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Nr. 166

Samstag den 19. Juli

1884

Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen

Bureau r Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zürn einjährig fteiwilligen Militärdienst im Herbst 1884.

Familiemvohn- Äeuftadt 15,

Darmstadt, den 9. Juli 1884.

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Berlin, 16. Juli. Geh. Rath Dr. Koch ist gestern Abend nach Berlin zurückgekehrt.

Preis vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Gros.

bemerkt:

c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei-Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist;

d. ein selbstgeschriebener LebenSlaus.

und sich in scharfer Weise gegen die von Italien dem heiligen Stuhle gegenüber eingeschlagene Politik ausgesprochen haben sollte, sind sehr übertrieben worden. Zwischen dem italienischen Gesandten in Madrid und dem spanischen Minister des Auswärtigen, Elduayen, haben sehr freundschaftliche Erklärungen bezüglich der Rede des Ministers Pidal stattgefunden und ist dieser Zwischenfall hiermit erledigt.

Die Nachwahlen zum belgischen Senat haben wenigstens in Brüssel den Sieg der liberalen Sache ergeben. Die liberale Candidatenliste drang hier mit einer Majorität von 400 Stimmen durch und wird sonach die belgische Hauptstadt im Senate wiederum liberal vertreten sein. Auch bei der Stichwahl in Rivelles siegten die Liberalen, während in Tournay der Candidat der katholischen Partei gewählt wurde. Im Ganzen verfügt jetzt dieselbe tm Senat über eine Mehrheit von 17 Stimmen und da sie auch in der Deputirten- kammer über die unbedingte Majorität verfügt, so wird Belgien für die nächsten 6 Jahre entschieden im klerikalen Fahrwasser schwimmen. Welche Consequenzen sich hieraus für die weitere Entwickelung des bügischen Staates ergeben werden, muß einstwellen abgewartet werden.

JnDänemark scheinen wichtige politische Ereignisse unmit­telbar bevorzustehen. Aus Gmunden (Oesterreich) wird gemeldet, daß der König von Dänemark, welcher noch einige Wochen daselbst zu verweilen gedachte, am 13. Juli, Abends, plötzlich nach Kopenhagen zurückgereist ist, wie es heißt, in Folge eingetroffener Depeschen in dringenden Regierungs - Angelegenheiten. Vielleicht handelt es sich um den Rücktritt des Ministeriums Estrup, das sich von Beginn seiner Thätigkeit an im entschiedenen Gegensätze zu der radikal gesinnten Mehrheit der dänischen Volksvertretung befunden hat.

In Bukarest hat am Montag die vereinigte Opposition eine Demonstration gegen das Cabinet Bratianu und selbst gegen den König in Scene gesetzt, welche schließlich ganz den Charakter einer Straßen-Emeute an­nahm. Es wurden zur Revolte aufreizende Proklamationen in einer von der Opposition veranstalteten öffentlichen Versammlung ausgetheilt und der Deputirte Vernesco stieß heftige Drohungen gegen den König aus. Da viele der Anwesen­den gegen ein solches illegales Verfahren kräftig protestirten, so entwickelte sich eine große Rauferei, bei welcher mehrere oppositionelle Deputirte sogar vom Revolver Gebrauch machten, wofür sie freilich von der Menge übel zugerichtet wurden. Die Polizei stellte endlich die Ruhe wieder her.

Aus Egypten sind seit der Verrätherei des Mudir's von Dongola, durch welche diese Stadt den Sudan-Rebellen in die Hände gespielt wurde, keine weiteren Nachrichten von Belang eingelaufen. Von Gordon fehlt seit Monaten jede sichere Nachricht, wie anderseits auch nicht mehr das Ge­ringste von den Absichten der englischen Militärverwaltung in Kairo verlautet, Khartum zu entsetzen. Dieselbe concentrirt vielmehr ihre ganze Thätigkeit darauf, die Grenz-Garnisonen Ober-Egyptens den Sudan-Rebellen gegenüber in Vertheidigungszustand zu versetzen.

1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Ausenthaltsort hat.

2) Die Zulaffung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebens­jahr erfolgen.

3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.

4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a. Geburtszeugniß;

b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit Erklärung über dessen Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszu­rüsten und zu verpflegen;

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lieber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anl. 2 zur Ersatz-Ord. I. Theil der Webr- Ord. vom 28. Septbr. 1875 - Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) Ausschluß. ® y

, Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Lokals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt event. weitere Bekanntmachung; auf svecielle Laduna kann nicht gerechnet werden. r a

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Bekanntmachung.

. .. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1884 stattfindenden Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulaffung, bei Meldung des Ausschluffes von dieser Prüfung

r c x _ spätestens bis zum ! August 1884

bei der unterzeichneten Commission einzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speciellen das Folgende

Niet 'Vier, «neii cm. 4766 Dilsburg.

^"bergcrstr.

Zu pos. b wird noch besonders bemerkt, daß in dem Einwilligungs- Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, daß er in der Lage sei, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unter­halten zu können, nicht fehlen darf und daß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß.

5) In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der fick Meldende geprüft sein will.

6) Ist bereits früher ein Gesuch um Zulaffung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheits- zeugniß beizulegen.

Politische Ueberstcht.

Gießen, 18. Juli.

Kaiser Wilhelm ist in bestem Wohlsein am Dienstag Nach­mittag in dem festlich geschmückten Gastein eingetroffen, von der Bevölkerung in herzlichster Weise bewillkommnet. DieWiener Abendpojt" widmet diesem Er- eigniß einen sehr sympathisch gehaltenen Artikel, in welchem es heißt:Se. Majestät der deutsche Kaiser hat heute (15. Juli) wieder den österreichischen Boden betreten, um, wie seit einer Reihe von Jahren, Kräftigung seiner Ge­sundheit zu Gastein zu suchen und zu finden. Die Völker der österreichisch­ungarischen Monarchie begrüßen in dem Besuche des deutschen Kaisers ein stets erfreuliches Unterpfand der zwischen den beiden Kaiserhöfen und Reichen bestehen­den innigen Freundschaft." Die Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joses soll, entgegen den bisherigen Meldungen, diesmal in Gastein erfolgen, wo das österreichische Kaiserpaar am 5. August einzutreffen gedenkt.

Der Quell der politischen Neuigkeiten bezüglich der inneren Angelegenheiten fließt immer spärlicher und ist es bei der gegenwärtigen Oede der politischen Situation daher erklärlich, wenn sich die Aufmerksamkeit dem peinlichen Zwischenfalle bei der Pariser Nationalster in erhöhtem Maße zu­wendet. Bekanntlich ist in Paris am Tage des Nationalfestes eine am Hütet Continental aufgepflanzte deutsche Fahne vom Straßenpöbel herabgerissen und zerfetzt worden. Es bedeutet dies eine gröbliche Jnsultirung für die deutsche Nation und die französische Regierung hat sich anerkennenswerther Weise auch beeilt, durch ihren Botschafter in Berlin der Reichsregierung ihr tiefes Be­dauern über den Vorfall auszudrücken. Derselbe wird von den anständigen Elementen der Pariser Bevölkerung selbst entschieden gemißbilligt und so darf man denn hoffen, daß das bedauerliche Ereigniß die freundlichen Beziehungen zwrschen der deutschen und der französischen Regierung in keiner Weise nach- theülg beeinflussen werde.

Die Nationalfeier vom 14. Juli, welche von der französischen HauMadt trotz der durch die Cholera erzeugten ernsten Situation mit olT oem Pomp der früheren Jahre begangen wurde, hat im übrigen Frankreich nur einen schwachen Anklang gefunden. Vollends im Süden ist der Nationaltag so gut wie unbeachtet geblieben und dies darf nicht Wunder nehmen, wenn man die wirthschaftliche Gefahr in Betracht zieht, welcher speciell Marseille und Toulon gegenwärtig durch die Cholera ausgesetzt sind. Den Ministern des Innern, der öffentlichen Arbeiten und des Handels, welche am Dienstag Vor­mittag in Marseille eintrafen, erstattete der Präfect Bericht. In demselben heißt e«, daß gegen 65,000 Personen seit dem Auftreten der Cholera Marseille ver­lassen haben und daß Arbeitslosigkeit die arbeitende Bevölkerung bedroht. Am folgenden Tage haben sich die Minister nach Toulon begeben und dürfte ihnen daselbst ein gleich trübes Bild der durch die Epidemie verursachten wirthschaft- lichen Lage erschlossen worden sein.

Der in den letzten Tagen zwischen den Cabineten von Rom und Madrid spielende Fall Pidal ist jetzt in freundschaftlichster Weise erledigt worden. Die Mittheilungen über die Cortesrede des spanischen Ministers Pidal, wonach sich derselbe als einen Anhänger der weltlichen Herrschaft des Papstes bekannt *

zeigen.

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