Ausgabe 
16.12.1884 Erstes Blatt
 
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Frankreich, Italien und Spanien ist ausgehoben worden, ausgenommen für Lumpen, gebrauchte und tragbare Wäsche, Bettwäsche und getragene KleidungS- stücke, im Falle diese Gegenstände auf der Grenze nicht gründlich desinficirt werden.

. Sia auSoerkausteS Haus und reichster Betfall unseres kunstsinnigen Publikums möge der Gästin unseren Dank bokummtiren, sowie unsere Dtrect.ou veranlassm, auf diesem lobenswerthen Wege fortzuschretten-

Lokales.

Sieben, 15. December. Das am SamStag den 13. Decrmber tn unserem Clubsaale ftattgehabte Coucert hatte trotz der jetzigen ungünstigen Zett für derartige Unternehmungen ein ziemlich zahlreiche Audirortum versammelt und bot im Allge­meinen viel deS BeachtenSwerihen und Interessanten.

Herr Maurice Dengremont überraschte durch seine erstaunliche Fertigkeit und wenn Technik im Btoltnsptel allein ein Verdienst wäre, so müßte der Künstler wohl den ersten Platz unter den Violinvirtuosen etnnehmen, aber zur Vollendung eines Geigers gehört auch die Seele, die Hingebung beim Vorträge und diese vermißten wir bet den rapiden TemptS, hauptsächlich aber bet der Wiedergabe deS McndelSsohn'schen Andantes. Herr Dengremont, der als Knabe durch feine große Veranlagung, durch seine bedeuteaden technischen Kunstgriffe das Publikum zu überraschen wußte, hat in Betreff der geistigen Auffassung keine besonderen Fortschritte gemacht, waS um so mehr zu beklagen ist, da ein solches Talent zu den allerhöchsten Erwartungen berechtigte. Ganz vortrefflich gelang ihm die Polonaise von Vteuxiewps. wo er seine anerkennens- werthen Fähigkeiten tn daS beste Licht setzte, nur schade, daß durch einen unangenehmen Zwischenfall dem Vortrage ein jähes Ende bereitet wurde.

Herr Hofpianist Eckhoff machte sich um den Concertabend hochverdient, eines- theilS durch seine decente und dem Ohre wohlthuende Begleitung, andernthetls durch den Vortrag verschiedener Soloptöcen, von denen wir besonders die Staccato-Etude von Scharwenka und das lieblich dahmflteßende Hlrtenidyll von Scarlatti-Tausig hervorheben. Die 12. Rhapsode von Liszt konnte Chopins ^äur-Polonatse keineswegs ersetzen und ebenso ließ uns der Ungarische Sturmmarsch von Liszt Mit seinen trivialen Harmonien kalt.

In Frau Johanna Wegner lernten wir eine Altistin kennen, der entschieden die Palme des Abends gebührt. Ihre Stimme war von der Tiefe bis zur Höhe glockenrein, ihr Vortrag warm und wohlgeschult, so daß wir über manche Undeutlichkeit in der Aussprache, die sich besonders tn dem Brahmö'schm Liede:Lmdes Rauschen tn den Wipfeln" geltend machte, gern hinwegsehen Herrlich sang die Künstlerin Schumanr.'s Widmung und Leßmann'S: »Du rothe RoS auf grüner Haid."

Das Audttorium veranlaßte durch Hervorruf Herrn Deugremont noch zur Zugabe eines spanischen Tanzes von Sarasate.8

Gießen, 15. Decrmber. Auf dem zur Oberförsterei Hochwetsel gehörigen Jagd» gelutt des Herrn Baron von Rabenau wurde vergangenen SamStag von Herrn Forst­assessor. eine sehr starke Wildkatze geschossen. u

Kirchliche Anzeigen der rvsngel. Gemeinde.

Heute, Montag, Abend 8 Uhr Bibel stunde in der Kleinkinderschule, Apostel- gesch. Kap. 21. Pfarrer Or. Naumann.

Vermischte-.

^ußcn] ^ufdanb, ber berühmte Arzt, soll einmal geäußert haben- »Schlimm tsts, daß die Menschen husten müssen, wenn ihnen etwas Unrechtes tn di- Kehle kommt; müßten sie dann aber auch husten, wenn iha^n etwas Unrechtes aus der Kehle kommt, so wäre des Keuchens gar kein Ende."

. fGegen die moderne Damenscisur.j In den competenten Frauenk.-etsen träat man sich letzt mit der Absicht, die moderne Form des Auskämmens der Haare vom Halle gegen den Scheitel hin aufzugeben. Al4 Grund hierfür wird der Aussoruch einiger medictnischer Autoritäten angegeben, nach welchem dieses Hinaufkämmen resv die durch dasselbe verursachte Spannung der Haare tn sehr vielen Fällen Genick- schmerzen hervorruft. Gletchzetttg constatiren besagte ärztliche Autoritäten, die nervösen Kopfschmerzen unserer Damen bedeutend abgeuommen haben, seitdem Löckcken und hereingeschnittene Haare die Stirne bedecken. And"rers-tttz wird von ein m vor­nehmlich für Frauenkceise berechneten Woch'nblatte der Vorschlag gemacht, dte Damm mögen die Haare nach Mannermt kurz gestutzt trage», wodurch alle mit dem Trag n langer Haare und Zopfe o-rbundenen Uebdfländr radikal beseitigt würden weiterer Motivirung dieses Vorschlags wird daran erinnert, daß auch die Männer bet welchen früher lange Haare und Zöpfe eine Zeit lang tn der Mode waren diese Haartracht als gänzlich unpraktisch schon längst abgelegt haben. 1

Literarisches.

Zum Weihnachtsgeschenk für die Jugend empfehlen wir:

Deutsches Märchen von Fr. Büchner (KretSschultnspector dahier).

DaS in schöner AuSNattung mit sechs feinen colortrten Bildern tn dem Verlage von K. Flemming tn Glogau erschienene Buch enthält einen dreifachen CykluS von Märchen. Der erste mit 7 Märchen ist in die Erzählung der Abenteuer von AuS. Wanderern eingeflochten und trügt dcßhalb die Erzählung selbst den Namen: .Die AuSwanderee". Die Märchen sind betitelt: 1. der schwarze Herr deS WaldeS; 2. das Märchen von den drei Rolandsknappen; 3. Petermännchen; 4. daS strenge Hurlewetb 5. daS Märchen von zwei dummen und einem geschcrdten Bruder; 6. dte 8weraeu- draut; 7. Gretchen mtt dem goldenen Spinnrädchen.

Der zweite Cyklus ist In die Erzählung der Geschichte einer Holzfällerfamilie im WaSgauwalv etngewoben und führte den Namen: »Das Marmel-Et". Dte Märchen ?Darln btc weiße Ltlienfrau; 2. der böse Ftchtelgetst. Der dritte Thctl des Buches besteht auS einem längeren Märchen »daS Mägdelein: »Ich will nicht URb drei Abteilungen: 1. Verschwunden; 2. bei der schwarzen Frau 3. Erlöst.

Die Erzählungen und Märchen sind durchaus eigene Eifindung; denn wenn auch zwei der letzteren an vorhandene Sagen erinnern, so ist doch nicht mehr als der Name betbehalten und eine neue Erzählung daran angeknüpft. Sowohl nach der äußeren DarstrUungSwetse, wie nach dem Inhalte, der uns erkennen läßt, daß jeder Erzählung und irdcm Märchen ein sittliches Motiv, nämlich das, eine edle Denkweise an wecken und eine t efe GemüthSbtldung zu pflegen, zu Grunde liegt, können wir da« Buch, daS, so viel und bekannt, bereits tn den hiesigen Buchhandlungen ausgestellt ist, als eine gute Lectüre für dte Jugend bestens empfehlen.st.

Theater.

ES bedarf wohl nicht besonderer Anregung zu der ©aft^rftenuM der Frau Charlotte Lange als Gräfin Autreoal in Scrtbe's .Fcauenkamvl"

, Der außerordentliche Erfolg des ersten Auftretens, sowie der große Andrang auch zu dieser Vorstellung verbürgen zur Genüge den genußreichen Abend den uns die so hochbegabte Künstlerin durch ihr Gastspiel verschafft * ' öen Unö bte

Handel und Verkehr.

m december (Fruchtpresse.) Wehen JL 16.50, Korn 16.30,

Gerste JL 14.oO, Hafer 12.70, Erbsen JU 15.70, Linsen JL. 00.00, Lein JL 00.00, Samen JL 22.00, Kartoffeln JL 0.00, Wicken 0.00.

»Zrantfurt, 13. December. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu b.oo3.30, Stroh JL 1./02.40, Eier das Hundert 5 609.60, Butter Oualttat 1.00, 2. Qualität JL 1.10, Kartoffeln per Centner JL 2.002.50, Kohlrabi 30 $ pr- St-, Erbsen 100 Kg. 22.0030.00 J4, Rothkraut pr. St. 1535 H Poularden JL 00, Huhn 1.002.00, 1 Ente JL 2.002.70, 1 Taube 4060H, Habn 1,902,00, Gans 610.00, Welsche JL 5.008.00 *

Repertoir der vereinigten Ztadttheater;u Irankfurt a. M.

Opernhaus.

Dienstag den 16. December: Das goldene Kreuz. Hierauf: Ballet.

. Ö<?/Ven A^cember ' 3U Beethovens Geburtstag. Vorstellung bei ermäßigten Pressen: Fidelio. Außer Abonnement.

Donnerstag den 18. December: Zu Weder's Geburtstag: Oberon.

Freitag den 19. December geschlossen.

Samstag den 20. December: Freischütz.

o 21. December, Nachmittags 3Vs Uhr: Bei ermäßigten Preisen

Zum ersten Male^: Till Eulensptegel oder: Eine Fahrt durchs Märchen- reich. Zaubermarchen mit Gesang und Tanz tn 5 Bildern und einem Vorspiel von L. Raupp. Ermäßigte Preise. Außer Abonnement- Abends7Uhr: Die Favo rtttn. _.,r Montag den 22. December: Zum ersten Male wiederholt (Nachmittags 3 Vr Uhr): Till Eulensptegel. Ermäßigte Presse. Außer Abonnement.

Schauspielhaus.

Dienstag den 16. December: Zum Geoächtmsse Gutzkow's- Urtel Acosta.

Mittwoch den 17. December: Der Salontyroler.

Donnerstag den 18. December: Abschiedsvorstellung deS Herrn W. Knaack. Taub muß er sein Man sucht einen Erzieher. Schn etder Fips. Außer Abonnement. (Damotseau, Abraham Meyer, Fips: Herr Knaack.)

Freitag den 19. December: Dte Karls sch üler.

Samstag den 20. Dccewber: Don Juans Ende.

Sonntag den 21. December: Die große Glocke. Anfang 7 Uhr.

Allgemeiner Anzeiger.

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