1884
Samstag den 17. Mai
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PreiK vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Oesterreich.
Wien, 14. Mai. Die heutige Sitzung des Unterhauses wurde gegen Mittag in Abwesenheit der Linken vom Präsidenten mit einer Ansprache eröffnet, in welcher derselbe sein Bestreben betonte, mit dem ganzen Hause im besten Einvernehmen zu stehen, und dankbar anerkannte, daß der Abg. Sturm seine (des Präsidenten) gestrige Enunciation auf einen unabsichtlichen Jrrthum zurück- gesührt habe. Der Präsident legte die Unthunlichkeit einer zweiten Abstimmung dar, versicherte, daß er glaube, im Rechte gewesen zu sein und sprach sein Bedauern aus, daß ein so großer und so geachteter Theil des Hauses fehle. (£r werde künftig bet jeder Abstimmung, namentliche Abstimmungen ausgenommen, fragen, ob Jemand das Wort zur Abstimmung verlange und bitte, dies
DMtrfrhe Aeberfkcht.
Gießen, 16. Mai.
Die erregten Verhandlungen des Reichstages aus vergangener Woche über das Socialistengesetz haben cm Montag in der dritten Lesung
. . der Vorlage ihr Nachspiel gesunden. Das Resultat der Discussion, welche
oay vom li» Mül (fl Schuch absolut nichts Neues darbot, war, daß die Verlängerung des Socialisten- grsetzes auf fernere zwei Jahre die definitive Bestätigung des Hauses fand, .. nährend die hierzu eingebrachten Resolutionen der Aügg. Windthorst und Stöcker
In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat April 1884 veröffentlicht:
Hafer «M. 16.75, Heu 6.75, Stroh 6.25 per 100 Kilogramm.
Gießen, den 14. Mai 1884. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann. ________________________
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, mit großer Majorität abgelehnt wurden. Hiermit haben die viertägigen Debatten Mn oes Perm ^er bas Socialistengesetz ihren Abschluß gefunden. — In der Dienstagssitzunq genehmigte der Reichstag nach unerheblicher Debatte in dritter Lesung den Gesetzentwurf über den Feingehalt der Gold- und Silberwaaren. Ferner genehmigte das Haus definitiv die Abänderung der Maaß- und Gewichtsordnung, sowie den Entwurf, betr. die Zuerkennung einer Dotation im Betrage von 135,000 Jl. an die Mitglieder der deutschen, nun von Egypten und Indien heimgekehrten Cholera-Commission. Nach ebenfalls wenig bemerkenswerther Debatte nahm das Haus in erster und zweiter Lesung auch das „Dynamit- ____ gesetz" an und erklärte schließlich die Wahl des conservatlven Abg. Prinzen ^hrerHchtige Lchräm Handjery (10. Potsdamer) in namentlicher Abstimmung mit 119 gegen 100 St. für ungültig. Am Mittwoch war „Schwerinstag."
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Gießen, am 15. Mai 1884.
Betreffend: Das Regulativ über die Ausnahme und Entlassung von Psteglingen in die Großherzogliche Anstalt für Blödsinnige „Alicestift".
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzher;oglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir benachrichtigen Sie, daß zufolge Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 24. Aprll d. I. künftig.die -Erhebung der von öffentlichen Kassen zu entrichtenden Pfleg- und Kleidergelder für die in der Anstalt für Blödsinnige „Alicestift" in Darmstadt befindlichen Pfleglinge vierteljährlich postnumerando stattzufinden hat.
Dr. Boekmann.
feinsten.
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prim iQHK Die parlamentarische Lage im Reichstage hat sich jetzt ziemlich allänsM Arstig gestaltet, da nunmehr außer dem Unfallversicherungs-Gesetz, den Pensions- - : : Gesetzen und dem Actien-Gesetz keine weiteren Vorlagen von Bedeutung zu erledigen sind. Wahrscheinlich wird der Reichstag in diesen Tagen in seinen Plenarsitzungen wieder eine größere Pause eintreten lassen, um hauptsächlich der Unfallversicherungsgesetz-Commission mehr Zeit zu ihren Berathungen zu gewähren. Für die Behandlung im Plenum ist die Unfallversicherungs-Vorlage noch lange nicht reif, ebensowenig wie die Pensions-Gesetze und was das Actien- Gesetz anbelangt, so wird dasselbe schwerlich mehr von diesem Reichstage erledigt werden. Unter allen Umständen aber will die Reichsregierung noch das Unfallversicherungs-Gesetz in der gegenwärtigen Session unter Dach und Fach gebracht sehen, so daß der Reichstag vielleicht bis tief in den Juli wird zusammen-
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Siebener Widerspruch gegen den Vertrag in seiner jetzigen Faffung erhoben md zugleich macht sich auch eine Strömung zu Gunsten des Verstaatlichungs- MG" I Gedankens geltend und wenn — wie es den Anschein hat — die Regierung i-bss Grasen Taaffe auf der Nordbahn-Vorlage stricte besteht, so läßt sich nicht ^absehen, wie die ganze Angelegenheit noch verlaufen wird.
Die ostasiatische Politik des Cabinets Ferry ist durch den Vertrag von Tientsin in glänzender Weise gekrönt worden. Die schweren Opfer an Geld und Menschenleben, welche Frankreich zur Durchsetzung seiner Ansprüche auf Annam und Tongking gebracht hat, sind keine vergeblichen gewesen, da nunmehr von China das französische Protectorat über Annam und Tongking rückhaltlos anerkannt worden. Außerdem gewährt der Vertrag von Tientsin durch die Bestimmung, daß die drei südlichsten Grenzprovinzen Chinas dem allgemeinen Handel geöffnet werden sollen, in erster Linie dem französischen Handel große Vortheile, zumal da in drei Monaten Verhandlungen über einen
Erscheint tößkich mit Ausnahme des Montag».
französisch - chinesischen Handelsvertrag eröffnet werden sollen. Der glückliche Ausgang der Tongkingsrage befriedigt auch die französischen radikalen Blätter und unterliegt es keinem Zweifel, daß das Cabinet Ferry hierdurch seine Stellung wieder sehr befestigt hat. Die theilweise Zurückziehung der französischen Truppen aus Tongking wird nun unverzüglich erfolgen und ist bereits der Befehl zur Einschiffung von vorläufig drei Regimentern dorthin abgegangen. Das befriedigende Ende der Tongking-Expedition verleiht auch dem Standpunkte Frankreichs auf der Conferenz eine größere Festigkeit; bezüglich der Conferenz dauern in London die Vorbesprechungen zwischen Herrn Waddington und Lord Granville fort.
4 Der englische Premier, Herr Gladstone, kann wieder einmal einen parlamentarischen Pyrrhussieg verzeichnen. Mit 303 gegen 275 Stimmen lehnte das Unterhaus am Dienstag, Nachts^ das von Hicks-Beach gegen Gladstone anläßlich dessen egyptischer Politik beantragte Mißtrauensvotum ab und Mr. Gladstone ist sammt seiner egyptischen Politik noch einmal gerettet. Die Rednerkunst Gladstone's und der feste Zusammenhalt der liberalen Partei haben der englischen Regierung die Niederlage nochmals erspart, die eines Tages kommen muß, wenn England seine Politik in Egypten nicht bald total ändert.
Die neulich in Bukarest anläßlich einer Versammlung der oppositionellen Parteien stattgefundenen Unruhen haben auch zu einer Erörterung in der rumänischen Deputirtenkammer geführt. Die Verhandlung gestaltete sich zu einer Art Vertrauens-Votum für das Cabinet Bratiano, denn mit übergroßer Majorität nahm die Kammer eine Tagesordnung an, welche die Befriedigung der Kammer über die Haltung der Negierung in dieser Affaire und die Ueber- zeugung ausspricht, daß die Regierung die Ruhe und Ordnung im Lande stets aufrechterhalten werde.
Die Erwerbung des Küstenlandes von Angra Pequena tnt südlichen West-Afrika durch deutsche Geschäftsunternehmer erregt bereits den Neid der Engländer. Die Londoner Negierung selbst kommt jetzt mit der Behauptung, es seien ältere englische Besitztitel aus Angra Pequena vorhanden und die deutschen Faktoren sind deshalb schon wiederholten Belästigungen von englischer Seite ausgesetzt gewesen. Hoffentlich läßt es die deutsche Reichsregierung an einer kräftigen Unterstützung ihrer Angehörigen in Angra Pequena nicht fehlen.
Aus Egypten ist außer dem Vormarsch der Sudan-Nebellen gegen Dongola nichts wesentlich Neues zu verzeichnen. Auch die angekündigte englische Expedition zum Entsätze Khartums ist aus ihren nebelhaften Umrissen noch nicht hervorgetreten und scheint überhaupt hinter dieser Expedition kein wirklicher Ernst zu stecken.
Deutschland.
Darmstadt, 14. Mai. Der Königlich Italienische Generalconsul in Frankfurt a. M., Herr Marquis Centurione, ist zum Generalconsul in Nizza ernannt und der Viceconsul, Herr Otto de Neufville, interimistisch mit der Leitung des Königlich Italienischen Generalconsulats in Frankfurt a. M., dessen Amtsbezirk sich auch auf das Großherzogthum Hessen erstreckt, beauftragt worden.
bleiben müssen.
Graf Herbert Bismarck ist dem Vernehmen nach zum Chef der deutschen Gesandtschaft im Haag designirt, an Stelle des vom Haag nach Washington versetzten Gesandten v. Alvensleben. Graf Herbert Bismarck ist Zur Zeit der deutschen Botschaft in Petersburg attachirt.
In Oesterreich dürfte die Nordbahn-Afsaire noch zu einem ernsten Conflict zwischen Regierung und Abgeordnetenhaus führen. In der am Montag abgehaltenen Sitzung des Sub-Comitös des Eisenbahn-Ausschusses, dem
Vorberathung der Nordbahn-Vorlage obliegt, vertheidigten die Mmtster Dunajewski und Pino eingehend das zwischen der Regierung und der Norobahn mit Zubebor.ru abgeschlossene Uebereinkommen und sprachen sich dabei auch gegen bte Verstaat- -lichung der Bahn aus. Nun aber hat sich im Abgeordnetenhause allseitig ent-


