München, 14. März. Die hiesigen „Neuesten Nachrichten" sind ermächtigt, mitzutheilen, daß Baron v. Stauffmberg weder von seiner in Kaiserslautern aufgestellten Reichstags-Candidatur etwas weiß, noch gesonnen ist, solche anzunehmen.
Bremen, 14. März. Der vierte Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd „Eider", machte gestern eine Probefahrt mit einer Geschwindigkeit von 18Knoten. Die „Eider" ist gestern nach Bremen abgegangen, von wo sie am 19. März ihre erste Reise nach New-Jork antreten wird.
Pesth, 14. März. Den Blättern zufolge erfuhr die Polizei von einer beabsichtigten Action der Anarchisten, demzufolge 36 Anarchisten, darunter mehrere Frauen, verhaftet, viele Briefe, Schriften und Zeitschriften anarchistischen Inhalts saisirt wurden.
Paris, 14. März. „Temps" glaubt, die französischen Trrippen würden, nachdem sie Herren von Bacninh seien, nunmehr auf Thainghnien und Sangson marschiren, deren Occupation zur Schaffung einer geeigneten Grenze nothwendig sei. — „France" meldet: Die französische Regierung beschloß, über Obok Souveränetätsrechte auszuüben. — Die Convention zum Schutze unterseeischer Kabel wurde heute hier unterzeichnet.
— Ein Telegramm Millot's aus Phanghao vom 12. ds. besagt: Wir traten heute Früh den Marsch nach Bacninh an. Die erste Brigade ging über den Chi und nahm die durch fünf verschiedene Schanzenmerke vertheidigten Höhen von Tsungson. Die zweite Brigade ging, von der Flottille unterstützt, Songkau hinauf und bemächtigte sich rasch der Vertheidigungswerke Bat, Buoe und des Sperrwerks Laobuoi und trieb den Feind auf die Höhen von Dapcau, wo eine combinirte Bewegung begann. Alle Operationen bis in die Einzelheiten glückten. Der Feind hat sich vollständig umgangen und floh. Die Truppen marschirten tratz großer Schwierigkeiten bewunderungswürdig.
London, 14. März. Wie aus Suakim vom 13. ds. gemeldet wird, werden die englischen Truppen morgen nach Suakim zurückkehren, die Feindseligkeiten werden als beendet angesehen. Die Verluste des Feindes in der Schlacht werden aus 4000 Todte und 6000 Verwundete geschätzt.
Nom, 14. März. Der König erhielt zum heutigen Geburtstage ein warmes Glückwunsch-Telegramm des deutschen Kaisers.
Kairo, 14. März. Die diplomatischen Agenten Frankreichs und Italiens ließen heute dem Ministerium des Aeußern eine identische Note zugehen, in welcher die Zahlung der Entschädigungen für das Bombardement und die dadurch verursachten Brände in Alexandrien aus's Neue verlangt wird. — Die telegraphische Verbindung zwischen Shendy und Khartum ist wieder unterbrochen.
— Die Verluste der Engländer in der gestrigen Schlacht bestehen, soweit bis jetzt bekannt, in 100 Tobten und 150 Verwundeten; diejenigen des Feinoes werden auf 4300 Todte und mehrere Tausend Verwundete angegeben. Die Dörfer Hanoi, Tarnay und Tabanib sind niedergebrannt. Osman Digma hat sich in die Berge zurückgezogen. Die englischen Truppen kehren schleunigst nach Suakim zurück.
Lokales.
Gietzen, 15. März. Bei der heute unter dem Vorsitze des Herrn Geh. Oberschulraths Dr. Becker abgehaltenen Abiturienten - Prüfung in der Realschule wurden 14 Ober-Primaner geprüft nnd sämmtlich als bestanden erklärt.
Gieße«, 14.März. fTheater. — Gastspiel des Herrn Julius Fiala.s Ist „Narciß" wirklich für uns so interesselos, wie literarische Puritaner es behaupten d Die Tragödie erfüllt allerdings nicht die höchste ästhetische Fo-oerung, den Steg einer höhern sittlichen Idee um dadurch reinigend und läuternd aus uns zu wirken, was uns seit Aristoteles nun einmal unerläßlich erscheint- Denn der Kampf gegen die Jvtriguen einer innerlich faulen Gesellschaft wird vom Anwalt des sittlichen Prtnctps nicht, durch innere Nothwendtgkeit getrieben, etngeleitrt und durchgesührt, sondern vollzieht sich, indem auf beiden Seiten dieselben unstttlich-n Mittel gebraucht werden: Narciß ist ein Trumpf, den List gegen List ausgespiell. Allein "wenn man so streng bei der Forderung der Basis, wie sie Aristoteles vorgezeichnet, beharren will, wie viel Stücke blieben dann noch außer den wenigen klassischen aller Nationen übrig, die wir uns ohne Versündigung gegen den großen griechischen Dramaturgen absehen können? Und ist nicht „Narciß" ohnedies hochinteressant als Zeitgemälde? Ist nicht die Schilderung der höfischen Gesellschaft jener Epoche sehr fessilnd? Sind nicht wenigstens, wenn schon der Ausstieg zur höchsten Idee unterbleibt, die Fäden der Jntrigue außerordentlich geschickt gesponnen? Und ist nicht vor Allem der Titelheld eine durch und durch interessante Figur? Sein Skepttcismus, wann fände er nicht in unserer Brust seinen Widerhall? Sein Pessimismus, — wer unter uns sich ganz frei davon fühlt, der hebe den ersten Sten aus Nrncß! Kommt nun dazu ein Künstler, der all' die widerspruchsvollen, immer aber interessanten Seiten dieses Charakters zu einem fesselnden Gesammtbilde zu vereinigen und dieses Bild mit den ausgezeichnetsten Requisiten seiner Kunst mit glaubwürdiger Lebenswahr heil auszustatten weiß, dann dringt man sich, wenn man dem Theater fern bleibt, um einen hohen Genuß.
Herr Julius Fta la ist, sc-tdcm wir ihn zuletzt gesehen, in seinem künstlerischen Schaffen nicht stehen geblieben. In der Beherrschung seiner Mittel, in der Ausbildung des mimischen Elementes, in der Ausnutzung des Stimmmaterials ist der unablässig an sich arbeitende Künstler nachgerade auf dem Höhepunkte seiner Kunst angelangt. In dec Verinnerlichung seines Studiums weist er sich vorzüglich aus über den Besitz echten und vollen künstlerischen Empfindens, das bis auf den Grund der Seele hinab- zustetgen liebt. Herr Ftala bot etwas Außerordentliches und das Haus dankte ihm durch stürmischen Beifall und Hervorruf.
Es wäre nicht ganz zutreffend, mit Bezug auf die Darstellung von besonders hervorstechenden Momenten zu sprechen, denn sie bewegte sich fast durchgängig auf gleicher Höhe. Aber da der Dichter an gewissen Punkten dem Darsteller doch Gelegenheit gibt, in der Wirkung tiefer zu gehen, so seien auch hi-r die Situationen erwähnt. Da ist zunächst die berühmte Pagodenscene, welche in ihrer tiefen, erschütternden Ironie zu packender Geltung gebracht wurde. Vorher hatte der Künstler in der Erzählung des zweiten Actes herzergreifende Töne anzuschlagen gewußt. Mit elementarer Gewalt zündete die Theaterprobe zu Ende des vierten ActeS, in welcher Narciß, aus bloßem Spiel in furchtbaren Ernst hinübergleitend, seinem verzweifelten Schmerze Aasdruck gibt. Endlich war im fünften Acte die Eikcnnungsscene von mächtigem Eindruck und das triumphirende, aus dem Innersten der Brust bervorströmende, jubelnde: „Mein Weib I" wird dem Zuschauer nicht minder unvergeßlich sein als das entsetzte -iurück- schaudern des Narciß vor — Marquise Pompadour.
Die Darstellung des Stückes war im Ganzen eine anerkennenswerthe. Fräulein Pögner I. war eine treffliche Pompadour und oer Hervorruf nach der Scene mit Choiseul und zum Schluß ein wohl gerechtfertigter. Sie lieh der Gestalt jenen flug der Geistesgröße und imponirenden Hoheit, welche wir nun einmal als die inhärirenden Eigenschaften einer „Pompadour" betracht-m. Auch Fräulein Kohrs en I. spielte die Doris Quinault mit Anmuth und edler Wärme. Die übrigen Mitwirkenden fügten sich angemessen in den Zusammenhang. 8
Vermischt-».
— Ein Bürger in Fr ei waldau bei Sagan feiert am 22. März seinen 100. Geburtstag. Er gedenkt dem Kaiser Wilhelm persönlich zum 87. Geburtstag zu gratuliren. Die zwei Stunden von seinem Heimathorte bis zur nächsten Bahnstation wird er zu Fuße zurücklegen. '
„ Pool>10. März. Im Kflrdale-Gefängniß wurde heute ein 18jähriger
Barsche Namens Michael Maclean, welcher wegen Ermordung eines spanischen Matrosen
lum Tode verurtheilt worden, durch den Strang bingerichtet. Auf dem Schaffst hielt der Verurtheilte eine kurze Ansprache an die anwesenden Zettungsbertchterstatter, worin er seine Unschuld betheuerte. Der Henker Binns verrichtete seine Arbeit wieder so schlecht, daß der Tod erst nach 13 Minuten eintrat.
Boston. Der Capitän des gffchetterten Dampfers „City of ColumbuS", mit welchem am 18. Januar 100 Personen untergtngen, wurde von dem Seegertcht für schuldig befunden, das Unglück herbeigesührt zu haben. Seme Navigationslicerz wurde ihm entzogen.
— sJung-Amerika.j John: „Weißt du schon, daß wir einen neuen Papa be- kommensoüen?" Charlie: „Wieso?" John: „Mamawill wieder hetrathen." Charlie: „Wen denn?" John: „Den alten Mr. Simpkirs, der mir noch nie Candy mitgebracht Hot." Charlie: „Der soll unser Papa werden?" John: „Ja, derselbe." Charlie: „Geschieht ibm ganz recht."
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Die Geschäfte der itn Jahr 1830 gegründeten und auf reiner Gegenseitigkeit beruhenden Lebensversicherungs-Gesellschaft zuLeipzig nehmen auch in dem laufenden Jahre einen erfreulichen Fortgang Es wurden im Januar und Februar zusammen 558 Versicherungen mit 3262100 Versicherungssumme bei ihr abgeschlossen, 134 Versicherungen mit 785800 JL Versicherungssumme mehr als in derselben Zeit des Vorjahrs- Die genannte Gesellschaft hat seit ihren: Bestehen 37 Millonen Jl. für durch Tod oder Erleben des Auszahlungstermins fällig gewordene Versicherungssummen ausgezahlt und den Versicherten 13348588 «X als Dividende zurückgewährt.
Unseren verehrten Leserinnen glauben wir einen Gefallen zu erweisen, wenn wir wiederholt auf eine Erfindung aufmertsam machen, die in verhältnißmäßig kurzer Zeit größte Beliebtheit gefunden hat und für jede Hausfrau von hohem Werthe sein wird.
Bekanntlich wurden seit einigen Jahren Vorhänge, Spitzen und Rüschen nicht mehr in weißer, sondern in Creme-Farbe gekauft. Bedurften diese Stoffe einer Wäsche, so mußte man solche mit weißer Stärke, der Kaffeesatz, Thee, Safran, Ocker rc. beb gemischt war, wieder färben. Dieses Verfahren war eben so umständlich und zeitraubend als auch kostspielig und wurden die Stoffe oft total verdorben.
Der Reis-Stärke-Fabrik Drumm & Co. in Kaiserslautern ist es (laut umst. Anzeige).nun gelungen, eine Creme-Stärke herzustellen, deren Anwendung obige Mißstände nicht nur beseitigt, sondern die es Jedermann gestattet, sich Creme-Farben ohne Mühe und billig herzustellen.____________________________________________
Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen
Aufgebote.
März: 8. Taglöhncr Heinrich Heller, Wittwer, mit Karoffne Margarethe Ruppert, Tochter des Droschkenkutschers Heinrich Ruppert zu Gießen. 10 Schreiner Karl Wilhelm Schneider zu Gießen mit Margarethe Schwalb, Tochter beS Schmiedmeisters Heinrich Schwalb zu Staufenberg. 10. Metzger Karl Georg Emil Unkel mit Louise Katharine Karoline Weiß, Tochter des verstorbenen Bäckers und Gastwirths Georq Philipp Weiß zu Biedenkopf. 10. Kaufmann Moritz Strauß mit Betichen Katz Tochter des verstorbenen Handelsmanns Michael Katz zu Güßen. 13. Der Fürst!. Waldeckische Sanitätsrath Dr. med. Otto Karl Ferdinand Wilhelm Heinrich Emil Tbilenius zu Gießen mit Karoline Sophie Agathe Charlotte Flora Johanna Aleield, Tochter des Herzoglich Nassauischen Hosraihs Dr. med. Johannes Wilhelm Emil Alefeld zu Wiesbaden.
Eheschließungen.
März: 8. Schreiner Gustav Adolf Gävffch mit Gertrude Konrad, geb. Endlein, Wiitwe des Arbeiters Heinrich Konrad zu Gießen. 10. Hilfsbremser Johannes George mit Margarethe Barbara Opper, Tochter des Arbeiters Friedrich Opper II. zu Gießen.
Geboren«.
März: 2. Ein Sohn von auswärts, Heinrich. 3. Dem Bäcker Karl Heidt ein Sohn. 5- Dem Wirth Wilhelm Nassauer ein Sohn. 8. Dem Kapellmeister am Stadt, theoter dahier Alfred Searle ein Sohn, Victor Richard Willy 7. Eine Tochter von auswärts. 7. Dem Schreiner Rudolf Kutzer eine Tochter, Lina Auguste. 7. Dem Fuhrunternehmer Louis Adam eine Tochter, Martha Minna. 8. Dem Taglöhner Friedrich Lesch ein Sohn. 9. Dem Arbeiter Karl Kran, Zwillingstöchter, Christine Philivpine und Johanna Hermine. 9. Dem Hüttenarbeiter Heinrich Wendland eine Tochter.
Gestorben«.
März: 6. Johann Heinrich, 3Jabre alt, Sohn dcS Taglöhners Henrich Seng. 7. Franz Karl, 6 Jahre alt, Sohn des verstorbenen Ferdinand Schermuly von Offenbach a. M. 8. Clara Auguste, 4 Monate alt, Tochter des Kaufmanns Ernst Blödner. 8. Elisabethe Klee, 49 Jahre alt, von Rödgen, Kreis Friedberg. 8. Marie Claus, geb. Döpper, 84 Jahre alt, Wiitwe des Häfnermeisters Hermann Claus. 10. Schuhmacher Balthasar Vetzberger, 31 Jahre alt. 12. Henriette Katharine, 7 Monate alt, Tochter des Bäckermeisters Wilhelm Lange. 12. Christine Schäfer, geb. Schmand, 33 Jahre alt, Ehefrau des CigarrenmacherS Heinrich Schäfer II. 12. Weber Johannes Schüler, 19 Jahre alt, von Stockhausen. 13. Mathilde Petri, geb. Höpfner, 50 Jahre alt, Wittwe de8 Weißbtndermeisters Friedrich Martin Petri. 13. Anna Horst, 17 Jahr- alt, von Groß-Eichen. 14. Karl August, 4 Monate alt, Sohn des Tapeziers Wilhelm Thomas Brandt. 14. Die Erzieherin Karoline Johanna Charlotte Ullmann, 38 Jahre alt, von Berlin.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 10. März. Johann George, Htlfsbremser zu Gießen, nnd Magarethe Barbara Opper, ledige Tochter des Arbeiters Friedrich Opper II. zu Gießen.
Getaufte.
Den 9. März. Dem Bahnarbeiter Wilhelm Samm ein Sohn, Heinrich, geb.
3. Februar.
Denselben. Dem Maurer Heinrich Roth V. eine Tochter, Paula Marie, geb.
29. October 1883. 8
Denselben. Dem Schlossermeister Eduard Nagel ein Sohn, Heinrich Valentin, geb. 20. Februar.
Denselben. Dem Sattler Friedrich Kühne ein Sohn, Friedrich Heinrich Carl, geb. 1. Februar.
Denselben. Dem Schlossermeister Heinrich Ludwig Tllbus ein Sohn, Htinrich Carl Jean Christoph Otto, geb. 17. Januar.
Denselben. Dem Grotzh. Gymnasiallehrer Dr. Pster Dettwetler eine Tochter, Marte, geb. 20. Januar.
Denselben. Dem Steiger Johannes Appel eine Tochter, Anna Mathilde, geb.
2. Februar.
Denselben. Dem Schlossermetster Carl Graf eine Tochter, Marie, geb.
17. Januar.
Denselben. Dem Ctgarrenarbeiter Justus Noll ein Sohn, Ludwig, geb.
3. Januar.
Denselben. Ein außerehelicher Sohn, Johannes Jultto Wilhelm, geb. 25. Februar.
Den 14. März. Dem Mtzgermetster Ludwig Pirr ein Sohn, Ernst Ludwlz Wilhelm, geb. 22. Februar.
Beerdigte.
Den 8. März. Margarethe Brand, geoorene Schnepp, Ehefrau des TapezierS Wilhelm Brand, alt 23 Jahre, starb 6. März.
Denselben. Margarethe Huhn, geborene Hoffmann, Ehrfcau des Snlermeisters Adam Huhn, alt 65 Jahre, starb 6. März.
Den 11. März. Marte Claus, geborene Dapper, Wittwe des Häfnermeisters Hermann Claus, alt 84 Jahre, starb 8. März.
Den 13. März. Balthaser Vetzberger, Taglöhner, alt 32 Jahre, starb 10. März.
Den 14. März. Christine Schäfer, geborene Schmandt, Ehefrau des Cigarrenmachers Heinrich Schäfer II., alt 33 Jahre, starb 12. März.
Denselben. Mathilde Petri, geborene Höpfner, Wittwe des WeißbtndermetsterS Fr. Martin Petri, alt 50 Jahre, starb 13. März.
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