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Mr. 2941 Erstes Blatt. Dienstag den 16. December 188M
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme beB «otttagS
Bttrtatt: Schulstraße 7.
PreiS vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit Bringerlosn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.
Amtlicher Hheit.
und zu verpflegen;
Gros.
Betreffend: Die Nachfuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugmsien.
Bekanntmachung.
Di-i-niom hinnen Leute welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen werden -rdnrch^uf die Nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfugen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige
c. ein Unbescholtenheitszeugmß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien. Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;
4. da» Schulzeugniß.
Sodann wird noch besonders bemerkt:
3u pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf.
Zu pos. i - daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reisezeugniffe für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen uu» Reisezeugniffe für die Prima der Gymnasien und Realschulen I. Ord^ sämmtlich nach de« Schema 17 zur KrsaPOrdnung (1. Theil d« Wehr-Ordnung vom 28. Septdr. 1875 — Reg.-Bk. Rr. 55 von 1875) ausgestellt sein müssen.
wird.
4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
b. ^EÜWillig'mgS. Attest des Vaters oder Vormundes mit der Sr- klärung über BereitwiSigkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurusten
hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbring Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.
1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten PrüsungS-Commisfion nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Grohherzogthum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. feinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens -iS zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum emlahrigen Dienst ist bei Verlust deS Anrechts spätestens bis zum 1- April des- selben Jahres zu erbringen.
3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben fein und ist hierzu ein Bogen in Actensormat (nicht Briefpapier) zu verivenden. Auch erscheint eß zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben
Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der SS 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten ErsatzOrd. verwiesen. Grobherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.
Der Vorsitzende:
— Der zweite Theil des Blaubuchs, welcher 10 Actenstücke, betr. die deutschen Jntereffen in der Südsee, enthält, ist erschienen. Die Berichte des kaiserlichen ConsularverweserS in Apia nebst den beigelegten Denkschriften, betr. die deutsche Handelsplantagen-Gesellschaft in der Südsee und die fremde Eon- currenz in den unabhängigen Theilen des westlichen Stillen Meeres, legen dar daß in dem letzteren Theile des Stillen Meeres der deutsche Handel noch heute eine herrschende Stellung einnimmt. Eine wirkliche Gefahr durfte nur von englisch.australischer Concurrenz drohen. Deutschland muffe danach streben, durch Vermehrung consularischer Berufsbeamten und maritimer Streitkräfte in der Südsee die deutschen kaufmännischen Erfolge zu sichern.
Berlin, 13. December. Aufsehen erregt die heute erfolgte AuSwetsung deS be« kannten socialdemokrattsch'N Agitatoren und Stadtverordneten Ewald. Er wurde beute früh auf das Polizeipräsidium beschieden und angewiesen, sofort bis heute Abend (mit dem letzten Abendzuge) Berlin zu verlassen! Ewald ist unbemittelt»^ vater. Der muthmaßltche Grund der Ausweisung ist, daßl Ewald Vorfitzender^enn Bersammtung in dieser Woche war, in der eS nach der Auflösung tumultuarischen Kcenen kam wöbet den Poltzeibeamten sehr böse mitgespielt wurde. Auch gestern hat Ewald & MM d-S Wahlresuttai» in b--N°rdd-utt«°n Bram«. b<. rufenen Versammlung präfibfrt, in bei -S ,u '-Sr ftürm>,ch-n S--n-n tarn, AIS nach einer Bekanntmachung deS Stadtverordneten Ewald sich großer Jubel erhob uno eme Verschiebung eintrat, so daß die Gänge wieder frei gemachtwerden."Em.waS große Efe1« «
Saal verließ. Da wurde plötzlich unter großem Halloh die Tribüne gestürmt und beide Polizetbeamte binabgeworfen, welche sich vor der Wuth der Menge in einean- arenreade Localität stückten mußten, deren AuSgang nunmehr durch Tt^)e und Stühle v er bar rtkadtrt w urd e. B et der schließlichen Räumung des Saales durch Schutzmänner kam es xu ernsten Kämpfen zwischen diesen und der im Garten tobenden Menge, tn welcke dt^' Schutzleute mit der blanken Waffe htneinhieben. Ein Bombardement von Stühlen, Bierseideln rc. folgte, welche nicht minder wie die Polizetbeamten> auch! die großen Fenster und Glasthüren des Saales trafen und zertrümmerten. Unter Gesang und Hochrufen zog man nu» auf die Straße, wo di- Demonstratiooen fortge sitzt wurden. Als die Polizei mehrere Verhaftungen vornahm, kam es iu erneutttr Kämpfen. Wiederum machten die Schutzleute von der blanken Waffe Gebrauch, doch gelang eS endlich der aufgebotenen Polizeimacht, die erregte Menge zerstreuen. Noch lange aber ertönten tn der ganzen Gegend die Hochrufe auf den gewählten Pfannkuch. (F-Z-)
ßngkand.
London, 13. December. Heute Abend gegen 6 Uhr fand unter einem Bogen der London-Bridge eine Explosion statt, roel^e
Die Polizei hat sofort geeignete Untersuchungen angeftellt; _biß letzt rst. indessen über die Natur, die Entstehung und Die Folgen der Explosion noch nchts bekannt. Eine große Menge Neugieriger sammelt sich ^rtwährend auf und m der Nähe der Brücke an. Einige Fensterscheiben benachbarter Häuser sollen durch die Explosion zertrümmert sein.
Mßtavd.
Petersburg, 13. December. Die Quarantaine für Provenienzen aus
Deutschland.
Berlin, 13. December. Nach Privatmittheilungen, welche die „Nordd. Alla. Ztg." aus Korea erhalten hat, ist daselbst eine Empörung ausgebrochen, die deutschen Kaufleute scheinen gerettet!; jedenfalls ist bAnnt, daß die Mitglieder der in Chemulpo ansässigen deutschen Firma „E. Meyer u. Compagnie in ^^^^"^ichs-Anz." publicirt das Gesetz über die Beschränkung des Rechts zur Annahme von Lehrlingen.
___ Das „Berl. Tagebl." bringt die noch der Bestätigung bedürfende Nachricht, daß der Stadtverordnete Ewald heute Vormittag auf das Polizei- Präsidium beschieden und dort angewiesen wurde, Berlin bis Abends zu ver- laffen. Als muthmaßlichen Grund der Ausweisung giebt das „Tagebl die gestern Abend in der Norddeutschen Brauerei stattgehabte stürmische Versammlung an, welcher Ewald präsidirt hatte.
— Zum Director des hiesigen Zoologischen Gartens ist nunmehr Dr. Schmidt, Director des Zoologischen Gartens in Frankfurt a. M., gewählt morden^ Commission der Conferenz beendete die Berathung der Niger- Schiffsahrts-Akte. Es steht nunmehr noch die ErledigungI der Neutralitatsfrage aus. Der Bericht der Commission über die von ihr sestgeftellte Congo-Schiff- fahrts-Akte, sowie solchen über die Niger-Schiffsahrts-Akte wurden an die Mitglieder der Conferenz vertheilt. Der belgische. Delegirte, Lambremont, wird über beide in der Conserenz referiren, doch wird voraussichtlich vorher noch eine Commissions'Sitzung stattfinden. _ . ,
— Der Kaiser wurde Vormittags vom König von Sachsen zur Jagd ab- aeholt. Beide Monarchen fuhren in vierspännigem Wagen nach Grünewald. Nachmittags 5 Uhr ist im kronprinzlichen Palais engere Familientafel, woran außer Dem sächsischen Königspaare der Großherzog und der Erbgroßherzog von Weimar theilnahmen. Abends halb 9 Uhr ist zu Ehren der achsi chen Gaste bei dem Kaiserpaare Soiree, wozu außer den hier anwesenden sächsischen Generalen und hohen Beamten auch Fürst Bismarck, mehrere Minister und andere hervorragende Personen geladen sind. . _
y Berlin, 13. December. Der Reichstag erledigte den Etat des Reichs- schatzamts Der Etat des Reichseisenbahnamts rief eine längere Debatte, über dessen unzulängliche Competenz, sowie über die Fürsorge sur die Eisen- babn-Unterbeamten hervor und wurde schließlich an die Budget-Commission verwiesen Beim Etat des Reichsinvalidenfonds erklärt der Kriegsminister auf^Anfraae Bürklin's, der kaiserliche Erlaß vom 22. Juli 1884 über nach- träalicke Zuwendungen aus dem Jnvalidenfonds an Militärpersonen, deren ^n- validiMt sicherst später herausgestellt, werde im wohlwollendsten Sinne gehandhabt es werde kein positiver ärztlicher Nachweis von Nachwirkung im Kriege erlittener Beschädigungen verlangt, es genüge schon eine Wahrscheinlichkeit des Zusammenhanges der jetzigen Leiden mit den Kriegs-Strapazen; von < 32 ®e* SSSISm bereits 287 bewilligt. Die übrigen auf der Tagesordnung stehen- Len Etats werden nach unerheblicher Debatte erledigt.


