Ausgabe 
20.3.1884
 
Einzelbild herunterladen

Die Kaiserin von Oesterreich ist in Begleitung der Erzherzogin Valerie am Sonntag nach Wiesbaden zu einem mehrwöchentlichen Frühlings- aufenthalte daselbst abgereisi. Auf Befehl Kaiser Wilhelms sind der ' hohen Frau kaiserliche Equipagen und Pferde zur Verfügung gestellt worden. In Czegled (Ungarn) haben gelegentlich einer Wählerversammlung Tumulte statt­gefunden , bei denen der Abg. Ugron eine schwere Verletzung erhielt. Der Bür- germeister requirirte schließlich Militär zur Wiederherstellung der Ruhe.

In den Pariser Regierungskreisen herrscht begreiflicher Weise , ullu nrf h

große Befriedigung über die so leicht erfolgte Einnahme von Bacninh, welche ®et Kriegsministererklärte. v-r Antrag entspreche vollständig den Jntcnn.ncn

gerechte Hoffnung auf die baldige Beendigung des Feldzuges in Tongking 1,nh mfrh<.- - J

erweckt. General Millot hat mit dem Gros des Expeditions-Corps Bacninh behufs energischer Verfolgung des nach Norden hin entwichenen Feindes bereits wieder verlassen. General Millot gedenkt, sich noch Thainguyens zu bemäch- tigert, als des strategisch wichtigsten Punktes im nördlichsten Tongking und hat er für seine weiteren Operationen völlig freie Hand erhalten. Welchen Eindruck die Einnahme von Bacninh in den chinesischen Regierungskreisen gemacht hat, ist noch nicht bekannt.

Die deutsche Cholera-Commission in Indien hat jetzt durch ihren Vorsitzenden, den Geh. Regier.-Rath Dr. Koch, ihren 6. Bericht einge­sendet. Wir können an dieser Stelle auf den sehr ausführlich gehaltenen Be­richt nicht näher eingehen und heben nur hervor, daß Dr. Koch durch zahlreiche Untersuchungen an Cholerakranken und Choleraleichen die Richtigkeit seiner Annahme bestätigt gefunden hat, daß die Baccillen die Choleraursache sind. Darüber, wann die Commission ihre Arbeiten zu beendigen und nach Europa zurückzukehren gedenkt, liegt in dem Berichte des Dr. Koch noch keine Mit- theilung vor.

Die Finanz-Deputation der zweiten sächsischen Kammer hat die Bewilligung von 2,567,700 M. zur Erbauung eines neuen Kunst­akademie- und Kunstausstellungs - Gebäudes auf der Terraffe in Dresden beantragt.

Das englische Unterhaus hat eine lange Sitzung hinter sich, denn vom Samstag Mittag bis Sonntag früh 5 Uhr tagte es ununterbrochen Die gegenwärtige Lage im Sudan bildete den Hauptgegenstand der so lang ausge­dehnten Discussion. Die Regierung scheint sich noch nicht klar zu sein, was nun nach dem jüngsten Erfolge General Graham's über Osman Digma ge> schehen soll, wenigstens gaben ihre Vertreter auf verschiedene Anzapfungen nach dieser Richtung hin nur unbestimmte und ausiveichende Antworten. Die ganze Debatte, welche durch eine von Labouchöre beantragte Resolution, auszusprechen, daß die Rothwendigkeit des großen durch die militärischen Operationen im Sudan hervorgerufenen Menschenverlustes nicht erwiesen sei, eine solche Aus­dehnung erhielt, schien der Negierung über den Hals gekommen zu sein, denn Lord Hartington erklärte, die Regierung habe keine Ahnung von der Absicht gehabt, eine ernste Debatte über die egyptische Politik herbeizuführen. Der Antrag Labouchore wurde schließlich mit 111 gegen 94 Stimmen abgelehnt Ä>n Laufe der Debatte ivar auch Lord Fitzmaurice, Unterstaatssecretär im aus­wärtigen Amte, der von der Opposition geäußerten Ansicht, daß General Gor- don sich in Gefahr befinde, entgegengetreten, es sind aber inzwischen Nachrichten eingelaufen, welche offenbar Besorgnisse über Gordon ausdrücken. Der aus Khartum in Berber in voriger Woche fällig gewesene Dampfer ist ausgeblieben, ebenso rst oie telegraphische Verbindung jenseits Berber unterbrochen und hegt man deshalb in Kairo wegen Gordon Besorgnisse.

3 nganz Italien hat das Hin scheiden des hochverdienten Abg. Sella, welcher dreimal an der Spitze des Finanzministeriums stand, große Thetl- «ahme hervorgerufen. In der Samstags-Sitzung der Deputirtenkammer wurde ein Antrag Crispi's, sämmtliche Reden Sella's auf Kosten der Kammer zu ver­öffentlichen, einstimmig angenommen, ebenso die Anträge des Präsidiums, eine Büste Sella's auf dem Monte Citorio aufzustellen und einen Broncekranz auf das Grab des Verstorbenen nach Oropa zu senden. Endlich genehmigte die Kammer noch den Regierungs-Antrag, auf Staatskosten dem Abgeschiedenen in der Academia de Linnei, deren Präsident er gewesen, ein Denkmal zu errichten. Der Präsident suspendirte hierauf die Kammersitzungen als Zeichen Der Trauer bis heute, den 19. März.

die von Castelar vorgeschlagene Csalition der

spanischen Republikaner nut der monarchisch-liberalen Partei zu Stande kommen werde, hat sich nicht erfüllt. Die Anhänger der letzteren weigerten sich, auf diesen Vorschlag einzugehen, deffen Annahme jedenfalls viel zur Klärung der Parteiverhältnisse in Spanien beigetragen hätte. Am Samstag Abend ist

GEral Velarde nebst einigen Unterofficieren verhaftet worden Es I htA, es sich um einige in verbotenen Gesellschaften gehaltene Reden aehan- delt habe und legt man dem Vorgang keine weitere Bedeutung bei. Zmmerhin wefft derselbe aber darauf hin, daß es mit der Disciplin in der spanischen Armee noch nicht zum Besten bestellt sein muß.

Imtschtand.

r, Darmstadt, 17. März. Rach uns gewordener Mittheilung bewerbe c^breche von Privatunternehmern für die Concession verschiedener ober- hessischer Secundärbahnen und verlangen dafür eine Subvention, die hinter den ,m desfallsigen Gesetz vorgesehenen Maximal-Leistungen des Staates zurück- vleibt. Eme Entscheidung hierüber kann natürlich erst" beim nächsten Staats­budget getroffen werden, da für dermalen die Bewilligungen für Secundärbahnen als abgeschloffen zu betrachten sind. (Neue Hess. Volksbl )

Norwegen.

März. Das heute Abend publiclrte Urtheil des Reichsgerichts 1 ben Staarswinister Kl-rulf und spricht denselben auf Grün» derselben lmmungen, welche für bi« V-rurtheilung des Staatsmtnisters Seltner irutben' f*ul6|f> fein Amt verwirkt zu haben. An Proceß- mosten hat Kjerulf 600 Kronen an dre Ankläger zu bezahlen. B

Lokale».

,, 0. Gießen, 19. Marz. (Sterblichkeit in Gießen.) Die 8aH der Todesfälle wahrend der Woche vom 9. bis 15. März betrug tm Ganzen 8. mitrhJn ?

bewe noch im erste« Lebensjahre und zwar starb das eine an Darmcatarrb baS ®n^r*Lan Gehirnentzündung. Bet den 6 erwachsenen Personen findet fich als his issq betrug. Die Gesammtctnnabmen des Vereins vom Jahre 1873

1883 beliefen sich in runder Summe aus 47,000 M. Das Vereinspräsidium bat nach dem Rücktritt des Freiherrn von der Capellen Se Großherzozl. Hoheit Prinz mutier von Hessen übernommen. Sehr thätige Zweigvereine baden sick ^b'lbit tn Butzbach Gießen und Hungen, welche mit schönem Erfolge wirken. Auch fi*nke.nfpntf*e Thierschutzoereinezur Abschaffung der Stier g efe ch t e hfbfr- ^^tn, indem er in einer ollerunterthänigsjen Eingabe an Ihr« m ÄonigniiDon Spanien um Unterdrückung dieses scheußlichen Sportes bat und dem Verein in Madrid seine Zustimmung zu der von tbm ctnaelettetei Tßntfj'f.u °usspr°ch. Leider hat sich ein ErfMg nicht cr?etchen lassen. ctn9eIc,t£tcn Thütigkeit

ÄKi 6,6 »wi*

««i ÄÄsr1k" "°nkf616-8

0 März. DerKuryer Poznanski" erfährt aus Rom bet

Kardinal Levochowskt werde nunmehr am 1. k. Mts. den Vatikan verlassen «vd in dem Palazzo Antici Mattel Wohnung nehmen. öerlQ|,en unb

. .-München, 18. MSr,. Kammer der Abgeordneten. Bei der BtnHapn b-s Mtlttaretais für 1884/85 bracht« der Abg. v. Soden tn ainrenuno Lfi v treide-Einkaufe freihändig geschehen möchten, was der Krtegsministtt nach MSai^,n zu,agte Bet dem TitelMllitär - Blldungsartstalten« DeraDIa6tm bk abrtnrh^L Catspert und Rittler »üie längere Debatte über das Kadettenkorps, in Betreff^dc?«»-" fefffon der Lehrer der Anstalt, der Erthellung des bavirischen Geschich^sun.e-r Der Kriegsmintster iheilt« m>t, daß von 17 Mitgliedern des 8eBrerr«tb8

von 13 Erziehern (Olficieren) 10 katholisch, sowie daß auch der

Inspekteur der Milnär-BildungSanstalten katholisch feien* Von 18^ Snan feien 82 Protestanten. Der G-schichtsunterrtcht werde zwar von zwei proteftanlllchen^b!»» aber nach für die katholischen Schulen empfohlenen Lehrbüchern «rfWt_^?*h' geordneten Groß und Hahn beantragen, die Regierung möge ihren Bevnllm^ i^ im Bundesraihe anweisen, dahin zu wirken, baß denjenigen Personen ^t^^ Termin zur Anmeldung ihrer PensionSansprüch« versäumt haben well ib-e Ermess Unfähigkeit als Folge des Kriegs erst später hervorgetreten, ihre Pensionsanspiüche ae wahrt würden. Di« ^Abgeordneten v Zrankenbur^r und Frmk' befürworten dm

d er Regierung unb werde dieselbe im Bundesrathe tm Snneds ^fi^men * Di, r, München, 18. März. Der Magistrat hat die Beflaggung der städti­schen Gebäude am Geburtstage Sr. Maj. des Kaisers angeordnet 3 m f,rT ^^Rbichsräthe. Der von der Abgeordnetenkammer aefaßte Beschlug, belr. die Aufhebung des Notariats, wurde abgelehnt; mehrere kleinere Etats wurden erledigt; die Vorlage über die Forterhebung des Malzaufschlaqes

«ach dem von der Abseordnetenkammer gefaßten Beschluß genehmigt. 9 100000 1 $01t ber gelten Kammer wurden heute

M fte bns 1886 d-, X,

Marz. Anläßlich des heutigen Jahrestages der Commune- Erhebung werden Abends einige Bankets in privaten Kreisen veranstaltet - nir- ?nTrhp?eU et 6l§ etlas barauf daß öffentliche Kundgebungen stattfinden ll'vlr U V l e

Telegraphische Depeschen.

Wolff'» teuer. Eorrrsponvenz-Brrreau.

u?*«1**? kl8." ber brütigen Sitzung des Reichstag? wurde die Vor-

läge, betreffend die Bewilligung non Mitteln zu Zwecken der Martneverwaltuni? an ben Budgetausschuß verwiesen. Bei der Debatte ftimmten die Redner aller Ntrrt's-it'n der Vorlage zu, indem sie der Martneoerwaltung di« " einem kurzen Zeiträume aus klemen Anfängen eine kriegSiüchtlge Flotte geschaffen hat, ihre Anerkennuna aus-

Mit d-mBau ellrrrStadt-Pferdebahn ist bereits beaonnen ®ie Berliner Marcks u. Balke erwarb die Concesston und hinterlegte bei de- übergebe^wttb"n 2°'00° X ®a6n mu& spätestens am 1. Juli d. I. dem Betrieb m°breil?a^cn' r1März. Wie sehr bei dem Gebrauch von Schußwaffen die n* "orgekommener Unglücksfall. Der Gastwirth

» ?°"e aus dem Nachlaß de? Bäckers Müller dahier eine Flinte ?8fnp&rn ,in 1', 6f!.°ben ßemefen sein soll. Dem neuen E'gentbümer fiel

w". bieier Acquisition Spatzen zu schießen unb ohne die Flinte zu in C ""<ch Ladung auf die bereits in ben Läusen befindliche,

OTi.ati^Ä0;reb»n§o®x bie§ ertragen und er würbe so ber Mühe des

i, ?"bung überhoben fein. Trotz vorheriger Warnung, nachdem der k <tte, setzte er den Versuch, das Gewehr abzufeuern fort, bis endlich

LFkÜL platzte und dem unglücklichen Schützen die ganz«

rechte Hand förmlich in Stücke riß. Der Bedauernswerthe ist ein noch junger Mana von ob fahren, der seine Gltedmaßen noch recht nothwendtg zu brauchen hätte.

- Die von einigen Journalen verbreitete Nachricht, daß der Krieas.

U"r"6mrailb °°"

. c Loudon, 18. März. Der Premier Gladstone machte heute eine Sna- V u. md' fm anf d

London, 18. März. Unterhaus. Vom Staatssecretär des

M'S ftr

G-schütze bergest, llt werden. Mit nenen^12^fönbcr.-/anonen^ für

Versuche gemacht Lord Harttngton glaubt, dieses Geschütz merbe^hns 4beS 'P,cre§ roerbcn. Endlich sollen noch 36psünbig« Vordn-

T>»r$4;VDCtIrnR « Oberhause oorgenommenen Abänderungen beantragen ^^sE °r des Krieges, Hartington, theilte mit, Admiral Hewett habe tele- 6fäP<mx^>.8<me ^et' OSman Dtgma zwei Boten Hewett's getödtet habe und beSbalb als Mörder zu betrachten sei. Ferner theilte Hartington mit, die Reaimina nuntnebr den Wortlaut der Vroelamation Hewetts, betreffend die Belobnuna fnr'hf, desbö Digma's erhalten, siekönne dieselbe aber nicht billig °und hab

be«b»ib der Proclamatton avbefohlen, doch sei die Abberufung Hewett's

ll"t"staatSsecretär Fitzmaurice erwiderte auf eine Anfraae

Madrid, 18. März. Der General Ferrer, welcher 1873 an der ^n« surrection von Cartagena theilnahm, ist verhaftet worden. v

Nelgrad, 18. März. Der König hat den ehemaligen Finanzminister Spasic zum Gouverneur der Bank ernannt. j '