Ausgabe 
16.11.1884 Zweites Blatt
 
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Dortmund 11. November- Gestern Abend macht- h'er ein Ujäljrfger Jtnabr, Schüler einer hiesigen höheren Lehranstalt, s-in-m Leben durch einen schuß in den Kops ein Ende In einem an die Eltern g-rickl-t-n Schreiben fltbt ber ftnabe an, e» sei ihm unmöglich, dem Unterrichte zu folgen bczw. seine Schularbeiten zu fettigen. Der unglückliche Junge ist der Sohn eines B-tri-bsführerL auf einer be= na<f)t>«rten 3edje. s8erbted)er.] In Preußen wird bekannllich da? Spielen in nichtpreußsichen Lotterien ftrasgerichllich verfolgt mit b efer Einleitung beginnt die .Presse- folgendes lustige Geschichichen: Der Buchhall-r eines GefchLflohauses in fitlbe86cim spielt- nun, wie so viele ander-, ein Viertelchen in der Braunschweiger Lotterie. Durch irgend einen Umstand mar bteB zur Äenntntj b<8 ©laatSonroaltS gelangt und unser Lotteri-spi-ler unter Anklage gestellt. Als der VerhanblungSt-rmin heranrückt-, erhielt ber Angeklagte, der mittlerweile nach Berlin versetzt war, eine Vor­ladung. um sich dem Gericht- in Hildesheim zur Aburtheilung zu stellen. In der Meinung, daß wegen dieser Bagatelle auch in seiner Abwefenh-it veihandelt werden würde unterließ er es sich zu stellen, hatte aber dabei die Rechnung ohne das neue P'oc-ßmrfahr-n gemacht. Eines schönen TageS erschien auf dem Comploir in Berlin een Criminalpottzist mit der rofarotb-n Einladungskarte, dem Haftbefehl,uri> ohne dem unglücklichen Lottert-spieler Zeit zu lassen, s-tnen Chef, der zu jener Zett gerade in Königsberg wellte, von seinem Geschicke in Keuntnlß setzen zu können ging es mit Dampf in polizeilicher Bedeckung ans und davon. In Stendal mufft. ber Unglücks­mensch, da nicht sofort ein Transporteur beschafft werben konnte, im Gefängnisse über­nachten und am anderen Tag- ging -S unter Begleitung w-ittr noch Hstd-Sheim wo er feinen Lohn für das Verbrechen des Spielens in der Braunschweiger Lotterie erhielt. Die Geschichte sollte aber noch ein Nachspiel haben. Als die Berhastung des Buch- Halles erfolgt und derselbe abgesührt war, telegraphii te -in Commis des Geschäfts an den abw-s-nd-n Cb-s na» Königsberg. Dieser der in der M-inung war, -S d°> dle sich vielleicht um einen Eingriff in die Kaffe, eilte mit dem Eourierzug nach Berlin, und da er hier die Ursache der Jnhafmobme feines Buchhalters nicht erfahren konnte, nach Hild-shttm um da hören zu müssen, daß der Unglücksmensch in bet - Braun- f»metßer ßotterle gipfelt »abt, $q$ ^r£m[er Wochenblatt- erzählt: AuS Dlet- manvS (Seitr! Rmettl) wirb und unter Bttheuerung ihrer Wahrhustt-keit folgende Begebenheit gschrieben: .Ein armer Häusler lag lod.krank im Bette und fein Web rüstete sich früh Morgens, im nahen Walde dürre« Holz zu suchen Der Mann spricht: .Geh' Wei. bleib' freut dahoam, mir is fterb'nSübel. Darauf das Weid: .I kann nct, i muaß fort; mit woS tfrat t denn im Winter etnhoaz'n? Wonnst sterb'n sollst, so stell t Dir do am Tisch 'n Wachtzftock hm und Zündhölzln a dazu: losch n aber beeorft ganz g'storb'n bist, guat aus. daß mit'n Feuer koan Unglück net g'ichiacht.^ AlS das Weib Abends nach Hause kam, war der Wachsstock zu Ende gebrannt Uub

ber srau] Als da« Dampssch ffW'lliam Hope" von

Dundee in ber stürmischen Nacht des 28. October in der Bucht von Aberbour strandete, zeichnete sich, wie uns aus London geschrieben wird, eine Mrs. Whyte, die Frau eines

Landarbeiters, beim Rettvngswerk ouS. Zwischen den Regen- und HageUchauern sah die Frau die Gefahr, in welcher das Schiff schw-bte und bemerkte die Stelle in der Bucht, wo es voraussichtlich auf die Felsen geratben würde. Sie eilte an s Ufer, ergriff das RcttungSsetl, welches die Schiffbrüchigen en'S Ufer schleuderten, band e8 ftcfr um den Leib unter großer Lebensgefahr und stemmte sich fest auf die Felsen, wahrend die Wellen schäumend um sie roßten. Auf diese Weise ermöglichte sie es der Mannschaft. anS Land zu fommc* und als der letzte Matrose am Trocknen war, führte sie dieselben tn ihre Hütte und gab ihnen Nahrungsmittel, soweit ihre Mittel es ihr erlaubten. Während dieser anstrengenden Rettungsarbeit hatte sie keine Hilfe.

- Eine Erbschaftsgeschichte, die den Vorzug für sich hat. daß sie wahr ist, spielt sich zur Rett tn Karlsruhe ab. Hier wurde ein Lumpensammler, NamenS Gugen- hetm. Vater von 6 Kindern und blutarm, in« Ministerium berufen und ihm daselbst eröffnet, daß er an ber Erbschaft eineS in England verstorbenen Verwandten Mr feine Person mit 6,000,000 JL betheiltgt sei. Ein sofort Überwiesener Vorschuß von 50,000 JL enthob den vor Erstaunen Sprachlosen jeden Zweifels.

[@tn Kraftmensch.) Vor dem CultuSminifter, seinen RSthen und fast sämmtlichen Turngrößen von Berl'n producirie sich am Montag Abend im großen Saale der Turnlehrer-BildurigS-Anstalt em Turn.Specialist, der Krastturner Herr Wobig, welcher alS Apostel ber nicht genug gewürbigten Hantel auftritt und an seinem lebendigen Beispiel zeigte zu welchen erstaunlichen Kraftleistungen man eS durch con- fcquente Hebung mit Hanteln bringen kann. Herr Wsbig stellt allerdings alle Leistungen sogenannter Athleten in den Schatten. Wie <m h-llentschen Gymnasium trat er bis zu den Hütten nackt auf, so daß man daS Spiel seiner herkulischen MuSkrln bewundern konnte. Zwei volle Stunden lang produc'rte sich Herr Wobig tn stets ge­steigerten Kraftleistungen, welche ihm jedesmal stürmischen Betsoll eintrugen. Für daS heitere Element sorgten die unglücklichen Figuren ber stärksten Turner, welche es ver­suchten. mit Herrn Wobig'S Hanteln z» operiren. Er begann mit Heben und Stemmen einer Hantel von 75 engl. Pfund, ohne Aufschwung, mit der rechten oder linken Hand. Dann arbeitet- er mit zweimal 75 Pfund, hieraus mit 103 und 75 Pfund, endlich mit 155 und 75 Pfund. Großartig war seine Leistung, zwischen 2 Stühlen mit Genick und Hacken hängend, zweimal 75 Pfund zwölfmal amzustemmen. Seine Experimente begleitete Herr B. mit steten Erkiärungen. Herr v. Goßler stellte an ihn zum Schluß eine Menge Fragen, welche Herr B. dabin beantwortete, daß er ftubtrter Pharmacmt. 38 Jahre alt, 1,66 Mir. groß sei und 195 Pfund wiege. Er esse täglich nur dreimal, trinke wenig Bier saft gar nicht, da e8 Fett gäbe, aber keine MuSkrin schwimme wöchentlich mindestens viermal und nehme wöchentlich einmal ein russisches Dampf- bed. Man beginne die Uebungcn am Besten mit 40 Pfund und übe wöchentlich drei­mal eine halbe Stunde. Es war schon 10 Uhr AdendS, al« Herr v. Goßler sich noch immer mit Herrn Wobig unterhielt, so hatte ihn das Gesehene gefesselt.

sHumor im Elend.) Hamburger Bettungen berichten über folgenden Fall. Eine Familie In Bergedorf sollte wegen rückständiger Abgaben gepfändet werden Der Er^cutionsbeamte fand nichts PfandbareS, nur zwei Schweine, an deren Schwänze er I einen Rettet band:Diese Schweine sind gepffinbet*, und sein Amtsstegel ebenfalls anbrachte. Der seitherige Eiaenthümer des Borstenviehs schlachtete jedoch die Thiere > und nagelte die gepfändeten Schwänze an die Stallthür.

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