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Mainz, 13. Juli, lieber die gestern Nachmittag in Bingen stattgehübte Explosion eines sogen. Läutewerks erfahren wir Folgendes: Der Bahnwärter, welcher das Läutewerk zu bedienen hatte, war gerade damit beschästigt, dasselbe aufzuziehen, alS, wie man annimmt, sich der schwere Gewichtstetn des Werkes loSlöste und herab- stürzte. Nun muß der Bahnwärter in dem Besitz einer Dynamitpatrone gewesen sein, auf welche der Gewichtstein fiel, wodurch die Explosion herbeigeführt wurde. DaS um das Läutewerk befindliche Häuschen, welches mit vier Pfosten an einen großen schweren Stein befestigt ist, lag zertrümmert ca. 20 Meter von der UnglückSstätte entfernt, ebenso wurde eine schwere eiserne Stange, die in dem Häuschen stand, in einem benachbarten Weinberge aufgefunden, während der Stein, auf welchem das Häuschen stand, in vier Theile zerschmettert ist. Em in der Nähe befindlicher anderer Bahn­wärter hörte den Knall und eilte auf die Stätte; hier fand er den Bahnwärter in seinem Blute schwimmend der Mann batte eine schwere Kopfwunde und der Unter­leib war vollständig oulg:rissen vor, doch lebte er noch und verlangte nach einem Arzte. Doch noch ehe oer Letztere e. schien, war der Unglückliche bereits verschieden. H-ute hat das Gericht bereits an Ort und Stelle den Thatbeftand ausgenommen; ob sich dabei noch andere Momente ergeben haben, ist unS btS jetzt nicht bekannt.

In Lemgo ist eine Frau, Mutter von 6 kleinen Kindern an der Wasserscheu (Hundswuth) gestorben. Am 23. Mai wurde die Frau von ihrem Hunde in die Hand gebissen. Die Wunde heilte zu und sorglos verrichtete die Frau ihre Arbeit bis zum 1. Juli Abends, als beim Schlafengehen Angstgefühl und Herzklopfen eintrat, welches taps darauf zur vollen Wuth ausartete. Die Unglückliche ist nach unsäglichen Leiden, mit klarem Verstände bis an ihr Ende, am dritten Tage AbevdS gestorben.

Zirndorf (bei Fürth). 14. Juli. Heute Vormittag entlud sich über unserem Orte em äußerst heftiges Gewitter. Unter starkem Donner folgte Schlag auf Schlag. AlS der Lehrer der israelitischm Schule wegen des Unwetters die Fenster schließen wollte, traf ihn der Blitzschlag und tödtete ihn sofort.

Berlin, 11- Juli, lieber den gestern gestorbenen berühmten Aegyptologen und Sprachforscher Karl Richard Lepsius bringt dieNat-Ztg" folgende biographische Notizen: Lepsius war am 23. December 1810 in Naumburg geboren, erhielt seine erste Bildung auf der Schulpforte und studirte in Leipzig und Göttingen. 1843 babtlitirte er sich an der Berliner Universität, er war ein Günstling Alexander von Humboldt'«, dessen Empfehlungen ihn überall auf feinen Reisen nach Paris, Rom, London begleiteten. Am lebhaftesten und erfolgreichsten widmete er sich den ägypto­logischen Studien. Dreimal war er in Aegypten, die mannigfachsten Entdeckungen hinsichtlich der Sprache, der Chronologie und der Geschichte der alten Ägypter verdankt die Wissenschaft ihm. In einer Fülle von gelehrten Schriften und Aufsätzen hat er feine Untersuchungen und Forschungen niedergelegt. DaS große, auf preußiiche Staats­kosten herausgegebene Prachtwerk:Denkmäler auS Aegypten und Äthiopien", in 900 Tafeln größten Formats, machte in den Jahren 18491859 zum ersten Male weitere Kreise des gebildeten Publikums auf die Wunder des alten N'llandeS auf­merksam. Friedrich Wilhelm IV. intereffirte sich für diese Studien, seiner Neigung ist die vortreffliche Einrichtung und Ausstattung des ägyptischen Hofes in unserem Neuen Museum zu verdanken, die unter Lepsius Oberleitung sich vollzog- Mit dieser ägyptischen Abtheilung unseres Museums ist Lepsius' Namen für immer bei allen Besuchern beff Iben verbunden- Nach dem Heimgänge von Pertz hat Lepsius mit Erfolg und Geschick die königliche Bibliothek verwaltet. Eben wollte die Nationalgallerie sein Bild von dem Professor I. Scheurenberg malen lassen, um es neben den Porträts von Helmholtz und Mommsen als Zierde und bleibendes Andenken auszuhangen, alS der Tod den Vierundsiebzigjährigen aus der Reihe der Lebenden riß.

Bern, 14. Juli. Im »Bund" lesen wir:Dr. Koch geräuchert! Dr. Koch, derBacillenvater", wie ihn jetzt die Pariser nennen, ist beute, den 14. b., in Bern. Die schweizerische Gesandtschast in Paris hatte Herrn Dr. Koch um einige Mit- theilungen über seine in den Choleraherden gemachten Beobachtungen und Erfahrungen ersuchen lassen, um auch für unsere Behörden bezüglich der zu treffenden Vorsichts­maßregeln Anhaltspunkte zu gewinnen. Der berühmte Gelehrte erklärte jedoch, daß er die gewünschte Auskunft nicht geben könne, da er feine Mission von der deutschen Regierung erhalten habe und dieser Bericht erstatten müsse. Herr Lardy wandte sich darauf an den Botschafter beS deutschen Reiches in Paris, Herrn Hohenlohe und eS scheint, daß die diplomatische Vermittlung nicht ohne Erfolg geblieben ist. Auf ein Telegramm hin, Herr Dr. Koch sei von Paris abgereist und begebe sich über Lyon und Bern nach Berlin, fuhr ihm Herr Professor Lichtheim von Bern auS nach Lausanne entgegen. Herr Dr. Koch hatte aber unterdessen in Gens den dortigen sanitärischen

Vorkehrungen den schuldigen Tribut entrichten müssen. Wie sämwtliche aus Frankreich kommenden Reisenden wurde auch er zurRäucherung" befohlen. .DaS tst ja Unsinn" wandte der Gelehrte ein, der sich weigerte, den Vorschriften Genüge zu leisten.Unsinn oder nicht," herrschte ihn der Mann des Gesetzes an.Sie werden geräuchert wie die Andern." Vergeblich berief sich Herr Koch auf seine Autorität, trotz (Sträuben und Protest wurde er in den Kasten gesteckt und die Räucherung ging vor sich.Daß gerade mir das passiren mußte," mag Herr Koch gedacht haben, der in Folge der Manipulation den nächsten Zug verspätet hatte."

Mainz, 5. Juli. Em hiesiger Metzgermeister ist dieser Tage in eine empfind, lt(be aber auch sehr gerechte Strafe verfallen. Eines Tages, deS Vormittags um 9 Uhr, erschien nämlich einer btr hiesigen Flesschbcschauer bet bemfclben mit bem Be­merken, er wolle bie Kuh sehen, welche er geschlachtet habe, worauf der Metzger er­widerte, er habe noch nicht geschlachtet. daS Stück Vieh, w-lches er schlachten wolle, würbe erst um 10 Uhr geschlachtet, er möge um diese Z-it rotebetfommen. Jetzt erklärte aber bet Flrischbeschauer, baß btefe Angaben nicht richtig seien unb unter polizeilichem ©ßub würbe hieraus der Keller beS MetzgerS einer Rev sion unterzogen, in welchem die 4 Viertel der erst kürzlich geschlachteten Kuh aufgehängt waren. Nun verlangte der Fleischbeschauer auch bas Eingeweide beS geschlachteten Thieres zu sehen, denn nur an dem Eingeweide, der Lunge rc. läßt sich mit Sicherheit erkennen, ob datz Thier zum Schlachten zulässig gewesen- DaS Eingeweide der Kuh konnte aber nicht beschafft werden, da dasselbe angeblich bereits verkauft gewesen sei. Der Keller, in welchem sich das geschlachtete Fleisch befand, wurde nun amtlich versiegelt, worauf baS Amtsgericht verfügte, baß daS Fleisch der geschlachteten Kuh, wegen Außerachtlassung der sanitätS- polizeilichen Vorschriften dem Wasenmeister übergeben roerbm müsse. In Folge dessen wurde baS Fletsch ber Kuh, bic 1m Einkauf 480 X gekostet, confiscirt unb verscharrt. Daß in ben Augen bes Metzgermetsters hier ein großes Unrecht begangen worben ist, brauchen wir wohl nicht zu erwähnen, aber an bemselben Tage, an welchem bieS ge­schah, begab sich die Frau bes Metzgers nach Darmstadt und erbat sich bet bem höchsten Justizbeamten Hessens eine Aubienz, um bemselben baS ihrem Manne vermeintlich wiberfahrcneUnrecht" vorzustellen. DaS Resultat ber Audienz schien nicht bem Wunsche ber Petentin zu entsprechen, benn unbefrtebtgt kehrte sie von Darmstabt zurück.

Eingesandt.

Gießen, 17. Juli.

Schon früher würbe an tiefer Stelle Mittheilung gemacht von Unfällen, bie Fuhrwerke in bem engen Theil ber Bahnhofstraße trafen, in Folge bes allzu gewölbten Pflasters. Dieser Tage stürzten nun wieder ein paar sehr wertbvolle Chaisenpferde und bauerte es fast eine halbe Stunde, b<3 dieselben wieder auf bie Beine gebracht würben. Der Verkehr war auf längere Zeit gestört. In welcher unangenehmen Lage sich die Insassen ber Chaise befanden, kann man sich benfen. Sollte biesen Uebclftänbcn gar nicht abjubelfen sein?

Kandel und SBrrfebr.

Frankfurt, 16. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu 2.402.80, Stroh JL 2.402.60, Eier das Hundert 4 605.00, Butter 1. Qualität X 0.90, 2. Qualität «X 1.10, Kartoffeln per Centner 2.252.50, Kohlrabi 4-6 H pr. St-, Erbsen 100 Kg. 19.0027.50 ^L, Nothkraut pr. St. 3040 Poularden JA 00, Huhn 1.502.20, 1 Ente 3.004.00, 1 Taube 60-00 H, Hahn 1.702.00, Gans JL 40.00, Welsche JL 7-12.

Limburg, 16. Juli. Rother Weizen «X 17 00, weißer Weizen Jt 00.00 Korn JL 13.10, Gerste JL 9.55, Hafer JL 8.75, Erbsen .AL, Kartoffeln JL.

731) Heber die Hfthe der Koeten, welche die Einrückung einer Anzeige In eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von HAASEWSTEfiZV <4* V<PGIa£8 in Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsiohte der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und yrrindlloher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt

Temperatur am 17, Juli (Mittags zwischen 11 und 12 Uhr). Wasserwärme der Lahn 20° R- Luftwärme 22° R. im Schatten.

Rübsamen.

Vergebung von Banarbeiten.

Stic in der Gr. Entbindungsanstalt zu Gießen vorzunehmenden baulichen Arbeiten sollen aus dem Submissions- wege in Accord gegeben werden.

Dieselben sind veranschlagt:

Maurerarbeit zu 445 <M.

Zimmerarbeit 340 Dachdeckerarbeit 2448 Schreinerarbeit 330

Lusthabende wollen ihre Offerten nach Procenten des Voranschlags aus­gedrückt, schriftlich, portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen, längstens bis zum 21. Juli l. I., Vorm'ttags 10 Uhr, bei uns einreichen, bis zu welchem Termin Voranschlag und Bedingungen, Vormittags von 8 bis 12 Uhr, eingesehen werden können.

Gießen, den 16. Juli 1884.

Großherzogliches Kreisbauamt Gießen.

Walter._______4779

Schieferdeckerarbeiten am Pfarrhause in Otzenhausen, zu 135 JL. veranschlagt, sollen

Donnerstag tzen 24. tz. Mts., um 10 Uhr, dahier vergeben werden.

Crofdorf, den 16. Juli 1884.

4773__________Das Bürgermeisteramt.

Dachdecker, welche die Unterhaltung der Bedachungen von Gem.-Gebäuden in den z. Bürger­meisterei Sltzbach und Launspach ge­hörigen Ortschaften auf längere Zeit übernehmen wollen, ersuche ich, ihre nach Maßgabe der hier vorliegenden Beding­ungen abgefaßten Offerten bis zum 24. tz. Mts., 10 Uhr, hierher abzugeben.

Crofdorf, den 16. Juli 1884.

4774 Das Bürgermeisteramt.

Allgemeiner Anzeiger.

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welche am 15»« August erfolgt, verkaufe von heute an

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