übliche Revue der Truppen hat, wenn auch diesmal in kleinerem Maßstabe, ftattgefunden und wohnte dem militärischen Schauspiele aus dem Stadthaus- vlatze, wo auch die Schüler-Bataillone ausgestellt waren, eine zahlreiche Menschenmenge bei. Natürlich fand auch, wie immer bei dieser Gelegenheit, eine „patriotische" Kundgebung der Patrioten-Liga und der elsaß-lothringischen Vereine vor der Statue der Stadt Straßburg auf dem Concordienplatze statt. Zu besonderen Zwischenfällen scheint es aber nirgends gekommen zu sein, nur am Hotel Continental wurde eine deutsche Fahne von den Gamins zerrissen, doch zerstreute die Polizei sehr bald die Ruhestörer. — In Toulon und Marseille fordert die Cholera täglich noch immer verhältnißmäßig zahlreiche Opfer; in letzterer Stadt scheint sie überhaupt ihren milden Charakter verloren zu haben, denn es wird gemeldet, daß Leute manchmal schon nach zwei Stunden dem Anfall der Krankheit erliegen.
Der zwischen dem englischen Oberhause und dem Cabinet Gladstone drohende Conflict wegen der Wahlresormbill scheint noch rechtzeitig beschworen zu werden. Es ist die Rede von einem zwischen der Regierung und den Führern der Opposition im Oberhause geplanten Compromiß, in Folge desien die Bill noch in diesem Monat Gesetzeskraft erlangen würde. Im Oberhause ist nämlich von Lord Wemyß der Antrag gestellt worden, die Wahlresormbill nochmals in Erwägung zu ziehen und die Königin in einer Adresse zu ersuchen, das Parlament zu diesem Zwecke im Herbste wieder einzuberusen. Die Annahme dieses Antrages Seitens des Oberhauses würde dem angestrebten Compromiß den Weg ebenen.
Zwischen den Cabineten von Rom und Madrid hat sich plötzlich ein lebhafter Depeschenwechsel entspannen, deffen Ursache in einer Cortesrede des spanischen Ministers der öffentlichen Arbeiten, Pydal y Mou, zu suchen ist. Pydal bekannte sich in seiner Rede offen als Anhänger der weltlichen Macht des Papstes und diese Aeußerung, noch dazu vor der Kammer gethan, konnte die italienische Regierung nicht gleichgültig lassen und ist der italienische Gesandte in Madrid beauftragt, von der spanischen Regierung ein formelles Dementi oer Aeußerungen Pydal'S zu verlangen. Das Cabinet Canovas del Castillo hat d.'m italienischen Minister des Auswärtigen seinen Wunsch zu erkennen gegeben, Den Zwischenfall zur vollen Zufriedenheit Italiens beendigt zu sehen und so dürste derselbe keine ernsteren Folgen haben.
Die Meldungen, daß Kaiser Alexander der Stadt Warschau einen Besuch abzustatten gedenke, bestätigen sich und sind für diesen Besuch Mitte August fünf Tage in Aussicht genommen. Wahrscheinlich sieht die russische Polizei aus diesem Grunde den nihilistischen Verschwörern, deren es auch in der polnischen Hauptstadt giebt, jetzt mehr aus die Finger. In Warschau sind kürzlich der Friedensrichter Bardewski und mehrere Studenten wegen nihilistischer Umtriebe verhaftet worden und förderten die Haussuchungen compromitti- rende Schriftstücke zu Tage. Sämmtliche Verhafteten sind übrigens Russen.
Das neue bulgarische Cabinet hat sich nunmehr constituirt. Karaveloff hat das Präsidium und die Finanzen, Czanoff das Auswärtige, Lavercoff das Innere, Radolsavoff die Justiz und Careleff den Unterricht übernommen. Zum Kammerpräsidenten ist der radikale Deputirte Stanbuloff ernannt worden. Inwiefern die auswärtige Politik Bulgariens durch den Cabi- netswechsel beeinflußt werden wird, läßt sich zur Zeit noch nicht beurtheilen.
Der Fall von Dongola hat das letzte Hinderniß, welches die Aufständischen des Sudan auf ihrem Wege nach Ober-Egypten finden konnten, beseitigt. Der offene Uebertritt des Mudir oder Gouverneurs von Dongola zu den Fahnen des Mahdi hat diesen festen Platz ohne einen Schuß den Sudan- Rebellen überliefert; zum Lohne für seine Verrätherei ist der Mudir vom Mahdi zum Emir (Fürsten) ernannt worden. Nachdem der Mudir die Maske abgeworfen , wirkt er ganz offen für die Sache des Chefs der Rebellen; so hat er u. A. sämmtliche in Dongola lebende Christen gezwungen, den Islam anzu- nehmen. Auch die Nachricht von den angeblichen Kämpfen von Debbah stellt sich jetzt als eine Erfindung des Mudir heraus, bestimmt, die Regierung in Kairo zu täuschen.
Kerttschlaud.
c 16. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog und die Groß-
herzogliche Familie beabsichtigen, Anfangs der nächsten Woche Schloß Fischb^h^zu zusiedeln* lageren Aufenthalt nach Jagdschloß WolfSgarten über-
Darmstadt, 16. Juli. Die »Darmst. Zig.* bringt nachstehend ein weiteres des Innern und der Justiz an die Großh
KreiSämter vom 11. d. M. Dasselbe lautet: DV
. _W°nn auch dt- Besorgnis der Einschleppung und demnSchsilgen W-Iterverbr-Ituna der asiatischen Cholera gegenwärtig nicht vorhanden ist, so sind wir doch veran asit Ihnen auszugeben, daß Sie alSbalb mit den Gemeindebehörden dahin Itfä B-nebmen' ?tAeP' im Falle des Bedürfnisses allenthalben besondere Locale, in welchen eine hinlängliche Jsoltrung von Cholerakranken ermöglicht ist, bereit gestellt werden Dieke rechtzeistge Fürsorge ist namentlich bebhalb von Wichtigkeit, weil eine Weiteivttbreitüna dieser Krankheit in der Regel uur dann verhütet werden kann, wenn es möglich ift8 btn oder die ersten voikommenden Erkrankten aus ihren Wohnungen und dem B-r° £6r ™lt. P"sonen ru entfernen. Andererseits finden erfahrungsgemSst viele Kranke n ihren Wohnungen und in der Familie nicht die genügende Pstege und kann
2 °Iirung innerhalb der Wohnungen in der Regel nicht so ausreichend staltbaben
ÄÄÄÄSÄt*" «S» Ä ffilt erwarten Ihren Bericht über die von Ihnen getroffenen Vorkehrungen. \d*ov utnjjer.
Hesterreich.
Telegraphische Depesche«.
Worst'S telegr. «orrowonderrr-BnxsL«.
-MLLSS»-!-'-
g-ÄBS BÄtwgÄflas
Wien, 16. Juli. Die theils beim Landgerichte, theils beim Militärgerichte inhaftirten Anarchisten legten ein rückhaltloses Geständniß bezüglich aller in den letzten Monaten verübten Raubmorde ab: Apotheker Linhart in Straßburg , die Heilbronner Familie Eisert und PolizeiCommiffär Hlubek. Die erfte Anregung zu den Blutthaten erfolgte in der Zeitschrift „Rebell" im Sommer 1883, worin ein geheimes Comits die Beschaffung von Geldmitteln verlangte; die Beute floß größtentheils in die Parteikasse.
Bern, 16. Juli. Der hier aus Urlaub befindliche Schweizer Gesandte Barier kehrt in Den nächsten Tagen auf seinen Posten in Rom zurück.
Paris, 16. Juli. Der Polizei-Commissar Gallien, welchem Der Vorwurf gemacht wird, bei dem Tumult vor dem Hotel Continental nicht die nöthige Energie gezeigt zu haben, wurde abgesetzt.
— Von gestern früh bis zum Abend sind in Marseille 30, in Toulon 7 Cholera-Todesfälle vorgekommen.
Toulon, 16. Juli. Von gestern Abend bis heute Vormittag 10 Uhr starben 22 Personen an der Cholera; unter den an der Cholera Gestorbenen befindet sich die Gemahlin des Admirals Fisquet.
— Die Minister Waldeck-Rousseau, Raynal und Höriffon besuchten heute die Marine-Hospitäler.
Marseille, 16. Juli. Die Zahl der seit gestern Abend bis heute Vormittag 10 Uhr an der Cholera Gestorbenen beträgt 20.
— Durch eine heftige Feuersbrunst wurden die Schuppen der hiesigen Ketten-Schifffahrts-Gesellschaft in Asche gelegt, der Schaden wird auf 1. Mill. Francs geschätzt.
— Seit heute Vormittag bis Abends sind hier 8 Cholera-Todesfälle vorgekommen.
London, 16. Juli. Die „Times" 'äßt sich aus Shanghai von heute, melden, der Tsungli-Damen habe die vom französischen Gesandten in Tientsin geforderte Zurückziehung der chinesischen Truppen von den Grenzen von Tong- king, sowie die geforderte Zahlung einer Entschädigung abgelehnt.
Belgrad, 16. Juli. Meldungen der Blätter über die Vervollständigung des Cabinets werden in Regierungskreisen als verfrüht bezeichnet.
Petersburg, 16. Juli. Heber Stadt und Kreis Nishninowgorod, sowie die Kreise Balachna, Ssemenoff und Gorbatoff wurden vom 13. Juli bis 22. September Maßregeln verschärfter Sicherheits-Aufsicht verhängt.
London, 17. Juli. (Privat - Depesche.) Ein Schnellzug zwischen Manchester und Sheffield entgleiste gestern unweit Penistone in Folge Achsenbruchs der Locomotioe beim Passiren einer Brücke. Der Zug stürzte auf die Straße, wobei 20 Personen getöbtet und 30 schwer verletzt wurden. Unter den Passagieren befanden sich einige Deutsche, welche über Grimsby nach Deutsch* land reisten.
L o jk a L e s.
Gießen, 17. Jult. Bei dem gestrigen Gewitter schlug der Blitz in ein Wohnhaus zu Wteseck em. Der Strahl traf den Schornstein, zersplitterte einen Dachsparren, fuhr in die Wohnstube, dort ein Bett, in welchem vielleicht 2 Minuten vorher ein Kind gelegen, fast ganz zertrümmernd und von hier durch die Küche nach dem Hausflur.
Vermischtes.
Fulda, 14. Juli. Nachdem gestern den ganzen Tag über eine wahrhaft tropische. HK geherrscht hatte, verkündete der schon bet beginnender Dunkelheit sich erhebende lebhafte W uv das Herannahen von Gewitterwolken. In der Nacht kamen mehrere Gewitter hier zum Ausbruch und dauerten mit längeren Unterbrechungen bis heute Vormittag fort. Der Regen wird den Feldfrüchten gewiß recht ersprießlich sein. — Heute Vormittag gegen 10 Uhr ging hier ein so heftiger Blitz mit unmittelbar folgendem Donnerschlag nieder, daß man sofort allgemein annahm, der Blitz habe in der Stadt e r0Cr Diese Vermuthung hat sich leider alsbald bestätigt. Der Blitz fuhr nämlich im Orangertegebaude durch das Dach in die Wohnung des Herrn Vol re'- inspectors Fink (2. Stock), sprengte eine Thür und fuhr durch ein geschlossenes Fenster
61 folgte der Blitz dem an der Thür angebrachten Schellenzug und an der Thür stehende Tochter des Herrn PolizetinspectorS. Das ^abchm wurde an der Wange verletzt, betäubt und durch den Luftdruck niedergeworfen. n^niÄ/rwetse scheint die erlittene Verletzung nicht gefährlicher Natur zu sein. Db; Unglückliche erlangte nach einher Zeit ihr Bewußtsein wieder. An der Thür deS K; Ä WTÄStt
Ahetn, 14. Juli. Zum Attentatversuche gelegentlich der Entbülluna des Ntederwolddenkmales schreibt die „Köln. Ztg.": „In einer füriHtf)
llber die örtlichen Untersuchungen, welche in der Nähe des Niederwalds Denkmals vorgenommen worden sind, hieß eS u. a., man habe dort Dynamit veraraben gefunden. Die Angabe beruht auf Jrrthum. Nichtsdestoweniger hat
tf?® h?pCr9rU 6m6e? b58 Leben unseres Kaisers wirklich vo?bereittt worden
ob die Ausführung des Verbrechen« durch einen glücklichen 8ufaH ober bfe «At! reUtge Reue eines der Schuldgenossen vereitelt worden ist, scheint noch nickt klaraek?llt- zu sein. Es dürste mit der schwebenden Untersuchuna tm RufflmmpnSwA durch eine In unserer Zeitung h-Ute oeröffentlichtt
frage ergebt, in welcher Stadt es wohl eine Schwedengass? Ballb°f»^b, <
W--PP-N, Bildnisse und Jahr-Szabl sind bei allen mH anbig bemlto °r"‘ 3nflSrlft ist bereits geständig8 Wangershestri befand sick> schon elnmni®^ k fpleIenbe, Scheibenseher schi-tz-n in Bremen, wo Ihm^ d«ödeste Gewst^n^Von dem Bundes--
dachts ähnlicher Fälschungen in Untersuchung 10,000 M aufieI' wegen des Ver° W JoL' -He"b-r'chlet. Der °'°^^^?78enrt. b^ '°
Ä Dr, Koch,
die Deutschen haben diese Säure in aanr ^gen die Cholera empfohlen, aber
zu den höchsten Preisen. Man mcrh bk HundStage. Utlb ÖCrfaufcn nutt
empfohlen sei: ",Hausfrauen sim^Mck/,^°^"ung, deren Beachtung auch hier die Kohlenbehälter, Kübel ÄroPDcn mS oihrA roar?en vor der üblen Gewohnheit, der Haare u. s. w. zu machen statt solck! Jaff"0?? Zufälle und des Kehrichts, trocken zu verbrennen. Diese unter dea^nasten°^n^n fnL^°^Ung>?U eisernen oder übelriechenden Massen bieten der Kohlen sofort gährcnden, pilzebtldenden
Boden; diese Gtfttövfe mitten Typhus und der Cholera den besten
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