Ausgabe 
18.5.1884 Zweites Blatt
 
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Ne. 116. Zweites Blatt. Sonntag den 18. Mai 1SSÄ

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint tSKlich mit Abnahme des MontagS.

W«re«mr Schulfiraße 7.

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im Bereich des Großherzogthums Hessen für dieses

Juli in

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Berlin, den 26. Februar 1384.

Alsfeld, Nidda, Butzbach, Nieder-Wöllstadt, Groß-Bieberau,

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Zum Ankauf von Remonten im Atter von vorzugsweise 3 und ausnahmsweise 4 Jahren sind Jahr nachstehende, Morgens 8 Uhr beginnende Märkte anberaumt worben und zwar:

Die von der Remonte-Ankaufs-Commission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenonrmen und sofort gegen Quittung baar bezahlt.

Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und Her Unkosten zurückzunehmen, auch sind Krippensetzer (.Köpper) vom Ankauf ausgeschlossen und wird es sich empfehlen, hierauf besonders zu achten, damit die Zurückgabe derjenigen Pferde, welche sich innerhalb der ersten 14 Tage nach dem Eintreffen in den Depots mit diesem Fehler behaftet zeigen, vermieden wird. Die Verkäufer sind ferner verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und einem Kopfhalfter von Leder oder Hanf mit 2 mindestens zwei Meter langen starken hänfenen Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben-

Um die Abstammung der vorgeführten Pferde feststellen zu können, ist es erwünscht, daß die Deckscheine möglichst mitgebracht werden.

Königlich Preußisches Kriegs-Ministerium, Abtheilung für das Remontewesen. Frhr. v. Troschke. Gr. v. Klinckowstroem.

Betreffend: Den Remonte-Ankauf pro 1884.

B e k a n n t m a ch u n g

am 2.

8.

24.

25.

26.

am 21.

August in Lampertheim,

22.

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Bickenbach,

23.

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G ernsheim,

25.

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Groß-Gerau.

Wochenschau.

Gießen, 17. Mai.

Nachdem sich die Abreise des Kaisers nach Wiesbaden von Tag zu Tag verzögert hat, wird jetzt osficiös gemeldet, daß der Kaiser die Wies- Ladener Reise ganz aufgegeben zu haben scheine. Es wäre dies zum ersten Male seit langen Jahren, daß Kaiser Wilhelm auf die ihm liebgewordene Gewohn­heit , seine Frühjahrs-Kur in dem so reizend gelegenen Taunusbade abzuhalten, verzichtete und muffen triftige Gründe gewesen sein, welche den greisen Mo­narchen veranlaßt haben, von dieser Gewohnheit abzugehen. Vielleicht hängt Lieser Entschluß mit der Staatsraths-Frage zusammen, da hierüber anscheinend in den nächsten Tagen eine definitive Entscheidung getroffen wird.

Prinz Wilhelm von Preußen hat sich in Begleitung des General- Quartiermeisters der deutschen Armee, Grafen Waldersee, nach Petersburg be­heben, um dem dortigen Hofe die Glückwünsche seines kaiserlichen Großvaters «anläßlich der Großjährigkeits-Erklärung des ältesten Sohnes Kaiser Alexanders, des Großfürsten Nicolaus (geb. 1868), zu überbringen. Es ist nicht ohne Be­deutung, baß zum Träger dieser Mission gerade der einstige Erbe des deutschen KarserthroneS gewählt worden ist, da dieser hierdurch in persönliche Berührung tauch mit dem künftigen Herrscher des CzarenreicheS kommt und dieser Umstand dürfte die Intimität in den Beziehungen Deutschlands zu Rußland nur erhöhen.

Während in den letzten Wochen die Discussisnen und Erörterungen über die innere politische Lage fast ausschließlich dem Schicksale der Socialisten- Vorlage gewidmet waren, wird jetzt, wo die Entscheidung des Reichstages hierüber gefallen ist, in den Blättern die Nachlese zu den Verhandlungen über Las Socialistengesetz gehalten. Die Ausbeute, die man hier findet, ist nach den Verschiedensten Richtungen eine sehr reiche und es wird daher diese Materie noch auf Wochen hinaus Anregung zu Betrachtungen und Erörterungen geben. Was die Verhandlungen und Beschlüsse des Reichstages aus dieser Woche an- Lelangt, so wurde am Montag die Verlängerung des Socialistengesetzes in dritter Lesung definitiv genehmigt. Am Dienstag nahm das Haus, gleichfalls in dritter Berathung, Die Gesetzentwürfe, betr. den Feingehalt der Gold- und S'ilberwaarm, und die den Mitgliedern der deutschen Cholera-Commission zu -gewährende Dotation von 135,000 dL, an und genehmigte dann in erster und Zweiter Lesung das Dynamitgesetz, die Ergänzung zur Socialisten - Vorlage. Schließlich wurde nach animirter Debatte die Wahl des Abg. Prinzen Handjery <10. Potsdamer Wahlkreis) wegen zahlreicher vorgekommener Unregelmäßig- Leiten mit 119 gegen 100 Stimmen für ungültig erklärt. Eine recht lebhafte Verhandlung entspann sich in der Mittwochssitzung über die von deutsch-freisinniger Seite eingebrachten Anträge bezüglich Abänderung der Gewerbeordnung. Die beantragten Abänderungen beziehen sich auf Aushebung der Paragraphen, welche die Unterstellung der Handlungs-Reisenden unter den Hausir-Paragraphen und die Beschränkung des Colportagehandels bestimmen. Obwohl von liberaler Seite die Abgg. Dr. Baumbach und Dr. Goldschmidt die betr. Anträge warm befürworteten, wurden dieselben doch abgelehnt und zwar beide gegen die Stim- Titen der liberalen Gruppen und der Socialdemokraten. Für Donnerstag standen verschiedene kleinere Vorlagen und außerdem die dritte Lesung des Dynamit- gesetzes auf der Tagesordnung. Von diesem Tage an hat der Reichstag bereits seine Pfingstserien angetreten, da er sein vorläufiges Arbeitsmaterial gänzlich erschöpft hat. Die noch restirenden Vorlagen über die Pensionsgesetze, die Un- Mversicherung und das Actiengesetz werden von den Commissionen erst nach Pfingsten fertiggestellt werden können.

Von sonstigen Wochenbegebenheiten interesfirt am meisten der Vor dem Reichsgerichte spielende Proceß Kraszewski. Derselbe hat am Dienstag eine Wendung genommen, welche ihn zu einem politischen Ereigniß Von höchster Bedeutung stempelt, Diese Wendung wird durch die Verlesung

eines Schreibens des Reichskanzlers an den preußischen Kriegsminister v. Bronsart- Schellendorf involvirt, aus welchem zunächst hervorgeht, daß seit dem Jahre 1864 in Paris eine Polnisch-Militärische Gesellschaft (Towarzystwo Zolnierry- polski) besteht, welche die Wiederherstellung Polens als Zweck verfolgt und deshalb mit Officieren polnischer Nationalität in deutschen, rusfischen und öster­reichischen Diensten Verbindungen unterhält. Im Jahre 1873 wurden die Mit­glieder der Gesellschaft von dem Obersten Samuel im französischen Kriegs­ministerium zu Spionirdiensten gegen Deutschland verwendet, ja, einige Jahre später etablirte die französische Regierung zu gleichem Zwecke ein förmliches Nachrichten-Bureau, dessen Mittelpunkt in Dresden und dessen thätigster Agent eben Kraszewski war. Diese sensationellen Enthüllungen, durch welche nament­lich die französische Negierung schwer compromittirt erscheint, lassen dem Aus- gange des Proceffes mit größter Spannung entgegensehen.

Im österreichischen Abgeordnetenhause hat die Linke wieder einmal einen Strike in Scene gesetzt. Derselbe schreibt sich daher, daß nach der in dritter Lesung gegen die Stimmen der Linken erfolgten Annahme des Melio­rationsgesetzes der Äbg. Sturm die Wiederholung der Abstimmung beantragte, da die Linke sich überzeugt halte, daß die Majorität gegen das Gesetz gewesen sei. Da Präsident Smolka dieses Ansinnen aölehnte, verließen die liberalen Abgeordneten den Saal und erschienen auch in der Mittwochssitzung nicht. Die­selbe wurde vom Präsidenten mit einer Ansprache eröffnet, in welcher er die Unthunlichkeit einer zweiten Abstimmung darlegte, versicherte, im besten Glauben gehandelt zu haben und sein Bedauern darüber aussprach, daß ein so großer und geachteter Theil des Hauses fehle. Schließlich erklärte der Präsident, er werde künftig bei jeder Abstimmung, namentliche Abstimmungen ausgenommen, fragen, ob Jemand das Wort zur Abstimmung verlange. Da diese Erklärung des Präsidenten gewissermaßen einer Satissaction für die Linke gleichkommt, so erschien dieselbe wieder vollzählig in der Donnerstagssitzung des Abgeordneten­hauses, womit der parlamentarische Strike beendigt fein dürste.

Das wichtigste Ereigniß für Frankreich war aus dieser Woche das Bekanntwerden des Vertrages von Tientsin, durch welchen die Tongking- Expedition ihren Ausgang gesunden hat. Der Vertrag bedeutet einen durch­schlagenden Erfolg der ostasiatischen Politik des Cabinets Ferry und hat derselbe entschieden dazu beigetragen, das Vertrauen der Franzosen zu der gesammten auswärtigen Politik ihres gegenwärtigen Ministerpräsidenten zu stärken. Die nächsten Folgen des Tientsin-Vertrages werden die theilweise Zurückziehung der französischen Truppen aus Tongking und der Abschluß eines französisch-chinesi­schen Handelsvertrages fein. Es heißt, die aus Tongking zurückbeorderten Trup­pen würden nicht birect nach Frankreich zurückkehren, sondern vorläufig nach- Madagaskar birigirt werben. Die Pourparlers zwischen Frankreich und England wegen der Conferenz haben noch zu keinem Resultate geführt.

Der von der Opposition im englischen Unterhause in der Sudan­frage abermals gegen das Ministerium Gladstone am Montag und Dienstag unternommene Sturm ist von letzterem wiederum abgeschlagen worden. Mit einer Majorität von 28 Stimmen lehnte das Unterhaus das von Hicks-Beach gegen Gladstone beantragte Mißtrauens-Votum ab, was allerdings einen formellen Sieg des englischen Premiers bedeutet, aber selbst alte Parteigenossen Gladstone's, wie der Deputirte Laing, haben sich bei dieser Gelegenheit scharf tadelnd über die Politik Englands im Sudan ausgesprochen und es ist sehr fraglich, ob die liberale Partei Herrn Gladstone auch dann noch halten wird^ wenn der fernere Verlauf der Sudan-Rebellion sich zu einem vollständigen Fiasco der Gladstone'schen Politik gestalten sollte. Abgesehen von diesen Vor­gängen im Parlamente wird aus England von neuen verbrecherischen Ver­suchen der Dynamithelden berichtet, die indessen durch die Wachsamkeit der Behörden vereitelt worden sind.

Aus den übrigen beiden europäischen HauplstggLen«