Samstag den 19. April
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Erscheint täglich mit Aurnahme des MonlagS
Bnreaur Schulstraße 7.
Gießen, am 16. April 1884.
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angetreten und ist am Donnerstag Morgen wohlbehalten in Darmstadt eingetroffen.
In der Schweiz haben die Bestrebungen der englischen „Heils- Armee" eine Neaction gegen dieselbe hervorgerufen, welche sich zum Theit in brutalen Mißhandlungen von Theilnehmern der „Heils-Versamtnlungen" äußerte. Aus den Kantonen Bern und Neuenburg laufen empörende Berichte über die gegen die Versammlungen begangenen Ausschreitungen ein und sind deshalb die Negierungen der genannten Kantone von dem eidgenössischen Justiz-Departement angewiesen worden, weitere Ausschreitungen mit aller Strenge zu verhindern.
Der spanischen Negierung ist es gelungen, die sich aus der Insel Cuba bemerklich machende insurrectionelle Bewegung im Keime zu ersticken. Fast sämmtliche aufständische Banden sind von den Regierungs-Truppen vernichtet worden und nur die Bande Aguerro's besteht noch, wird jedoch von starken Militär-Abtheilungen eifrig verfolgt. Die von amerikanischen und französischen Blättern über die cubanischen Verhältnisse gebrachten ungünstigen Mittheilungen werden in einer amtlichen Depesche des Gouverneurs von Cuba als bloße Börsen-Mannöver bezeichnet.
In den letzten Tagen hat der Telegraph aus China ein wahres Chaos von sich widersprechenden Nachrichten gebracht, denen zufolge am Pekinger Hofe bald die Kriegs-, bald die Friedenspartei die Oberhand haben sollte. Nach den jüngsten Depeschen scheint nun das Erstere der Fall zu sein Prinz Kong, der Vorsitzende des geheimen Rathes, soll nebst andern Mitgliedern desselben wegen seiner Haltung in der Tongkingsrage in der That abgesetzt werden. Ferner ist der Vicekönig von Canton öffentlich degradirt und die chinesischen Ojficiere, welche für den Verlust von Bacninh als verantwortlich angesehen werden, sind sogar zur Enthauptung verurtheilt worden. In der Administration werden wichtige Veränderungen erwartet und ist eine allgemeine Recrutirung angeordnet; der Gouverneur der Grenzprovinz Jünnan ist ebenfalls nach Peking zur Verantwortung beschießen worden. Die Situation in Peking muß demnach zur Zeit eine recht kritische sein. '
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an die Grotzh er; o glichen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir werden Ihnen ein Exemplar einer von Großherzoglichem Ministerium ausgearbeiteten gedruckten Anweisung zur Ausführung des Reichsgesetzes vom 15. Juni 1883 über die Krankenversicherung der Arbeiter zugehen lassen. , . ... .
gür die Eigenthümer selbstständiger, den betreffenden Bürgermeistereien zugetherlter Gemarkungen sind ebenfalls Exemplare der Anweisung bergeiugt, welche den Eigenthümern resp. deren Vertretern von Ihnen zuzustellen sind. . .
Weitere Verfügungen werden nachfolgen, diejenigen Bürgermeistereien aber, welche unsere seither in dem Gießener Anzeiger erlassenen Ausschreiben noch nicht oder nur unvollständig erledigt haben, müssen wir zur umgehenden Erledigung auffordern, wobei wir bemerken, daß dabei insbesondere auch der Gemeinderath sich darüber auszusprechen hat, ob der Versicherungszwang auf die im § 2 des Reichsgesetzes angeführten Arbeiter ausgedehnt werden soll oder nicht.
Dr. Boekmann.
Diejenigen Einwohner von Gießen, welche Tauben halten, werden hiermit ausgefordert, dieselben ohne Ausnahme vom 19. April bis 17. Mar l. bei Meidung der im Art. 79 des Feldstrafgesetzes vorbestimmten Strafe in den Schlägen eingesperrt zu halten.
"Gießen, den 17. April 1884. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
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Politische Ueberficht.
Gießen, 18. April.
Das Osterfest hat in die allgemeine politische Weltlage keinerlei Veränderungen gebracht und das Gleiche gilt auch bezüglich des Ganges unserer inneren Politik. Die hervorragendsten zur Zeit noch schwebenden Fragen derselben haben während der letzten Tage keine Fortschritte gemacht und was namentlich die angekündigten Veränderungen im preußischen Staatsministerium anbelangt, so ist hierüber noch immer nichts Positives bekannt. Die „Kölner Zeitung" läßt sich nun zwar aus Berlin schreiben, man bezweifele;, daß der Kaiser die angeblich vom Fürsten Bismarck gewünschten ministeriellen Aenderun- gen genehmigen werde, wenigstens für jetzt nicht, indessen bedarf auch diese Meldung noch der Bestätigung.
Nachdem der „Ochsenkrieg" zwischen Oesterreich und Ungarn noch in voriger Woche gütlich beigelegt worden ist. richtet sich die Aufmerksamkeit in Oesterreich aus ein Ereigniß, bei welchem alle Völker der habsburgischen Doppel- Monarchie gleichmäßig interessirt erscheinen. Am Montag Abend hat Kronprinz Rudolf in Begleitung der Kronprinzessin die längst projectirte Reise nach Konstantinopel angetreten, wo die hohen Reisenden einige Tage die Gäste des Sultans sein werden. Einen politischen Zweck verfolgt die neuerliche Orient-Reise des österreichischen Thronfolger-Paares zwar nicht, sie hat aber eine tiefgehende politische Bedeutung, welche vornehmlich darin liegt, daß der Erbe des österreichischen Kaiserthrones mit dem Beherrscher des Osmanenreiches in persönliche Berührung tritt; außerdem gedenkt Kronprinz Rudolf auch in Bukarest und Belgrad Besuche abzustatten. Der Sultan nimmt persönlich den lebhaftesten Antheil an den Vorkehrungen, die in Konstantinopel zum Empfange seiner fürstlichen Gäste getroffen worden sind, jo daß man annehmen darf, daß sich der Aufenthalt des kronprinzlichen Paares in der türkischen Hauptstadt für dasselbe
Deutschland.
Darmstadt, 17. April. Ihre Maj. die Königin Victoria und Ihre Königs. Hoheit die Prinzessin Beatrice von England sind heute Vormittag 9 Uhr 15 Min. mittelst Extrazug von Vlissingen via Mainz hier eingetroffen. Die Hohen Reisenden wurden von Sr. König!. Hoheit dem Großherzog und Ihren Großh. Hoheiten den Prinzessinnen Victoria und Elisabeth im Salonwagen der Königin, von Sr. Großh. Hoheit dem Prinzen Heinrich auf dem Perron begrüßt. Ihre Majestät wurden daraus von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog nach der mit 4 Pferden bespannten, geschlossenen Equipage geleitet, in welcher die Königin, die Prinzessin Beatrice und der Großherzog Platz nahmen. Den zweiten Wagen bestiegen Ihre Großh. Hoheiten die Prinzessinnen Victoria und Elisabeth. Einen Vorreiter vorauf, fuhren die Herrschaften durch die Rheinstraße nach dem Neuen Palais, woselbst Ihre Maj. die Königin und Ihre König!. Hoheit die Prinzessin Beatrice für die Dauer ihres hiesigen Aufenthaltes residiren werden.
Im Gefolge der Königin befinden sich Lady Churchill, die Marqurse os Ely, Vicomte Bridfort, Genera! Sir H. F. Ponsonby und Dr. Reid.
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Betreffend: Die Ausführung des Reichsgesetzes über die Krankenversicherung der Arbeiter.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
aus das Angenehmste gestalten wird.
Die Osterseiertage haben Frankreich eine große republikanische Kundgebung gebracht, als welche man die am Montag in Cahors stattgesundene Enthüllung der Gambetta-Statue betrachten kann. Den Mittelpunkt der Enthüllungsfeier, welcher nicht weniger als sechs Minister beiwohnten, bildete die Rede des Ministerpräsidenten Ferry, der dem Schmerze über das zu frühe Hinscheiden Gambetta's Ausdruck verlieh und versicherte, das Andenken Gambetta's werde in Frankreich nie erlöschen. Nach ihm feierte Kriegsminister Campenon in beredten Worten die Verdienste des großen Tobten um die nationale Ver- theidigung und fügte hinzu, daß die französische Armee Gambetta's nie vergessen werde. Den Schluß der Festlichkeiten von Cahors bildete ein glänzendes Banket, bei dem Ministerpräsident Ferry unter lebhaftem Beifall auf die Einigkeit der republikanischen Partei toastete. — Eine Depesche Genera! Millot's bestätigt die am Montag nach vorhergegangenem Bombardement erfolgte Besetzung von Honghoa durch die französischen Truppen.
Für die englische Regierung bildet nach wie vor das Schicksal Gordon's in dem von den Rebellen eingeschloffenen Khartum eine Quelle großer - Besorgnisse. Die Verbindungen Khartums mit Berber und Dongola sind auf's ' Aeußerste bedroht, ja zum Theil schon abgeschnitten und man sieht darum im . Londoner Auswärtigen Amte den weiteren Nachrichten über Gordon mit begrerf- 1 sicher Sorge entgegen. — Die Königin Victoria hat in Begleitung der Prm- l Mn Beatrice am Dienstag ihre Reise nach Deutschland von Windsor aus
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Betreffend: Die Schulferien am Ende des Schuljahrs in der Volksschule. Gießen, am 17. Aprll 1884.
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen
an die Schulvorstande des Kreises.
Auf mehrfach erfolgte Anfragen thellen wir Ihnen nochmals mit, daß für rubr. Ferien immer diejenige Woche verwendet werden soll, in welche der 1. Mai fällt. Für diesmal sind danach Ferien vom 27. April an zu ertheilen und hat die Schule am 5. Mai wieder zu beginnen.
Dr. Boekmann.
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Meßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.


