RV. LS8.
Dienstag den 17. Juni
1884
iehener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
B*rt**t Schulstrahe 7.
Erscheint tL-lich mtt Nvsnahme des
traam
Amtlicher Hheit.
Preis vierteljährlich 2 Mark BO Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Lehrer-Conferenz
des Conferenz-Bezirks Gieße»r Samstag den 21. Juni, Vormittags 9 Uhr, in Gießen.
des Conferenz-Bezirks Grümberg: Mittwoch den 2 5. Juni, Vormittags 9 Uhr, in Gruuberg. _
Gießen, den 16. Juni 1884. ________ Büchner, Kreisschulmipector.
~ “ Edie talladung.
Nachdem wider den nachstehenden im Bezirk der 49. Infanterie-Brigade ausgehobenen Rekruten Wilhelm Zeiß, geboren am 11. November 1862 iu Lolzheim, Kreis Gießen, der förmliche Desettionsproceß eröffnet worden ist, wird derselbe hiermit aufgefordert, sich wieder zu gefteUen, spätestens aber in dem auf Freitag den 31. Setober 1883, Vorwittag« 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht anberaumten Termm zu erschemen, widrigenfalls die wider ihn eingeleitete Untersuchung geschlossen, er in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und er m eine Geldstrafe von 150 des 3000 Mark verurthelttwerden Mrd. $uni lgg^ Großh. Gericht der Großh. Hess. (25.) Division.
Aeutschlaud.
Darmstadt, 14. Juni. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 14) enthält:
1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, den Locomotw- Betrieb aus dem Material-Transport-Geleise von dem Bahnhof Alt-Offenbach nach der städtischen Gasanstalt zu Offenbach a. M. betreffend.
2. Ueberstcht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Etatsjahr 1884/85 zur Erhebung genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Büdingen.
3. Ueberstcht der für das Jahr 1884 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Heppenheim. c
4. Ueberstcht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Etatsjahr 1884/85 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Corn- In veir isvaetmscyen Religions-Gemeinden des Kreises Gießen.
5. Ordensverlechungen.
6. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.
7. Namensveränderungen.
8. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft:
Am 29. Mai wurde der Gerichtsaccesstst Jacob Becker aus Rodau bei dem Amtsgerichte Zwingenberg als Rechtsanwalt zugelaffen; an dems. Tage wurde der Gerichtsaccesstst Hermann Katz aus Gießen bei dem Landgericht der Provinz Oberheffen als Rechtsanwalt zugelassen.
9. Militärdienstnachrichten:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 9. Juni Se. Königl. Hoheit den Erbgroßherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein zum Seconde-Lieutenant ä la suite des 1. Jnfanterie-(Leibgarde-) Regiments Nr. 115 zu ernennen.
10. Dienstnachrichten:
Am 19. Mai wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Hüttenthal Georg Fröhlich von der ihm übertragenen Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kirtorf auf sein Nachsuchen enthoben und bis auf Weiteres auf seiner bisherigen Stelle belassen; an dems. Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Philipp Rupp aus Bechtheim die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hangen- Weisheim übertragen; an dems. Tage wurde der Aufseher am Gefängniß zu Darmstadt Heinrich Weinheimer zum Beschließer an demselben ernannt; an dems. Tage wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau aus die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stockheim präsentirte Schulynts- aspirant Philipp Hartmann aus Groß-Zimmern sür diese Stelle bestätigt.
11. Charakterverl eihungen.
12. Concurrenzeröffnungen:
Erledigt sind: Eine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Nierstein mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 1000 bis 1350 eX Mit der Stelle ist die Hälste des Organistendienstes verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Lais mit einem Gehalt von 900 J-t. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Zwei mit kath. Lehrern und eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Alzey mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von je 1000 bis 1600 «M. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Flensungen mit einem Gehalt von 900 JL Mit der Stelle ist Kirchendienst verbunden. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dienheim mit einem Gehalt von 900 Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rembrücken mit einem Gehalt von 900 Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
Berlin, 13. Juni. Der „Reichs-Anz." veröffentlicht das Gesetz gegen den verbrecherischen und gemeingefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen. Es wird vielfach bedauert, daß § 8 desselben durch einen Milderungs-Antrag verschlechtert ist. Es wäre wohl das Beste gewesen, daß Jeder, welcher ohne einen obrigkeitlichen Erlaubnißschein im Besitz von Sprengstoffen betroffen wird, mindestens mit Gefängniß nicht unter einem Jahre bestraft würde. Das Nebel,
welches bekämpft werden soll, ist so groß, ja, entsetzlich, daß die strengsten Strafen angezeigt sind. Neber das Dynamit-Attentat bei dem Niederwaldfeste wird nun bald die gerichtliche Untersuchung die Wahrheit an's Licht bringen. So viel erfährt man von gut unterrichteter Seite, daß es sich wirklich um eine von New-Iork aus geleitete Verschwörung gehandelt hat. Unrichtig ist es, daß das Denkmal oder das Kaiserzelt unterminirt gewesen sei. Der Mordversuch sollte gegen den Kaiser und dessen Umgebung aus dem Zuge nach dem Denkmal unternommen werden. Es haben sich auf dem Wege mit Dynamit gefüllte Wafferröhren gefunden und die zuerst von Herrn Eugen Richter gebrachte Ent- hüllung hat sich demnach im Wesentlichen bestätigt.
Berlin, 14. Juni. In der unter dem Vorsitze des Staalsmivtsters v. Bötticher am 13. Juni abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths wurde die Rechnung der Kaffe des Rechnungshofes für 1882/83 dem zuständigen Ausschüsse zur Vorberathung überwiesen. Dem Entwürfe eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des Zolltarifgesetzes vom 15. Jult 1879, ertheilte die Versammlung mit einigen Abänderungen die Zustimmung. Durch diese Beschlußfassung wurde eine Eingabe, betreffend die Erhöhung deS Eingangszolle« auf Kakaopulver, für erledigt erklärt. Ablehnend beschieden wurden die Eingaben, betreffend den zollfreien Einlaß älterer Werke der Kunst und des Kunst- gewerbes; bie Zolltarifirung von Lederpappe; bte Zolltarifiruog von Kirschen-Zahn- pasta; die Zolltarifirung von Schteferblöcken. Die Versammlung genehmigte die am 13. Mat d. I. in Haag unterzeichnete Ltterarkonvention mit den Niederlanden und wählte für die Verhandlungen im Reichstage mehrere Comm-ssarien. Schließlich wurde über die geschäftliche Behandlung zweier Eingaben von Privaten Beschluß gefaßt.
14. Juni. Seine Majestät der Kaiser ist heute Vormittag hier eingetroffen. Allerhöchstderselbe wurde am Bahnhofe von dem Oberpräsidenten v. Bardeleben, dem Regierungspräsidenten v. Wurmb, dem Badecommtssarius v. Lepel-Gnitz, dem Landrath Rolshovcn und dem Bürgermeister Spangenberg empfangen. Außerdem waren die Geistlichkeit, die Generalität aus Koblenz, hier anwesende disttnguirte Badegäste und der Kriegerverein zur Begrüßung erschienen. Se. Majestät sah sehr wohl aus und fuhr, von der zahlreich Herbetgeströmten Bevölkerung mit begeisterten Hochs begrüßt, nach dem Kurhause. Das Wetter ist sehr schön.
Karl-ruhe, 14. Juni. Die Thronrede, mit welcher der Landtag heute vom Großherzog geschloffen worden ist, weist auf die langen und mühevollen Arbeiten des Landtags und auf die treue und erfolgreiche Pflichterfüllung deffel- ben hin, giebt der Befriedigung über die Erfüllung der Erwartungen Ausdruck, die bei der Eröffnung des Landtags in Bezug auf die Ausbildung der öffentlichen Einrichtungen und die Förderung der geistigen und materiellen Interessen des Volks ausgesprochen worden seien und dankt den Ständen für ihre Einsicht, ihren patriotischen Sinn und ihre stete Bereitwilligkeit zum Zusammenwirken unter sich, wie zum Zusammenwirken mit der Negierung. Fast alle dem Landtag gestellten Aufgaben hätten eine befriedigende Lösung gefunden und den mannigfaltigen Bedürfnissen und Wünschen des Landes sei Rechnung getragen, insbesondere in Betreff der erweiterten Ausgestaltung der Rechtsordnung des Staatswesens, der inneren Organisation und der Selbstverwaltung der großen Communalver- bände. Die Beratungen über die landwirthschaftliche Enquete seien von großem Nutzen gewesen, die Regierung werde die bezüglichen Vorschläge und Anregungen unter Mitwirkung sachkundiger Kräfte einer abschließenden Behandlung entgegenführen. Eine gleiche Thellnahme und Fürsorge würden die Interessen des Kleingewerbes finden. Durch die Steuerreform auf dem Wege der Besteuerung des Einkommens sei die Grundlage für eine gerechtere Vertheilung der Lasten gewonnen worden; die Verhältnisse aller Staatsdiener hätten durch das Relicten- gesetz eine befriedigende Lösung erfahren. Am Schluffe heißt es, der Großherzog begleite die Abgeordneten mit dankbarer Gesinnung und mit treuen Wünschen in ihre Heimath, er hoffe, daß zu den Früchten der andauernden Arbeit auch der Segen des Himmels trete und daß eine reiche Ernte den Fleiß des Volkes belohne.
Oesterreich.
Wie«, 14. Juni. Nach einer Mittbeiluvtz der „Presse" ist bei den Konferenzen, zu denen bte am Verkehr der Nord- und Ostseehäfen beteiligten österreichischen Bahnen mit den betreffenden deutschen Bahnen am 11. und 12. d. M. in Antwerpen zusammengetreten waren, eine Revision, resp. Neuherstellurig M Verbandtarifs in Be- rathung gezogen worden.
Schweiz.
Bern, 14. Juni. Der „Bund" tischt an hervorragender Stelle seinen Lesern folgende Schauermähr aus:
Von durchaus glaubwürdiger Seite wird uns aus Berlin geschrieben: Als zufälliger Ohrenzeuge eines Gesprächs deutscher Officiere erfuhr ich, daß


