Lokales.
G. Gießen, 15. October. (Sterblichkeit in Gießens Die Sterblichkeit war wahrend der Woche vom 5. bis 11. October eine sehr geringe, da sich überhaupt nur 2 Todesfälle ereigneten: Es wurden zwei Frauen betroffen, von denen die eine an Blutarmuth, die andere am Ktndbettfieber starb.
Vermischte S.
Grün berg, 10. October. Heute Abend kurz nach 5 Uhr zog ein von starkem Hagel begleitetes Gewitter über hiesige Gegend. In der Nähe der unteren Ziegelhütte wurde ein Baum vom Blitze getroffen.
Vom Feldberg tm Taunus, 13. October, wird geschrieben: Hier haben wir bereits etwa Vr Fuß Schnee und 5 Grad Kälte. In Folge dessen ist die Wirtschaft vom 15. d. M. nb für die Nacht geschloffen. Vom 15. d. M. ab wird auch die Poft geschloffen, womit der Verkehr hier ganz aufhört.
Frankfurt a- M, 13. October. Robert Flegel's jüngste Rückkehr auf heimischen Boden nach mehrjährigen Forschungen in Central-Afrika ist ein freudiges Ec- etgniß für alle Kreise, deren Streben darauf gerichtet ist, daß mit der Erschließung deS dunkeln Erdtheils Deutschland nun auch den ihm für alle seine Opfer gebührenden Antheil an der wtrthschastlichen Ausbeute Afrikas erhalle. Der berühmte Reisende hatte die Häuptlinge in dem vor ihm noch von keinem Europäer betretenen, reich gesegneten Lande Adamaua gebeten, ihm Vertreter zur Begleitung zu geben; um die Freundschaftsdienste erwidern zu können, die er dort genossen. Die beiden dazu Erwählten waren die treuesten Gefährten des Reisenden auf seinen gefahrvollen inner- afrikanischen Wegen. Es sind Maidugu Mohamman dan Mohamman mai gazin baki (Prinz Mohammed, der Sohn des Mohammed, der Bärtige) und Mohamman dan Abubeki dan Tambari (Mohammed, der Sohn des Abubekr, Sohn des Tambart); — in ihrem phantastischen Costüm, einem wetten blauen Burnus, rotheu Pumphosen und mächtigem Turban aus weißem Wollzeug mit farbigen Kanten bilden sie in ihrer würdigen Haltung prächtige Typen der Söhne deS tropischen Afrikas. In ihrer Begleitung fand Robert Flegel ein begeistertes Willkommen am 2. October in einer solennen Sitzung der Geographischen Gesellschaft zu Hamburg, wo er Über seine Reife- Erlebnisse berichtete, — zwei Tage darauf ward ihm in der Berliner Gesellschaft für Erdkunde nach seinem dort ebenfalls erstatteten Bericht die hohe Auszeichnung der Ernennung als Ehrenmitglied zu Thetl. Auch Frankfurt a. M. wird in den nächsten Tagen die Freude haben, unfern gefeierten Landsmann mit seinen afrikanischen Begleitern zu begrüßen. Auf Einladung deS Deutschen Colontal-VeretnS wird Robert Flegel nächsten Donnerstag den 16. d. M. im kleinen Concertfaale deS Saalbaues einen Vortrag über seine letzte Forschungsreise hatten, in welchem er insbesondere die Bedeutung deS Niger- und KamerunaebtetS, sowie -oeS zwischenliegevdeo, auf unser« Karten bisher nur als „weißer Fleck" erscheinenden Innern für Deutschlands überseeische Jntereffen eingehend behandeln wird. Wie es Flegel's Absicht ist, seinen getreuen Begleitern ein Bild der europäischen Einrichtungen und der Macht der Civilisation zu geben, damit sie ihrem Volke davon erzählen und dasselbe dadurch für fernere Handelsuuternehmungen günstig stimmen, so zeichnet Flegel vor vielen unserer Afrika- forscher ein hoher nationaler praktischer Gesichtspunkt aus, den er erst tm Sommer 1883 in einem öffentlichen Schreiben an die deutsche Nation dargelegt hat, nämlich den, daß endlich einmal die b!8 dahin der ganzen Welt zu Gute gekommenen geographischen Leistungen unseres Volkes auch kolonisatorische Früchte für unser Vaterland zeitigen sollen.
M a i n z, 14. Oct-, 9 Uhr Abends. (Die Feier zur Eröffnung de« Mainzer Centralbahn- hofs.j Während schon am Tage in dm Straßen ein festliches Wogen und Treiben herrschte und viele Häuser, besonders der Neustadt, tm Flaggeuschmuck prangten, Ist fett zwei Stunden der dem Bahnhof zunächst gelegene Thetl der Neustadt durch eine prachtvolle Illumination in ein wahres Lichtermeer verwandelt. Das Boulevard und die sich daranschlteßenden Straßen und Plätze sind mit Gutrlanden und Tausenden von Lampions durchzogen, unter welchen bet den Klängen dreier Musikchöre eine ungeheure Menschenmenge auf- und ntederwogte. Der Bahnhofsplatz, durch electrtsches Licht tageshell erleuchtet, bot einen prächtigen Anblick. Die in gerader Linie zum Bahnhofe führende Stcaßr ist mit einem riesigen Triumphbogen überspannt, der mit seinem reichen Wappen- und Flaggenschmuck und dichtem Waldesgrün gewiffermaßen die Ehrenpforte zum neuen Bahnhof bildet. Von den vielen prachtvoll illuminirten Gebäuden sei nur das HauS des Unternehmers der Bahnumführungsbautm, Herrn Arnoldi, erwähnt. Wohl an 2000 Lampen in farbigen Gläsern, beleuchten die HauS- facade. Das Portal des Tunnels glänzt in schönster Beleuchtung. Rechts und links entsteigen demselben die Göttinnen der Kunst und des ReichthumS, überragt von Merkur. Mitten aus dem schwarzen Tunnelmundloch entschweben demselben zwei Genien mit dem Ftrmazeichen der Hessischen Ludwigsbahn. Ein Wort der Anerkennung für das ganze großartige Arrangement verdient Herr Baumeister Zulehner. (F. Z.)
Wackernheim, 10. October. Heute Nachmittag war in hiesiger Gemarkung Ernst Krebs von Heidesheim auf der Jagd. Bei dieser Gelegenheit sah er einen schon älteren Mann, Namens Joh. Esch, für einen Hasen oder ein Wild an und feuerte einen Schuß auf denselben ab. Esch stand nämlich in gebückter Haltung und füllte seinen Saatkorb. Der größte Theil der Ladung ging in den Saalkorb und Esch erhielt Schrote in den Oberschenkel deS Beines und die Hand, welche schwer beschädigt ist und wodurch ein starker Blutverlust etntrat-
Berlin, 10. October. Das neueste industrielle Unternehmen, welches unserer Stadt bevorsteht, ist da« einer Regenschirmverleih - Gesellschaft. Durch dasselbe soll allen Denen, dir ihren Regenschirm vergessen haben und vom Regen überrascht werden, geholfen werden.
Eltville, 12. October. Heute Nachmittag um Vz5 Uhr wurde, wie dem „Rh. Cur." geschrieben wird, der Taglöhner Michael Rieth von hier unterhalb der früher Blomberg'schen Villa nahe dem Leinpfade ermordet aufgefunden. Ein in der betreffenden Gegend mit Rohrschneiden beschäftigter Mann aus Niederwalluf berichtete, daß Rieth vor zwei Verfolgern, von denen der eine mit einem Todtschläger, der andere mit einem langen Messer bewaffnet war, flüchtend hinter ihm Schutz gesucht habe, beim Herannahen derselben aber weiter geeilt sei, während er selbst beim Angriff der ungestümen und wüthevden Menschen das Weite gesucht habe. Rieth'S Leiche, welche hierher verbracht wurde, zeigt einen tiefen, klaffenden Stich, der, zwischen den Rippen hindurchgehend, die Lunge traf. Hoffentlich gelingt eS, die beiden Mörder, deren Persönlichkeiten dem Handwerker aus Niederwalluf wohl eingeprägt sein dürften, alSbald dinafest tu machen-
- Der .Magdeb. Zig.' schreibt man au8 GoSIar: Die regenreichen Tage del neuen OctobermonatS begünstigen besonders den KrammetSvogelfang in unseren Harzforsten, da bei trüber Zeit dieser Bogel bekanntlich am leichtesten in die Schlinge fällt. Unter den KrammetSvögeln, welche bei uns gefangen werden, versteht man im
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Rr. 24i2. Erstes Blatt. Donnerstag dm 16. October 1S84
Meßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
7. WW «MW we M
Darmstadt, 14. Octbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 7. Octbr. den Landrichter bei dem Landgerichte der Provinz Ober- heffen August Haller zum Landgerichtsrathe bei diesem Gerichte zu ernennen.
— Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 12. Octbr. dem katholischen Pfarrer zu Sprendlingen, im Kreise Alzey, Franz Joseph Reuter das Ritterkreuz 2. Klaffe des Ludewigs-Ordens zu verleihen.
ligte Personen hat heute begonnen. Dieselbe findet bei verschloffenen Thüren statt und wird voraussichtlich zwei Wochen dauern.
Telegraphische DepesHm.
SMfP» tslegr. C.oreesvondrnZ-'Brrreais«
Berlin, 14. October. Kronprinz Rudolf von Oesterreich trifft bereits morgen hier ein und nimmt im königliche Schlosse Wohnung. Prinz Wilhelm kommt morgen Vormittag von Potsdam zum Empfange des Kronprinzen hierher und begiebt sich Abends mit demselben nach Jbenhorst zur Elchwild-Jagd.
— Wie verlautet, soll die erste Sitzung des Staatsraths am 25. d. Mts. unter dem Vorsitze Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen im königlichen Schlöffe stattfinden.
Baden-Baden, 14. October. Se. Maj. der Kaiser nahm heute Vormittag die Vorträge des Mllitär- und Civilkabinets entgegen und besuchte Nachmittags die Ateliers der Maler Amberger, Corrodi, Welsch und Weiser im Künstlerhause, sowie das Atelier des Bildhauers Kopf. Das Diner nahm Se. Majestät heute mit den Großh. Herrschaften bei der Herzogin von Hamilton ein. Soweit bis jetzt bestimmt ist, gedenkt Se. Majestät am 20. d. Mts. von hier nach Sigmaringen abzureisen. Die Ankunft in Berlin dürste am 23. d. Mts. erfolgen.
Frankfurt a. M., 14. October. Die hiesige Handelskammer hat beschlossen, an den Reichskanzler Fürsten Bismarck eine Eingabe zu richten mit der Bitte, dahin wirken zu wollen, daß die Verletzung des egyptischen Liquidations-Gesetzes, sowie eine finanzielle Schädigung der egyptischen Gläubiger verhindert und weiteren Eingriffen in die Rechte der zahlreichen deutschen Gläubiger Egyptens vorgebeugt werde. — Die Handelskammer beschloß ferner, dem § 3 der Börsenordnung folgenden Zusatz zu geben: „Ausgeschloffen von den Börsenversammlungen werden Diejenigen, welche auf Täuschung berechnete Mittel, falsche Nachrichten rc. anwenden, um aus die Course einzuwirken."
Braunschweig, 14. October. Nach heute hier vorliegenden Meldungen war das Befinden des Herzogs gestern wiederum etwas besser.
Stuttgart, 14. October. Wie der „Staats-Anz." meldet, befindet sich der König in Behandlung des Wildunger Badearztes Marc, welcher sich in Friedrichshafen aufhält. Die Kur sei von vorzüglichem Erfolge begleitet und es lasse sich hoffen, daß mit Durchführung derselben die gründliche Wiederherstellung der Gesundheit des Königs erzielt werde.
Paris, 14. October. Das heute auSgegebene Gelbbuch enthält unter anderem eine Note oes Fürsten Bismarck an den Botschafter Baron Comcel vom 13. September, in welcher in Bezug auf die Besttzverhältniffe an der Westküste Afrikas bemerkt wird, Deutschland verfolge daS Ziel, für den deutschen Handel freien Zutritt in Afrika an solchen Gegenden zu haben, die noch von europäischer Herrschaft unabhängig sind. Die Note konstatirt das Einvernehmen der beiden Regierungen Über die wichtigsten Pritt- cipicn für dm afrikanischen Handel. Frankreich wie Deutschland seien in gleicher Weise von dem Wunsche geleitet, auf den Congo und Niger dieselben Principien anzuwenden, wie sie In Betreff der Donau zur Anwendung gelangt seien; eS sei außerdem nützlich, sich über die Formalitäten zu verständigen, die nöthig seien, damit die neuen Erwerbungen an der afrikanischen Küste als effektive angesehen werden könnten. Es erscheine endlich wünschenSwerth, daß beide Regierungen ihre Gesichtspunkte durch einen Notenaustausch in identischer Weise feststellen, und daß sie die übrigen an dem afrikanischen Handel intereffirten Cabinete einladen, sich über die getroffenen Stipulationen zu äußern. Baron Courcel antwortete hierauf in einer (nach dem heutigen „Figaro" mitgetbeilten) Note vom 29. September- In einer Note vom 30. September konstatirt Fürst Bismarck die Jdemität der Gesichtspunkte Frankreichs und Deutschlands über die verschiedenen Punkte, die in der Note vom 13- September hervorgehoben waren; es erscheine nunmehr nützlich, mit den Einladungen unverzüglich vorzugehen, damit die Conferenz noch im Laufe des October zusammentreten könne. Als die an dem afrikanischen Handel interessirten Mächte werden bezeichnet: England, Holland, Belgien, Spanien, Portugal und die Vereinigten Staaten Nord-Amerikas. Um eine allgemeine Zustimmung zu den Beschlüssen der Conferenz zu sichern, wird vorgeschlagen, außerdem alle Großmächte und die skandinavischen Staaten zur Conferenz einzuladen. Eine Note deS Baron Courcel vom 2. October spricht sich in völlig zustimmender Weise über die in den Depeschen des Fürsten BiSmarck enthaltenen Gesichtspunkte und Vorschläge au6.
— Die Sitzungen der Kammern sind heute ohne weitere Feierlichkeit wieder eröffnet worden. In der Kammer der Deputirten brachte der Marinemintster, Vice- Admiral Peyron, die Creditsorderung für Tongking im Betrage von 11 Mill. Francs ein. Die Vorlage wurde einer besonderen Commission Überwiesen. — Der KriegS- minister General Carnpenon, legte den Gesetzentwurf, betreffend die Organisation von Colonialtruppen, vor. — Die Berathung über die Interpellation deS Deputirten DeS Roys über dte WirthschaftSpolitik der Regierung ist auf den nächsten SamStag festgesetzt.
Petersburg, 14. October. Der Kaiser und die Kaiserin sind gestern Nachmittag nach Gatschina übergesiedelt.
— Die Gerüchte von bevorstehenden Veränderungen in der Besetzung höherer Staatsämter, insbesondere des Kriegsministeriums und des General- Gouvernements von Warschau, entbehren gutem Vernehmen nach jeglicher Begründung.
Rischny-Nowgorod, 14. October. Die kriegsgerichtliche Verhandlung gegen 72 an den Ausschreitungen gegen die Juden in Kunawino bethei-


