anzahl ardeitS- und mittelloser Menschen herumzieht, welche auf die öffentliche Unterstützung angewiesen sind und dadurch nicht nur der ansässigen Bevölkerung zur Last fallen, sondern auch Gefahr laufen, körperlich und moralisch zu Grunde zu gehen. Wohl hat man in anerkennenswerther Weise durch Gründung von Antibettelvereinen und durch ähnliche Einrichtungen diesem Hebel entgegenzuwirken gesucht; diese Maßregeln haben tnbefftu nur in sehr beschränktem Grade die Belästigung der Bevölkerung gemindert, eine gründliche Abhülfe wurde aber nicht geschafft, wie auch auf diesem Wege den Arbeitslosen auf die Dauer nicht geholfen werden konnte. Und doch muß gerade in dieser Richtung etwas geschehen, wenn man bedenkt, daß der größte Theil der arbeitslos Umherziehenden ursprünglich wirklich Arbeit suchten, und daß auch unter Denjenigen, die schon lange umherziehen, sich immer noch viele finden, die gerne Arbeit nehmen, wenn ihnen solche geboten wird, und die freudig die bdfenbe Hand ergreifen, um sich au§ ihrem leiblichen und sittlichen Elend herauszuarbttten. Von diesen Anschauungen ausgehend, hat Pastor von Bodelschwingh, unterstützt von andern für das Wohl ihrer Mitmenschen begetsterien Männern, in der Nähe von Bielefeld die Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf gegründet, welche den Aweck hat, männliche Arbeiter» welche keine regelmäßige Arbeit gefunden haben, aufzunehmen, sie an regelmäßige Arbeit zu gewöhnen, dadurch leiblich und sittlich zu stärken und ihnen die Mögliche kett zu gewähren, wieder nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft zu werden.
Die In der Colonie Wilhelmsdorf erzielten Resultate sind so sehr zu Tage gr» treten, daß in anderen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes das Beispiel Nach- ahmung gesunden hat; in Schlesien, Hannover, Braunschweig, Schleswig - Holstein Brandenburg, Württemberg, Bremen-Oldenburg sind Colonieen gegründet worden, in Baden sind vorbereitende Schritte grthan, um so dringender ist auch für unsere Gegend ein gleiches Vorschretten geboten und cd wurde deßhalb in einer am 14. Januar l. I. zu Frankfurt a. M. abgehaltenen, stark besuchten Versammlung ein Verirr
für Gründung einer Arbeiter-Colonie für das Großherzvg- thuM Hessen und den Königlich Preußischen Regierungsbezirk Wiesbaden
gegründet.
Die Anstalt, welche arbeitsfähige arbeitslose Männer ohne Unterschied des Standes der Religion und der Würdigkeit aufnimmt, soll daö Werk freier V-rttnSthättgkett fttv» wie auch der Eintritt in die Anstalt, daS Verbleiben in und der Austritt aus derselben lediglich von dem sreiwilligen Entschluß dcö Pfleglings abhängt. Die Anstalt ist demnach kein Ort, in welchem die Arbeiter durch bte Anordnung einer Gerichts- ober Polizeibehörde Aufnahme finden, sie muß deßhalb auch lediglich durch die freie Vereins- tbätigkett gegründet und unterhalten werden. Sie wird zwar der thatkräftigen Unter- stützung der Behörden wcht entbehren können und diese Unterstützung wird ihr nicht fehlen, sie ist aber zunächst auf die Beiträge Derjenigen angewiesen, die em H.'rz für die Notb der Brüder haben und gerne bereit sind, an dieser ächt rettgtös-sittltcherr Thättgkett mitzuarbeiten.
Indem der unterzeichnete BereinSvorstand hiermit um die thatk>'äftige Hülfe bet seinem LiebtSwerk bittet, bemerkt er, daß mit Genehmigung des Großh. Hessischen Ministeriums und des Königlich Preußischen Herrn Ober Präsidenten in der nächsten Zeit eine Collecte tn dem VereiuSdezirk erhoben werden wrrd. Die Gründung der Colonie bedarf reichlicher Mittel und auch ihre Unterhaltung wird nicht ohne ständigen Zuschuß möglich sein; wir zweifeln jedoch nicht, daß, wie anderwärts, e« auch bet uns gelingen wird, das Ziel zu erreichen. Wir bitten unsere Mitbürger, n:cht nur her Collecte ihre Theilnahme zuzuwenden, sondern such durch Bildung von Locai-Comitt's und in anderer Weise für die Sache thätig zu sein and erbitten uns Beitrittserklärungen» sowie Bewilligung von Beiträgen. Möge unser Wort frenndl che Aufnahme und einm kräftigen Widerhall in den Herzen unserer Mitbürger finden!
Frankfurt a. M., den 3. April 1884.
Allmann, Bürgermeister zu Bingen.
von Berlepsch. Amtmann zu Hoch- brtm a. M.
Boek mann, Dr., Provinzialdircctor zu Gießen.
Braden, Dr., Kreisrath zu Friedberg.
Cramer, Gutsbesitzer zu Wiesbaden.
Deitz manu, Pfarrer zu GrävenwieS- bach.
Gold mann, Dr., Geheimerath, Obere consistorial-Präsident zu Darmstadt.
Heller-Gölzenleuchter zu Frankfurt a. M-
von Hergenhahn, Polizeipräsident das. Heyl, Geh. Commerzienrath zu Worms. Hilf, Justf-rath zu Limburg.
Hirsch, F. L, Gutsbesitzer zu Alsheim.
Kalle, F., Stavtvorsteher zu Wiesbaden. Kückler, Vrovinzialdirector zu Mainz. Küchler, Bürgermeister zu Worms.
Ladenburg, Geheimerath zu Frankfurt a. M.
von Marquard, Provinzialdirector zu Darmstadt.
May, Arthur, Rentner zu Frankfurt a. M. Miquel, Oberbürgermeister das.
Münzenberger, Geist!. Rath und Stadtvfarrer das.
Ohly, Ober-Bürgermeister zu Darmstadt.
Pons ick, Dr., Rechtsanwalt zu Frankfurt a. M.
Frhr. A. von Nordeck zur Rabenau, zu Friedeihausen bet Lollar.
Rothe, Kreisrath zu Offenbach. Schlosser, Pfarrer zu Frankfurt a. M. Sonnenberg, H., Kaufmann das. Stamm, Justizrath zu Wiesbaden.
Stammler, Dr., Landgerichtsdirectorzu Gießen.
von Strauß, Dr., Polizeipräsident zu Wiesbaden.
Stromberge r.Dr, Pfarrer zu Zwingenberg.
Walther, Dr., Decan zu Nieder-Ingelheim.
Walz, Pfarrer zu Bad Nauheim.
Allgemeiner Anzeiger.
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